Marseille: Stars, Stories und Eklats

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Am Donnerstag (21:05 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) gastiert der FC Salzburg im Halbfinal-Hinspiel der UEFA Europa League bei Olympique de Marseille.

Bereits im Herbst trafen die Teams in der Gruppenphase aufeinander. Österreichs Meister gewann zu Hause dank eines Treffers von Munas Dabbur mit 1:0 und holte auswärts ein 0:0.

"Die beiden Gruppenspiele sind schon ziemlich lange her, es hat sich bei beiden Teams mittlerweile einiges verändert", erklärt Trainer Marco Rose und schlägt damit in dieselbe Kerbe wie seine Spieler.

Doch ist dieses Wiedersehen ein Vorteil für Salzburg oder Olympique? Was kann Marseille 2018? Wer sind die Stars und was die Stories? Wen stellt Rose auf?

LAOLA1 hat die Brennpunkte vor dem Hinspiel in der französischen Hafenstadt:

Vorteil Salzburg oder Marseille?

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Österreichs Meister kennt den Gegner und kennt vor allem das Stadion, in dem am Donnerstag gespielt wird. "Es ist ein Vorteil, zu wissen, wie der Platz, der Boden ist. Dieses Gefühl zu haben, das macht schon was aus, als wenn du in ein komplett neues Stadion kommst", meint Reinhold Yabo, der hofft, in der Startelf zu stehen. Dass die Atmosphäre eine andere sein wird als im Dezember, ist aber auch allen klar - dazu weiter unten mehr. Klar ist, dass Salzburg zwar vom Namen her auf den selben Gegner treffen wird, aber fußballerisch hat sich dieser weiterentwickelt. Zumal einige Schlüsselspieler erst im vergangenen Sommer gekommen sind.

"Das ist eine super Truppe und man muss die Kirche im Dorf lassen. Wie wir das erste Spiel gegeneinander gespielt haben, waren erst wenige Runden in der Meisterschaft gespielt und im zweiten Duell hat dann letztlich beiden Teams ein 0:0 gereicht, um weiterzukommen. Das ist jetzt ein anderes Kaliber", bringt es Kapitän Alexander Walke auf den Punkt. Salzburg hatte im Dezember bereits die Gruppe für sich entschieden, Marseille ließ mit dem torlosen Unentschieden Konyaspor und Guimaraes hinter sich, weil die beiden Teams wiederum in Portugal unentschieden spielten (1:1).

Xaver Schlager denkt auch, dass es für Salzburg kein Vorteil ist, die Südfranzosen neuerlich als Gegner bekommen zu haben. „Ich empfinde es nicht als Vorteil. Ich denke, Marseille hat einen Vorteil dadurch, dass sie wissen, wie wir spielen und wie intensiv unser Pressing ist. Sie wissen, was sie erwartet. Bislang war immer unser Vorteil, dass der Gegner mit der hohen Intensität im Spiel nicht gut zurecht kam. Marseille kennt jetzt unseren Spielstil und daher denke ich, dass sie sich gut einstellen werden."

Heißt für Rose und sein Betreuer-Team, sich Lösungen einfallen zu lassen. Zudem hat sich Marseille eben selbst weiterentwickelt. "Sie haben oft ein 4-2-3-1 gespielt, jetzt spielen sie hie und da auch ein 4-3-3. Wir müssen uns also taktisch auf unterschiedliche Sachen einstellen", sagt Rose. Dass Salzburg sich aber auf einen Gegner perfekt einstellen kann, war schon öfters zu beobachten.

