Österreichs Trainer-Legionäre im Check

Österreichs Trainer-Legionäre im Check Foto: © getty
 

LAOLA1 geht einmal mehr auf Weltreise! Nachdem in den vergangenen Wochen bereits Österreichs Kicker in den Top-5-Nationen und im Rest der Welt thematisiert wurden, dreht sich nun alles um die rot-weiß-roten Trainer im Ausland.

Musste man diese vor Jahren zum Teil noch mit der Lupe suchen, haben sich österreichische Übungsleiter auch in Top-Ligen einen hervorragenden Namen gemacht.

LAOLA1 packt noch einmal den Globus aus und wirft, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einen Blick auf österreichische Chef- und Assistenztrainer im Ausland.

Vom Sportdirektor zum Teamchef

Los geht es in Israel, bei einem Mann, der durch seine langjährige Arbeit im ÖFB die Karrieren einiger noch folgender Trainer maßgeblich beeinflusst hat: Willi Ruttensteiner.

Willi Ruttensteiner
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Der Oberösterreicher wurde im Oktober 2017 nach mehr als 18 Jahren im ÖFB von Ex-Präsident Leo Windtner im Zuge dessen Machterhalts geopfert und vor die Türe gesetzt. Seit Sommer 2018 ist der Fußball-Fachmann beim israelischen Verband angestellt, lotste in seiner Rolle als Sportchef Andreas Herzog ans Mittelmeer, um den Teamchefposten Israels zu übernehmen.

Nachdem die Zusammenarbeit mit dem nunmehrigen Admira-Cheftrainer im Jahr 2020 beendet wurde, übernahm Ruttensteiner wie schon 2005 im ÖFB das Teamchefamt auf Interimsbasis. Daraus wurde ein Jahr später ein fixer Wechsel auf die Trainerbank.

In der WM-Qualifikation zeigte Israel ganz ordentliche Ansätze, seinem Heimatland fügte Ruttensteiner beim 2:5 von Tel Aviv eine schwere Blamage zu. Letztendlich beendeten die Blau-Weißen die WM-Qualifikationsgruppe F vor dem ÖFB-Team auf Rang drei. Während Österreich über den Umweg Playoff noch nach Katar fahren kann, wartet Israel weiter auf die erste Teilnahme an einem Großereignis seit 1970.

Ruttensteiner, dessen Vertag in Israel noch bis Sommer 2022 läuft, baute im Nahen Osten eine kleine Österreicher-Enklave auf. Neben Herzog holte Ruttensteiner Rupert Marko, Martin Stranzl, Heinz Hochhauser, Klaus Lindenberger und sogar Markus Rogan zum israelischen Verband.

Aufschwünge nach schwierigen Anfängen

Ein Land, das in den vergangenen Jahren meist erste Anlaufstelle für österreichische Trainer war, ist Deutschland. In der Bundesliga gibt es aktuell zwei rot-weiß-rote Chefcoaches: Adi Hütter und Oliver Glasner.

Der 51-jährige Hütter schloss sich nach drei erfolgreichen Jahren bei Eintracht Frankfurt im Sommer Borussia Mönchengladbach an. Dort löste der Vorarlberger Marco Rose ab, den es zu Borussia Dortmund zog. Der Deutsche vertraut beim BVB wie schon zuvor in Gladbach und Salzburg auf zwei Österreicher: Der 29-jährige Rene Maric ist als Co-Trainer nicht mehr von Roses Seite wegzudenken, wie auch der 34-jährige Athletiktrainer Patrick Eibenberger.

Adi Hütter
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Zurück zu Hütter: Der ehemalige ÖFB-Teamkicker, der 2018 als Trainer mit den Young Boys Bern die Dominanz des FC Basel brach und Schweizer Meister wurde, muss eine herbe 1:4-Niederlage im Rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln verdauen. Zuvor blieben die "Fohlen" vier Spiele ungeschlagen, schmissen den FC Bayern nach einer 5:0-Machtdemonstration aus dem DFB-Pokal.

Wie schon in Frankfurt und Bern vertraut Hütter in seinem Stab auf einen Landsmann: Der Steirer Christian Peintinger ist treuer Co-Trainer.

Hütters Nachfolger in Frankfurt, Oliver Glasner, vollzieht mit seinem Team ergebnistechnisch einen Aufschwung.

