Absturzgefahr! Traditionsklubs in der Krise

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Während Teams wie der FC Barcelona, Bayern München oder Juventus Turin Jahr für Jahr serienweise Titel einsammeln, machen andere Traditionsklubs der Top-5-Ligen schwere Zeiten durch.

LAOLA1 wirft einen Blick auf Teams, die ihrem eigenen Anspruch, und dem ihrer Anhänger, weit hinterher laufen. Berücksichtigt werden dabei Mannschaften, die seit 2000 zumindest einen nationalen Meistertitel feiern konnten.

Bei einigen liegt dieser schon länger zurück, andere hingegen, haben einen rasanten Absturz hingelegt.

Premier League

Foto: © getty

Manchester United

Der englische Rekordmeister (20 Titel) ist wohl das prominenteste Beispiel für einen schwer kriselnden Traditionsklub. Seit dem Ende von Sir Alex Ferguson als Trainer, zeigt die Kurve der "Red Devils" steil nach unten - und das trotz eines Kaderwerts von 753,25 Millionen Euro.

Zwar sicherte sich ManUnited 2016 den FA Cup und ein Jahr später die Europa League, aber in der heimischen Premier League musste man zusehen, wie die beiden großen Erzrivalen Manchester City und der FC Liverpool enteilt sind. Aktuell liegt United nach acht Runden mit nur neun Punkten auf Rang 12, auf Leader Liverpool fehlen bereits 15 Zähler.

Die Gründe für den Absturz sind unterschiedlicher Natur. Bei den Fans stehen vor allem die Familie Glazer als Klubbesitzer und Ed Woodward, der seit 2013 stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist, für den Niedergang. Woodward zeichnet sich auch für die Transferpolitik des zweifachen Champions-League-Siegers verantwortlich, die in den vergangenen Jahren zwar viel Geld verbrannte, aber wenig Erfolg brachte.

Unter Ole Gunnar Solskjaer versucht United nun vermehrt jungen englischen Spielern eine Chance zu geben. Mit diesem Rezept feierte Ferguson seinen größten Erfolg in Manchester - das Triple 1999, mit der legendären "Class of 92" rund um David Beckham und Paul Scholes.

FC Arsenal

Auch beim FC Arsenal war ein langjähriger Erfolgstrainer am Werk, der den Klub in neue Höhen führte. Anders als beim Liga-Konkurrenten aus Manchester zeigte die Erfolgskurve aber schon unter Arsene Wenger für die "Gunners" abwärts.

Aber: Damals war man zumindest noch fester Bestandteil der Top vier und damit auch der Champions League. Mittlerweile muss man Arsenal wohl eher in die Kategorie Europa-League-Team einordnen.

2017 holten die "Gunners" den FA Cup, 2019 standen sie im Finale der Europa League (1:4 gegen Chelsea). Der Kader ist gespickt mit namhaften Akteuren, einzig ein klares Spielkonzept war in den vergangenen Jahren nicht wirklich erkennbar.

Der letzte Meistertitel datiert gar aus dem Jahr 2004. Damals, als sich die Mannschaft als "The Invincibles" rund um Stürmerstar Thierry Henry in die Geschichtsbücher schoss und eine ganze Saison lang ungeschlagen blieb.

Saison Meister Manchester United FC Arsenal
2014/15 FC Chelsea (87 Pkt.)
  1. (70 Pkt.)
  1. (75 Pkt.)
2015/16 Leicester City (81 Pkt.)
  1. (66 Pkt.)
  1. (71 Pkt.)
2016/17 FC Chelsea (93 Pkt.)
  1. (69 Pkt.)
  1. (75 Pkt.)
2017/18 Manchester City (100 Pkt.)
  1. (81 Pkt.)
  1. (63 Pkt.)
2018/19 Manchester City (98 Pkt.)
  1. (66 Pkt.)
  1. (70 Pkt.)

Deutsche Bundesliga

Foto: © GEPA

VfB Stuttgart

Der Meistertitel 2007, der insgesamt fünfte der Vereinsgeschichte, war eine kleine Sensation. Die Schwaben schafften es trotz dieses Erfolgs aber nicht, sich langfristig in der Spitzengruppe der Bundesliga festzusetzen.

Statt wie zuvor jungen Spielern eine Chance zu geben (Philipp Lahm, Kevin Kuranyi, Mario Gomez), schwenkten die Verantwortlichen um und holten "große" Namen wie Pavel Pogrebnjak oder Mauro Camoranesi.

2013 erreichte der VfB noch einmal das Finale des DFB Pokals, musste aber 2016 und 2019 sogar den Gang in die zweite Liga antreten. Dort wird gerade versucht, einen Neuaufbau voranzutreiben - wieder einmal.

Werder Bremen

Doublesieger 2004 - lang ist es her. Die Bremer schafften es unter Trainer Thomas Schaaf und Manager Klauf Allofs sogar, sich einige Jahre im Spitzenfeld festzusetzen, wurden noch zweimal Vize-Meister und zweimal Dritter.

