David Stec: "In Polen wird Fußball mehr gelebt"

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David Stec ist in den letzten Monaten vom Radar vieler österreichischer Fußballfans verschwunden.

Der 24-Jährige wagte vergangenen Sommer erstmals den Schritt ins Ausland, genauer gesagt nach Polen, zu Pogon Stettin. Der Rechtsverteidiger hat nach neun Jahren im Trikot des SKN St. Pölten seinen nächsten nächsten Karriereschritt vorgenommen.

Der Schritt in die polnische Ekstraklasa war, auch aufgrund seiner polnischen Wurzeln, ein logischer. Auch wenn er in seinem ersten Halbjahr bereits mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatte, so gerät er doch ins Schwärmen über seine neue Heimat.

LAOLA1 hat beim viermaligen U21-Nationalspieler Österreichs nachgefragt, wie es ihm bei seinem neuen Arbeitgeber ergeht und was die polnische Liga Österreich voraus hat.

LAOLA1: Bist du nach dem Trainingslager in Belek topfit für die Rückrunde?

David Stec: Ich bin zurzeit leider noch leicht angeschlagen, ich habe mir kurz vor Ende der Rückrunde die Bänder im Knie gezerrt, kann im Moment aber trotzdem ganz normal mittrainieren. Ab und zu habe ich schon noch ein bisschen Schmerzen. Aber diese werden mich wohl noch länger begleiten.

LAOLA1: Das ist dann bereits deine zweite Verletzung in dieser Saison. Du musstest ja bereits im Oktober einige Wochen pausieren.

David Stec: Das stimmt, ich habe mich bei unserem ersten Sieg gegen Wisla Krakau spät, in der 87. Minute, verletzt. Da habe ich mir nach einem Sprint einen Muskelfasereinriss im Oberschenkel zugezogen, dann war ich einen guten Monat außer Gefecht. Das war vor allem deshalb schade, weil wir dann unsere Serie gestartet haben. Von dort an haben wir super gespielt. Wir haben neunmal gewonnen und nur dreimal verloren.

LAOLA1: Du warst zu Beginn der Hinrunde noch Stammspieler, musstest, wie bereits erwähnt, einen Monat pausieren, hast dich in den letzten Spielen der Hinrunde allerdings wieder in die Startelf zurückgekämpft.

David Stec: Nach dem Bänderriss war es schon schwer zu spielen, die Mannschaft hat einen Lauf gehabt und ich war dann zumeist nur auf der Bank. Das war dann eben mein Pech. Die letzten Partien in der Rückrunde habe ich aber wieder von Anfang an gespielt. Ausnahme war nur die Partie gegen Cracovia Krakau, da musste ich wegen zu starker Schmerzen passen.

LAOLA1: Wie schaut eure aktuelle Personalsituation auf deiner Position aus? Der Verein ist ja im Winter auf dem Transfermarkt aktiv geworden und hat mit Jakub Bartkowski einen neuen Rechtsverteidiger geholt.

David Stec: Die aktuelle Situation ist so, dass sich der andere Rechtsverteidiger in der Mannschaft auch verletzt hat. Ich habe mir im Vergleich zu ihm zum Glück nur die Bänder gezerrt, bei ihm war es ein Bänderriss im Knie. Der Trainer wollte das Risiko allerdings nicht eingehen, mit zwei angeschlagenen Rechtsverteidigern in die Rückrunde zu gehen und hat einen neuen Mann geholt - Bartkowski ist dann, auch aufgrund von Vertragsproblemen bei Wisla Krakau, ablösefrei zu uns gestoßen.

LAOLA1: Und wo siehst du dich zurzeit in diesem internen Duell?

David Stec: Ich weiß noch nicht, wen der Trainer auswählt. Ich habe in der Winter-Vorbereitung zumindest gut gespielt – ein Tor vorbereitet und auch so gut gespielt. Bartkowski ist vielleicht ein bisschen erfahrener als ich, spielt natürlich auch schon ein paar Jahre in der polnischen Ekstraklasa. Der Trainer meint, es sei noch nichts entschieden, wer beim Ligastart spielen wird.

