Zu viele Fehler, zu wenig Courage: So ging für Rapid nichts
Die Hütteldorfer wollten am Verteilerkreis agieren, luden die Veilchen damit aber nur ein.
von Johannes Bauer
Wiener Derbys enden selten so, wie es im Vorfeld erwartet wurde. Das lässt sich von der 348. Auflage nicht behaupten.
Selbst der Spielverlauf entsprach der Prophezeiung in der Ansichtssache zuvor>>>: Rapid wollte das Spiel machen, tat das sehr fehlerbehaftet und die Austria schlug gnadenlos zu.
Nach 34 Minuten war der spätere 2:0-Endstand hergestellt, beide Treffer von den Hütteldorfern mit Fehlern im Spielaufbau de facto selbst eingeleitet.
Die schon vorher historische Unserie wuchs auf zwölf Spiele an, langsam schwimmt das Fell namens oberes Playoff davon.
"Im Training schaut es ganz anders aus. Heute hatte es nichts mit dem Spielstil zu tun. Wir haben in der ersten Hälfte jeden Zweikampf, jeden zweiten Ball verloren, und in einem Derby geht das nicht", musste mit Andreas Weimann jener Mann ausrücken, der als Neuankömmling die geringste Schuld am Tief trägt.
Ohne Mut spielen wollen funktioniert nicht
Johannes Hoff Thorup verdaute das Gezeigte auch nur schwer, obwohl beim Dänen die langfristige Perspektive im Vordergrund steht: "Wir werden für Fehler sehr hart bestraft. Sie treffen nach einem meiner Meinung nach offenem Beginn des Spiels."
Spätestens nach dem zweiten Tor war die Gegenwehr gebrochen, obwohl das Spiel zu diesem Zeitpunkt noch über 65 Minuten dauern sollte.
Wäre vom Team nicht mehr Courage zu verlangen gewesen, wenn die spielerische Komponente schon Mangel aufwies? "Wenn ich das Spiel betrachte, war das wohl das Schlüsselwort für mich. Ich hätte uns gerne aggressiver und nach vorne orientiert gesehen, mit mehr Spiel zwischen den Linien, wenn sich die Möglichkeiten ergeben haben", so der Trainer, der mit offensiven Wechseln allerdings lange zuwartete.
Er kann nur unterstützen
Es war weniger die Art des Spiels, aber die Qualität der Exekution, mit der sich Rapid selbst ein Bein stellte. "Ich denke, unsere defensiven Bewegungen waren sogar gut", bekräftigte Hoff Thorup.
"Aber ich hätte mir eben gewünscht, dass wir mutiger am Ball sind. Denn der Raum für uns war da."
So wurde auch das Derby nicht zur Gelegenheit, etwas am Selbstvertrauen zu schrauben, das es nun dringend benötigt. Daheim gegen Wolfsberg, dann auswärts in Altach und schließlich daheim gegen Salzburg wird sich entscheiden, gegen wen die letzten zehn Partien der Bundesliga-Saison gehen. Die Momentaufnahme sieht nicht gut aus.
Denkt er schon über diese knifflige Ausgangslage nach? "Diese Jungs haben für die letzten vier oder fünf Monate durchgehend Kritik kassiert. Es ist nur natürlich, dass das einen Fußballspieler und seine Entscheidungen beeinflusst. Meine Aufgabe ist also, sie so gut wie möglich zu supporten und für die nächsten Spiele bessere Lösungen zu finden."
So gerne Hoff Thorup auf die mittelfristige Perspektive seiner Planungen verwies: Sein Team braucht nun etwas kurzfristigere Imputs, sonst geht es nach unten.