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Oliver Glasner: Als "Fremder" zur Vereinslegende

Glasner hat im Conference-League-Finale die Chance auf seinen dritten Titel mit Crystal Palace. Seinen Legendenstatus könnte er damit nur noch weiter festigen.

Oliver Glasner: Als "Fremder" zur Vereinslegende Foto: © IMAGO / Sportimage

Für Crystal Palace steht am Mittwoch (21:00 Uhr im LIVE-Ticker>>>) gegen Rayo Vallecano eines der größten Spiele der Vereinsgeschichte an.

Im Finale der UEFA Conference League kämpfen die "Eagles" in ihrer ersten europäischen Saison überhaupt gleich um den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte.

Doch nicht nur deswegen ist das Spiel für die Palace-Fans etwas besonderes. Denn gleichzeitig ist es das letzte Match mit Oliver Glasner an der Seitenlinie.

"Fühle mich wie ein Südlondoner"

Bei seinem Heimabschied am letzten Premier-League-Spieltag gegen den FC Arsenal sagte der Österreicher gegenüber den Fans: "Ich bin als Fremder gekommen, ihr habt mich kaum gekannt, aber jetzt fühle ich mich wie ein Südlondoner. Vielen Dank dafür!"

Daraufhin wurde er von den Palace-Fans frenetisch bejubelt.

Wir hätten im Transferfenster besser arbeiten können. Vier Neuzugänge am letzten Tag der Transferperiode – so hätte man sich den Ablauf des Transferfensters nicht gewünscht.

Oliver Glasner

Im Februar 2024 folgte Glasner in Südlondon auf die englische Trainer-Legende Roy Hodgson. Auf Platz 15 liegend befanden sich die "Eagles" in akuter Abstiegsnot.

Die "BBC" schrieb bei der Anstellung Glasners, den sie damals schon mit Jürgen Klopp verglichen, dass der Österreicher "ein echtes Talent dafür hat, schwächelnde Mannschaften wieder auf Kurs zu bringen".

Diese Vorschusslorbeeren konnte Glasner auch gleich bestätigen. Mit sieben Siegen in den verbleibenden 13 Premier-League-Spielen, darunter auch Siege gegen den FC Liverpool und Manchester United, kletterte Crystal Palace noch auf Platz zehn und schaffte damit den sicheren Klassenerhalt.

Unzufrieden mit Transferbilanz

Unzufrieden mit Transferbilanz
Oliver Glasner mit Eberechi Eze
Foto: ©IMAGO / Craig Mercer

Über Glasners Erfolge bei seinen vorherigen Stationen schrieb "The Athletic" bei seiner Anstellung: "Es gibt nicht viele Trainer, die eine derart beständige Erfolgsbilanz vorweisen können, wenn es darum geht, das Maximum aus ihren Mannschaften herauszuholen, ohne dafür riesige Summen auszugeben."

Für den gebürtigen Salzburger stand im Sommer 2024 die erste Transferphase mit einem Premier-League-Team an, doch die absoluten Star-Neuzugänge und Unsummen blieben aus.

Mit Michael Olise verließ zwar einer der wichtigsten Spieler den Verein, doch adäquater Ersatz wurde keiner verpflichtet. Glasner zeigte sich nach dem Sommer immer wieder verärgert über die Kaderplanung der "Eagles".

"Wir hätten im Transferfenster besser arbeiten können. Vier Neuzugänge am letzten Tag der Transferperiode – so hätte man sich den Ablauf des Transferfensters nicht gewünscht. Aber am Ende war es die Entscheidung des Klubs", so Glasner damals in einem Interview mit "The Athletic".

"Emotionaler" Glasner vor dem Aus

Der Start in die Saison 2024/25 ging ziemlich in die Hose. In den ersten zwölf Spielen konnte Palace nur eines gewinnen und Mitte November lag man auf einem direkten Abstiegsplatz.

Mehrere Medien berichteten über eine baldige Entlassung Glasners, doch die Verantwortlichen der "Eagles" hielten am Österreicher fest - und er zahlte das Vertrauen zurück.

Palace arbeitete sich immer weiter nach oben, befreite sich aus dem Abstiegskampf und Glasner ließ kritische Stimmen verstummen. Vor allem die Art der Ried-Legende überzeugte die Engländer.

"Glasner ist leidenschaftlich, emotional und zeichnet sich durch einen unstillbaren Wissensdurst und das Streben nach Selbstverbesserung aus, was er auch auf seine Assistenten und Spieler überträgt", schrieb der Crystal-Palace-Experte und "Athletic"-Journalist Matt Woosnam über Glasner, ein Jahr nach dessen Anstellung.

Einer der größten Trainer der Vereinsgeschichte

Einer der größten Trainer der Vereinsgeschichte
Glasner nach dem FA-Cup-Triumph
Foto: ©IMAGO / Every Second Media

Am Ende der Saison landete Palace in der Premier League auf dem zwölften Platz, doch das wahre Highlight gab es im FA-Cup.