2009 gelang noch einmal der Triumph im DFB-Pokal. Mit Beginn des neuen Jahrzehnts fielen auch die Bremer immer weiter zurück und fanden sich plötzlich im Abstiegskampf der Bundesliga wieder.

Mittlerweile zeigt die Kurve der Werderaner wieder etwas nach oben, die Elf um ÖFB-Legionär Marco Friedl nähert sich den Europacup-Plätzen wieder an. Ob es in absehbarer Zeit aber wieder gelingen kann einen Angriff auf die Spitze zu starten, darf bezweifelt werden. Zu weit sind Bayern München und Borussia Dortmund dem Rest der Liga in den vergangenen Jahren enteilt.

Saison Meister VfB Stuttgart SV Werder Bremen
2014/15 FC Bayern (79 Pkt.)
  1. (36 Pkt.)
  1. (43 Pkt.)
2015/16 FC Bayern (88 Pkt.)
  1. (33 Pkt.)
  1. (38 Pkt.)
2016/17 FC Bayern (82 Pkt.) Meister 2. Liga
  1. (45 Pkt.)
2017/18 FC Bayern (84 Pkt.)
  1. (51 Pkt.)
  1. (42 Pkt.)
2018/19 FC Bayern (78 Pkt.)
  1. (28 Pkt.)
  1. (53 Pkt.)

Serie A

Foto: © getty

AC Milan

Eigentlich unglaublich, der AC Milan ist weiterhin der letzte Scudetto-Gewinner, der nicht Juventus heißt - 2011 war das. Seitdem kämpfen die Mailänder gegen finanzielle Probleme und das sportliche Mittelmaß.

Italiens Rekord-Europacupsieger (7 Champions-League-Titel) zeichnet sich seit Jahren durch häufige Trainerwechsel, chaotische Transferpolitik und wechselnde Eigentümer aus. Mit Filippo Inzaghi, Clarence Seedorf und zuletzt Gennaro Gattuso waren bereits drei ehemalige Spieler der erfolgreichen Nullerjahre als Coach verantwortlich. Nachhaltigen Erfolg brachten aber auch sie nicht.

Seit Sommer 2019 liegt die Verantwortung nun bei Milan-Legende Paolo Maldini, der als Sportdirektor fungiert. Mit Zvonimir Boban hat ein weiterer ehemaliger Fan-Liebling eine Funktion im Klub übernommen. Der Saisonstart verlief trotzdem alles andere als optimal. Zudem wurde der Klub wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play aus der Europa League ausgeschlossen. Es bleibt also viel zu tun für Maldini und Co.

Inter

Einziger Trost für alle Fans der "Rossoneri", auch Stadtrivale Inter macht eine schwere Phase durch. Nach fünf Meistertiteln in Folge zwischen 2006 und 2010, inkluvise dem Triple 2010, folgte der tiefe Fall.

Seit 2011 schafften es die "Nerazzurri" achtmal in Folge nicht in die Top drei der Serie A. Der 18-fache Meister taumelte im Mittelmaß der Liga. Auch bei Inter regierte in dieser Zeit ein Hang zu wenig verständlichen Transfers.

Die Kurve zeigt aber wieder nach oben. In der vergangenen Saison erreichte Inter Platz vier und damit die Champions League. Unter Neo-Trainer Antonio Conte will Inter den Angriff auf Juve starten, legte mit sechs Siegen aus sechs Spielen einen perfekten Start hin, bevor es vor der Länderspielpause ausgerechnet ein 1:2 gegen Juventus setzte. Der Kader um ÖFB-Legionär Valentino Lazaro ist stark, aber ob es reicht, um die Dominanz der "Alten Dame" zu brechen, darf bezweifelt werden.

Saison Meister AC Milan Inter
2014/15 Juventus (87 Pkt.)
  1. (52 Pkt.)
  1. (55 Pkt.)
2015/16 Juventus (91 Pkt.)
  1. (57 Pkt.)
  1. (67 Pkt.)
2016/17 Juventus (91 Pkt.)
  1. (63 Pkt.)
  1. (62 Pkt.)
2017/18 Juventus (95 Pkt.)
  1. (64 Pkt.)
  1. (72 Pkt.)
2018/19 Juventus (90 Pkt.)
  1. (68 Pkt.)
  1. (69 Pkt.)

La Liga

Foto: © getty

Deportivo La Coruna

Der erste spanische Meister im neuen Jahrtausend hieß tatsächlich Deportivo La Coruna. 69 Punkte hatte Deportivo am Ende der Saison 1999/00 auf dem Konto und damit fünf mehr als Vize-Meister Barcelona.

