Das steht für Rapid gegen Rangers auf dem Spiel

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Die Bescherung naht, auch für den SK Rapid.

Ob der Aufstieg in der Europa League unter den Weihnachtsbaum gelegt wird, hängt vom "Endspiel" gegen die Glasgow Rangers (ab 18:55 Uhr im LIVE-Ticker, bei DAZN und Puls4) vor 23.850 Zuschauern im Allianz Stadion ab (Wett-Quoten).

Für Rapid steht viel auf dem Spiel. Den Hütteldorfern winkt nicht nur ein Millionen-Regen, es geht auch um die Zukunft und wie es im Frühjahr weitergeht.

LAOLA1 hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen vor dem EL-Kracher:

  • DAS AUFSTIEGSSZENARIO:

Rapid darf nicht verlieren, so viel ist klar. Bereits ein Punkt würde aber bereits zum Weiterkommen reichen, ein Sieg sowieso. Da in Gruppe G noch fast alles möglich ist, könnte sogar ein Remis den Grün-Weißen zum Gruppensieg reichen, dafür müsste Spartak Moskau im Parallelspiel jedoch Villarreal besiegen. Gewinnt Vilarreal, wäre Rapid auch im Falle eines Heimsiegs gegen die Rangers "nur" Zweiter. Bei einer Niederlage heißt es: Adieu, Europa League!

  • ENDSPIEL-CHARAKTER

Viele Spieler Rapids haben eine Partie mit derartigem Endspiel-Charakter noch nicht erlebt - schon gar nicht im Allianz Stadion. In der neuen Heimstätte geht es erstmals um das internationale Überwintern in der Europa League. Als dies Rapid in der Saison 2015/16, also vor exakt drei Jahren, erstmals gelang, wurde noch im Ernst-Happel-Stadion gespielt. Auch eine derartige Nachfrage gab es noch nie für ein Spiel seit der Eröffnung gegen Chelsea. Während die Grün-Weißen in der Bundesliga weiterhin um das Meisterplayoff zittern müssen, sprechen die Leistungen auf internationaler Bühne für sich, das "Endspiel" ist ein Zuckerl. "Das ist ja das Schöne im Fußball, dass sich die Windmühlen sehr schnell drehen und dass es auch sehr schnell wieder in die richtige Richtung gehen kann", freute sich Kapitän Stefan Schwab erst kürzlich gegenüber LAOLA1. Die Euro League sei ein anderer Bewerb, ein Zusatz, wo man befreiter und ohne viel Druck aufspielen könne und auf Gegner trifft, die selbst das Spiel machen wollen. "Es ist einfach ein schöner Bewerb für uns und wir wollen diese Chance packen. Mit sieben Punkten sind wir super dabei. Es wäre schon eine geile Geschichte, wenn wir innerhalb von drei Jahren das zweite Mal ins Sechzehntelfinale kommen. Ich weiß nicht, wie oft man das als Spieler erleben kann." Auch Dejan Ljubicic meinte: "Vor dem Spartak-Spiel war ich nicht so optimistisch, aber wir haben eine sehr gute Partie abgeliefert. Jetzt ist ein Endspiel, zu Hause, vor ausverkauftem Stadion. Es ist etwas ganz Besonderes, für mich überhaupt in meinem ersten Jahr in der Europa League." Die Vorzeichen für ein großes Spiel sind somit gegeben, nun liegt es an Rapid selbst, was man daraus macht.

  • GELDREGEN

Für Rapid steht nicht nur sportlich einiges auf dem Spiel, auch finanziell ist die Europa League bekanntermaßen ein lukrativer Zuverdienst. Schon die Teilnahme an diesem Bewerb, der Einstieg in der 3. Quali-Runde sowie Punkteprämien haben den Wienern bereits eine stolze Summe von 4,53 Millionen Euro eingebracht - dabei handelt es sich um reine UEFA-Zahlungen ohne Marktpool, Zuschauereinnahmen etc. Im besten Fall könnte Rapid bei einem Aufstieg ins Sechzehntelfinale sogar auf 6,6 Mio. Euro kommen. Der Aufstieg bzw. die Startprämie für die nächste Runde beträgt 500.000 Euro, der Gruppensieg würde 1 Mio. bringen, als Gruppenzweiter bekommt man immerhin 500.000 Euro zusätzlich. Dazu kommt die Punkteprämie. Ein Sieg bringt 570.000 Euro, ein Remis, das Rapid zum Aufstieg reichen würde, 190.000 Euro.

