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These: Die Premier League ist den anderen Ligen weit voraus

Ist Arsenal der große Favorit auf den Champions-League-Titel und ist das neue Ligaphasenmodell gar kein Upgrade? LAOLA1 und Canal+ debattieren:

These: Die Premier League ist den anderen Ligen weit voraus Foto: © getty

In unserem Format "Ansichtssache" versuchen wir, Meinungen, Stimmungen, Überreaktionen oder sonstige Ansichten jeglicher Art in eine These zu packen und zu analysieren.

Das kann mal provokant sein, mal eine oft gehörte Meinung. Mal sehr strittig, mal weniger. Mal eine Prognose, mal eine simple Einordnung.

In der aktuellen Ausgabe behandeln wir den nächsten Spieltag in der Champions League.

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Passend dazu hat die Redaktion Johannes Hofer, Kommentator bei Canal+, und Florian Hager, Redakteur bei LAOLA1, mit drei Thesen konfrontiert:

These 1: Von wegen mehr Spannung: Auch im neuen Champions-League-Format haben sich nur die Top-Teams durchgesetzt.

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Qarabag will die Großen ärgern
Foto: ©GETTY

Flo Hager:

Geschenkt wird im wichtigsten Klubwettbewerb der Welt nach wie vor nichts. Wer nicht gewinnt, sammelt keine Punkte – und ohne Punkte geht es eben nicht weiter. Daran hat auch das neue Format nichts geändert.

Und doch verschieben sich die Chancen. Am Ende erreichen 24 von 36 Teams die nächste Runde, also zwei Drittel des Teilnehmerfeldes. Die Wahrscheinlichkeit, frühzeitig auszuscheiden, sinkt spürbar. Vor allem das klassische Schreckensszenario der "Hammergruppe", in der das Aus für kleinere Teams praktisch vorprogrammiert ist, gehört der Vergangenheit an.

Außerdem: Qarabağ steht aktuell auf Rang 18 und klopft überraschend an die Tür zur K.-o.-Phase.

Natürlich lebt der Fußball von Underdog-Momenten und unerwarteten Erfolgen. Gleichzeitig empfinde ich es als positiv, dass sich über eine längere Phase jene Mannschaften durchsetzen, die konstant den besten Fußball spielen.

Johannes Hofer:

Das große Drama der Vorsaison, als Real Madrid, Manchester City und PSG die Ligaphase nur mit Schmerzen überstanden, bleibt heuer aus. Selbst die Bayern mussten in der Vorsaison in die K.O.-Playoffs und wurden dort bis zur letzten Minute von Celtic geradewegs drangsaliert.

Eine Momentaufnahme der Top Acht zeigt: Die Großen haben sich mit dem noch immer neuen Modus arrangiert. Und trotzdem bleibt der Spannungsfaktor bestehen. Denn zwischen Rang sechs und 18 liegen gerade einmal drei Punkte. Wo in der Gruppenphase am letzten Spieltag bei den Großklubs aufgrund der meist fixen Qualifikation das Motto "Jugend forscht" galt, heißt es heute: Konzentration bis zur letzten Minute.

Denn kein Team will sich den Terminkalender mit zwei zusätzlichen K.o.-Playoffspielen noch voller machen. Und in dieser Gemengelage bleibt dann trotzdem Platz für Teams wie Qarabag, PSV oder vielleicht auch Kopenhagen oder Bodø.

These 2: Ein Blick auf die Champions-League-Tabelle zeigt eindeutig, dass die Premier League nach wie vor die beste Liga der Welt ist – und sich das auf Dauer auch nicht ändern wird.

These 2: Ein Blick auf die Champions-League-Tabelle zeigt eindeutig, dass die Premier League nach wie vor die beste Liga der Welt ist – und sich das auf Dauer auch nicht ändern wird.
Manchester City ist als schwächstes PL-Team 11. in der Ligaphase
Foto: ©GETTY

Johannes Hofer:

Diese These unterstütze ich vollumfassend. Allein das Beispiel Tottenham zeigt diesen Umstand perfekt auf. In der Liga dümpeln sie die zweite Saison in Folge knapp oberhalb der Abstiegsränge herum. Doch international sind sie, so wie vier andere Klubs von der Insel vor dem letzten Spieltag in den Top 8 und damit auf Kurs Achtelfinale.

Das ist jetzt vielleicht eine gewagte These, aber die immer größer werdende Anzahl an Spielen kommt den Briten eher zugute als den Kontinentaleuropäern. Die Teams und Spieler sind diesen Rhythmus schlichtweg schon lange gewohnt. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass immer mehr Spiele gut für die Qualität des Kicks sind.

