Der "Wettlauf zum Hunderter" im ÖFB-Team

Der Foto: © GEPA
 

Das Bild, das diese Meldung ziert, zeigt Julian Baumgartlinger (Rumänien 2009), Aleksandar Dragovic (Serbien 2009) und Marko Arnautovic (Färöer 2008) jeweils bei ihrem Nationalteam-Debüt.

Genau wie David Alaba, der ebenfalls 2009 seinen A-Team-Einstand feierte, zählt das Trio zu den bestimmenden Persönlichkeiten des vergangenen Jahrzehnts im österreichischen Fußball.

Wie einige andere Mitglieder ihrer Generation haben sie ihren Fixplatz in der ÖFB-Geschichte bereits sicher. Dies schlägt sich inzwischen auch schon längst statistisch nieder.

Arnautovic und Dragovic liegen mit 85 Länderspielen gleichauf auf Platz fünf der ewigen Einsatz-Rangliste des ÖFB, Baumgartlinger hat in Luxemburg als erst zehnter ÖFB-Kicker die Marke von 80 Länderspielen erreicht.

Dass David Alaba am Sonntag gegen Nordirland mit seinem 75. Länderspiel ein Jubiläum begehen wird, rundet das Bild ab.

Keine Frage: Der "Wettlauf zum Hunderter" ist in vollem Gange.

Dragovic hat es im "Hinterkopf"

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

In der rot-weiß-roten Historie ist es mit Andreas Herzog erst einem Spieler gelungen, die Schallmauer von 100 Länderspielen zu durchbrechen. Der Rekordinternationale beendete seine Laufbahn mit 103 A-Team-Einsätzen.

Dragovic, der seinen 30. Geburtstag noch vor sich hat, ist alleine altersbedingt zuzutrauen, dass er Herzogs Bestmarke gefährdet und zuvor auch den Hunderter knackt.

Angesichts der potenziell hohen Anzahl an Länderspielen 2021 könnte es rein theoretisch sogar schon im kommenden Jahr so weit sein.

"Natürlich hat man es irgendwo im Hinterkopf, aber ich versuche einfach, bei jedem Lehrgang dabei zu sein. Natürlich macht es mich stolz, was ich bis jetzt ereicht habe. Denn als kleines Kind hätte ich nie gedacht, dass ich einmal im Nationalteam sein werde, und jetzt halte ich schon bei 85 Länderspielen", erklärt Dragovic.

Der "Marathon-Mann"

Die Ansage, zu versuchen, bei jedem Lehrgang dabei zu sein, ist übrigens keine der üblichen Floskeln sondern Tatsache.

Der Öffentlichkeit ist womöglich gar nicht bewusst, dass der Innenverteidiger letztmals im September 2011 nicht für einen Lehrgang nominiert war - dabei handelte es sich um die beiden finalen Länderspiele unter dem damaligen Teamchef Didi Constantini gegen Deutschland und die Türkei.

Top 20 der ewigen ÖFB-Einsatz-Rangliste:

Platz Name Länderspiele
1. Andreas Herzog 103
2. Toni Polster 95
3. Gerhard Hanappi 93
4. Karl Koller 86
5. Marko Arnautovic 85
. Aleksandar Dragovic 85
7. Friedl Koncilia 84
. Bruno Pezzey 84
9. Herbert Prohaska 83
10. Julian Baumgartlinger 80
11. Christian Fuchs 78
12. David Alaba 74
13. Sebastian Prödl 73
14. Marc Janko 70
15. Hans Krankl 69
. Andreas Ivanschitz 69
17. Heribert Weber 68
. Martin Harnik 68
19. Peter Stöger 65
20. Walter Schachner 64

In den folgenden neun Jahren wurde Dragovic von Marcel Koller und Franco Foda zu jedem Lehrgang eingeladen, und er reiste auch tatsächlich zu jedem an - keine Absage wegen Verletzungen oder anderen Gründen.

Was man - außer offenkundiger Lust aufs Nationalteam - mitbringen müsse, um solche eine "Marathon-Serie" zu starten?

"Man muss verletzungsfrei bleiben. Natürlich muss man auch Glück haben, dass man nie während eines Lehrgangs verletzt war. Aber ich freue mich einfach jedes Mal zum Nationalteam zu kommen. Für mich ist es ein Privileg, das Trikot anzuziehen, und ich hoffe, dass ich das noch ein paar Jahre machen kann."

Arnautovic "umschnitzen"

Bleibt "Drago" noch ein paar Jahre Stammkraft, wird sich die Sache mit dem Hunderter relativ einfach abhaken lassen. Fragt sich nur, wer den "Wettlauf" gewinnt.

"Für mich ist es ein Privileg, das Trikot anzuziehen, und ich hoffe, dass ich das noch ein paar Jahre machen kann."

Aleksandar Dragovic

Arnautovic, auf den Dragovic in diesem Herbst ordentlich Boden gut gemacht hat, feiert sein Comeback und rückt am Samstag in den Kader ein.

Wie man verhindern könne, dass "Arnie" vor ihm 100 Länderspiele (ein erklärtes Ziel de China-Legionärs) erreicht?

"Ganz einfach: Im Training umschnitzen", scherzt Dragovic.

Je mehr Erfolg, desto mehr Länderspiele

So statistisch reizvoll diese Thematik für die Öffentlichkeit ist und so sehr es den persönlichen Ehrgeiz von Teamspielern fördert, so sehr gilt es auch die Einschränkungen der Protagonisten zu verstehen, dass es im ÖFB-Lager Wichtigeres gibt.