Die Stars von Olympique Marseille

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Dimitri Payet: Bei der EURO 2016 im eigenen Land erzielte der heute 31-Jährige das sehenswerte Siegtor beim Auftaktspiel der Franzosen gegen Rumänien. Zwei weitere Treffer sollten am Weg ins Finale, das gegen Portugal verloren ging, folgen. Im folgenden Winter kehrte der Offensivspieler von West Ham United zu Olympique Marseille zurück, allerdings unter Misstönen. Der frühere Hammers-Fanliebling forcierte seinen Wechsel. Damit verscherzte er es sich mit Kollegen, Funktionären und vor allem den Anhängern. Sein Wunsch wurde aber erfüllt, für knapp 30 Millionen Euro kam der Wechsel zustande. Bei Olympique ist Payet nun Kapitän, erzielte bei 42 Saison-Einsätzen neun Tore und legte 20 Treffer auf. Seine Standards sind besonders gefürchtet.

Luiz Gustavo: Freunde der deutschen Bundesliga erinnern sich bestens an Luiz Gustavo. Der 30-jährige Brasilianer spielte bei Hoffenheim, holte mit den Bayern 2013 das Triple und zwei Jahre später den Pokal mit Wolfsburg. Im vergangenen Sommer verließ der Mittelfeldspieler nach neun Jahren das deutsche Oberhaus und heuerte für zehn Millionen Euro bei OM an. Überhaupt gaben die Franzosen im Sommer 62 Millionen Euro für Neuzugänge wie Konstantinos Mitroglou (kam für 15 Mio. von Benfica), Florian Thauvin (kam für elf Mio. aus Newcastle, siehe unten) und auch Gustavo aus. Der 40-fache Internationale hat die meisten seiner Einsätze im defensiven Mittelfeld absolviert, spielte zuletzt aber auch wieder vermehrt in der Abwehr wie im Viertelfinale gegen RB Leipzig.

Florian Thauvin: Der 24-Jährige wechselte 2015 von OM für 18 Millionen Euro zu Newcastle, wurde aber nach einem halben Jahr wieder an Marseille verliehen. Das ging so weiter, bis Marseille ihn für elf Millionen in diesem Sommer endgültig zurückkaufte. Vergangene Saison erzielte Thauvin 15 Tore in der Ligue 1. In dieser Spielzeit gelangen ihm nun schon 19 Liga-Tore. Insgesamt hält er bei 39 Scorerpunkten (22 Tore und 17 Assists), keiner bei OM hat mehr. Seit dieser Saison spielt Thauvin auch wieder im französischen Nationalteam, wenngleich es bislang nur für Kurzeinsätze reichte. Weiters in der Offensive gefährlich: Lucas Ocampos (23), Clinton N'Jie (24) und Valerie Germain (28). Letzterer oder Mitroglou dürfte am Donnerstag in der Spitze stürmen.

Adil Rami: Der 32-jährige Innenverteidiger kam aus Sevilla nach Marseille und spielte auch schon 44 Partien für den AC Mailand, gewann mit Sevilla die UEFA Europa League und holte mit Lille 2010/11 das französische Double (mit Trainer Rudi Garcia). Der Innenverteidiger liefert auch abseits des Platzes Schlagzeilen. Denn Rami ist mit Baywatch-Star Pamela Anderson liiert, für ihn ist sie auch in den Süden Frankreichs gezogen. Fußballerisch sind Rami und Co. verwundbar. "Wir kassieren zu viele Tore im Moment. Das gilt es abzustellen", ärgerte sich zuletzt der Trainer, sagt aber auch: "Der Geist, der in diesem Team herrscht, ist groß."

Rudi Garcia: Der 54-jährige Franzose kam im Oktober 2016 zum Verein, nachdem er einige Monate zuvor bei der Roma gehen musste. Dort war er immerhin zweieinhalb Jahre als Cheftrainer tätig. Garcia führte OM in weiterer Folge in den Europacup. Marseille, das 2013/14 noch in der Champions-League-Gruppenphase spielte, war in der Vorsaison europäisch nicht vertreten, 2015/16 schied man im Sechzehntelfinale der Europa League gegen Athletic Bilbao aus. Mit der Roma kam Garcia in jener Saison ins CL-Achtelfinale, scheiterte dann an Real Madrid. Garcias größter Triumph war das Double mit Lille 2010/11, der nach der deutschen Rad-Legende Rudi Altig benannte Coach wurde in diesem Jahr zu Frankreichs Trainer des Jahres gewählt.