EUROPA-LEAGUE-PHASEN EINNAHMEN
Einstieg 3. Quali-Runde 280.000 Euro
Startgeld Gruppenphase 2,92 Mio. Euro
2 Siege Gruppenphase 1,14 Mio. Euro
1 Remis Gruppenphase 190.000 Euro
GESAMT BISHER: 4,53 Mio. Euro

  • ÖSTERREICHISCHE PREMIERE MÖGLICH

Österreich blickt derzeit mit Stolz auf die Performances der rot-weiß-roten Vertreter in der Europa League. Denn nicht schon wie die Jahre zuvor hält RB Salzburg die Fahnen hoch, auch Rapid steht wie bereits erwähnt zum zweiten Mal binnen drei Jahren vor dem Aufstieg. Zwei Vertreter der österreichischen Bundesliga haben diese Hürde, zumindest in der Europa League bzw. einem ähnlichen Format mit einer Gruppenphase mit sechs Spielen, noch nie gemeinsam genommen. 2004 schafften die Austria und der GAK noch im UEFA-Cup das Kunsstück, das neue Jahr war jedoch mit lediglich vier Spielen erreicht. Ähnliche Parallelen findet man dann erst wieder vor 30 Jahren und noch früher.

  • PERSONALSITUATION

Rapid wird nicht mit der nominell besten Mannschaft gegen die Rangers ins Rennen gehen können. Vor allem defensiv tun sich Baustellen auf. Mario Sonnleitner benötigte, wie von Trainer Didi Kühbauer betont, einen Wunderguru oder einen besonders guten Schlaf, damit es nach seinen Muskelproblemen für einen Einsatz reicht. Dieser erscheint somit unwahrscheinlich, auch Christopher Dibon ist angeschlagen. Und Marvin Potzmann, bei dem man auf eine Besserung seiner Patellasehnenprobleme hoffte, war nicht einmal beim Abschlusstraining dabei. Dafür dürfte Philipp Schobesberger wieder voll fit sein, ob er von Anfang an spielt oder als Joker kommt, ist aber offen. Einige Umstellungen werden unumgänglich sein. Müldür muss wohl wieder auf rechts ausweichen, links fällt die Entscheidung, ob Boli Bolingoli offensiver vor Stephan Auer agiert oder in die Viererkette zurückrückt - nämlich dann wenn Veton Berishas Kämpferqualitäten gefragt sind.

Mögliche Aufstellungen:

Rapid: Strebinger - Müldür, Hofmann, Barac, Bolingoli/Auer - Martic, Schwab - Murg, Knasmüllner, Berisha - Schobesberger

Ersatz: Knoflach - Dibon, Sonnleitner, Thurnwald, D. Ljubicic, Berisha/Auer, Ivan, Alar

Es fehlen: Pavlovic (Adduktoren), Szanto (im Aufbautraining), Mocinic (Knie), P. Gartler (Kahnbeinbruch)

Fraglich: Sonnleitner, Dibon (beide Muskelprobleme), Potzmann (Patellasehnenprobleme)

Rangers: McGregor - Tavernier, Goldson, Worrall, Barisic - Ejaria, Arfield, Jack, Coulibaly, Middleton - Morelos

Ersatz: Foderingham - Flanagan, McAuley,Grezda, Halliday, McCrorie, Rossiter, Lafferty

Es fehlen: Candeias (gesperrt), Dorrans, Murphy, Kent (alle verletzt)

  • VOLLES HAUS

So etwas hat es bei Rapid im Allianz Stadion noch nie gegeben. Selbst Klubservice-Leiter und Stadionsprecher Andy Marek war überrascht über die Nachfrage und den Ansturm auf Tickets vor dem richtungsweisenden Duell gegen die Schotten. Bisher war es nur im Eröffnungsspiel gegen Chelsea im Sommer 2016 so, dass die Kapazität des Stadions vollkommen ausgeschöpft wurde, wo wirklich auch der Gästesektor etc. voll war. Damals mit Stehplätzen auf der Fan-Tribüne, international sind ja nur Sitzplätze zugelassen. Diesmal vermeldete man sehr früh: Restlos ausverkauft! Auch wenn Hochrechnungen nicht wirklich möglich sind, geht Marek davon aus, dass man bei der Öffnung aller Kontingente auch für die Auswärtsfans das Happel-Stadion voll bekommen hätte. Das Telefon stand nie still, doch viele ernteten eine Absage, weil eben kein einziges Ticket mehr verfügbar war.

  • BLEIBT RAPID EINE HEIMMACHT?

Jene Fans, die zahlreich ins Stadion strömen werden, hoffen natürlich auch auf die Fortsetzung der Heimserie von Rapid in der Europa League. Während die Ausbeute in der Liga zuletzt sehr mager war und die Fans lediglich sechs Rapid-Tore in neun Heimspielen bejubeln durften, sind die Hütteldorfer im Europacup bisher eine Heimmacht. Die letzte Heimniederlage in der Gruppenphase der Europa League (exklusive Quali) musste Rapid im Oktober 2012 noch unter Trainer Peter Schöttel beim 0:4 gegen Bayer Leverkusen hinnehmen. Seitdem gab es auf heimischem Terrain 7 Siege und 5 Remis - eine stolze Serie, die Anerkennung findet. Wie die "Sportzeitung" kürzlich recherchierte, ist nur Lazio Rom in der Europa League noch länger daheim ungeschlagen (17 Spiele seit 2009).

