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3.432.198 Varianten! Wie entsteht eine ÖFB-Startelf?

Eine Magnettafel, viele Sitzungen und keine Denkverbote. Assistenz-Trainer Stefan Oesen gewährt Einblicke in den Prozess.

3.432.198 Varianten! Wie entsteht eine ÖFB-Startelf? Foto: © GEPA

Eine Startelf nominieren. So schwer kann das doch nicht sein! Meint man.

Die mathematische Theorie sagt etwas ganz anders. Ralf Rangnick hat drei Tormänner und 23 Feldspieler zur Verfügung. Das ergibt 3.432.198 verschiedene Varianten, sich für elf Spieler zu entscheiden. Keine Kleinigkeit.

Gut, ein überwiegender Großteil dieser potenziellen Kombinationen ist rein positionstechnisch schon mal ausgeschlossen. Es werden zum Beispiel nicht alle Innenverteidiger gleichzeitig am Feld stehen.

Am Anfang sind die Magnete

Doch wie entsteht eine Aufstellung beim ÖFB-Team? Zu Beginn ist da die klassische Magnet-Tafel im Trainer-Büro.

Assistenz-Coach Stefan Oesen berichtet: "Es gibt Magneten mit den Namen, die picken die ganze Woche schon oben. Auf vielen Positionen stehen dann zwei Namen untereinander."

In mehreren Sitzungen präsentieren dann die Co-Trainer ihre an den jeweiligen Gegner angepassten Vorstellungen diverser Spielphasen.

Wer passt in welcher Spielphase wohin?

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Kornetka und Co. müssen nicht nur präsentieren, sondern auch argumentieren
Foto: ©GEPA

Lars Kornetka ist für das Spiel gegen den Ball zuständig, Onur Cinel für das Spiel mit dem Ball, Oesen für die Standardsituationen.

"Da sagt man, zu welchem Spieler das gut passen würde. Man tauscht die eine oder andere Position, Magnete kommen weg, weil sich Dinge herauskristallisieren", so Oesen.

Der 41-Jährige verrät: "Das ist überraschend harmonisch. Man könnte schon glauben, dass da mal gestritten wird, wird es aber überhaupt nicht."

Kein Denkverbot

"Es gibt kein Denkverbot, es darf jeder alles sagen, es wird dir nie über deine Meinung drübergefahren", berichtet er.

Doch einfach nur eine Idee zu haben, ist dem Teamchef zu wenig. Es muss auch etwas dahinterstecken.

"Stell dir vor, wir würden in einer Welt leben, in der nur noch alle mitreden, die sich etwas dazu gedacht haben. Dann wären manche richtig ruhig."

Stefan Oesen

Oesen: "Wenn du eine Meinung in den Raum wirfst, muss eine Erklärung folgen. Wenn du eine Idee bringst, solltest du vorher darüber nachgedacht haben – das ist nicht so verkehrt. Es werden Argumente mehr als die Namen an sich diskutiert."

Nachsatz mit einem Grinsen: "Stell dir vor, wir würden in einer Welt leben, in der nur noch alle mitreden, die sich etwas dazu gedacht haben. Dann wären manche richtig ruhig."

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Die Letztentscheidung liegt beim Teamchef
Foto: ©GEPA

Rangnick arbeite sich dann im Laufe der Tage mit den Infos und Meinungen seiner Assistenten zu einer Startelf hin.

Der Zeitplan

Für das Dienstags-Spiel gegen Jordanien wusste Rangnick schon am Donnerstag, wen er aufstellen werde. Am Samstag erfuhr die Mannschaft die Startelf. So viel Vorlaufzeit ist für die kommenden Spiele natürlich nicht gegeben.

Ab Tag vier vor dem Spiel wird für gewöhnlich im Training dann sehr spezifisch auf den jeweiligen Gegner hin trainiert.

In den Trainings ist dann auch Zeit, um mit Spielern Einzelgespräche zu führen, Entscheidungen nicht zu rechtfertigen, aber zu erklären. "Federführend ist da der Teamchef", sagt Oesen.

Auch zwischenmenschlich schwierig

Es werde keine "Dankbarkeits-Entscheidungen" geben, sagte Rangnick vor der WM. Wer in der Vergangenheit maßgeblich zu Erfolgen beigetragen hat, hat also nicht zwangsläufig einen Stein im Brett.

Oesen meint: "Natürlich wächst dir in dieser Zeit so ziemlich jeder ans Herz. Du hast zu jedem einen Draht. Es tut dir für jeden weh, der nicht eingewechselt werden kann. Das ist sehr schwierig."

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