Ritzmaier: "Nationalteam weiter großer Traum"

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Seit fast acht Jahren ist Marcel Ritzmaier bei PSV Eindhoven in der Eredivisie engagiert.

Nach zahlreichen Leihstationen und einigen verheißungsvollen Auftritten ist der 24-jährige Steirer zuletzt auf dem Abstellgleis beim holländischen Spitzenteam gelandet und darf nur mehr im Reserveteam ran.

Im LAOLA1-Interview träumt der vielseitige Mittelfeldspieler trotzdem weiter von der Nationalmannschaft und kann sich mittlerweile auch eine Rückkehr in die österreichische Bundesliga vorstellen.

LAOLA1: Du lebst seit Jänner 2010 in den Niederlanden. Das ist eine lange Zeit für einen jungen Spieler wie dich. Fühlst du dich mittlerweile mehr als Niederländer?

Marcel Ritzmaier: (lacht) Die Frage habe ich schon oft gestellt bekommen. Ich fühle mich aber weiter mit Herz und Blut als Österreicher – das wird sich auch nie ändern.

LAOLA1: Dein Verein PSV Eindhoven konnte in den letzten drei Saisonen zwei Mal den Meistertitel in der Ehrendivison erringen. Auch in dieser Spielzeit können die Eindhovener bereits vier Punkte Vorsprung auf den Zweiten AZ Alkmaar aufweisen. Was macht die PSV zurzeit so stark?

Ritzmaier: Es ist Kontinuität im Verein eingekehrt. Sowohl Spieler als auch Trainer arbeiten mittlerweile lange zusammen und sind eingespielt. Das ist ein großer Vorteil gegenüber den anderen Mannschaften.

LAOLA1: Kommen wir zu deiner persönlichen sportlichen Lage in Eindhoven. Du hast schon 87 Einsätze in der Eredivisie in den Beinen, in dieser Saison bist du aber bisher nur in der zweitklassigen, niederländischen Jupiler League beim Reserveteam von Eindhoven zum Einsatz gekommen.

Ritzmaier: Die Situation ist überhaupt nicht zufriedenstellend. Ich hätte den Verein eigentlich schon im Sommer verlassen dürfen, das war auch mein Plan. Da ist jedoch nichts für mich passendes zusammengekommen, deshalb komme ich jetzt nur mehr in der zweiten Mannschaft zum Zug.

Ich habe nie wirklich eine Chance bekommen

Ritzmaier über Trainer Cocu

LAOLA1: Wieso hat es bei PSV bis jetzt nie wirklich geklappt?

Ritzmaier: Das ist nicht leicht zu beantworten. Natürlich ist das auch vom Trainer abhängig. Es ist wichtig, dass der auf dich setzt und dir vertraut – das war bei mir leider nicht der Fall. Ich habe nie wirklich eine Chance bekommen, mich auf längere Zeit zu beweisen. Das macht es einem jungen Spieler wie mir schwierig, bei so einem Top-Verein einen Stammplatz zu erobern.

LAOLA1: Den von dir angesprochenen Trainer der ersten Mannschaft Philipp Cocu kennst du mittlerweile schon sehr lange. Stehst du mit ihm aktuell in Kontakt?

Ritzmaier: Nein, zurzeit überhaupt nicht.

LAOLA1: Steht ein Winter-Transfer bereits fest oder könnte es sogar dazu kommen, dass dein im Sommer 2018 auslaufender Vertrag doch noch verlängert wird?

Ritzmaier: Fix ist noch nichts, aber ich gehe nicht davon aus, dass mein Vertrag nochmal verlängert wird. Die Frage ist nur, ob es bereits im Winter mit dem Wechsel klappt oder erst im Sommer.

LAOLA1: Bereits 2016 hast du eigentlich gehofft, endlich langfristig wo unter zu kommen und Eindhoven zu verlassen. Eine Leihe nach Deventer zu den Go Ahead Eagles ist es geworden. Wieso kam wieder nichts Langfristiges zu Stande?

Ritzmaier: In den letzten Jahren war nie etwas dabei, wo ich mir gedacht habe: „Das ist jetzt der richtige Schritt für meine Zukunft.“ Man hofft immer, wenn man von einer Leihe zurückkommt, dass man endlich den Durchbruch schaffen könnte, das ist letztendlich leider nie passiert.

LAOLA1: War es rückblickend ein Fehler sich so oft verleihen zu lassen?

Ritzmaier: Nein, für mich persönlich war es das Beste, was ich machen konnte. Ich war bei allen meinen Leihstationen (Anm. 2013/14 bei SC Cambuur-Leeuwarden, 2015/16 bei NEC Nijmegen, 2016/17 bei den Go Ahead Eagles) Stammspieler in der Eredivisie. Spielpraxis und Erfahrung sind für einen Fußballer in meinem Alter am allerwichtigsten.

