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Die ÖFB-Stürmer-Situation: Signal und Inspiration

Entrup zeigt, wie schnell es gehen kann und dass Rangnick weiter ein Suchender ist, was die Rollen hinter den Top-3 betrifft. Eine Bestandsaufnahme:

Die ÖFB-Stürmer-Situation: Signal und Inspiration

Nein, dies ist keine Stürmer-Problem-Story.

Das ÖFB-Team musste in den vergangenen Jahren schon kniffligere Personal-Fragen an vorderster Front beantworten.

Sind alle fit, kann Teamchef Ralf Rangnick zwischen bewährten Angreifern aus der Serie A, der deutschen Bundesliga und der Premier League wählen.

Dazu drängen sich neuerdings auch Kandidaten aus der heimischen Bundesliga immer vehementer auf.

Nach wie vor ein Suchender

Dies heißt im Umkehrschluss jedoch auch nicht, dass Fußball-Österreich in Sachen Stürmer absolut sorgenfrei ist. Ganz im Gegenteil.

Ein Aspekt der Einberufung von Maximilian Entrup in den Nationalteam-Kader ist durchaus auch, dass Rangnick an vorderster Front sehr wohl nach wie vor auch ein Suchender ist.

Gerade der Länderspiel-Herbst hat gezeigt, wie schnell es gehen kann.

Nachdem der Serie-A-Legionär und jener aus der deutschen Bundesliga beim September-Lehrgang noch geglänzt haben, fielen sie im Oktober verletzungsbedingt aus. Der Premier-League-Stürmer war nach langer Verletzungspause noch nicht bereit für zwei Länderspiele von Anfang an und schon galt es zu improvisieren.

Die Top-3

Mit Manprit Sarkaria musste im Gipfel gegen Belgien eine auf Nationalteam-Ebene zuvor ungeprüfte Option von Beginn an ran. Für das Gastspiel in Aserbaidschan erklärte Routinier Guido Burgstaller seinen Rücktritt vom Nationalteam-Rücktritt und legte einen mit Gelb-Rot bedachten Kult-Auftritt hin.

Da es gut gegangen ist, lässt sich dies flapsig aufschreiben. Hätte das Nationalteam die EM-Quali in Baku jedoch nicht fixiert, wäre die rot-weiß-rote Stürmer-Dichte womöglich sehr wohl ein intensiver diskutiertes Thema gewesen.

Tabelle: Die Vereins-Ausbeute 23/24 der ÖFB-Kandidaten:

Name Verein Einsätze Minuten Tore Liga Cup Europacup
Maximilian Entrup Hartberg 11 844 11 8 3 -
Manprit Sarkaria Sturm 16 1.143 3 3 - -
Sasa Kalajdzic Wolverhampton 10 252 3 2 1 -
Michael Gregoritsch Freiburg 13 482 - - - -
Marko Arnautovic Inter 8 253 - - - -
Auf Abruf:
Andreas Gruber Austria 21 1.602 12 8 1 3
Robert Zulj LASK 20 1.775 9 6 - 3
Guido Burgstaller Rapid 13 1.025 7 5 1 1
Benedikt Pichler Kiel 15 1.045 6 5 1 -
Ercan Kara Samsunspor 7 321 1 1 - -
Junior Adamu Freiburg 13 251 1 - - 1

Als Gegenwarts-Fakt lässt sich wohl folgende Feststellung mehrheitlich unterschreiben: Gut, dass Marko Arnautovic, Michael Gregoritsch und nun wieder Sasa Kalajdzic zur Verfügung stehen.

Stimmt schon, es ist noch nicht die Vereins-Saison von Arnautovic und Gregoritsch, die bei Inter und dem SC Freiburg noch ihrem ersten Saison-Treffer hinterherlaufen, beide wurden jedoch auch von Verletzungsproblemen aus dem Rhythmus gebracht.

Minuten in Estland?