LAOLA1: Dein neuer Trainer ist Kosta Runjaic, ein in Wien geborener Deutscher, inwiefern hilft es, einen deutschsprachigen Trainer zu haben?

David Stec: Unser Co-Trainer spricht auch Deutsch und übersetzt auch viel für den Trainer. Der Trainer leitet die Einheiten auf Englisch. Das Verhältnis zu ihm ist wirklich sehr gut. Am Anfang der Saison war unsere Situation wirklich schlecht, wir haben nur vier Punkte aus den ersten sieben Spielen geholt. Doch der Verein hat an ihm festgehalten, was im Nachhinein bestimmt die richtige Entscheidung war. Er schafft es auch, Spieler gut zu entwickeln, unter anderem wurden im Sommer zwei unserer Spieler für 2 bzw. 4 Millionen Euro ins Ausland verkauft.

"In der polnischen Liga kommen viel mehr Zuschauer in die Stadien, auch bei kleineren Vereinen."

LAOLA1: Eure aktuelle Tabellensituation sieht gar nicht so schlecht aus. Ihr liegt nach der Hinrunde auf Rang sieben, auf Platz drei fehlen nur zwei Zähler. Wie sehen eure Ziele für die Rückrunde aus?

David Stec: Die Tabelle wird auch bei uns nach der Hinrunde gesplittet, das heißt, wir wollen natürlich unbedingt in den Top-8 bleiben. Aber natürlich würde sich jeder gerne am Ende der Saison so weit vorne in der Tabelle sehen, dass man nächstes Jahr Europacup spielt.

LAOLA1: Du hast ja bekanntlich polnische Wurzeln, sprichst auch Polnisch. Welche Rolle hat das für dich gespielt, nach Polen zu gehen und nicht eine komplett neue Kultur kennenzulernen?

David Stec: Es stimmt, es ist bestimmt viel einfacher so, als nicht Polnisch sprechen zu können. Dennoch war es für mich eine große Umstellung, ich habe früher noch nie in Polen gelebt, war immer in Österreich. Die Kultur und die Leute sind schon auch ein bisschen anders.

LAOLA1: Welchen Stellenwert hat für dich die polnische Ekstraklasa im europäischen Fußball?

David Stec: Die polnische Liga ist schon ein gutes Sprungbrett, um in größere Ligen zu wechseln, wie z.B. nach Russland oder Italien. Bestes Beispiel ist Krzysztof Piatek, der letztes Jahr noch bei Cracovia Krakau gespielt hat und nun von Genoa um 35 Millionen zu Milan gewechselt ist. Es schauen bestimmt viele Scouting-Abteilungen aus großen Ländern nach Polen. Man ist auch technisch gesehen auf dem allerneuesten Stand. Man weiß nach dem Match sofort, wer wie viele Sprints gemacht hat, wer wie schnell gelaufen ist oder wie viele Kilometer gelaufen worden sind. Man schaut da nach dem Spiel schon mal gerne hin und denkt sich manchmal: Komisch, warum war ich heute 2 km/h langsamer als im letzten Spiel? Das ist schon auch ein Ansporn für das nächste Mal. Hier ist das alles ganz normal und ich finde das auch richtig geil.

LAOLA1: Nehmen diese Werte auch einen Einfluss auf eure Aufstellung?

David Stec: Der Trainer legt schon auch viel Wert auf unsere Werte - das ist aber auch bestimmt bei anderen Mannschaften so. Bei uns wird dann auch oft mit großen Ligen, wie der deutschen Bundesliga verglichen, wie stark die Werte voneinander abweichen.

LAOLA1: Wo siehst du die größten Unterschiede, wenn du die polnische Ekstraklasa mit der österreichischen Bundesliga vergleichst?