In die Saison startete das Team der ÖFB-Legionäre Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker mit einem blamblen Pokal-Aus in Mannheim und einer 2:5-Niederlage in Dortmund. In Folge spielte Frankfurt sechs Mal am Stück Remis, gegen Antwerpen konnte Glasner Ende September den ersten Sieg als Frankfurt-Trainer feiern. Am folgenden Wochenende gelang der erste Bundesligasieg ausgerechnet gegen Bayern München.

Die letzten sechs Spiele blieben die Hessen ohne Niederlage, am vergangenen Spieltag feierte die Eintracht einen 2:1-Sieg bei Conference-League-Starter Union Berlin. In der Europa League haben die Frankfurter das Ticket für die K.o.-Phase gebucht.

Oliver Glasner
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Wie schon bei seinen vorigen Stationen beim VfL Wolfsburg und beim LASK vertraut Glasner auf Co-Trainer Michael Angerschmid. Das Urgestein der SV Ried rückte seinem ehemaligen Mitspieler seit dessen Amtsantritt beim LASK im Sommer 2015 nicht von der Seite.

Seit Sommer neu im Trainerteam von Glasner dabei: Ronald Brunmayr. Der Oberösterreicher, der von 1998 bis 2000 mit Glasner und Angerschmid in Ried spielte, feierte im Vorjahr als Cheftrainer von Blau-Weiß Linz die Meisterschaft in der Admiral 2. Liga.

Ebenfalls in Frankfurt zu finden: Ein rot-weiß-roter Fitnesstrainer. Markus Murrer wechselte im Juli 2017 unter der Anleitung von Niko Kovac zur Eintracht. Zuvor war der 40-jährige Salzburger neun Jahre für die Eishockeymannschaft von Red Bull Salzburg tätig. Das ist übrigens nicht das einzige Beispiel, dass sich der Kroate eines ehemaligen Salzburg-Atheltiktrainers bedient. Mit Walter Gfrerer hat der 50-Jährige einen Konditionstrainer aus Salzburg zur AS Monaco mitgenommen.

Auch bei Bundesliga-Teams, die nicht auf österreichische Cheftrainer setzen, sind rot-weiß-rote Assistenten gefragt: Bei Union Berlin wurde Michael Gspurning direkt nach der aktiven Karriere Tormanntrainer. Co-Trainer der "Eisernen" ist mit Markus Hoffmann ein Salzburger. Der 49-Jährige kam unter Urs Fischer im Sommer 2018 nach Berlin. Mit dem Schweizer arbeitete Hoffmann bereits beim FC Basel zusammen, gewann mit ihm von 2015 bis 2017 zwei seiner vier Meistertitel.

Apropos FC Basel - dort ist der 32-jährige Ognjen "Ogi" Zaric im April vom U18-Coach zum Co-Trainer der Kampfmannschaft aufgestiegen.

Zürck nach Berlin. Bei Unions Stadtrivale Hertha BSC ist mit Markus Hödl seit 2019 ein rot-weiß-roter Athletiktrainer angestellt. Der 36-Jährige war erst für die U19 zuständig, seit der laufenden Saison für die Profis.

Zenkovic in erste Reihe gespült

In der zweiten deutschen Bundesliga ist Werder Bremens Danijel Zenkovic unfreiwillig ins Rampenlicht gerückt. Der 34-Jährige war nach dem Impfpass-Skandal um Markus Anfang eine Woche lang Interimstrainer des Bundesliga-Absteigers.

Danijel Zenkovic
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Zenkovic, dessen Weg ihn von Salzburg über die Akademie Tirol und Sturm Graz bis zu Ajax Amsterdam und vor Bremen nach Hartberg verschlagen hat, saß beim Remis am vergangenen Spieltag gegen Schalke 04 auf der Bank. Am vergangenen Wochenende wurde dem 34-Jährigen das Duell mit Holstein Kiel wegen einer Corona-Infektion verwehrt. Mit der Anstellung von Ole Werner als neuem Cheftrainer der Bremer rückt Zenkovic wohl wieder zurück ins zweite Glied.

In Bremen ist mit Athletiktrainer Günther Stoxreiter ein weiterer Österreicher für den Profibereich der Werderaner zuständig. In Sandhausen ist David Lechner ebenfalls als Athletiktrainer am Werk. Wie Lechner hat auch der Videoanalyst des 1. FC Nürnberg Rapid-Vergangenheit. Mauricio Zoccola arbeitete mit Damir Canadi schon in Altach zusammen, wechselte aber bereits im April 2016 nach Hütteldorf. Canadi sollte dem heute 52-Jährigen im November folgen, war im April 2017 aber schon wieder Geschichte. 2019 verließ Zoccola dann Rapid, um sich Canadi in Nürnberg anzuschließen, wo er bis heute tätig ist.

