Bachmann: "Ich bin bereit für die Premier League"

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Es ist höchste Zeit!

Daniel Bachmann gilt seit Jahren als einer der österreichischen Torhüter mit dem größten Potenzial und hat es zwischenzeitlich sogar ohne nennenswerte Spielpraxis in den Kader des ÖFB-Nationalteams geschafft.

Im Juli feierte der Wiener seinen 24. Geburtstag - ein Alter, in dem man als Nummer eins sein Können zeigen sollte, wenn man die hoch gesteckten Karriere-Ziele erreichen möchte.

Deshalb strebte er eine Leihe vom FC Watford nach Schottland zum FC Kilmarnock an, für den Bachmann am Samstag beim 0:0 gegen Livingston erstmals auf der Bank saß.

Seine Begründung im LAOLA1-Interview: "Auch wenn es sich nicht schlecht anhört, die Nummer zwei bei einem Premier-League-Verein zu sein: Es nutzt mir nichts!"

Zudem spricht Bachmann über die schwierige Situation jüngerer Goalies in der Premier League, seine Perspektive, als Nummer eins zu Watford zurückzukehren, die Wahnsinns-Ablöse für Torhüter wie Kepa und seine Ambitionen im ÖFB-Team.

LAOLA1: Du bist von Watford leihweise zu Kilmarnock. Was hat für dein Engagement dort gesprochen?

Bachmann: Wichtig ist für mich in dieser Saison einfach, dass ich zum Einsatz komme und auf einem relativ hohen Niveau spiele – und das ist in Schottland der Fall. Das einzige Problem in Sachen Leihgeschäft war, dass ich von Watford spät Bescheid bekommen habe und die Saison in Schottland schon begonnen hat. Dennoch: Das Hauptziel sind Spiele, damit ich dadurch wieder in den Mittelpunkt komme.

LAOLA1: Eine Leihe hatte sich zuletzt angebahnt. Welche Optionen hattest du?

Bachmann: Es war eine anstrengende Woche, weil sich alles ein wenig gezogen hat. Ich bin schon am Freitag (vor einer Woche, Anm.) nach Glasgow geflogen und habe am Samstag bei Kilmarnock unterschrieben, musste dann aber warten, bis alles geklärt war. Es gab auch Gespräche mit Bolton in der Championship und eine dritte Option in Portugal. Aber ich glaube, dass das Gesamtpaket in Kilmarnock am gescheitesten ist, weil es eine erste Liga, ein gutes Niveau ist. Ich freue mich irrsinnig auf dieses Jahr.

LAOLA1: Der Kilmarnock FC ist in Österreich nicht so bekannt. Wie würdest du den Verein einordnen?

Bachmann: Es ist ein Mittelständler in Schottland. In Schottland wird die Liga nach 33 Spielen geteilt und dann werden zwei Playoffs gespielt. Letzte Saison war Kilmarnock in der oberen Tabellenhälfte und am Ende Fünfter. Hoffentlich können wir das heuer toppen. Mit Celtic natürlich, aber auch mit den Rangers, Aberdeen oder Hibernian hast du Favoriten, aber es gibt immer wieder Underdogs wie Kilmarnock, die vorne mitspielen können. Ich habe am vergangenen Samstag den Saisonstart gegen St. Johnstone gesehen und muss sagen, dass dieses Team defensiv wirklich ganz stark ist – ich glaube, der Gegner hatte keinen einzigen Torschuss. Das sieht man als Torhüter natürlich gerne. Ich denke, dass wir sehr weit vorne mitspielen können.

"In den Gesprächen mit dem Trainer hat er mir signalisiert, dass er mir helfen will, zurück ins Nationalteam zu kommen. Es ist auf jeden Fall so: Wenn meine Leistungen passen, dann spiele ich."

Daniel Bachmann

LAOLA1: Du wirst dich mit dem 32-jährigen Jamie MacDonald um die Nummer eins matchen. Welche Perspektiven zeigen dir die Verantwortlich bei Kilmarnock auf?

Bachmann: Die Situation ist ganz einfach: Ich bin auf Leihe, um zu spielen. Klar, Konkurrenzkampf gibt es immer und überall, nur bin ich sehr positiver Dinge, dass ich den Großteil der Saison spielen werde. In den Gesprächen mit dem Trainer hat er mir signalisiert, dass er mir helfen will, zurück ins Nationalteam zu kommen. Es ist auf jeden Fall so: Wenn meine Leistungen passen, dann spiele ich.

