Tor zum Ausklang: "Märchenhafter" Hierländer-Abschied bei Sturm
Der scheidende Kapitän verabschiedet sich mit einem Freistoß-Tor vom SK Sturm – Kiteishvili hat Hierländer vor dem Treffer angespornt.
Nichts ist es für Sturm Graz mit dem Titelhattrick in der ADMIRAL Bundesliga geworden – ein "Märchen" haben die Grazer dennoch bejubelt.
Trotz der verpassten Meisterschaft erlebt Stefan Hierländer nach zehn Jahren beim Verein einen Abschied wie aus dem Bilderbuch. In der Nachspielzeit versenkt der Routinier einen Freistoß zum 2:0-Endstand – es ist das erste Saisontor des Kapitäns.
Der 35-Jährige, der die Grazer nach 317 Pflichtspielen verlassen wird, vergibt kurz nach seiner Einwechslung eine Großchance auf die Führung, in der Nachspielzeit darf Hierländer aber doch noch jubeln.
"Dass er den Freistoß so ins Kreuzeck schießt, ist fast ein kleines Märchen", urteilt Trainer Fabio Ingolitsch. "Das Ende mit Hierli war eine Kompensation für die Enttäuschung", sagt Otar Kiteishvili.
Kiteishvili spornte Hierländer vor Tor an: "Du musst wie Beckham sein"
Der Georgier habe ihn vor dem Freistoß angespornt, erzählt Hierländer. "Du musst ein bisschen wie David Beckham sein, zeig es mal", hat der Bundesliga-Spieler der Saison gefordert.
Gesagt, getan. Hierländer erfüllt den Auftrag und wird danach von seinen Teamkollegen auf Schultern getragen. Die schwarz-weißen Fans würdigen den bescheidenen Leistungsträger mit minutenlangen Sprechchören, Hierländer selbst verabschiedet sich mit einer Rede über das Stadionmikro.
"Das wird mir ewig in Erinnerung bleiben", sagt der dreifache ÖFB-Teamspieler wenig später über den emotionalen Abschied. "Es ist irgendwo auch kitschig und schön."
Ingolitsch schwärmt und ist nun der Älteste
Viel Lob gibt es auch von Cheftrainer Fabio Ingolitsch. Durch den Abgang von Hierländer ist der Salzburger nun älter als alle seine Spieler. Ein Umstand, an den er sich erstmal gewöhnen muss, wie er mit einem Zwinkern verrät.
"Jetzt muss ich schauen, dass wir wieder einen Älteren holen. Oder ich muss anfangen, damit klarzukommen, dass ich der Älteste bin (lacht)", so der 34-Jährige.
Um dann nachzulegen: "Wir verlieren mit Hierli eine Persönlichkeit, einen Menschen, den ich so in der Art noch nicht kennengelernt habe. Wenn du so eine wohlverdiente Karriere hast, könnte man meinen, dass man ein extrem großes Ego besitzt. Bei ihm ist es genau anders rum. Er nimmt sich selbst nicht so wichtig, es geht ihm immer um den Verein und die Mannschaft."
Karriereende? "Freistoß hat mich zum Überlegen gebracht"
Ob Hierländer woanders weiterspielt oder seine Karriere beendet, ist noch offen. "Der Freistoß hat mich jetzt auch zum Überlegen gebracht, ob nicht doch noch irgendwas da drin ist", sagt er.
Eine Tätigkeit im Verein bei Sturm sei jedenfalls naheliegend. "Ich habe ein paar Gespräche geführt. Aber dafür ist es jetzt zu wenig, dass ich in einer anderen Rolle weitermache", ergänzt der Mittelfeldspieler. "Ich muss einmal Abstand gewinnen."
Sturm-Präsident Christian Jauk adelt Hierländer unterdessen als "Ikone", die sicher die Möglichkeit gehabt hätte, mehr zu verdienen.
Einen Ersatz für den scheidenden Kapitän dürften die Grazer in der Steiermark gefunden haben. Demnach soll Jürgen Heil, der den TSV Hartberg wohl ablösefrei verlassen wird, im Sommer zu den "Blackies" wechseln. (Alle Infos >>>)