Johannes Hofer:
Wenn nur Mbappe fehlen würde… Auch Rodrygo fehlt da vorne. Bellingham ist nicht dabei. Und zu allem Überfluss kommt noch die dauerhafte verletzungsbedingte Rotation in der Viererkette dazu. Real mit all seinen Nebengeräuschen gleicht aktuell einem pfeifenden Dampfdrucktopf.
In der Liga setzte es zuletzt zwei Niederlagen gegen Osasuna und Getafe, bei Celta Vigo fixierte Federico Valverde den 2:1-Sieg erst spät in der Nachspielzeit.
Auch wenn der Rekordchampion in der Königsklasse meistens über sich hinauswachsen kann, so spricht aktuell herzlich wenig für die Madrilenen. City hingegen hat seit der überraschenden Niederlage in Bodø Ende Jänner kein Spiel mehr verloren und jagt Arsenal in der Premier League in einem zwischenzeitlich schon verloren geglaubten Titelkampf.
In der K.O.-Phase gibt es das Duell jetzt zum fünften Mal in Folge – für die beiden Teams eine schräge Form der hölzernen Hochzeit. In den vergangenen beiden Spielzeiten hatten die Königlichen das bessere Ende für sich. Und vergessen wir eines nicht: Einen 15-fachen CL-Sieger sollst du prinzipiell nie abschreiben.
Flo Hager:
Ich stimme zu, dass man die Madrilenen niemals abschreiben darf. Dennoch halte ich Real Madrid ohne den für mich momentan besten Spieler der Welt, Mbappe, für den Außenseiter in diesem Duell.
Vorne macht gefühlt nur Mbappe den Unterschied und hinten ist Real Madrid extrem anfällig. Vielleicht wäre Arbeloa gut beraten, den Älteren den Vortritt zu lassen, anstatt immer wieder auf das junge Innenverteidiger-Duo Hujsen und Asencio zu setzen. Die beide haben für mich (noch) nicht das nötige Niveau für solche Spiele. Aber klar, dafür muss ein Alaba, ein Rüdiger oder Militao mal verletzungsfrei bleiben.
Ich weiß nicht, ob Haaland rechtzeitig fit wird, aber: So oder so ist das Team von Pep Guardiola für mich der eindeutige Favorit.
These 2: Diese Champions-League-Auslosung ist ein Traum für Arsenal: Sie ermöglicht es, die volle Konzentration auf Liga und Cup zu richten, aber dennoch locker ins CL-Halbfinale zu kommen.
Flo Hager:
Man kann schon von einem gewissen Losglück sprechen, dennoch ist noch niemand "locker" ins Halbfinale der Champions League gekommen.
Bis Ende Mai muss die Konzentration in jedem Spiel da sein. Die Phase genau jetzt im Frühjahr ist die, die gute Mannschaften von sehr guten unterscheidet. Denn jetzt ist die Zeit, in der man Titel gewinnen kann.
Die Ausgangslage ist da. Ob die Mannschaft aber wirklich reif für Titel ist, muss sie genau jetzt beweisen.
Johannes Hofer:
Arsenals Standards sind beeindruckend und schrecklich zugleich. Kein Team ist nach ruhendem Ball so stark, keine Mannschaft hat ihr Spiel so sehr auf Standards zugeschnitten. Mikel Arteta hat ein Monster erschaffen, das von kaum einer Mannschaft zu biegen ist.
Aber das Vertrauen in Declan Rice's Pratzerl allein wird und kann nicht reichen. Aus dem Spiel heraus fehlen dann in großen Matches manchmal die entscheidenden Impulse. Das war vor allem bei der bislang letzten Niederlage gegen Manchester United klar zu sehen.
Von "locker ins Halbfinale" kann nicht die Rede sein. Aktuell ist Arsenal die vielleicht beste Mannschaft Europas. Aber können die "Gunners" auch Erntedank feiern? Diesen Beweis sind sie unter Arteta bislang noch schuldig geblieben.
These 3: Wenn es ganz blöd hergeht, wird Kevin Danso bei Tottenham noch vor dem Rückspiel gegen Atletico Madrid einen neuen Trainer haben.
Johannes Hofer:
Die Idee hinter der Verpflichtung von Igor Tudor hat sich mir nie erschlossen. Das wird sie auch nicht mehr. Eine Verwirrung made in North London. Aber das war auch schon bei seinem Vorgänger Thomas Frank der Fall.
Ich habe keine Ahnung, was Tottenham will. Die Trennung von Ange Postecoglou nach dem größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte vergangenen Sommer war komisch logisch. Mit ihm ging es nicht mehr. Auf dem Transfermarkt holen die Spurs seit Jahren Perspektivspieler auf höchstem Level um viel Geld. Aber aus der erhofften Zukunft wird seit Jahren keine erfolgreiche Gegenwart
Was ich mit all dem sagen möchte: Es wäre keine Überraschung, wenn Tudors ohnehin interimistische Amtszeit nach nicht einmal einem Monat enden würde. Champions League gut und schön, aber für Tottenham geht es aktuell um den Klassenerhalt.
Flo Hager:
Von einer Trainerentlassung halte ich gar nichts und Igor Tudor die Schuld an den drei Niederlagen zu geben, greift auch zu kurz.
Ich halte den Kader einfach für total falsch zusammengestellt. Die Stärksten sind für mich in der Innenverteidigung zu finden. Das Mittelfeld halte ich für "overpayed" und im Sturm trifft niemand regelmäßig. In den letzten fünf Jahren sind die Spurs der Verein mit den sechsthöchsten Ausgaben aller Klubs.
Ich habe das Spiel letzten Donnerstag gegen Crystal Palace gesehen - das war eine blutleerer Auftritt. Auch die Rote Karte von Micky Van de Ven beim Stand von 1:0 für die Spurs darf keine Ausrede sein, denn der Führungstreffer zuvor war glücklich und auch davor hatten sie schon Glück, dass Glasner-Stürmer Sarr mit einer Nasenlänge im Abseits stand.
Nach der Halbzeit haben die Spurs zwar eine Reaktion gezeigt, aber wenn das so weitergeht, kann es für Tottenham ganz eng werden im Abstiegskampf.