Belgischer Referee: "Jedes Spiel manipuliert"

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Fußball-Belgien wird aktuell von einem weitreichenden Betrugsskandal erschüttert (Alle Infos!).

Neben Spielerberatern, Klubchefs und Trainern werden vor allem Schiedsrichter der Korruption und Spielmanipulation beschuldigt.

Nun packt einer dieser Referees des belgischen Verbandes gegenüber dem Fernsehsender "RTL TVI" aus. Der Schiedsrichter, der anonym bleibt, gewährt im Interview mit dem belgischen Medium düstere Einblicke in einen der wohl größten Manipulationsskandale des Fußballs.

"Wäre nett, wenn du mich gewinnen lassen würdest"

"Nahezu kein Match wird ohne Einfluß von draußen und ohne Vereinbarungen darüber, wer gewinnt, gespielt", verrät der Schiedsrichter, betont aber: "Es sind nicht die Referees, die die Spiele manipulieren, sondern die Vereins-Bosse. Sie kennen sich alle gegenseitig und machen Vereinbarungen vor dem Spiel: 'Es wäre nett, wenn du mich gewinnen lassen würdest, oder es wäre gut, wenn ich verlieren würde.'"

Solche Vereinbarungen seien oft nicht schwer zu erkennen: "Ein Team, das mit den gleichen Spielern die ganze Saison spielt und dann plötzlich ein paar Youngsters reinwirft? Oder ein Team, das sich konstant vors Tor spielt und dann jeden Ball drüberjagt? Oder ein Tormann, der einen Fehler macht? Einem Tormann auf diesem Level passiert sowas nicht. Wenn so etwas passiert, ist das kalkuliert."

Erpressen Klub-Bosse die Schiedsrichter?

Der Interviewte will wissen, dass manche Klub-Bosse einen Bonus an die Spieler auszahlen, damit sie verlieren. "Das passiert von der dritten bis zur ersten Liga. Nicht ein einziger Schiedsrichter kommt zu einem Match und hat die Ambition, zu manipulieren. Aber es wird ein enormer Druck auf uns erzeugt. Sie geben uns zu verstehen, dass wir nicht wirklich eine Wahl haben."

Die versuchten Einflußnahmen sind vielfältig: "Es gibt sie in der Form von Geschenken, über Facebook- oder Whatsapp-Nachrichten, sie rufen einen Freund an, oder in einem Restaurant: Sie erreichen uns. Manchmal machen sie Drohungen, dass wir nirgends mehr willkommen sind, wenn wir nicht ein bestimmtes Team gewinnen lassen."

"Schwer, in den Spiegel zu sehen"

Oft erhalten Schiedsrichter zahlreiche Nachrichten von Vereins-Vorsitzenden oder Spielern: "'Ich brauche soundso viele Punkte und es wäre nett, wenn du mit dabei helfen könntest', senden sie an uns. Oder sie fragen nach einer Gelben Karte, oder speziell, keine zu bekommen."

Der Druck auf die Schiedsrichter werde sofort nach der Ankunft beim Stadion ausgeübt: "Die Person, die für die Schiedsrichter verantwortlich ist, macht uns sofort verständlich, in welche Richtung die Partie gehen wird. Danach kommt der Vereins-Vorsitzende vorbei, mit einem harten Händedruck und dem Versprechen, dass es eine Möglichkeit gibt, nachher in ein Restaurant zu gehen, oder dass er Tickets für ein Konzert oder einen Kinobesuch hat. Es ist indirekte Korruption."

Die Passion des Schiedsrichter-Daseins rückt dabei immer mehr in den Hintergrund: "Nach einem Match ist es schwer, in den Spiegel zu sehen. Das ist nicht der Grund, warum wir diesen Job gewählt haben. Es ist auch eine Passion für uns. Die Dinge, die sie uns machen lassen, sind ekelhaft. Deswegen bin ich heute hier."

Textquelle: © LAOLA1.at

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