Ist Ronald Koeman Barcas Mann für die Zukunft?

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Das wohl prestigeträchtigste Fußballspiel der Welt steht wieder an. Am Samstag (ab 16:00 Uhr im LIVE-Ticker und LIVE auf DAZN) findet der 278. El Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid statt. Mit Ronald Koeman haben die Katalanen seit Mitte August einen neuen Trainer an der Seitenlinie - für ihn ist es aber freilich bei weitem nicht der erste Clásico.

14 Spiele bestritt der Niederländer in seiner sechsjährigen Zeit (1989 bis 1995) als Barca-Profi gegen die "Königlichen", seine Bilanz ist recht ausgeglichen - sechs Siege stehen drei Unentschieden und fünf Niederlagen gegenüber.

Als Co-Trainer unter Louis van Gaal gelangen ein Sieg und zwei Unentschieden. Nun will der 57-Jährige als Chefcoach gegen die Madrilenen überzeugen.

Aber für welche Spielweise steht Koeman eigentlich? Wie passt diese zur Barca-DNA? Wird die Talenteschmiede "La Masia" unter ihm wieder forciert? Ist er am Ende die langfristige Lösung für das erfolgsverwöhnte Barcelona?

Vor El Clásico überprüft LAOLA1, ob Koeman Barcas Mann für die Zukunft ist.

Geprägt von Cruyff und van Gaal

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Koemans Spielstil ist stark von Johan Cruyff und Louis van Gaal geprägt. Unter dem mittlerweile verstorbenen Cruyff erlebten die Katalanen eine ihrer bis heute erfolgreichsten Zeiten. Die Meisterschaft wurde jahrelang dominiert, international gewann das Team den Europapokal der Landesmeister (der Vorgänger der Champions League) sowie den UEFA Supercup.

Das damalige Barcelona war enorm offensivstark, speziell im Vertikalspiel zeigten sich die Stärken des Teams. Hier kam dem damaligen Libero zugute, dass er sich immer wieder in die Offensive einschalten konnte und seine Schusskraft öfters unter Beweis stellte. In Kontersituationen war das Team aber anfällig.

Van Gaal hingegen forderte von seinen Schützlingen weitaus höhere Positionstreue ein und achtete darauf, dass die Struktur in der Defensive nicht verlorenging. Der 57-Jährige wählt meist eine Mischung aus den beiden Spielstilen.

4-3-3 als bevorzugtes System

Das 4-3-3 steht grundsätzlich als Spielsystem. Ob der ehemalige Bondscoach dieses eher offensiv oder defensiv ausrichtet, hängt vom jeweiligen Gegner ab. Im Champions-League-Spiel gegen Ferencvaros wurde ganz klar die offensive Ausrichtung bevorzugt.

Mit Lionel Messi als "falschem Neuner", Ansu Fati und Francisco Trincao auf den Flügeln und dem unter Koeman wiederbelebten Coutinho auf der Zehner-Position wollte der Niederländer gegen die Ungarn den Strafraum besetzen und das Vertikalspiel forcieren - wie einst unter Cruyff.

Neuzugang Pjanic und Frenkie de Jong sollten die punktgenauen Pässe auf die Außenstürmer spielen. Dadurch, dass das ebengenannte Mittelfeld-Duo oftmals zu weit aufrückte, entstanden aber gefährliche Konter-Situationen - eine endete in der Notbremse von Pique und dem darauffolgenden Gegentreffer per Elfmeter.

Der Niederländer kann aber auch defensiv - wie gegen den Europa-League-Triumphator aus Sevilla. Beim 1:1 Anfang Oktober setzte Koeman auf den defensiv orientierten Busquets neben de Jong. Hier agierte der 32-jährige Spanier als Mittelfeld-Säule vor der Abwehr, der junge Niederländer als Box-to-Box-Spieler. Dieses System wird wohl auch gegen Real zum Einsatz kommen.

Ein weiterer Unterschied zur damaligen Spielweise von Cruyff ist, dass Koeman seine Flügelstürmer nicht so breit agieren lässt, diese eher ins Zentrum rücken sollen.

Die neue Barca-DNA

Die Katalanen stehen seit der Ära Guardiola für das berühmte "Tiki-Taka". Über die Jahre wurde dieses immer wieder adaptiert, gänzlich aufgegeben wurde es aber nie, obwohl es mittlerweile leicht bespielbar ist - entweder mit einem äußerst defensiv ausgerichtetem Spiel oder aggressivem Offensivpressing.

Koeman bringt nun einen Spielstil zu Barca, der der heutigen Zeit angepasst ist. Schnelles Spiel in die Spitzen, kein überflüssiges Hin-und-Her in der eigenen Hälfte. Mit wenigen Ballkontakten möglichst schnell zum Torabschluss, defensiv mit hohem Gegenpressing. Seine Spieler sollen überfallsartig dem Ball hinterher jagen, sobald dieser verloren geht. Hier werden viele Fans an die alten Zeiten unter Pep Guardiola zurückdenken.

