Rapids Kühbauer: "Wäre wie Herzstich gewesen"

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Nach einem 0:5-Debakel schmeckt ein 0:0 nur zwei Wochen später gegen denselben Gegner natürlich fast wie ein Sieg.

Den Willen beim SK Rapid, die Schmach gegen Villarreal wiedergutzumachen, spürten auch die 22.100 Zuschauer im Allianz-Stadion.

Deshalb sprach Trainer Dietmar Kühbauer seinen Schützlingen ein großes Lob aus - auch wenn er sich über ein Tor, dass die Wiener auf Platz 1 in der Europa-League-Gruppe G befördert hätte, noch mehr gefreut hätte.

Es war jedoch die Rettungsaktion von Marvin Potzmann in der 95. Minute, die Rapid das Ergebnis gegen die Spanier dann doch richtig einschätzen ließ. "Das wäre wie ein Herzstich gewesen", atmete "Don Didi" nach dem fast verlorenen Punkt in der Schlussminute auf.

Herzstich? "Von dem erholt man sich schwer"

Wie der Chefbetreuer und ehemalige Spanien-Legionär zugab, dachte er sich in dem Moment sehr wohl, dass die starke Leistung über 95 Minuten möglicherweise umsonst war.

Doch Potzmann ließ ihn und seine Teamkollegen durchschnaufen. Bezugnehmend auf den Beinahe-"Herzstich" meinte Kühbauer:

"Von dem erholt man sich schwer. Vor allem wäre die Zeit nicht mehr da gewesen, um darauf zu reagieren. Es wäre echt schade gewesen, wenn die Burschen nicht belohnt werden - wenigstens mit einem Punkt, den haben sie sich auf jeden Fall verdient. Was damit in den Köpfen passiert wäre, ist ja die nächste Geschichte. Die Jungs hätten ein gutes Spiel gemacht, aber stünden mit leeren Händen da. Die Jungs da wieder aufzurichten, wäre sehr schwierig gewesen."

Richard Strebinger, der seine Mannschaft vor allem in den ersten 45 Minuten mit starken Paraden im Spiel hielt, war bei dieser Aktion - einem Querpass zur Mitte - bereits geschlagen.

Zum 4. Mal in Folge ungeschlagen, aber keine Prämie für Potzmann

Umso mehr dankte der Schlussmann seinem Vordermann. "Das war eine Riesenchance von Villarreal. Das war super von Marvin, dass er so schnell umschaltet, auch zurück ins Tor läuft. Das sagt auch sehr viel über das Spiel aus, dass wir sehr wach waren und sehr konzentriert - auch ganz am Ende. Deswegen haben wir uns das zu Null als Mannschaft im defensiv Agieren verdient."

Danksagungen für diese Rettungstat gibt es einige, mehr aber dann doch nicht, wie Strebinger scherzt: "Eine Prämie gibt es nicht. Das könnten wir aber einführen, wenn ich dann für jeden Ball, den ich halte, auch etwas kriege (lacht). Aber er macht das sehr gut, hat es schon einmal gegen Innsbruck gemacht, wo er für mich gerettet hat. Da ist er hellwach."

In diesem Spiel waren es jedoch viel mehr Gründe, warum Rapid zum vierten Mal in Folge ungeschlagen blieb. Eine ähnliche Serie gab es bei den Hütteldorfern schon länger nicht mehr, deshalb gibt sie umso mehr Auftrieb.

Kühbauer sprach von zwei verschiedenen Halbzeiten, von denen den Grün-Weißen eindeutig die zweite gehörte, in welcher der Sieg sogar möglich gewesen wäre. Am Ende war das Unentschieden jedoch verdient.

Durch Joker Knasmüllner holten sich Teamkollegen mehr Mut

Der Trainer meinte in der Analyse: "Erste Halbzeit hatten die Jungs ein bisschen zu viel Respekt. Da hat uns Strebinger mit zwei guten Paraden im Spiel gehalten. Aber mit Anpfiff zur 2. Halbzeit hat sich die Einstellung komplett geändert. Wir haben mutig gespielt und hatten die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Dann war es ein hin und her. Es war definitiv ein 0:0 der besseren Sorte."