Abseits des Sportlichen weiß auch Garcia für Schlagzeilen zu sorgen: In seiner Zeit in Rom schrieb er eine Autobiografie ("Alle Wege führen nach Rom") und betrat so auch privat neues Terrain. Seitdem ist Garcia, der mit seiner Exfrau drei Töchter hat, mit der um gut 20 Jahre jüngeren italienischen TV-Journalistin Francesca Brienza (siehe unten) liiert.

Schillernde Geschichte samt Eklats

Wer sich vor dem Halbfinal-Duell näher mit der schillernden Geschichte des Gegners von Salzburg auseinandersetzen möchte, dem legen wir dieses Portrait ans Herz (siehe auch unten). Auch in dieser Saison gab es wieder Schlagzeilen abseits des grünen Rasens.

In der Gruppenphase verpasste Patrice Evra vor dem Spiel auswärts gegen Guimaraes beim Aufwärmen nach andauernden Beleidigungen eines Teils der OM-Anhänger einem Fan einen Tritt gegen den Kopf (Hier nachschauen!), woraufhin er noch vor Anpfiff ausgeschlossen wurde - ein Novum in der Europa-League-Geschichte. Die Konsequenzen folgten auf dem Fuß: Die UEFA sperrte ihn für den Rest der Saison, Marseille setzte ihn vor die Tür und Evra steht seit Februar beim Verein von Marko Arnautovic, West Ham United, unter Vertrag.

Der Hexenkessel namens Stade Velodrome

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Was am Donnerstag definitiv anders im Vergleich zum Herbst sein wird, ist die Atmosphäre im Stade Velodrome. Am 7. Dezember des Vorjahres waren 18.000 Zuschauer im Stadion, nun werden es mehr als 60.000 sein, also mehr als die dreifache Zuschaueranzahl. "Wir wissen, was auf uns zukommt, aber 60.000 in dem Stadion, das wird sicher außergewöhnlich", sagt Rose, was seine Mannschaft erwartet. Noch nie waren bei einem Spiel in der Red-Bull-Ära so viele Menschen dabei, wie es am Donnerstag in Marseille sein werden. In Dortmund kamen "nur" 53.700 Zuschauer, die Atmosphäre war im März alles andere als einschüchternd.

Beim 2:4 auswärts gegen Lazio Rom ging es vor 42.500 Zuschauern schon mehr zu, doch das alles dürfte im letzten echten Salzburger Auswärtsspiel dieser Europacup-Saison noch einmal getoppt werden. Die Arena in Marseille fasst 67.394 Besucher. Wie viele genau im Stadion sein werden, ist letztlich von den Sicherheitszonen abhängig. "Der Enthusiasmus rund um dieses Semifinale ist so groß, dass Olympique Marseille das Äquivalent von drei Stade Velodromes hätte füllen können", schrieb der Klub in einer Stellungnahme. Beim 5:1 gegen Lille am Sonntag waren auch schon 52.350 dabei. Die Fans gelten als heißblütig.

700 Fans reisen indes aus Salzburg nach Marseille an. Falls sie nicht ohnehin schon im Herbst dabei waren, dürfen sie sich auf ein besonderes Stadionerlebnis freuen. Jeder, der schon dort war, schwärmt von der Arena. Erbaut wurde sie von 1935 bis 1937 für die WM 1938. Damals gingen nur 30.000 hinein, für die WM 1998 wurde das Stadion renoviert und erweitert, die Radrennbahn musste weichen, der Name blieb unverändert. 55.000 Zuschauer sahen damals dieses Traumtor von Dennis Bergkamp beim 2:1-Viertelfinal-Sieg der Holländer gegen Argentinien.

