"Schande!" So setzt der FC Barcelona Zeichen

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Streik, leere Ränge, Chaos und Tränen!

Der FC Barcelona ist in die Auswirkungen des katalanischen Unabhängigkeits-Referendums mehr involviert als dem Verein lieb ist.

Präsident Josep Maria Bartomeu verteidigt etwa den Antritt gegen Las Palmas vor leeren Rängen im Camp Nou (3:0), nachdem der Verband mit einem 6-Punkte-Abzug drohte: "Wir haben dann entschieden, ohne Zuschauer zu spielen, damit die ganze Welt die Situation in Katalonien sehen kann und wie wir alle darunter leiden."

Zudem wurde auch bestätigt, dass der FC Barcelona an den am Dienstag stattfindenden Protesten gegen die Polizei-Gewalt teilnimmt und in den Streik tritt:

Barcelona zwischen "Schande" und "Würde"

Dabei ist Barca in eine Zwickmühle geraten. Kataloniens sportliches Aushängeschild trat am Sonntag vor leeren Rängen an, um die drei Zähler gegen Las Palmas sicherzustellen. 3:0 siegte der Tabellenführer und holte im siebenten Saisonspiel der Primera Division damit den siebenten Sieg. Davor und danach gab es reichlich Diskussionsstoff.

"Schande" titelte die katalanische Sport-Tageszeitung "Sport" über dem Foto eines leeren Camp Nou. "Und Würde" stand neben dem Bild von Barca-Verteidiger Gerard Pique. Der spanische Internationale, ein großer Befürworter des Referendums, war es, der nach dem Spiel als Wortführer in Erscheinung trat. "Ich bin stolz auf die Katalanen. Wählen ist ein Recht, das verteidigt werden muss", sagte der 30-Jährige unter Tränen.

Pique, 2010 Welt- und 2012 Europameister, stellte außerdem seinen Platz in der Nationalauswahl zur Verfügung. Sollte der spanische Verband ihn für ein Problem halten oder er "stören", würde er zurücktreten, sagte der Innenverteidiger. Er übte Kritik an Spaniens Premierminister Mariano Rajoy. "Man kann Ja wählen, Nein oder sich der Stimme enthalten. In der Franco-Ära konnten wir für unsere Ideen nicht eintreten. Ich tue das, und ich bin Katalane", meinte Pique.

Guardiola unterstützt: "Spanien ist ein tolles, tolles Land"

Unterstützung bekam er aus England. Pep Guardiola äußerte sich im katalanischen Radio ebenfalls kritisch zu Rajoy. "Es gibt heute Bilder, die unwiderlegbar sind. Der Premierminister muss Fragen beantworten, da er der Premierminister aller Spanier bleibt", meinte der ehemalige Barcelona-Kapitän und -Trainer mit Blick auf die Gewaltszenen, die die von Madrid entsandte paramilitärische Guardia Civil lieferte. "Warum sind wir nicht mehr wie die Briten?", meinte der nunmehrige Manchester-City-Coach Guardiola. Es gehe gar nicht darum, Spanien nicht zu mögen. "Spanien ist ein tolles, tolles Land", sagte Guardiola.

Wegen der Unruhen im Rahmen des umstrittenen, von der Zentralregierung nicht anerkannten Referendums hatte Barcelona das Spiel gegen Las Palmas vor leeren Rängen austragen müssen. Unmittelbar vor Spielbeginn soll es laut Medienberichten diverse Diskussionen gegeben haben.

Die Gäste von den kanarischen Inseln sorgten mit Trikots, auf denen die spanische Flagge und das Datum 1-10-2017 zu sehen waren, für Unmut bei den Hausherren. Das traditionelle Essen zwischen den Club-Bossen vor Spielbeginn fiel daraufhin aus.

Heftige Diskussionen unter den Spielern

Auch unter den Spielern der Katalanen um Superstar Lionel Messi soll es heftige Diskussionen gegeben haben. Vor allem Pique sei dafür gewesen, nicht einzulaufen. Dadurch hätte Barcelona jedoch am Grünen Tisch mit 0:3 verloren. Eine Verschiebung hatte die Liga abgelehnt. Klub-Präsident Josep Maria Bartomeu gab an, dass das Stadion geschlossen wurde, um damit gegen die Polizeigewalt zu protestieren. "Die ganze Welt soll sehen, wie die Situation in Katalonien ist und wie wir leiden", sagte Bartomeu. Dem stand jedoch der Schiedsrichterbericht entgegen. Demnach hatte der Klub-Boss Sicherheitsbedenken als Grund angegeben.

Sportlich gesehen ließ Barcelona vor der Kulisse eines leeren Camp Nou nichts anbrennen. Nach einer torlosen ersten Spielhälfte traf Sergio Busquets fast unmittelbar nach dem Wiederanpfiff (49.) nach einem Eckball zum 1:0. Lionel Messi lieferte die Vorarbeit. Der Argentinier besorgte in der 70. und 77. Minute dann die Entscheidung. Messi hält damit aktuell bei elf Ligatoren in dieser Saison. "Die Ereignisse von heute überschatten das Spiel", sagte Busquets. "Es war ein spezieller Tag, aber wir mussten uns auf den sportlichen Teil konzentrieren", betonte der Katalane.

Durch den Sieg hielt Barcelona seinen Sieben-Punkte-Vorsprung auf Erzrivale Real. Die Madrilenen setzten sich zu Hause gegen Espanyol Barcelona dank zwei Toren von Isco mit 2:0 durch. Superstar Cristiano Ronaldo blieb erneut ohne Torerfolg. "Er ist sehr enttäuscht, weil er in der Liga noch nicht getroffen hat. Aber so ist Fußball", meinte Real-Trainer Zinedine Zidane nach dem Spiel. Ronaldo hatte die ersten vier Runden aufgrund einer Sperre versäumt, aber auch danach nicht angeschrieben. Dies ist Ronaldo in Spaniens Liga zuvor noch nie passiert.

Auch Rafael Nadal zerreißen Ereignisse das Herz

Der spanische Tennisstar Rafael Nadal ist wegen der Ereignisse in Katalonien am Boden zerstört. Während einer Pressekonferenz in Peking sagte er am Montag, ihm sei "zum Heulen zumute", wenn er sehe, wie Spanien in eine solche Lage geraten sei. Dabei sei das Land ein "Vorbild für den Rest der Welt" für ein gutes Zusammenleben seiner Bürger gewesen.

Die Bilder des Wochenendes hätten ihn mit "Sorge und Trauer" erfüllt, fügte Nadal hinzu, der ab Dienstag bei den China Open spielt. Er habe einen großen Teil seines Lebens - "wichtige Momente" - in Katalonien verbracht und eine "derartig radikalisierte Gesellschaft" überrasche und entmutige ihn.

Die spanischen Einsatzkräfte waren am Sonntag mit großer Härte gegen das katalanische Unabhängigkeitsreferendum vorgegangen. Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten Menschen teilweise mit Schlagstöcken und Gummigeschoßen an der Stimmabgabe. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Der 31-jährige Nadal spricht Katalanisch. Geboren wurde er auf der Baleareninsel Mallorca, wo er heute auch lebt. Der Ausnahme-Tennisspieler führt seit August die Weltrangliste im Einzel an und hat in Spanien den Status eines Nationalhelden. Vor der Volksabstimmung über die Loslösung Kataloniens vom spanischen Königreich hatte sich der 16-fache Grand Slam-Sieger gegen das Referendum ausgesprochen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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