Beim Zweitligisten Jahn Regensburg trainiert seit dieser Saison Christoph Jank die zweite Mannschaft, die in der fünftklassigen Bayernliga Süd antritt. Zuvor zeichnete sich der 48-Jährige für die U17-Mannschaft zuständig, die von Dominik Glawogger übernommen wurde. Der 31-Jährige war 2017 neben seiner Rolle als Geschäftsführer Sport beim FAC auch für sechs Spiele Interimstrainer, war im Anschluss im Jugendbereich bei Holstein Kiel und in Portugal bei Vitoria Guimaraes tätig.

Hasenhüttl in Premier League etabliert

Doch nicht nur in Deutschland coachen Österreicher auf höchster Ebene: In der Premier League steht bei Southampton Ralph Hasenhüttl seit Dezember 2018 an der Seitenlinie. In Englands Eliteliga hat sich der Steirer etabliert: Nur Sean Dyche (Burnley), Jürgen Klopp (Liverpool), Pep Guardiola (Manchester City), Marcelo Bielsa (Leeds) und Thomas Frank (Brenford) sind bei ihren Klubs länger im Amt als der 54-jährige Österreicher, der vor seinem England-Abenteuer RB Leipzig zwei Jahre lang trainierte.

Ralph Hasenhüttl
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Die "Saints" übernahm Hasenhüttl seinerzeit in höchster Abstiegsgefahr, der Gang in die Championship konnte allerdings bis heute vermieden werden. Negativer Höhepunkt seiner Amtszeit: Zwei 0:9-Niederlagen (25.10.2019 gegen Leicester, 2.2.2021 bei Manchester United), dennoch sitzt Hasenhüttl beim Team von der englischen Südküste, das aktuell Fünfzehnter der Premier League ist, fest im Sattel.

Seit Sommer 2019 wird Hasenhüttl vom ehemaligen Nationalspieler Richard Kitzbichler unterstützt. Der 47-Jährige war zuvor acht Jahre lang Co-Trainer bei Red Bull Salzburg, ehe er sich Roger Schmidt bei dessen Abenteuer bei Beijing Guoan anschloss. Nach der Entlassung des Deutschen im Reich der Mitte, suchte auch der Tiroler das Weite.

Ein ehemaliger Teamkollege Hasenhüttls bei der Austria und Kitzbichlers im Nationalteam trainiert den ungarischen Tabellenführer Ferencvaros: Peter Stöger.

Peter Stöger
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Der 55-Jährige verließ im Sommer die Wiener Austria, bei der er erst lediglich Sportvorstand, in weiterer Folge in Personalunion auch Trainer war.

Mit "Fradi" führt Stöger die Tabelle in der ungarischen Liga zwar mit vier Punkten Vorsprung an, in Europa hatte der Erfolgstrainer des 1. FC Köln wenig zu lachen. Zwar überstand Ferencvaros die ersten drei Runden der Champions-League-Qualifikation gegen Prishtina, Zalgiris und Slavia Prag, im Playoff kam mit 4:6 das Aus gegen die Young Boys Bern.

In der Europa League hagelte es in einer Gruppe mit Bayer Leverkusen, Betis Sevilla und Celtic fünf Niederlagen in fünf absolvierten Spielen. Selbst der Trostpreis Conference League ist für das Team aus Budapest unerreichbar. Unterstützt wird Stöger bei Ferencvaros von Gerhard Fellner, der schon bei der Austria sein Co-Trainer war.

Ein neues Abenteuer nimmt Ex-LASK-Coach Dominik Thalhammer in Angriff. Der 51-Jährige wurde am vergangenen Sonntag zum Cheftrainer des belgischen Erstligisten Cercle Brügge bestellt. Bei den Grün-Schwarzen trifft Thalhammer auf Ex-Ried-Trainer Miron Muslic, der in Brügge seit Oktober als Co-Trainer engagiert ist. Thalhammer muss mit Cercle jedenfalls schleunigst einen Aufschwung aus dem Hut zaubern: Das Team aus Brügge hat als Vorletzter nur vier Punkte Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz, den aktuell Beerschot V.A. mit Raphael Holzhauser belegt. Sollte tabellarisch keine Besserung eintreten, müsste Thalhammer mit seinem Team ins Abstiegsplayoff.

Austro-Quartett in Asien

Weiter geht es auf unserer Weltreise im Oman, wo Mladen Posavec tätig ist. Der 50-jährige Austro-Kroate ist hierzulande als Trainer von Schwarz-Weiß Bregenz und zuletzt Austria Lustenau, wo er zehn Spiele in der 2. Liga bekommen hat, in Erscheinung getreten.