"Die Mannschaft steht im Vordergrund", stellt Dragovic klar, "es ist nicht wichtig, wer 100 Länderspiele hat. Es können auch andere Spieler wie Baumgartlinger oder Alaba auf 100 kommen. Deswegen mache ich persönlich mir da keine Gedanken, sondern will einfach so lange wie möglich dabei sein. Dann wird man am Ende sehen, was raus kommt."

Den Erfolg der Manschaft sieht mit Baumgartlinger auch ein weiterer Kandidat als oberste Priorität. Denn tritt dieser ein, würden die statistischen Begleiterscheinungen automatisch kommen.

Seine einfache Rechnung: Je mehr Erfolg, desto mehr Spiele.

Es braucht glückliche Momente

Während das ÖFB-Einsatz-Ranking mit Ausnahme von Gerhard Hanappi und Karl Koller lange überwiegend von Mitgliedern der 78er und 98er dominiert wurde, tauchten im Spitzenfeld zuletzt immer mehr Namen aus der aktuellen Generation auf, auch wenn sie teilweise nicht mehr das ÖFB-Dress tragen.

"Wenn wir uns als Mannschaft immer mehr Länderspiele bescheren, wird es auch immer mehr Spieler geben, die in den Rankings aufsteigen."

Julian Baumgartlinger

"Wenn wir kontinuierlich gut arbeiten und uns regelmäßig für Großereignisse qualifizieren, ist die automatische Konsequenz, dass wir mehr Länderspiele haben. Wenn wir uns als Mannschaft immer mehr Länderspiele bescheren, wird es auch immer mehr Spieler geben, die in den Rankings aufsteigen. Das haben wir uns erarbeitet."

Dies ist die Mannschafts-Sicht. Wie ist Baumgartlingers persönliche Sicht? Als nächstes macht er schließlich "Jagd" auf eine Allzeit-Größe wie Herbert Prohaska (83 Länderspiele).

"Wir alle stellen die Mannschaft und den Teamgeist über alles, aber wenn man eine ruhige Minute hat und sich das durch den Kopf gehen lässt, ist es natürlich etwas Besonderes. Ich weiß das sehr wohl zu schätzen und weiß auch, was alles gut laufen muss, wie viel glückliche Momente in einer Karriere man braucht, und dass man vor allem Gesundheit braucht, um überhaupt dahin zu kommen."

Denn: "Es gibt viele Spieler, die vielleicht auch viel mehr Länderspiele gemacht oder eine ganz andere Karriere gehabt hätten, wenn sie mit mehr Gesundheit gesegnet gewesen wären. Insofern macht es mich sehr stolz, im vorgerückten Fußballer-Alter, in dieser Position zu sein."

Was Baumgartlinger als überheblich empfindet

Der 32-Jährige ist mittlerweile seit über vier Jahren Kapitän des Nationalteams und als solcher nicht nur Sprachrohr, sondern auch kritisches Korrektiv, wenn es um Fehleinschätzungen geht.

Die jüngste Debatte nach dem Luxemburg-Test bezüglich A-, B- oder C-Elf ordnet der Routinier entsprechend als "ein bisschen überheblich" ein.

"In einer Phase, in der wir für österreichische Verhältnisse erfolgreich sind, muss es in meinen Augen sogar ein Zeichen der Stärke sein, wenn man zu den ganzen Legionären immer noch Spieler aus der eigenen Liga dazu zieht, die vom Niveau her nicht abfallen."

Julian Baumgartlinger

Baumgartlinger streicht in diesem Zusammenhang hervor, wie viele Vereine Österreich in der Champions League und der Europa League in die Gruppen-Phase gebracht habe. Entsprechend sei auch das Spieler-Reservoir größer geworden.

"Man sollte Respekt davor haben, wie viele Spieler auf diesem Niveau sind, ohne einmal mit der Mannschaft zu trainieren, ohne die Formation zu kennen oder die Prinzipien länger einstudieren zu können", verdeutlicht Baumgartlinger und meint weiter:

"In einer Phase, in der wir für österreichische Verhältnisse erfolgreich sind, muss es in meinen Augen sogar ein Zeichen der Stärke sein, wenn man zu den ganzen Legionären immer noch Spieler aus der eigenen Liga dazu zieht, die vom Niveau her nicht abfallen, sondern vielleicht sogar aufzeigen und einfach nur die Chance brauchen, den nächsten Schritt zu machen."

Die richtigen Schritte zum Führungsspieler

Eine Chance, wie sie Baumgartlinger 2009 als Spieler von Austria Wien bekommen hat.

"Man darf nicht vernachlässigen, welchen Boost in der Leistung und welches Selbstvertrauen es geben kann, wenn man ein A-Team-Spiel bekommt und spürt, die Möglichkeit zu haben, sein Spiel auf ein neues Level zu heben. Das habe ich selber erlebt. Als ich als Austria-Spieler Nationalspieler geworden bin, hat mir das gezeigt, dass das der nächste Step ist. Der nächste Step ist dann, sich zu beweisen, der wieder nächste Step ist, Führungsspieler zu werden."

79 weitere Länderspiele später ist Baumgartlinger schon lange im Stadium des Führungsspielers angekommen.

Und auch in der Einsatz-Statistik wird es noch einige Plätze weiter nach vorne gehen. Egal ob es wichtig ist oder nicht.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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