Was ÖFB-Talent Junior Adamu so speziell macht

Was ÖFB-Talent Junior Adamu so speziell macht Foto: © GEPA
 

"Kompliment an die Österreicher, wir sind neidisch darauf", lässt Peter Zeidler im Gespräch mit LAOLA1 wissen.

Als Ex-RB-Salzburg- und Liefering-Trainer hat er gute Connections in die Alpenrepublik, diese lieben und schätzen gelernt. Aktuell lobt er jedoch eine ganz spezielle Person über den grünen Klee: Chukwubuike "Junior" Adamu.

Als Cheftrainer beim FC St. Gallen hat der 58-jährige Deutsche das große Los gezogen, mit dem 19-jährigen ÖFB-U21-Teamspieler seit kurzem einen Rohdiamanten von RB Salzburg auszuleihen und diesen zu schleifen. Seit Februar gibt der Stürmer Woche für Woche seine Talentprobe ab, brilliert in der Super League und war vergangene Woche "Mann des Spiels" bei St. Gallens 4:1-Cup-Gala gegen Top-Favorit YB Bern.

"Er ist ein besonderer Spieler, er vereint viele Fähigkeiten in sich. Und er ist ein großes Talent", teilt Zeidler Lob aus, bevor er genauer darauf eingeht, wie Adamu wirklich tickt. Mit seinem sonnigen Gemüt, immer einem Lächeln im Gesicht und seiner Art Fußball zu zelebrieren, könne er St. Gallen, Salzburg, aber auch Österreich noch viel Freude bereiten.

Sein Fazit über den jungen Ausnahmekönner: "Wenn Zuschauer da wären, wäre er ein Publikumsliebling. Die würden ihn feiern ohne Ende."

"Wir profitieren von der Red-Bull-Schule"

RB Salzburg sah Adamu noch nicht so weit, sofort den Durchbruch zu schaffen. Der universell einsetzbare Offensivakteur trumpfte beim FC Liefering auf, in der Youth League und einmal für 26 Minuten unter Jesse Marsch im ÖFB-Cup.

Durch die Leihe zum FC St. Gallen soll er auf höherem Niveau herangeführt werden. In sieben Einsätzen in der Super League kam er immer mehr zum Zug, erzielte zwei Tore und führte die Ostschweizer mit einem Tor und zwei Assists fast im Alleingang ins Cup-Viertelfinale.

"Allen voran steht die Mannschaft, aber bester Mann auf dem Platz war eigentlich der junge Österreicher Junior Adamu – der war richtig gut", musste auch Zeidler gestehen.

Dass ein Spieler seines Alters vom ersten Tag an im neuen System und Umfeld funktionierte, überrascht auch den erfahrenen Trainer, die Freude darüber überwiegt aber viel mehr.

"Wir profitieren natürlich davon, dass er weiß, was Gegenpressing ist, er als Erster sprintet bei der Balleroberung und das schnelle Spiel beherrscht mit wenigen Kontakten. Da profitieren wir von der Red-Bull-Schule", streut Zeidler indirekt auch seinem Ex-Klub Rosen und lobt dessen gute Nachwuchsarbeit.

"Er ist unglaublich positiv, immer lächelnd, geht auf alle anderen zu und wurde von allen im Verein ins Herz geschlossen. Ich habe selten erlebt, dass das so schnell geht."

Peter Zeidler über Adamu

Die Leihe wird auch von der Mozartstadt aus genau unter die Lupe genommen. Im Cup gegen YB waren Scout Heiko Lässig und Sportkoordinator Johannes Jahn im Stadion zugegen, sie kümmern sich, betreuen ihre in Europa verteilten Leihspieler und schauen nach dem Rechten.

"Davon haben beide Seiten etwas. Wir haben einen tollen Jungen, ein Talent, das noch keine 20 Jahre alt ist, und Salzburg hat dann – wenn er irgendwann zurückgeht, ich hoffe möglichst spät (lächelt) - hoffentlich einen Spieler, der besser geworden ist und Spielpraxis auf höherem Niveau als in der 2. Liga gesammelt hat. Das ist top."

Adamus sonniges Gemüt: "Er lacht den ganzen Tag"

Trotz seines jungen Alters bringt Adamu schon viel mit, kann befreit aufspielen und übertrifft die Erwartungen. Vor allem lächelt er den Druck weg. Die Persönlichkeit des in Nigeria geborenen Kickers imponiert Zeidler besonders.

"Er ist unglaublich positiv, immer lächelnd, geht auf alle anderen zu und wurde von allen im Verein ins Herz geschlossen. Ich habe selten erlebt, dass das so schnell geht, obwohl ich schon viele tolle Spieler trainieren durfte. Ihn mag jeder, er ist respektvoll, er lacht, freut sich, genießt jedes Training. Das ist einfach toll!"

Dabei fällt Zeidler eine Anekdote im Vorfeld des Cup-Spiels gegen die Berner ein, als er mit Adamu in Erinnerungen an Salzburg schwelgte. "Wir schauen so wie damals auf dem Trainingsgelände in Taxham auf die schneebedeckten Berge und ich sage zu ihm: 'Junior, wie in Österreich, wie in Salzburg.' Und er meinte nur: 'Herrlich!' Er lacht ja auch den ganzen Tag, und dann macht er am selben Abend so ein Spiel."