LAOLA1: Im vergangenen Sommer standest du vor dem Sprung nach Polen zu Arka Gdynia. Wieso ist daraus nichts geworden?

Ritzmaier: Ich habe den Verein besucht und mit Präsidenten und Trainer gesprochen. Aber mein Gefühl sagte mir damals, dass ich das zum jetztigen Zeitpunkt nicht machen sollte.

LAOLA1: Zuletzt warst du einem Wechsel nach Österreich weniger abgeneigt, ein Verbleib im Ausland stand aber im Vordergrund. Wäre der Gang in die österreichische Bundesliga jetzt ein möglicher?

Ritzmaier: Ich schließe nichts aus – auch nicht Österreich. Wenn etwas auf mich zukommen sollte, werde ich mich auf jeden Fall damit beschäftigen.

LAOLA1: Austria-Trainer Thorsten Fink sprach zuletzt davon, unbedingt einen zentralen Mittelfeldspieler und einen Linksverteidiger verpflichten zu wollen. Das wären zwei Positionen, die du bekleiden könntest.

Ritzmaier: Dafür wäre ich natürlich offen. Ich werde mir alles anhören, was es so gibt.

LAOLA1: Ist deine Vielseitigkeit nur Segen oder auch Fluch, da du nicht immer auf deiner Lieblingsposition eingesetzt wirst?

Ritzmaier: Ich bin immer froh, wenn ich spielen darf, egal wo. Aber jeder Spieler hat natürlich eine Lieblingsposition. Es kann ein Vorteil sein, vielseitig eingesetzt werden zu können. Das kann aber auch zum Nachteil werden, wenn man nie wirklich auf einer festen Position spielt.

LAOLA1: Du hast alle rot-weiß-roten Jugendmannschaften durchlaufen, du hast immer davon gesprochen, unbedingt einmal im A-Nationalteam aufzulaufen. Ist dieser Zug bereits abgefahren?

Der Nationalteam-Zug ist für mich noch lange nicht abgefahren

Ritzmaier über seinen ÖFB-Traum

Ritzmaier: Der Zug ist noch lange nicht abgefahren. Wenn ich es schaffe, auf hohem Niveau Spielpraxis zu sammeln, stehen mir alle Türen offen. Der neue Trainer Franco Foda hat viele neue Namen einberufen, wie etwa Stefan Hierländer, mit dem ich früher zusammengespielt habe. Das zeigt, dass es nie wirklich vorbei ist. Das österreichische Nationalteam bleibt mein großer Traum.

LAOLA1: Wie hast du den angesprochenen Trainerwechsel von der Ferne aus verfolgt?

Ritzmaier: Ich habe das natürlich auch in den Niederlanden mitbekommen. Es ist sehr schade, dass Marcel Koller gehen musste, aber Franco Foda hat bereits bewiesen, dass er gut mit jungen Spielern umgehen kann. Ich hoffe, dass er mit dem Nationalteam ähnlich erfolgreich ist, wie mit Sturm Graz.

LAOLA1: Der holländische Fußball steht am Ende eines turbulenten Fußballjahrs. Auf der einen Seite steht der überraschende Einzug ins Europa-League-Finale von Ajax Amsterdam, auf der anderen Seite verpasste die „Elftal“ erneut ein Großereignis und im Klubfußball scheiterten sowohl Ajax, als auch deine Eindhovener auf historische Weise am Einzug in den Europacup. Die niederländische Liga ist mittlerweile hinter Österreich in der 5-Jahreswertung gerutscht und könnte noch weiter zurückgereicht werden. Wie erklärst du dir die Krise im holländischen Fußball?

Ritzmaier: Ich weiß nicht, ob man von einer Krise sprechen kann. Die holländische Liga ist eine Ausbildungsliga. Junge Spieler bekommen früh eine Chance und wechseln dementsprechend schnell ins Ausland. In der Nationalmannschaft gibt es zudem gerade einen Generationenwechsel. In naher Zukunft wird die Niederlande aber wieder eine sehr bedeutende Rolle im Fußball einnehmen.

LAOLA1: Dem Zuschaueransturm tut das keinen Abbruch, anders als in Österreich spielen die niederländischen Top-Klubs fast immer vor vollem Haus mit bis zu 50.000 Zusehern bei Liga-Heimspielen. Sind die niederländischen Fans einfach fußballverrückt?

Ritzmaier: In Holland ist Fußball die Nummer eins. Jedes Kind will von klein auf so oft es geht ins Stadion gehen. Es ist schön zu sehen, wie fußballbegeistert die Holländer sind.

LAOLA1: Zum Abschluss. Du hast bei allen deinen Stationen stets die Rückennummer 24 getragen. Welche Bedeutung hat diese Zahl für dich?

Ritzmaier: Die 24 ist von klein auf meine Glückszahl. Das war die Nummer, mit der ich mein Debüt gefeiert habe.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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