Ex-Salzburg-Kapitän über Saudi-Zeit: "Eine Frage der Anpassung"
Der Spanier spricht über Kulturunterschiede verglichen zu Europa. Er wurde angesprochen, wenn er kurze Hosen trug.
Zwischen 2012 und 2017 spielte Jonathan Soriano beim FC Red Bull Salzburg. Der ehemalige Kapitän gilt als Vereinslegende.
2019 zog es den Stürmer für ein halbes Jahr in die Saudi Pro League zu Al Hilal, damals war die Liga noch bei weitem nicht so im Trend wie heute.
Damals große Unterschiede in der Liga
"Es war eine Zeit, in der Saudi-Arabien noch nicht an Popularität explodiert war und ausländische Spieler gerade erst anfingen, aufzutauchen. Verglichen mit anderen Teams gab es einen riesigen Abstand", so Soriano gegenüber "Sport".
Auswärts seien damals fast immer die Al-Hilal-Fans in der Überzahl gewesen.
Eine andere kulturelle Welt
Kulturell gebe es große Unterschiede. "Es ist eine andere Kultur. Früher zum Beispiel war ich in Österreich, wo sie verschlossener sind, nicht so für Scherze wie hier, sehr europäisch. Die Araber sind Muslime und halten das Gebet strikt ein. Wenn man beten musste, wurde das Training angehalten, verschoben oder um Stunden verlegt", erklärt Soriano.
Auch kleidungstechnisch musste man sich adaptieren. "Wenn du durch die Einkaufszentren gingst, machten sie dich darauf aufmerksam, wenn ich kurze Hosen trug. Es gab die Religionspolizei, die Frauen mussten lange Kleider tragen, ich ging mit meiner Frau und meinen drei Töchtern und alles war spezieller. Es ist eine Frage der Anpassung", berichtet der Ex-Stürmer.
Eigener Bereich für Stars
Für die ausländischen Stars gibt es aber eigene Viertel zum Leben. "Es sind geschlossene Bereiche für Ausländer, die ihr normales Leben führen können. Dir fehlt es an nichts, mit Fitnessstudios, Geschäften, Restaurants… es ist eine sehr abgegrenzte Zone. Wenn du dort rausgingst, musstest du dich dem Lebensstil anpassen", so der Ex-Salzburger.
Gerade für Frauen sei es damals schwierig gewesen. "Wenn die Hitze kommt, machst du tagsüber nichts, das Leben ist nachts und wenn die Zeit des Ramadan ist, haben sie ihre Regeln. Man muss sich anpassen", gibt es in Saudi-Arabien auch einen anderen Zeitrhythmus.
Soriano versteht möglichen Lewandowski-Deal
Das wirkt sich auch auf den Fußball aus. "Wegen der Hitze musstest du um 22:00 Uhr nachts trainieren, du kamst in den frühen Morgenstunden nach Hause und danach musstest du Vater sein, die Mädchen zur Schule bringen, bei der Frau sein. Für sie ist es das Gegenteil. Der Araber lebt nachts, geht essen, etwas trinken und steht dann um 15:00 Uhr auf. Wenn der Sommerfahrplan kam, war es kompliziert", meint Soriano.
Aktuell wird Barca-Star Robert Lewandowski mit einem Wechsel in die Wüste in Verbindung gebracht. Soriano würde einen derartigen Deal verstehen: "Wenn er den letzten großen Vertrag machen will, verstehe ich das. Nicht, dass ich mich mit ihm in dieselbe Schublade stecke, aber das Leben eines Fußballers ist kurz und jeder weiß, was er will. Wenn er es mit 38 Jahren macht, ergibt es Sinn."