  • RANGERS-INVASION

Achtung, die Schotten kommen! Das soll aber keine Warnung sein, sondern im besten Fall soll gemeinsam ein Fußballfest gefeiert werden. Bis zu 12.000 Fans sollen nach Wien kommen, auch wenn nur ein kleiner Prozentsatz ins Stadion kommt. Die Karten für die Gästefans waren schnell vergriffen, insgesamt sollen 2.500 offiziell im Stadion sein. 1.600 davon im Gästesektor, 200 auf der Längsseite auf den von der UEFA vorgebenen Priority Seats und 300 im VIP-Bereich. Die restlichen rund 400 Fans hatten sich Zweier-Abos für das Villarreal- und das Rangers-Spiel gesichert, nur um im letzten Gruppenspiel dabei zu sein. Rapid stoppte den Verkauf nach Schottland zu spät, deshalb blieben gegen die Spanier viele Plätze frei. Wie viele Schotten zusätzlich noch ins Stadion kommen werden, kann aufgrund des Erwerbs von Tickets über andere Kanäle aber nicht genau abgeschätzt werden. Andy Marek ist sich jedoch sicher, dass Rapid-Fans das Spiel sehen wollen und ihre Karte nicht einmal für Irrsummen feilbieten. Im Internet kursieren jedoch Summen bis zu 300 Euro. Auch wenn Schottenröcke in diesen Tagen vor allem in der Wiener Innenstadt in sind, sind Rangers-Fans nicht für Ausschreitungen oder negative Schlagzeilen bekannt. Im Gegenteil: Auch wenn die Pubs heimgesucht werden und die Bier-Vorräte gekühlt werden sollten, sollte es friedlich bleiben und zu keinen Zusammenstößen kommen - auch wenn ein Großteil der angereisten Rangers-Fans nicht ins Stadion kommen werden.

  • ZUKUNFTSENTSCHEIDUNGEN

Mit dem Abschluss der Europa-League-Gruppenphase bekommt Rapid ein klareres Bild, wie es im Frühjahr weitergeht. In der Bundesliga ist noch offen, wo man nach dem Wiener Derby am Sonntag gegen die Austria steht und wie groß noch die Chance auf das Erreichen der Top 6 ist. Das ist eine große Baustelle. Das Überwintern in der Europa League wäre ein Zuckerl, das jedoch Auswirkungen hätte - nicht nur augrund der sich fortsetzenden Dreifachbelastung und der wohl auch damit verbundenen Kaderplanung. Denn Rapid müsste international früher als national in die Frühjahrssaison starten. Während es in der Liga erst am 24. Februar gegen RB Salzburg weitergeht, würde das Sechzehntelfinale am 14. und 21. Februar steigen und somit die Vorbereitung beeinflussen. Doch nicht nur sportlich gibt es Entscheidungen, wie es in Zukunft weitergeht. Auch personell wurden bereits die Weichen gestellt. Nachdem Präsident Michael Krammer bekanntgab, ab November 2019 nicht mehr für eine weitere Amtsperiode bereit zu stehen, wird Sportchef Fredy Bickel weitermachen - bis 2021, jedoch mit Ausstiegsklausel zum Ende des Jahres 2019, um möglichen unterschiedlichen Zukunftsplanungen mit einem Präsidenten vorzubeugen. Offiziell soll der Vertrag noch bis Jahresende fixiert werden. Weitere Personalentscheidungen betreffen dann wohl nur mehr den Kader. Richard Strebinger ist etwa begehrt und soll laut "Kurier" rund acht Millionen Euro wert sein, zudem kündigte Bickel an, einen Stürmer holen zu wollen.

  • WAS WÜRDE AUFSTIEG BEDEUTEN?

Für Rapid würde der Aufstieg natürlich sehr viel bedeuten. Aufgrund der überschaubaren positiven Schlagzeilen in den vergangenen drei Saisonen inklusive vier Trainerwechseln, Sportdirektoren-Tausch und Umbruch würde der Erfolg in der Europa League über viele Baustellen hinwegtäuschen. Trotzdem will man logischerweise weder finanziell noch sportlich auf die Erfahrung des Aufstiegs verzichten. 2015/16 wurde dieser unter Zoran Barisic erstmals erreicht und zurecht bejubelt - das Ende ist bekannt. Zokis Status bröckelte erst so richtig nach dem 0:6 und 0:4 gegen Valencia. Eines muss Rapid bewusst sein. Qualifiziert man sich für die Runde der letzten 32, ändert dies nichts an der prekären Situation in der heimischen Liga. Die internationale Überraschung in diesem Jahr würde sich in mehrerlei Hinsicht nicht gut mit einer Nicht-Qualifikation für einen europäischen Bewerb in der kommenden Spielzeit vertragen. Möglicherweise ist es aber genau jenes Erfolgserlebnis, das einigen Spielern einen Ruck gibt, um nach einer gemeinsamen Vorbereitung im Frühjahr über sich herauszuwachsen. Gegen die Glasgow Rangers steht somit in vielerlei Hinsicht ein richtungsweisendes Endspiel bevor.

Textquelle: © LAOLA1.at

So denkt Rangers-Coach Steven Gerrard über den SK Rapid

Zum Seitenanfang»

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare