An die Bayern-Dominanz in der Bundesliga hab' zumindest ich mich mittlerweile gewöhnt. Umso überraschender und erfreulicher war deshalb die Leverkusener Meisterschaft 2023/24.
Der Rekordmeister war plötzlich in der Verfolgerrolle. Nach einer titellosen Saison, mehreren DFB-Pokal-Blamagen und enttäuschenden Jahren in der "Königsklasse" war Bayern gerade "unerfolgreich" genug, um sie ein wenig sympathisch zu finden.
Hier begann meine Beziehung zu den Bayern zu kippen. Nach einer - zugegeben peinlichen - Trainersuche heuerte Vincent Kompany an. Der neue Chefcoach ist der Hauptgrund für den Wandel.
Unfassbarer Fußball
Die Nummer vier auf der Kandidatenliste wurde zum neuen Maßstab. Zum einen aufgrund des Fußballs: Die Münchner spielen über den gesamten Platz Mann gegen Mann, wollen den Gegner im Pressing ersticken.
Offensiv sind die Lösungen kreativ, variabel und mit individueller Klasse durchzogen.
Kurz gesagt: Die neue Bayern-Spielweise ist einfach spektakulär, das wissen aller spätestens seit dem 4:5 gegen PSG im Hinspiel alle.
Der Mensch Kompany
Zum anderen lebt der Belgier vor, wie man sich als Top-Trainer im Jahr 2026 zu verhalten hat. Kompany strahlt bei Pressekonferenzen und Interviews eine Gelassenheit, Ruhe und Selbstsicherheit aus, die zu keinem Zeitpunkt mit Arroganz zu verwechseln ist.
Gemeinsam mit Miron Muslic gehört er wohl zu den beiden Trainern im deutschsprachigen Raum mit den größten Beliebtheitswerten - vor allem, weil beide fast immer das Richtige sagen.
Noch nie lud er die Schuld für ein schlechtes Ergebnis auf einen Spieler ab. Darüber hinaus äußert sich Kompany zu gesellschaftlichen Themen, etwa zum Rassismusvorfall um Vinicius Jr. und die Anstellung von Marie-Louise Eta bei Union Berlin - auch hier findet er stets die richtigen Worte.
Die Sympathie des Trainers färbt auf seine Spieler ab. Die kontroversen Stars à la Robbery sind Geschichte. Bodenständige Profis wie Harry Kane, Jamal Musiala oder Luis Diaz geben den Ton an.
Michael Olise ist mit seinem Nonchalant-Gimmick (zum Portrait >>>) wohl noch der strittigste FCB-Kicker. Doch da sind wir wieder beim Fußball: Wer kann einen Spieler, der so spielt, denn überhaupt "hassen"?
Das geringste Übel?
Das abschließende Argument bezieht sich auf die Vereine, die sonst so auf internationalem Topniveau vertreten sind. CL-Finalist Arsenal, im Besitz eines US-amerikanischen Milliardärs, versucht seit Jahren, mit massig Geld an die Spitze zu gelangen. Und hat es nun mit objektiv unattraktivem Fußball geschafft - wow.
Außerdem wäre da noch PSG, das einer staatlichen Investmentgruppe aus Katar gehört. Von weiteren "Klubs", wie Manchester City, Chelsea oder Real Madrid ganz zu schweigen.
Vielleicht ist es also nur der Vergleich mit den anderen. Aber welcher Mannschaft ich den Champions-League-Titel am meisten gönne, stelle ich immerhin dieses Jahr nicht in Frage.