Beide trafen jedoch auch beim September-Lehrgang doppelt (Arnautovic in Schweden, Gregoritsch mit je einem Tor gegen Moldawien und Schweden), was ihren Wert für das ÖFB-Team unterstreicht.

Für beide waren es somit auch die bislang einzigen Herbst-Treffer. Und beide können Einsatzminuten gut gebrauchen, selbige würden sich in Estland ganz gut sammeln lassen.

Auf denselben Gedanken könnte man jedoch auch bei Kalajdzic kommen, der zwar erst 252 Vereins-Minuten in den Beinen hat, für Premier-League-Verein Wolverhampton aber immerhin schon drei Mal angeschrieben hat.

Dass Arnautovic mit dann 35 Jahren nicht jünger wird, muss man natürlich erwähnen, aber aus heutiger Perspektive lässt sich jedoch doppelt und dreifach unterstreichen, dass es Österreich gut tun würde, wenn alle drei international erprobten Stürmer bei der EURO fit und bestenfalls dann auch in Schwung sind.

Es kann relativ flott gehen

Was wenn nicht? Dann heißt es womöglich kreativ zu werden beziehungsweise auf einen formstarken Striker zu hoffen, wie er in den vergangenen Wochen und Monaten mit Entrup aufgetaucht ist.

Der Hartberg-Goalgetter ist der Beweis, dass man es im Fall der Fälle sogar relativ flott vom Regionalliga-Kicker ins A-Team schaffen kann. Solche Shooting-Star-Geschichten sind wunderbar, zeigen jedoch auch, dass die Dichte an regelmäßig treffenden Stürmern in Rot-Weiß-Rot nicht groß genug ist.

Wie sich der 26-Jährige auf internationaler Bühne schlägt? Man weiß es nicht.

Zuzutrauen ist ihm angesichts seines Laufs vieles - auch er gehört fraglos zu den spannendsten Personalien dieses Lehrgangs. Insofern wäre es durchaus wünschenswert, wenn er sich Einsatzzeit in Estland oder gegen Deutschland erkämpft.

Fünf Stürmer im Kader, sechs auf Abruf

Alles in allem hat Rangnick fünf Stürmer ins Aufgebot nominiert und mit Andreas Gruber, Robert Zulj, Guido Burgstaller, Benedikt Pichler, Ercan Kara und Junior Adamu weitere sechs Kandidaten auf Abruf.

Dies macht insgesamt elf Torjäger, von denen vor allem jene aus der heimischen Bundesliga in dieser Spielzeit bislang Torriecher bewiesen haben - die Ausnahme Pichler, bei Holstein Kiel in der 2. deutschen Bundesliga tätig, bestätigt die Regel.

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Dass von den Bundesliga-Goalgettern wiederum Gruber in der absoluten Mehrzahl der Spiele nicht im Angriffszentrum aufläuft, ist auch kein Geheimnis.

Aus Nationalteam-Sicht wäre es unter diesen elf Stürmern alleine aus Altersgründen wünschenswert, wenn dem 22-jährigen Adamu in Freiburg nachhaltig der Knopf aufgehen würde.

Entrup als Inspiration

Auch der 20-jährige Austria-Stürmer Muharem Huskovic befindet sich im Blickfeld von Rangnick, sonst wäre er im Oktober nicht auf der Abrufliste aufgetaucht. Derzeit läuft der Youngster jedoch seiner Vereins-Form hinterher.

Entrup hat gezeigt, dass es in Österreich schnell gehen kann, wenn man weiß, wo das Tor steht und dies konstant unter Beweis stellt.

Stürmer, bei denen es aktuell völlig vermessen wäre, sie mit dem Nationalteam in Verbindung zu bringen, gibt es sehr wohl. Das war es unlängst jedoch auch bei Entrup.

Alleine dafür ist der Hartberg-Stürmer einerseits ein gutes Signal und andererseits eine wunderbare Inspiration für weitere Angreifer, die mehr in sich haben, als sie bislang abrufen.

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