Die PSG-Offensive wird nicht zu stoppen sein
von Vincent Öfner
Als Titelverteidiger könnte PSG Historisches schaffen. Als einzige Mannschaft neben Real Madrid könnten die Pariser die UEFA Champions League zwei Mal hintereinander gewinnen.
Genau darin besteht auch einer der größten Vorteile, mit dem der französische Hauptstadtklub ins Finale geht. Fast der gesamte Kader war bereits beim letztjährigen Triumph dabei, und mit Gianluigi Donnarumma ist nur ein Spieler aus der Startelf gegen Inter nicht mehr dabei.
Diese Erfahrung kann Arsenal auf der größten europäischen Bühne nicht vorweisen. Mit Kai Havertz und Gabriel Jesus standen erst zwei Spieler aus dem Kader der Londoner schon mal in einem Champions-League-Finale auf dem Platz.
Auch auf der Trainerbank spricht die Erfahrung ebenfalls klar für die Franzosen. Luis Enrique konnte bisher zwei Mal das Triple gewinnen. Für seinen spanischen Landsmann Mikel Arteta steht in bisherigen Endspielen nur ein FA-Cup-Sieg zu Buche.
Vergangene Saison stand Arsenal zwar kurz vor dem Finale, doch im Halbfinale zeigte PSG den Londonern bereits ihre Grenzen auf und die Engländer schieden relativ sang- und klanglos aus.
Seitdem haben sich die Londoner natürlich noch mal gesteigert. Der frischgebackene englische Meister konnte vor allem die Defensive nochmals verbessern. In dieser Saison kassierte Arsenal in keinem Spiel mehr als zwei Tore.
Allerdings spielten die Gunners vor allem in der K.o.-Phase der Champions League gegen relativ leichte Gegner und wussten dabei nicht unbedingt zu überzeugen.
Gegen Leverkusen, Sporting und Atletico erzielten die "Gunners" insgesamt gerade mal sechs Tore. PSG hingegen spielte gegen Chelsea, Liverpool und Bayern und erzielte dabei ganze 18 Tore.
Diese Offensive wird daher auch für die Arsenal-Defensive zu viel werden. Vor allem das Pariser Offensiv-Trio aus Doue, Dembele und Kvaratskhelia wird nicht zu stoppen sein.
Mit Vitinha, Joao Neves und Achraf Hakimi hat PSG drei weitere Kicker, die dem Spiel ihren Stempel aufdrücken können.
Diese Spieler fehlen bei Arsenal. Die Engländer zeichnen sich durch ihr mannschaftliches Gefüge aus. Mit Declan Rice und Bukayo Saka haben zwar auch sie absolute Weltklasse-Spieler, dennoch sind sie keine Spieler, die ein Match allein entscheiden können.
Schlussendlich wird bei PSG die individuelle Klasse und die Erfahrung überwiegen, und die Pariser werden zum zweiten Mal in Folge die Champions League gewinnen.
Die denkwürdigsten Champions-League-Endspiele aller Zeiten
Arsenal hat nichts zu verlieren
von Jonas Pamperl
Warum sollte die Mannschaft, die in dieser CL-Saison noch ungeschlagen ist, ausgerechnet das Finale verlieren?
Vorab gleich zu Arsenals unglaublichen Fakten in dieser "Königsklassen"-Kampagne: Elf Siege aus 14 Spielen, dazu kommen nur zwei Remis. Kein anderes Team gewann häufiger. Neun Mal spielten die "Gunners" obendrein zu Null, drei Mal häufiger als Platz zwei (Tottenham).
Bei einer Sache muss ich dem Kollegen Öfner recht geben: Arsenal hatte tatsächlich den leichteren Weg ins Finale. Diesen Weg hat man sich durch Platz eins in der Ligaphase (PSG war nur Elfter) auch erarbeitet.
Während die Nordlondoner in der Gruppenphase lange sehr dominant unterwegs waren, wurde es in den K.o.-Spielen knapper. Die Sterne vom Himmel hat Arsenal generell aber nur allzu selten gespielt.
Stattdessen ist der Fußball maschinell, teilweise wenig ansehnlich - aber eben auch wahnsinnig erfolgreich. Mit nur sechs (!) Gegentoren in 14 Spielen stellt man die mit Abstand beste Defensive. Kairat Almaty folgt auf Rang zwei mit elf Stück. Kein einziges Team, außer Almaty am letzten Spieltag der Ligaphase, hat mehr als einmal gegen die Gunners getroffen. Weder Bayern, noch Inter oder Atletico.
Was die reine Offensivqualität angeht, hat PSG im Finale sicherlich Vorteile. Für mindestens ein Tor ist Arsenal aber allemal gut und wenn es durch die so gefährlichen Standards fällt. Torlos blieb man in dieser Saison nämlich nur fünf Mal in 62 Spielen.
Und was Spieler angeht, die ein Spiel allein entscheiden können? Davon hat Arsenal auch etliche: Denk' an Rice gegen Real Madrid in der Vorsaison. Oder an Havertz, der sogar ein CL-Finale mit dem Goldtor allein entschieden hat. Von Top-Torhüter Raya über Bukayo Saka bis hin zum Verteidiger-Duo Saliba und Gabriel ganz zu schweigen.
CL-Finalerfahrung hat das Team von Arteta nicht, klar. Über die letzten drei Saisons hinweg sammelte die Mannschaft - gemeinsam - aber mehr und mehr Erfahrung auf der größten Bühne und verbesserte sich stetig. Auf das Viertelfinale 2023/24 folgt das Halbfinale und nun steht man eben im Endspiel.
Ein Endspiel, in dem Arsenal eigentlich fast nichts zu verlieren hat. Denn der Druck ist ein anderer im Vergleich zum Gegner.
Immerhin geht PSG als Titelverteidiger ins Finale, ist also klarer Favorit. Dazu kommt: Für die Gunners ist diese Saison nach dem lang ersehnten PL-Titel so oder so ein Erfolg. Das ist bei PSG ganz anders: Vom Gewinn der Ligue 1 wurde ausgegangen, das Pokal-Aus gegen Paris FC war eine Enttäuschung. Es hängt also alles an diesem Finale.
Ob dieser Fakt den Ausschlag gibt? Vielleicht. Aber am Ende ist dieses Duell auch eines von zwei konträren Fußball-Sichtweisen: Defensive gegen Offensive, Kontrolle gegen Spektakel, physische Dominanz gegen spielerische Dominanz.