Weil die Pausenansprache scheinbar fruchtete und Kühbauer mit den Einwechslungen auch zeigte, dass man die Partie noch gewinnen will. Ein ganz entscheidender Joker war Christoph Knasmüllner, der das Spiel in Hälfte zwei an sich riss.

"Wir haben natürlich alles angesprochen, dafür sind die 15 Minuten da, und nicht dafür, was wir am nächsten Tag machen. Knasmüllner hat da schon ein bisschen Schwung reingebracht. Die Jungs haben sich dann auch ein bisschen an Knasi festgehalten in der Offensive und jeder hat mehr Mut nach vorne entwickelt. Sie haben dann gesehen, dass das auch nur Menschen sind. Wir haben dann den letzten Ball in der einen oder anderen Aktion nicht gut genug gespielt, es hat noch nicht alles funktioniert, aber ich bin trotzdem mit der Leistung und dem Auftreten sehr zufrieden."

Es war aber nicht nur Knasmüllner, auch wenn Kühbauer keine Geheimnisse über die Umstellungen und das Rezept für die verbesserten 45 Minuten nach der Pause preisgeben will.

Kühbauer verrät dann doch Teil des Geheimnisses

Ein bisschen verriet er dann aber trotzdem:

"Wir haben gewusst, dass es mit Mut allein nicht gehen wird. Wir haben bis dahin den Gegner einfach spielen lassen. Wir haben nicht versucht, die Bälle klarer zu spielen, über Verlagerungen zu kommen und den Raum aufzunehmen, der uns geboten wurde. Irgendwann hätte es dann so bei uns eingeschlagen. Sie haben es dann gut verstanden, sehr gut umgesetzt und Knasi war sicher auch ein Spieler, der der Mannschaft gezeigt hat, dass man auch gegen Villarreal Bälle sichern, spielen und verteidigen kann. Das war ein Ruck durch die Mannschaft."

Auch die Fans hatten laut Kühbauer ihren Anteil, warum auch in der Schlussphase jeder trotz schwerer Beine noch Meter machte und nach hinten arbeitete - so wie es eigentlich immer sein sollte.

Eine mannschaftlich geschlossene Leistung also, defensiv stabiler und vor allem kompakter - Eigenschaften, die man in der Vergangenheit oftmals vermisste.

Verpasster Platz 1: "Man ärgert sich eigentlich darüber"

Und trotzdem war man im grün-weißen Lager nach dem Schlusspfiff ein bisschen hin- und hergerissen. Auf der einen Seite war man zufrieden und stolz, Villarreal an den Rande einer Niederlage geführt zu haben.

Andererseits folgte kurz darauf der Blick auf die Tabelle, wo Rapid aktuell nur Vierter ist - allerdings ist es so eng, dass eigentlich noch alles möglich ist (Villarreal 6 Punkte, Glasgow Rangers 5, Spartak Moskau 5, Rapid 4).

Platz 1 wäre aber drin gewesen, wäre nur eine der Chancen von Pavlovic, Müldür oder Knasmüllner drin gewesen und Rapid als Sieger vom Platz gegangen.

"Wir sind dann gerade in der Kabine gesessen und man ärgert sich eigentlich darüber. Aber andererseits hat uns Strebinger mit zwei Paraden drin gehalten. Und wenn wir 0:1 oder 0:2 hinten gewesen wären, dann wären wir schwer zurückgekommen. Aber in der zweiten Halbzeit waren wir am Drücker. Deshalb dürfen wir nicht hadern. Mit einem Dreier wäre die Chance wirklich gut gewesen, dass wir überwintern. Aber ich denke trotzdem, wenn wir solche Spiele machen, hat man noch immer die Chance."

Es zählt somit auswärts gegen Spartak Moskau (29.11.) und zum Abschluss daheim gegen die Glasgow Rangers (13.12.).

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Europa League: Rapid Wien erkämpft Remis vs. Villarreal

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