Sein weiterer Weg zog Posavec nach Saudi-Arabien, wo er bei Al-Taawoun und Al-Shabab Riad jeweils Leiter der Nachwuchsarbeit und Trainer der U23 war. Im Februar 2019 heuerte er beim saudischen Klub Al-Ain als Co-Trainer an. Seit Sommer 2021 trainiert der 50-Jährige den omanischen Erstligisten Al-Suwaiq.

Michael Petrovic
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Auf der anderen Seite Asiens ist seit mittlerweile über 15 Jahren Ex-Sturm-Kicker und -Trainer Michael Petrovic unterwegs. Der 64-Jährige, der seit 1989 Österreicher ist, wechselte 2006 zu Sanfrecce Hiroshima, wo Petrovic sechs Jahre lang tätig war. Im Anschluss verbrachte Petrovic fünfeinhalb Jahre bei den Urawa Reds, ehe es ihn Anfang 2018 nach Hokkaido zu Consadole Sapporo zog.

Die Petrovic-Erfolge in Japan können sich sehen lassen: Mit Hiroshima stieg er im Jahr 2008 auf, gewann im selben Jahr den Supercup. 2016 konnte Petrovic mit den Urawa Reds den Ligapokal gewinnen, 2018 wurde er zum Trainer des Jahres gewählt.

Der 64-Jährige ist der erste Ausländer, der als Cheftrainer über 200 Spiele in der J-League gewinnen konnte. In der abgelaufenen Saison landete Petrovic mit Consadole Sapporo als Zwölfter im tabellearischen Niemandsland der japanischen Top-Liga. Des Team aus dem Norden Japans hatte weder mit dem Titel, dem Einzug in die Champions League oder dem Abstieg zu tun.

In noch exotischeren Gefilden ist Wolfgang Luisser tätig. Der 42-Jährige ist bei Kitchee SC, einem Spitzenklub aus Hong Kong, tätig. Internationale Bekanntheit erlangte der Verein 2018 durch die Ankuft von Diego Forlan, Gewinner des Goldenen Balls bei der WM 2010.

Luisser - ehemaliger Interimstrainer des SCR Altach sowie Co-Trainer von Werner Gregoritsch beim U21-Team, von Thomas Letsch in Aue und von Gerhard Struber in Barnsley - ist seit März in Hong Kong tätig, erst für vier Monate in der Akadamie von Inter Mailand, seit August bei Kitchee.

Seit Oktober ist Ex-Goalie Hans-Peter Berger als Tormanntrainer beim chinesischen Zweitligisten Chengdu Rongcheng engagiert. Cheftrainer des Klubs ist Jung-woo Seo, der während seiner aktiven Karriere für Austria Salzburg, die SV Ried und Blau-Weiß Linz tätig war. Im Innviertelspielten Berger und Seo zusammen.

Gerhard Struber
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Ein Ende nimmt die Reise rund um den Fußball-Globus wieder in den USA. In der Major League Soccer ist Gerhard Struber seit vergangenem Jahr Cheftrainer der New York Red Bulls. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der ehemalige WAC-Trainer im vergangenen Jahr lediglich das Playoffspiel gegen den späteren Meister Columbus Crew coachen.

Die noch laufende Spielzeit lief für die Red Bulls mehr als holprig ab. Nach einer Schwächephase im Sommer waren die Playoffs in weite Ferne gerückt. Eine heroische Aufholjagd im Herbst sicherte den New Yorkern aber noch die 12. Playoff-Teilnahme in Serie.

Doch wie im Vorjahr endete der Kampf der Red Bulls um den MLS-Cup im ersten Spiel. Gegen Philadelphia Union verloren die Red Bulls auf bitterste Art und Weise durch einen Sonntagsschuss in der dritten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung.

Teil von Strubers Trainerteam in New York ist der 27-Jährige Bernd Eibler. Der Niederösterreicher, der zuletzt beim SV Mattersburg tätig war, unterstützt den Salzburger als Co-Trainer.

In der vom Österreicher Dr. Josef Schulz in Baco Raton, Florida gegründeten Schulz Academy ist Roland Kollmann seit 2013 engagiert. Der ehemalige Nationalspieler, dessen Arbeitgeber im vergangenen Jahr eine Kooperation mit dem FC Everton eingegangen ist, trägt laut einer Mitteilung aus dem Vorjahr den Titel "Director of Coaching".

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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