Mit Torhüter Lawrence Ati Zigi hat der Cheftrainer einen weiteren Spieler mit Red-Bull-Vergangenheit im Team. Der 24-jährige Ghanaer war von 2015 bis 2017 für den FC Liefering im Einsatz, bei Salzburg saß er wenn dann nur auf der Bank - auch Zigi sei ein Fan-Liebling.

"Torinstinkt wie Gerd Müller"

Neben seinem sonnigen Gemüt stechen aber die fußballerischen Fähigkeiten hervor, die Adamu zu einem potenziellen Shootingstar der Zukunft machen lassen. Der Junge ist in Form, nicht nur bei St. Gallen. Auch im ÖFB-U21-Nationalteam unter Teamchef Werner Gregoritsch glänzte die Offensivwaffe im vergangenen Lehrgang im März mit einem Tor gegen Saudi Arabien sowie einem Doppelpack beim 2:0-Sieg gegen Polen.

Österreich kann sich vom 19-Jährigen einiges erwarten, auch wenn man den Ball in seinem Alter noch flach halten muss. Fußballerisch kann sein Coach Zeidler genau darstellen, was Adamu so speziell macht.

"Taktisches Verständnis in allen Bereichen, in allen Phasen des Spiels – wenn wir den Ball haben, wenn der Gegner den Ball hat, in Umschaltphasen... Dann hat er eine starke Physis. Er ist nicht der Sprinter, aber schnell und sehr ausdauerstark. Er kann den Ball gut behaupten, und was jeder Verein und Trainer will: Er hat einen unheimlichen Torinstinkt! Er weiß, wo das Tor steht, und wo er stehen muss."

Zeidler hat auch die ÖFB-Tore seines Schützlings für die U21 gesehen und zieht einen gewagten Vergleich: "Die Tore, die er gegen Polen gemacht hat - das war wie Gerd Müller. Auch die zwei Meisterschaftstore für uns und das eine im Cup: Wie ein erfahrener Torjäger, diese Fähigkeiten hat er schon."

"Ein altruistischer Spieler", der ab Sommer wieder Salzburg hilft?

Besonders hebt der Deutsche auch die Bereitschaft des Spielers hervor, sich für das Team aufzuopfern und sein eigenes Ego hintanzustellen. Als Beispiel führt der 58-Jährige das Spiel gegen den FC Zürich an, als Adamu in Unterzahl für zwei gelaufen ist und dem FCSG am Ende sogar noch der 1:1-Ausgleich gelang.

"Adamu hat die Bereitschaft zu laufen, alles für das Team zu machen und nicht zu fragen. Er ist ein richtig altruistischer Spieler, der alle mitreißt. Wenn hoffentlich bald wieder Zuschauer ins Stadion kommen dürfen, dann zeigt er das, was sie sehen wollen. Das ist nicht Kalkül, sondern er hat diese Art, alle Leute zu begeistern."

"Die Tore, die er gegen Polen gemacht hat - das war wie Gerd Müller. Auch die zwei Meisterschaftstore für uns und das eine im Cup: Wie ein erfahrener Torjäger, diese Fähigkeiten hat er schon."

Peter Zeidler über Adamu

In welcher Form das noch möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Denn die Leihe ist vorerst bis Saisonende geplant. Wird diese nicht verlängert, ist Adamu ab Sommer wieder Spieler von RB Salzburg.

"Er wird seinen Weg machen. Warum soll er hier nicht noch ein bisschen länger bleiben? Und wenn er dann richtig, richtig gut ist, dann kann er wieder nach Salzburg und in die europäischen Wettbewerbe (lacht). Das werden wir mit Christoph Freund und seinem Team noch besprechen", hofft Zeidler auf eine mögliche Verlängerung des Leihgeschäfts.

Lob verdient, aber Entwicklung steht weiter im Vordergrund

Denn dass Adamu trotz der Vorschusslorbeeren noch lange kein vollkommener Fußballer ist, steht außer Frage. Die derzeitigen Erfahrungen in der höchsten Liga der Schweiz kann man ihm nicht mehr nehmen, ansonsten ginge es darum, nicht abzuheben und die richtigen Schritte zu setzen.

"Mit 19 ist Junior jetzt schon ein guter Spieler, der respektiert wird und eine gute Zeit hat. Er muss jetzt einfach dran bleiben und regelmäßig trainieren, dann kann er sich in allen Bereichen noch steigern."

Vergleiche mit anderen Jungstars in diesem Alter oder Spielern, die von ihm gecoacht wurden, will Zeidler nicht ziehen - das wäre unseriös. "Natürlich kann er noch viel lernen, das ist doch klar. Ich lobe ihn ganz bewusst, weil er es einfach verdient. Aber er muss mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben und hoffen, dass ihm die richtigen Leute helfen - ob Trainer, Manager oder Berater. Denn es wird auch Phasen geben, in denen es vielleicht nicht mehr so gut läuft."

Denn nicht immer nur geht es steil bergauf. "Bei den Aufgaben, die bei Red Bull auf internationaler Ebene anstehen, braucht er vielleicht noch ein wenig, aber er ist noch nicht einmal 20."

Es wird weiterhin spannend bleiben, die Entwicklung der ÖFB-Nachwuchshoffnung zu verfolgen. Vorerst in der Schweiz, dann bei RB Salzburg, im ÖFB-U21- und im Idealfall irgendwann vielleicht auch im A-Nationalteam. Vielleicht lacht er dann auch dort.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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