Der Niederländer versteift sich aber nicht unbedingt auf sein 4-3-3. Im niederländischen Nationalteam ließ er mit einer Dreierkette spielen, da er mit Virgil van Dijk, Stefan de Vrij und Matthijs de Ligt über drei hervorragende Innenverteidiger verfügte. Für den 57-Jährigen ist es wichtig, dass er seine Spieler auf den stärksten Positionen aufstellt, er geht deshalb auch Kompromisse ein.

Speziell Supertalent Ansu Fati und der von seiner Bayern-Leihe zurückgekommene Coutinho leben unter Koeman groß auf. Auch Messi lässt sich seine Differenzen mit dem Klub kaum anmerken, begeistert mit großer Spiellust und ist für Barca weiterhin immens wertvoll.

Nur Antoine Griezmann bewegt sich weiterhin wie ein Fremdkörper auf dem Spielfeld, er muss sich mit großer Kritik der spanischen Medien auseinandersetzen. Der französische Weltmeister genießt aber weiterhin das Vertrauen seines Trainers. Mit Trincao und Ousmane Dembele haben die Katalanen aber zwei Top-Spieler, die Griezmann schnell den Rang ablaufen könnten, wenn dieser keine Leistung bringt.

"La Masia" zurück in den Fokus?

Die Jugendschmiede des FC Barcelona ist der große Stolz des Vereins. "La Masia" brachte viele heutige und vergangene Weltstars in den Fußball - Namen wie Messi, Xavi, Iniesta, Puyol, Busquets, Pique und viele mehr lernten in der wohl berühmtesten Fußballschule der Welt ihr Handwerk.

In den letzten Jahren stockte aber der Nachschub an jungen, spannenden Talenten. Das lag auch daran, dass man sich vermehrt im Ausland umsah, Spieler aus anderen Talenteschmieden holte. Hier stechen vor allem Spieler wie De Jong, Dembele oder der letzten Sommer verpflichtete Trincao heraus.

Einzig der 17-Jährige Fati schaffte in den letzten Jahren den dauerhaften Sprung in die Barca-Mannschaft. Talente wie Riqui Puig, dem Koeman dazu riet, sich bis Saisonende verleihen zu lassen, da er dem Talent keine Perspektive für Einsätze geben kann, oder Carles Perez (mittlerweile beim AS Rom), der in der Saison 2019/20 sein Debüt feierte und dabei regelmäßig ansprechende Leistungen zeigen konnte, werden zu selten in die Mannschaft eingebaut, oftmals sogar direkt an andere Vereine abgegeben.

Koeman ist aber ein Trainer, der ein sehr gutes Auge für junge Talente besitzt und sich normalerweise nie scheute, diese auch in die Mannschaft zu integrieren. Stars wie Zlatan Ibrahimovic, Wesley Sneijder oder Nigel de Jong blühten unter dem damaligen Ajax-Amsterdam-Trainer erst so richtig auf.

In seiner Amtszeit als Bondscoach feierten 14 Spieler ihr Debüt für die "Oranje" - Zwölf von ihnen waren 24 Jahre alt oder jünger. Koeman besitzt definitiv ein Händchen für junge Talente und weiß mit Kaderumbrüchen hervorragend umzugehen.

Langfristige Lösung? Ohne schnellem Erfolg wohl nicht

Der FC Barcelona und Ronald Koeman - eigentlich spricht vieles dafür, dass der 57-Jährige über die Jahre hinweg der Chefcoach der Katalanen sein wird. Aber nur eigentlich. Denn wenn der Erfolg auch in dieser Saison ausbleibt und die Katalanen im "Worst-Case-Szenario" zum Saisonende erneut mit leeren Händen da stehen, wird die Barca-Legende wohl einer anderen Klub-Legende Platz machen müssen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Xavi die erste Wahl des Klubs ist. Der mittlerweile 40-jährige Spanier galt bereits im Sommer als heißester Kandidat auf den Trainer-Posten, sagte seinem Herzensverein aber ab, da er unter Präsident Josep Maria Bartomeu keinesfalls arbeiten wolle.

Spätestens im März 2021, wenn in Barcelona die Präsidentschaftswahl ansteht, wird Bartomeu wohl nicht mehr Präsident sein und dann wäre der Weg für Xavi frei - außer Koeman räumt in dieser Saison Titel um Titel ab und setzt einen weiteren Meilenstein seiner bereits illustren Barca-Karriere.

Nun liegt der Fokus aber auf dem Match gegen Real Madrid. Dem El Clásico. Dem größten und brisantesten Fußballmatch dieser Welt. Für Koeman der erste richtige Härtetest in dem sich zeigen wird, ob er für den so großen und erfolgsverwöhnten FC Barcelona der richtige Mann ist.

Textquelle: © LAOLA1.at

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