Im Team tummelten sich Spieler wie Roy Makaay, Pauleta, Flavio Conceicao oder auch Djalminha. Es sind die erfolgreichsten Jahre des Klubs, 2002 gelingt noch der Triumph in der Copa del Rey. Anschließend nimmt der Abstieg seinen Lauf, 2009 war die bisher letzte Spielzeit, in der La Coruna international vertreten war.

2011 stieg der Klub nach 20 Jahren im Oberhaus in die Zweitklassigkeit ab und entwickelte sich seither zu einer Fahrstuhlmannschaft. An die Erfolge der frühen 2000er Jahre wird man nur schwer anknüpfen können.

FC Valencia

Der FC Valencia war die dominierende Kraft zu Beginn der 2000er Jahre im spanischen Fußball. 2002 und 2004 wurden die "Fledermäuse" Meister, standen 2000 und 2001 zwei Jahre in Folge im Finale der Champions League, die beide verloren gingen. Immerhin gelang mit dem Sieg im UEFA Cup 2004 der erste und bislang einzige internationale Titel.

Im Gegensatz zu Deportivo blieb Valencia ein Gang in die zweite Liga erspart, trotzdem müssen die Fans in den vergangenen Jahren einiges ertragen. Erfolgreichen Spielzeiten folgen welche im hinteren Mittelfeld von La Liga.

Auch wenn der Kader durchaus namhafte Akteure mit Qualität zu bieten hat, schafft es Valencia nicht, sich als treibende Kraft zu etablieren und hat den Status als Nummer drei des Landes seit einigen Jahren an Atletico Madrid verloren.

Saison Meister Deportivo La Coruna FC Valencia
2014/15 FC Barcelona (94 Pkt.)
  1. (35 Pkt.)
  1. (77 Pkt.)
2015/16 FC Barcelona (91 Pkt.)
  1. (42 Pkt.)
  1. (44 Pkt.)
2016/17 Real Madrid (93 Pkt.)
  1. (36 Pkt.)
  1. (46 Pkt.)
2017/18 FC Barcelona (93 Pkt.)
  1. (29 Pkt.)
  1. (73 Pkt.)
2018/19 FC Barcelona (87 Pkt.)
  1. Liga 6.
  1. (61 Pkt.)

Ligue 1

Foto: © getty

Olympique Lyon

"OL" spielte im französischen Fußball lange gar keine Rolle, nur um dann Anfang des Jahrtausends über Jahre hinweg die dominierende Kraft zu sein. Sieben Titel zwischen 2002 und 2008, keinen davor und keinen danach.

Da Lyon trotzdem in der Champions League jährlich Präsenz zeigt, ist der Absturz an vielen vorbei gegangen. Aber seit 2010 waren drei Vize-Meisterschaften das höchste der Gefühle des einstigen Serienchamps. 2012 gelang noch der Sieg im französischen Cup.

Seitdem PSG mit katarischen Millionen versorgt wird, können die anderen Teams der Ligue 1 nicht mehr Schritt halten. Lyon ist zu einem Ausbildungsklub geworden, der immer wieder Spieler zu besseren Klubs verkauft. So beispielsweise Tanguy Ndombele vergangenen Sommer für 60 Millionen zu Tottenham, Alexandre Lacazette zu Arsenal (2017) für 53 Millionen oder Ferland Mendy (2019) für 48 Millionen zu Real Madrid.

AS Monaco

Den rasantesten Absturz von allen legte die AS Monaco hin. 2017 noch französischer Meister, 2018 immerhin noch Vize-Meister entgangen die Monegassen in der vergangenen Spielzeit nur hauchdünn dem Abstieg.

Auch in dieser Saison läuft es alles andere als rund. Neun Punkte in neun Runden, schon 19 Gegentreffer - so lautet die ernüchternde Bilanz. Mit einem Kader, der von seiner Qualität her deutlich über viele andere der französichen Liga zu stellen ist.

Namen wie Cesc Fabregas, Islam Slimani, Wissam Ben Yedder oder Adrien Silva stehen, auch wenn ihre beste Zeit wohl hinter ihnen liegt, für eine gewisse Klasse. Zudem stehen mit Keita Balde, Gelson Martins, Stefan Jovetic oder Jean-Kevin Augustin interessante Kicker im Aufgebot. Den Absturz also nur auf den Qualitätsverlust, der zweifelsohne durch die Verkäufe von Spielern wie Kylian Mbappe entstanden ist, zu schieben, wäre zu einfach.

Saison Meister Olympique Lyon AS Monaco
2014/15 PSG (83 Pkt.)
  1. (75 Pkt.)
  1. (71 Pkt.)
2015/16 PSG (96 Pkt.)
  1. (65 Pkt.)
  1. (65 Pkt.)
2016/17 AS Monaco (95 Pkt.)
  1. (67 Pkt.)
  1. (95 Pkt.)
2017/18 PSG (93 Pkt.)
  1. (78 Pkt.)
  1. (80 Pkt.)
2018/19 PSG (91 Pkt.)
  1. (72 Pkt.)
  1. (36 Pkt.)
Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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