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Alonso-Aus: Dieses Real Madrid ist kaputt

Die Amtszeit von Xabi Alonso geht nach nur sieben Monaten zu Ende. Der Baske bekam weder das Vertrauen noch die Zeit, die er sich verdient hätte.

Alonso-Aus: Dieses Real Madrid ist kaputt Foto: © GETTY

Zweiter in LaLiga, Siebter in der Champions League und 2,24 Punkte im Schnitt. Mit diesen Zahlen wird fast nirgends in Europa ein Trainer entlassen.

Real Madrid stellt die Ausnahme dar. Die Ansprüche von "los Blancos" sind eben königlich. Und deshalb wird auch vor einer Vereinsikone kein Halt gemacht. Nach nur sieben Monaten zieht Real also die Reißleine. Oder, wie es offiziell verkündet wurde: Verein und Trainer trennen sich einvernehmlich.

Selbst das dürfte nicht stimmen, glaubt man neuesten Medienberichten. Viel eher kam die Trennung von der Klubseite.

Das Scheitern deutete sich schon zu Beginn an

"Der Trainer ist der wichtigste Mitarbeiter eines Vereins", heißt es immer. Bei den meisten Klubs mag das stimmen, nicht aber bei Real Madrid. Das wurde bereits bei Alonsos Amtsantritt deutlich.

Der Baske wollte erst nach der Klub-WM in seine Amtszeit starten. Immerhin waren die Spieler nach einer so langen Saison ausgelaugt, ideale Voraussetzungen sehen anders aus. Eine Diskussion über den Zeitpunkt des Alonso-Starts gab es nicht. Alonso musste bei der Klub-WM antanzen.

In den USA lief es bis zum Halbfinale gut, trotz der kurzen Anlaufzeit. Dann folgte eine herbe 0:4-Pleite gegen PSG - der erste große Rückschlag, der erste nicht gewonnene Titel.

Systemtrainer brauchen Zeit

Doch Real Madrid wusste, wen man zum neuen Cheftrainer beruft. Klar, Alonso ist eine Vereinslegende, war ein Weltklassespieler und großer Name. Andererseits unterscheidet er sich stark von Vorgänger Carlo Ancelotti.

Der Italiener gilt als Players-Coach und Vibes-Trainer, der weniger über die reine Taktik kommt. Letzteres ist zwar falsch, nichtsdestotrotz gab "Don Carlo" gerade den Offensivspielern deutlich mehr Freiheiten, als es Alonso tat. Zusätzlich versuchte Alonso intensiveres Pressing spielen zu lassen - mit überschaubarem Erfolg.

Alonso weiß, wie er eine Mannschaft zum Erfolg führt. Der Unbeaten-Run mit Bayer Leverkusen in der Bundesliga war nicht weniger als eine Meisterleistung. Dafür braucht er einerseits die nötige Zeit und andererseits das Vertrauen der Spieler. Beides bekam er nicht.

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Brach 2023/24 die Bayern-Dominanz in der deutschen Bundesliga: Xabi Alonso
Foto: ©GETTY

Schon Alonsos Leverkusen-Stint zeigte, dass sein Spiel nicht von den ersten Wochen an funktionierte. Natürlich übernahm er mit Bayer ein Team am Boden, die Ansprüche waren nicht vergleichbar mit jenen der Königlichen. Und trotzdem zeigte sich unterm Bayerkreuz eine stetige Entwicklung, die letztendlich im Doublegewinn 2023/24 gipfelte.

Außerdem: Wie gut kann eine Entwicklung denn sein, wenn der Trainer in der Defensive ständig Löcher stopfen muss? Große Teile der Saison spielte Alonso ohne gelernten Rechtsverteidiger. Überhaupt mehrten sich die Ausfälle in der Defensive. Rüdiger, Alaba, Mendy, Trent und Alaba verpassten allesamt mehr als zehn Ligaspiele.

Alonsos größtes Problem waren aber nicht die verletzten Spieler, sondern die Stars.

Ständige Grabenkämpfe

Vinicius Junior, Jude Bellingham, Kylian Mbappe, Rodrygo und viele mehr, in kaum einer Mannschaft gibt es so viele Stars - und so viele Egos. Und genau das wurde Alonso zum Verhängnis.

Rodrygo spielte lange kaum eine Rolle bei den Königlichen, kokettierte mit einem Wechsel und verbreitete Unruhen in der Kabine. Noch eklatanter wurde es bei Vini Jr., nachdem dieser öfter früh ausgewechselt wurde. Die Situation eskalierte nach einer Auswechslung im El Clasico, woraufhin der Brasilianer ausrastete und aufgebracht in die Kabine stürmte.

Vini und Co. setzten sich durch

Eine Sanktion blieb aus, Alonso wollte die Sache intern klären. Das gelang ihm nicht. Später entschuldigte sich Vini bei der Mannschaft, dem Verein und dem Präsidenten - nicht aber beim Trainer.

Schon früh entwickelten sich zwei Lager in der Real-Kabine. Das Pro-Alonso Camp (Bellingham, Güler, Courtois, Carreras, Huijsen), zu dem auch lange Mbappe gezählt habe. Nach den Szenen im Anschluss der Supercopa wirkt es nicht so, als hätte der Star noch dazugehört.

Das Anti-Alonso Lager (angeführt von Vini Jr., Rodrygo und Valverde) hat sich am Ende sichtlich durchgesetzt.

Perez, Spieler, Trainer - in dieser Reihenfolge

Trotz der galaktischen Erwartungen ist das Alonso-Aus nämlich sportlich kaum zu begründen.

In erster Linie ist es ein doppeltes Eingeständnis: Die Spieler sind im Klub mächtiger als der Trainer - und Real-Boss Perez schenkte ihnen mehr Gehör als Alonso. Frei nach Gareth Bale heißt es: Perez, die Spieler, der Trainer - in that Order.

Außerdem ist diese Trennung ein weiterer Beweis für eine Vermutung, die schon länger besteht. Dieser Real-Kader ist verwöhnt, vielleicht sogar untrainierbar. Zumindest dann, wenn die Startruppe von einem Mann trainiert wird, der wirklich etwas verändern will.

Es ist Zeit, dass sich auch Real Madrid an den Goldstandard im Weltfußball anpasst.

"Der Trainer ist der wichtigste Mitarbeiter des Vereins" - Das haben PSG, ManCity, Arsenal und Barca realisiert. Wollen die "Königlichen" wieder der absoluten Weltelite angehören, müssen auch sie diese Erkenntnis realisieren.

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