Vincent Öfner:
Bayern und PSG lieferten im Hinspiel vermutlich eines der besten Champions-League-Spiele aller Zeiten.
Denn gerade offensiv sind Bayern und PSG aktuell die beiden besten Teams der Welt. Doch dass das Hinspiel zu so einem offenen Schlagabtausch geworden ist, liegt auch daran, dass beide Mannschaften ihre Defensivarbeit etwas vernachlässigt haben.
Atletico und Arsenal zählen hingegen beide zu den defensivstärksten Teams, die es aktuell gibt. Beide konnten in dieser Saison schon beweisen, dass sie starke Offensiven in Schach halten können.
Arsenal besiegte die Bayern bereits in der Ligaphase mit 3:1, wobei die Münchner vermutlich zum einzigen Mal in dieser Saison nicht das bessere Team waren.
Atletico zeigte hingegen im CL-Viertelfinale gegen den FC Barcelona, dass Diego Simeone immer noch in der Lage ist, sein Team perfekt auf pure Offensivpower einzustellen. Außerdem ist in einem Finalspiel immer alles möglich.
Dennoch: Egal wie das Finale lautet, Bayern oder PSG gehen aufgrund ihrer aktuellen Form definitiv als Favorit ins Endspiel.
Johannes Hofer:
Für viele ist Bayern gegen PSG das vorgezogene Finale der diesjährigen Königsklasse. An Spektakel und Zaubertoren kaum zu überbieten, offenes Visier und defensive Faux-Pas werden mit Offensivpower vergessen gemacht.
Aber wie Vincent richtig anmerkt: Die Bayern haben in der Ligaphase gegen Arsenal ihren Meister gefunden. Eine Wiederholung halte ich dennoch für unwahrscheinlich. Die Gunners sind dieser Tage zwar defensiv stabil, aber offensiv im Vergleich zum Herbst ein scheues Reh.
Egal welches dieser beiden Teams ins Finale einzieht, es werden augenblicklich Erinnerungen an das Finale der Vorsaison wach. Damals überrollte PSG Inter förmlich. Die Italiener wussten gar nicht, wie ihnen geschah.
Eine derartige Demontage erwarte ich in dieser Saison nicht. Deshalb halte ich mich auch mit der Verteilung etwaiger Favoritenrollen zurück.
These 2: Das Rückspiel gegen PSG ist die beste Bühne für Konrad Laimer, um der Bayern-Führungsriege zu zeigen, dass alles andere als eine Vertragsverlängerung ein großer Fehler wäre.
Johannes Hofer:
Wenn Bayern an Konrad Laimer tatsächlich ein Exempel statuieren will und seinen Gehaltsforderungen nicht nachgibt, wünsche ich den Münchnern viel Spaß und Freude bei der Suche nach einem Nachfolger.
Dieser kann im Gesamtpaket aus Ablöse und Gehalt definitiv nicht günstiger und gleichzeitig besser als Konni Laimer sein.
Wenn du einen Spieler wie Laimer im Kader hast, der sich obendrein im Verein wohlfühlt, bist du wohl gut beraten, über Schmerzgrenzen zu gehen.
Nur zur Erinnerung: Leroy Sané war den Bayern kolportierte 20 Millionen pro Saison wert. Der spielt natürlich auf einer komplett anderen Position, aber gesamtsportlich gesehen ist Laimer für die Bayern über eine ganze Saison definitiv mehr wert, als es Sané jemals war.
Das Empfehlungsschreiben Champions-League-Halbfinal-Rückspiel für eine mögliche Vertragsverlängerung braucht ein Außenverteidiger-Kaliber dieser Klasse nicht.
Vincent Öfner:
Dem kann ich nur zustimmen. Die Verantwortlichen der Münchner sollten bereits über die gesamte Saison gesehen haben, welchen Stellenwert Laimer hat.
Aktuell ist der ÖFB-Kicker für mich der beste Außenverteidiger, den die Münchner haben. Damit ist er gleichzeitig einer der besten Außenverteidiger der Welt und seine Flexibilität macht ihn nur noch wertvoller.
Was den Bayern das schlussendlich wert sein wird, einen Spieler dieser Klasse auf einer so vakanten Position im Weltfußball zu haben, wird sich zeigen. Das Rückspiel gegen PSG sollte dabei jedenfalls nicht der entscheidende Faktor sein.
Für den Österreicher könnte das Spiel dennoch eine Bühne sein. Denn wenn eine Vertragsverlängerung scheitert, sind andere Vereine sicher eher bereit, viel zu bezahlen, wenn Laimer auch in den allergrößten Spielen auf sich aufmerksam macht.
These 3: Es wäre das schönste Zeichen an den modernen Klubfußball, wenn es ein geerdeter Verein wie der SC Freiburg ins Europa-League-Finale schafft (und vielleicht sogar gewinnt).
Vincent Öfner:
Die Geschichte des SC Freiburg zeigt definitiv, dass es mit guter und kontinuierlicher Arbeit möglich ist, sich in der europäischen Spitze festzusetzen.
Denn die Freiburger sind kein One-Season-Wonder. Seit ihrem Wiederaufstieg vor zehn Jahren landeten sie acht Mal in den Top Ten der Bundesliga, vier Mal konnten sie sich dabei für Europa qualifizieren.
Besonders beeindruckend dabei ist, dass die Freiburger nur fünf verschiedene Trainer seit der Jahrtausendwende hatten. Nottingham Forest, das ebenfalls im Europa-League-Halbfinale steht, hatte alleine in dieser Saison vier verschiedene Trainer.
Zudem ist Freiburg auch der einzig verbliebene Klub, der nicht im Besitz von Investoren ist. Selbst Braga gehört zu Teilen der katarischen Investorengruppe, die auch bei PSG vorsteht.
Ein möglicher Triumph der Freiburger in der Europa League würde daher definitiv ein schönes Zeichen setzen.
Johannes Hofer:
Freiburg ist etwas für Fußballromantiker. 80.000 Mitglieder in einer 230.000 Einwohner großen Stadt. Nach außen hin sind sie stets um die Underdogrolle, die sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr glaubwürdig repräsentieren können, bemüht.
Vor Saisonbeginn wird in Freiburg jährlich vom Saisonziel Klassenerhalt gesprochen. Dieses Credo konnten alle Beteiligten in dieser Saison endgültig nicht mehr als größtes Ziel titulieren.
Seit der Europacup-Reform haben Mannschaften dieser Größenordnung plötzlich realistische Chancen, Titel zu gewinnen. Und auch wenn die großen Kracher nicht mehr aus der Champions League in die Europa League gespült werden, so ist das trotzdem eine schöne Sache.
Europa-League-Sieger Freiburg. Klingt surreal, aber nicht unrealistisch.