David Stec: In der polnischen Liga kommen viel mehr Zuschauer in die Stadien, auch bei kleineren Vereinen. Auch die Medien-Aufmerksamkeit ist viel größer. Was ich in Polen sehr positiv finde, sind die Fans. Alle Fans aller Teams sind viel fanatischer als in Österreich. Man könnte in etwa sagen, dass die Stimmung in Polen überall so gut ist wie bei Rapid. Man wird oft auf der Straße erkannt, man fühlt sich hier einfach viel mehr als Fußballer, weil die Leute den Fußball mehr leben – das war in St. Pölten überhaupt nicht so.

LAOLA1: War das im Nachhinein vielleicht auch einer der Gründe, warum du St. Pölten verlassen hast?

David Stec: Man weiß nie, was der richtige Schritt ist, doch bis jetzt gefällt es mir hier. Es war ja auch so, dass St. Pölten mit mir unbedingt verlängern wollte, doch auch wenn ich mich in St. Pölten immer sehr wohlgefühlt habe, wollte ich einfach nicht auf das Einfache gehen. Ich wollte nicht einfach unterschreiben und meinen nächsten Entwicklungsschritt verpassen, sondern etwas Neues probieren, um mich weiterzuentwickeln.

"Ich wollte nicht einfach unterschreiben und meinen nächsten Entwicklungsschritt verpassen, sondern etwas Neues probieren, um mich weiterzuentwickeln."

Über die Absage an den SKN

LAOLA1: Hätte eigentlich die Möglichkeit bestanden, dass du in Österreich bleibst?

David Stec: Ich hatte im Sommer schon auch Angebote aus Österreich. Einige Teams haben Interesse gezeigt, doch das einzige konkrete Angebot gab es eigentlich nur von Mattersburg. Ich habe schon lange überlegt in Österreich zu bleiben, doch ich wollte in ein anderes Land, um dort neue Erfahrungen zu sammeln. Und Pogon Stettin hat sich doch sehr um mich bemüht. Ich hatte auch immer wieder Kontakt mit Kosta Runjaic – habe da eigentlich sofort ein gutes Gefühl gehabt. Ich habe auch Angebote von anderen Mannschaften aus Polen gehabt, teilweise auch Teams mit schöneren Stadien. Das war mir aber natürlich nicht so wichtig, an erster Stelle steht nämlich meine Entwicklung. Und ich habe mir gleich gedacht: Unter diesem Trainer kann ich mich am besten entwickeln.

LAOLA1: Aber wenn dir tatsächlich konkrete Angebote von österreichischen Top-Klubs vorgelegen wären und du vielleicht sogar die Möglichkeit gehabt hättest, Europacup zu spielen, wäre das für dich nicht vielleicht doch ein Stück reizvoller gewesen als den Schritt nach Polen zu wagen?

David Stec: Ja, das glaube ich schon. Natürlich, wenn eine Mannschaft, wie Rapid, Austria, Sturm oder Salzburg mit einem Angebot kommt, dann hätte ich bestimmt etwas weniger überlegen müssen und hätte mich für eines dieser Teams entschieden. Jeder Spieler will spielen – das ist natürlich das Wichtigste, doch wenn man die Chance bekäme, sich bei einer der großen Mannschaften in Österreich zu beweisen, dann würde ich das wahrscheinlich auch machen.

LAOLA1: Wäre es für dich denkbar, irgendwann wieder in die österreichische Bundesliga zurückzukehren?

David Stec: Ja, auf jeden Fall. Ich bin in Österreich geboren, habe dort immer gelebt. Wenn gute Angebote kommen, wäre es natürlich eine Option. Man weiß nie, was in Zukunft passiert, falls es hier, oder auch sonst wo im Ausland nicht klappen sollte, bin ich natürlich immer für eine Österreich-Rückkehr offen. Nach meiner Karriere werde ich wahrscheinlich auch wieder in Österreich leben.

Textquelle: © LAOLA1.at

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