Für die EM 2016 bekam das Stade Velodrome, das auch die Spielstätte der französischen Rugby-Nationalmannschaft ist, ein außergewöhnliches Dach, zudem passen eben nun 67.000 Zuschauer hinein. Die frenetischen Fans werden ihr Übriges tun, um Salzburg das Leben zur fußballerischen Hölle zu machen. Mit dem Hinspiel kann das nicht verglichen werden. Andreas Ulmer: "Man weiß ja auch, wie die Stimmung ist, wenn es in Salzburg voll ist. Das ist ganz anders, als wenn du vor 8000 Zuschauern spielst."

Wen stellt Marco Rose auf?

"Aktuell gibt es keine Spieler, die für das Duell mit Marseille definitiv ausfallen", schrieb Salzburg am Dienstag kurz und knapp in einer Presseaussendung. Dass der eine oder andere Spieler fraglich ist, weiß auch Olympique Marseille. Allen voran Amadou Haidara, der im Cup-Halbfinale in Mattersburg eine Rissquetschwunde erlitt und gegen Altach (3:1) nicht im Kader stand. Sein Einsatz soll nicht mehr so fraglich sein wie noch vergangene Woche. Diadie Samassekou hat sich nach seinem Salto am Montag wieder fit gemeldet, Xaver Schlagers lädierter Muskel über der Hüfte nach einem Zusammenprall am Sonntag sollte auch kein Problem darstellen. Rose hat in den vergangenen Wochen indes viel rotiert.

"Das Rotieren machen wir ja schon die ganze Saison. Das ist ein ganz wichtiger Faustpfand, den wir haben", so der 41-Jährige. "Wir haben gehofft, dass wir so viele Partien haben werden, wissen konnten wir das natürlich nicht. Aber wir merken jetzt, dass diese Wechsel einfach alternativlos waren. Wir hatten im ganzen Jahr vielleicht drei normale Trainingswochen, wenn man einmal die Vorbereitung außen vor lässt", erklärt der Deutsche. In den vergangenen Spielen haben sich wieder vermehrt Alternativen angeboten.

Etwa Hannes Wolf, der in den letzten beiden Bundesliga-Spielen genetzt hat. Im Herbst stand der 19-Jährige noch in den ersten vier Gruppenspielen der UEFA Europa League in der Startelf, später machte ihm eine Sprunggelenksverletzung zu schaffen. Wolf nähert sich im Finish dieser Saison seiner Herbstform. "Im ersten halben Jahr habe ich in den wichtigen Spielen gespielt, daher ist das auch jetzt mein Anspruch. Die Verletzung hat mich zurückgeworfen, aber ich versuche in den Spielen zu zeigen, dass ich bereit bin."

Auch Reinhold Yabo, den eine Erkrankung und neuerliche Knieschmerzen zurückwarfen, hofft am Donnerstag von Beginn an dabei zu sein. Hee Chan Hwang wurde in Altach eingewechselt, gab dabei ein dürftiges Comeback und das lag nicht nur an der kläglich vergebenen Chance auf das 3:0. Es folgte das 2:1 und unnötiges Zittern am Sonntagnachmittag. In den K.o.-Spielen hat sich zuletzt eine Stammelf herauskristallisiert, die wohl am Donnerstag spielen wird - außer der eine oder andere Spieler ist nicht fit genug. Vorbelastet ist in jedem Fall keiner, die Karten wurden nicht mitgenommen.

Und Marseille? Das muss die verletzten Steve Mandanda (Tormann) und Hiroki Sakai (Rechtsverteidiger, japanischer Teamkollege von Takumi Minamino) vorgeben und könnte es wie beim 5:2 gegen Leipzig mit einer Dreierkette versuchen. In der Regel spielt Rudi Garcia aber in einem 4-2-3-1-System. Für ein spannendes Europacup-Halbfinale ist alles angerichtet.

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Austria Wien - AEK Athen 0:0

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Marseille-Salzburg: Österreich kann Europacup-Halbfinale

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