Verletzungsprobleme häufen sich von Jahr zu Jahr, 30-Mann-Kader gehören zur Normalität. Diese Fülle an Qualitätsspieler können sich am Ende nur die Finanzkräftigsten leisten. Und die kommen mit wenigen Ausnahmen eben aus England.

Aber eines möchte ich noch festhalten: Die Premier League hat die höchste Dichte, trotzdem muss der diesjährige Champions-League-Sieger aber nicht automatisch aus England kommen.

Flo Hager:

Erster, vierter, fünfter, siebter, achter und elfter hat die Premier League in der CL-Ligaphase vorzuweisen. Allein das beweist, dass die englische Liga im Moment die beste Liga ist.

Auch wenn man sich die übrigen Kader ansieht, fällt auf was für Qualität in der Premier League vorhanden ist.

Es überrascht beinahe, dass ausgerechnet Pep Guardiolas Manchester City im Vergleich zu den anderen englischen Teams am schwächsten in der Champions League abschneidet. Aber wie Johannes richtig anspricht, englische Teams haben auch die breitesten Kader und können deshalb am besten mit der Mehrfachbelastung umgehen.

Wenn es dann aber in die entscheidende Phase geht und die Viertel- und Halbfinale anstehen, werden die Topteams der anderen Ligen defintiv wieder gefährlich.

10 der letzten 20 Titel in der Königsklasse gingen an spanische Teams. Deshalb zählen für mich englische und spanische Mannschaften zu den Favoriten auf den Henkelpott in diesem Jahr. PSG, Bayern und Inter sollte man aber selbstverständlich ebenfalls wieder auf der Rechnung haben.

These 3: Eine makellose Ligaphase wäre nur der erste Schritt: Der FC Arsenal ist auf dem Weg, eine der legendärsten Spielzeiten der Fußball-Geschichte hinzulegen.

These 3: Eine makellose Ligaphase wäre nur der erste Schritt: Der FC Arsenal ist auf dem Weg, eine der legendärsten Spielzeiten der Fußball-Geschichte hinzulegen.
Gyökeres wird sich in der zweiten Saisonhälfte steigern müssen
Foto: ©GETTY

Flo Hager:

Wer sieben Spiele gewinnt, kann wohl auch sieben weitere gewinnen. Dann wäre man bereits im Finale. Besonders die Leistung von Arsenal im Spitzenspiel gegen Bayern hat mich sehr beeindruckt.

Ein Punkt, über den kaum jemand spricht: Wie gut ist eigentlich Declan Rice? Einer der unterschätztesten und stärksten Spieler derzeit, der als Stratege und durch seine Standards immens wertvoll für die Gunners ist.

Noch ein Punkt jedoch, über den kaum jemand spricht: Gyökeres funktioniert nicht! Seit September hat er genau zwei Ligatore erzielt, das verblasst aber ein wenig, da die Mannschaft insgesamt funktioniert.

Für mich ist Arsenal in der Defensive und im Mittelfeld weltweit am stärksten aufgestellt.

Ich stelle nur die Frage in den Raum, ob ein Real Madrid mit Torjäger wie Kylian Mbappe, Manchester City mit Erling Haaland und Barcelona mit Raphinha und Lamine Yamal Vorteile in den ganz wichtigen Spielen zu Saisonende hat.

Johannes Hofer:

Flo, ich bin da in vielen Punkten bei dir. Declan Rice ist aktuell der beste zentrale Mittelfeldspieler der Welt. Arsenals Wucht und die Stärke nach ruhenden Bällen ist beeindruckend. Und trotzdem muss die Niederlage im ewigen Spitzenspiel gegen Manchester United ein Warnsignal gewesen sein.

Sie müssen ihre Dominanz über die gesamte Saison in Ergebnisse ummünzen. Und genau da kommt der Faktor Gyökeres ins Spiel. Für neue Stürmer in der Premier League, Haaland ausgenommen, ist eine Anlaufzeit von bis zu einem Jahr ganz normal.

Wenn es am Ende dieser Saison im roten Teil Nordlondons etwas zu feiern geben soll, muss der Schwede die Eingewöhnung schön langsam abschließen. Das klingt natürlich einfacher als es ist, wird aber im Titelrennen elementar. Immerhin gelang ihm gegen Inter sein zweiter Treffer im Jahr 2026. Und wenn alles nix mehr hilft, kommt Arteta vielleicht wieder mit einer Behelfslösung wie Mikel Merino in der Vorsaison ums Eck.



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