Nachdem man unter anderem Teams wie Millwall, Fulham und Aston Villa ausschalten konnte, kämpfte man sich zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte ins Finale des ältesten Fußball-Bewerbs der Welt.

Im Finale gegen Manchester City waren die Südlondoner dann klarer Außenseiter. Doch dank eines Treffers von Eberechi Eze gelang dem Team von Oliver Glasner die Sensation und Palace feierte den ersten Titel der 120-jährigen Vereinsgeschichte.

Glasner wurde als Held gefeiert und legte noch einen drauf. Im Community Shield konnte man Meister Liverpool im Elfmeterschießen besiegen und somit gleich den zweiten Titel nachlegen. Daraufhin wurde Glasner von einigen Medien bereits als größter Trainer der Crystal-Palace-Geschichte bezeichnet.

"Ganz allein unsere Schuld"

Aber es stand wieder ein Transfersommer bevor und mit FA-Cup-Held Eze verließ der nächste Superstar die "Eagles". Zwar holte man Yeremy Pino als Ersatz, doch der Spanier konnte nicht ganz die Fußstapfen des englischen Nationalspielers ausfüllen.

Nach dem Wechsel von Eze zeigte sich Glasner erneut sehr verärgert: "Ich kann nichts machen. Das Profil ist schon seit Monaten festgelegt, seit Monaten. Außerdem überrascht es niemanden, dass Ebs (Eberechi Eze) gegangen ist, denn schon fünf Tage zuvor hätten wir nichts dagegen tun können, wenn er gegangen wäre (aufgrund seiner Ausstiegsklausel)."

"Wir wussten, dass die Wahrscheinlichkeit dafür sehr hoch war, und ehrlich gesagt – ich sage es, wie es ist – wir haben die Gelegenheit verpasst, ihn rechtzeitig zu ersetzen. Das ist ganz allein unsere Schuld und die von niemand anderem."

Mit Marc Guehi stand auch der Abwehrchef vor einem Abgang, aber Glasner kündigte seinen Rücktritt an, sollte Guehi den Verein verlassen und so konnte der Engländer gerade noch gehalten werden.

"Die Entscheidung ist bereits vor Monaten gefallen"

"Die Entscheidung ist bereits vor Monaten gefallen"
Fans bedanken sich bei Glasner
Foto: ©IMAGO / Craig Mercer

Der Start in die Saison war dennoch sehr gut. Mit sieben Siegen und nur drei Niederlagen stand Palace am 15. Spieltag auf einem Champions-League-Platz, doch während sich Palace in den Spielzeiten zuvor mit Fortlaufen der Saison steigerte, ging die Formkurve 2025/26 nach unten.

Im Jänner kam dann der absolute Super-Gau für alle Fans der "Eagles": Zum einen wechselte Guehi ein halbes Jahr vor Vertragsende zu Manchester City und zum anderen kündigte Glasner seinen Abschied mit Ende der Saison an.

"Die Entscheidung ist bereits vor Monaten gefallen. Im Oktober, während der Länderspielpause, traf ich mich mit Steve Parish (Vorstandsvorsitzender). Wir unterhielten uns sehr lange, und ich sagte ihm, dass ich keinen neuen Vertrag unterschreiben werde", sagte Glasner auf einer Pressekonferenz.

Fans zeigten sich daraufhin entrüstet und forderten unter anderem das Aus von Parish anstelle von Glasner, doch die Entscheidung des Österreichers stand fest.

Ein letztes Mal die Kurve gekratzt

Das Ziel für Glasner in seinen letzten Monaten in Südlondon war klar: Die Mannschaft sollte sich nicht von seiner Entscheidung beeinflussen lassen, sondern sie sollten die Saison trotzdem souverän zu Ende spielen.

Doch die Mannschaft steckte zu Jahresbeginn in der Krise. Von vereinzelten Fans gab es "You're sacked in the morning"-Sprechchöre in Richtung des Trainers.

Glasner ließ sich davon jedoch nicht verunsichern und kratzte abermals die Kurve mit seiner Mannschaft. Crystal Palace sicherte sich den Klassenerhalt und stürmte in souveräner Manier bis ins Conference-League-Finale.

"Der beste Tag steht uns erst bevor"

Im letzten Heimspiel gegen Arsenal schallten dann wieder "Oli Glasner"-Sprechchöre durchs ganze Stadion.

Der 51-Jährige zeigte sich berührt, aber gleichzeitig richtete sich sein Blick auch schon wieder nach vorne.

"Ich glaube, der beste Tag steht uns erst in drei Tagen in Leipzig bevor", sagte er über die Chance auf den dritten Titel seiner Ära.

Glasner wird gegen Rayo Vallecano zum letzten Mal bei Crystal Palace an der Seitenlinie stehen, aber unabhängig vom Ausgang des Spiels ist der Österreicher, der als Fremder gekommen war, zu einer Legende in Südlondon geworden.

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