LAOLA1: Es ist nicht dein erstes Engagement in Schottland. Welche Erinnerungen hast du an die kurze Zeit bei Ross County?

Bachmann: Vor drei Jahren war ich für vier Wochen bei Ross County, aber das hat damals überhaupt nicht gepasst und Stoke hat mich zurückgeholt. Das war damals oben in den Highlands, vier bis fünf Stunden nördlich von dem, wo ich jetzt bin, also wirklich im Nirgendwo. Ich habe mich überhaupt nicht wohl gefühlt, mir ist es nicht gut gegangen, also haben wir es gecancelt. Das heißt, an Schottland selbst habe ich keine guten Erinnerungen, wobei das eine ganz andere Situation war.

LAOLA1: Du hast vorher gemeint, dass du von Watford spät Bescheid bekommen hast. Wie hast du deine Situation dort empfunden?

Bachmann: Heurelho Gomes ist 37 und hat noch ein Jahr Vertrag. Die Situation war die, dass ich vor ihm die Nummer zwei sein sollte. Nur, auch wenn es sich nicht schlecht anhört, die Nummer zwei bei einem Premier-League-Verein zu sein: Es nutzt mir nichts! Deshalb haben wir vom Beginn der Vorbereitung an darauf gepusht, dass ich eventuell auf Leihe gehen kann. Anfangs hat es immer geheißen, dass es nicht geht, aber im Endeffekt haben wir es doch noch durchgebracht. Es war jetzt jedoch relativ kurzfristig, etwas Passendes zu finden.

LAOLA1: Dass Watford mit Ben Foster einen weiteren Routinier geholt hat, war vermutlich auch ein Signal, dass du nicht sonderlich positiv empfunden hast, oder?

Bachmann: Das war mehr oder weniger klar, dass ein neuer Tormann kommt, weil wir sonst mit Gomes und mir nur zu zweit gewesen wären. Der Plan von Watford laut der Gespräche der letzten Tage ist, dass ich diese Saison rausgehe und nächstes Jahr zurückkomme. Nächstes Jahr ist Gomes dann weg, weil sein Vertrag ausläuft und er aufhören wird. Dazu haben wir Ben Foster, der nächstes Jahr 36 sein wird. Deshalb ist es sehr, sehr wichtig, dass ich dieses Jahr spiele und gut spiele – dann habe ich nächstes Jahr eine sehr gute und realistische Chance auf die Premier League.

"Ich habe bei Watford immer wieder Gespräche mit dem Trainer und auch dem Besitzer. Ich traue mich zu sagen: Die bauen alle auf mich und vertrauen auf mein Können! Nur: Jetzt ist einfach höchste Zeit, dass ich spiele und richtig zeige, was ich wirklich kann."

Daniel Bachmann

LAOLA1: Du hast vor zwei Jahren ein LAOLA1-Interview gegeben und dabei folgendes gesagt: "Ich bin teilweise ungeduldig. Ich habe das Bedürfnis zu spielen. Ich weiß auch, dass ich bereit bin, zu spielen. Als junger Spieler ist es schwer, ruhig und geduldig zu bleiben." In den letzten zwei Jahren ist diese Ungeduld vermutlich nicht geringer geworden.

Bachmann: Dazu stehe ich noch immer! Ich bin immer noch jung für einen Tormann auf internationaler Ebene. Ich bin 24 und kann immer noch 14 Jahre spielen. Das Durchschnitts-Alter von Premier-League-Debütanten im Tor ist 25, da bin ich noch darunter. Für einen Tormann bin ich also noch jung, aber es ist verdammt schwer, wenn du trainierst, jeden Tag hart arbeitest, dann aber nicht zum Einsatz kommst wie letztes Jahr bei Watford und davor bei Stoke. Das ist teilweise frustrierend. Deshalb ist diese Leihe ein ganz wichtiger Schritt.

LAOLA1: Wie kann man sich das im Alltag vorstellen? Haben dich die Verantwortlichen bei Watford bei ihren Feedbacks eher hingehalten oder ermutigen sie einen?

Bachmann: Ich habe noch zwei Jahre Vertrag bei Watford und werde ihn in den kommenden Tagen vorzeitig um ein Jahr verlängern. Das ist natürlich ein Zeichen von Watford, dass sie mir vertrauen, auf mich bauen und mich für die Zukunft sehen. Wie gesagt: In England ist es bei den Tormännern sowieso so, dass du oft erst später den Durchbruch hast. Das ist nicht nur bei uns so. Bei uns ist es halt extrem, dass du einen 35- und einen 37-Jährigen hast, aber das siehst du bei einigen Vereinen in der Premier League, weil du als Tormann einfach länger spielen kannst und in England Erfahrung ein wichtiger Punkt ist. Ich habe bei Watford immer wieder Gespräche mit dem Trainer und auch dem Besitzer. Ich traue mich zu sagen: Die bauen alle auf mich und vertrauen auf mein Können! Nur: Jetzt ist einfach höchste Zeit, dass ich spiele und richtig zeige, was ich wirklich kann.

LAOLA1: Schauen wir uns ein anderes Beispiel an. Kasper Schmeichel wurde einst von Manchester City auch oft verliehen, der richtige Durchbruch gelang erst mit Mitte 20. Machen solche Beispiele Mut?

Bachmann: Definitiv! Da gibt es nicht nur Kasper, sondern genug Beispiele, die von Premier-League-Vereinen verliehen wurden, teilweise auch zu ganz kleinen Vereinen in die 3. oder 4. Liga. Schmeichel wurde oft verliehen, hat dann mit Leicester in der 2. Liga gespielt und den Durchmarsch mit Aufstieg und Premier-League-Titel geschafft. Auch Joe Hart wurde beispielsweise oft verliehen und hat erst mit 23, 24 den richtigen Durchbruch geschafft.

LAOLA1: Man hört immer wieder, wie gut dein Potenzial sei. Wo würdest du dich selbst einordnen? Auf welchem Level siehst du dich?

Bachmann: Die Spielpraxis wird jetzt sehr wichtig für mich, sonst stehe ich an. Ich will in der Premier League spielen – das ist offensichtlich, das weiß jeder. Jeder, der meinen Namen kennt, weiß: Okay, der Bachmann hat immer einen guten Namen gehabt vom U21-Nationalteam, dort hat er immer gespielt. Nur: Irgendwann muss ich jetzt auch viele Spiele im Profi-Fußball machen, und da ist die Scottish Premiership eine super Plattform. Ganz ehrlich: Ich persönlich bin der Meinung, dass ich bereit bin, in der Premier League zu spielen. Nur das ist in dieser Liga wie gesagt sehr schwer. Es geht um so viel Geld, dass Trainer irgendwo auch verständlicherweise sagen: "Der hat wenig Erfahrung, den setze ich nur auf die Bank."

"Die Frage ist nur: Wenn ein Tormann wie Kepa für 80 Millionen wechselt, für wie viel würde dann ein de Gea wechseln, wenn er dieselbe Vertragslänge hätte? Oder ein Courtois? Für 150 Millionen? 180 Millionen? 200 Millionen?"

Daniel Bachmann

LAOLA1: Das heißt, der Name zählt oft mehr als das aktuelle Leistungsvermögen?

Bachmann: Genau so ist es. In der Premier League ist es oft so: Wenn du einen Namen hast, schon älter bist, vielleicht auch schon gegen Ende deiner Karriere bist und der Verein auch einen jungen Torwart hat, wird immer der mit dem Namen den Vorzug bekommen – auch wenn es sportlich keinen Sinn macht und genau umgekehrt sein sollte. Wie es in anderen Ligen ist, kann ich schwer beurteilen, aber in der Premier League ist es zu 100 Prozent so: Wenn du einen Namen hast, zählt die Leistung oft gar nicht mehr so viel.

LAOLA1: Kepa hat noch nicht den ganz großen Namen und wurde von Chelsea gerade um 80 Millionen Euro verpflichtet und somit zum teuersten Torhüter der Welt gemacht. Wie beurteilst du diese Entwicklung am englischen Torhüter-Markt?

Bachmann: Dieser Transfer ist für mich wirklich unglaublich, echt ein Wahnsinn! Der Transfer von Alisson (um 75 Millionen Euro von der Roma zu Liverpool, Anm.d.Red.) war schon verrückt. Aber die Sache ist die, dass im Moment einfach sehr viel Geld im Fußball ist, das hat man letztes Jahr schon bei Neymar gesehen. Die Transfers werden immer teurer, das heißt, dass auch die Tormänner immer teurer werden. Die Frage ist nur: Wenn ein Tormann wie Kepa für 80 Millionen wechselt, für wie viel würde dann ein de Gea wechseln, wenn er dieselbe Vertragslänge hätte? Oder ein Courtois? Für 150 Millionen? 180 Millionen? 200 Millionen? Nicht falsch verstehen: Kepa ist ein Top-Tormann, da brauchen wir nicht reden, sonst würde er auch nicht für so viel Geld wechseln. Dennoch ist es ein Wahnsinn, wie das gerade läuft.

LAOLA1: Kepa ist 23. Kann das Goalies deiner Altersstufe helfen, wenn er bei Chelsea funktioniert?

Bachmann: Klar ist es zu begrüßen, wenn junge Torhüter öfter eine Chance kriegen, das ist natürlich auch gut für die Zukunft. Aber für mich persönlich glaube ich, dass es von mir selbst abhängt, wie ich in dieser Saison spiele. Wenn ich eine super Saison spiele, habe ich nächste Saison einfach eine Top-Chance, die Nummer eins bei Watford zu sein.

LAOLA1: Du hast in England eine Familie gegründet. Wie sehr bist du in Sachen Karriere eigentlich auf die Insel abonniert?

Bachmann: Ich bin gar nicht auf die Insel abonniert. Ich habe sowohl mit dem Verein als auch mit meinem Berater gesprochen: Bei der Leihe war von Anfang an klar, dass es egal ist, wo es hingeht: Ob das Schottland ist, die Championship, Portugal, die deutsche Bundesliga, eventuell die 2. deutsche Bundesliga, Frankreich, Spanien oder Italien, eventuell auch Österreich, wenn es vom Paket her gepasst hätte. Ich bin überhaupt nicht auf England begrenzt. Das einzig Wichtige für mich war, dass ich zum Spielen komme, und zwar auf einem hohen Level!

LAOLA1: Mit Watford warst du auf Trainingslager in Österreich. Wie oft bist du grundsätzlich noch in deiner Heimat?

Bachmann: Im Sommer-Urlaub war ich in Österreich, ansonsten gibt es während der Saison gar keine Chance – außer beim Nationalteam. Als Marcel Koller noch Teamchef war, bin ich ein Jahr lang im Kader gestanden, da war ich in Österreich bei den Lehrgängen.

"Mit Franco Foda hatte ich bisher noch keinen Kontakt, mit Klaus Lindenberger das letzte Mal vor dem November-Lehrgang. Das ist also schon lange her. Seither habe ich vom ÖFB nichts mehr gehört."

Daniel Bachmann

LAOLA1: Wie beurteilst du deine aktuelle Situation im Hinblick auf das Nationalteam? Wenn du zum Spielen kommst, müsstest du wieder ein logischer Kandidat sein, oder?

Bachmann: Wenn ich in Schottland zum Einsatz komme und auf einem guten Level spiele, habe ich sicher eine seriöse Chance, wieder in den Kader des Nationalteams berufen zu werden. Aber das ist meine persönliche Meinung, im Endeffekt ist es allein der Teamchef, der entscheidet.

LAOLA1: Gibt es Kontakt zum Teamchef oder zu Tormanntrainer Klaus Lindenberger?

Bachmann: Mit Franco Foda hatte ich bisher noch keinen Kontakt, mit Klaus Lindenberger das letzte Mal vor dem November-Lehrgang. Das ist also schon lange her. Seither habe ich vom ÖFB nichts mehr gehört.

LAOLA1: Das verwundert mich ehrlich gesagt – Kontakt halten sollte drinnen sein.

Bachmann: Ich habe in den letzten acht, neun Monaten aber sowieso keine Ansprüche stellen können, was das Nationalteam betrifft, weil ich eben nicht zum Einsatz gekommen bin. Wenn ich bei Kilmarnock gut spiele, könnte es sein, dass ich wieder ein Thema werde. Meine Aufgabe ist es, Leistung zu bringen. Dann bin ich zuversichtlich, wieder auf dem Radar des ÖFB aufzutauchen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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