Endstand
3:1
2:1 , 1:0
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FAK defensiv historisch schwach - "Es sind Halbchancen drin!"

Die "Veilchen" hadern einmal mehr mit ihren defensiven Unzulänglichkeiten und sind in puncto Gegentore nun Liga-Schlusslicht. Was dennoch Hoffnung gibt:

FAK defensiv historisch schwach - "Es sind Halbchancen drin!" Foto: © GEPA

Die Wiener Austria bekommt ihre Defensiv-Probleme nicht in den Griff.

Die "Veilchen" verlieren am 28. Spieltag der ADMIRAL Bundesliga erneut mit 1:3 gegen den FC Red Bull Salzburg (Spielbericht>>>) und kassieren dabei mindestens zwei vermeidbare Gegentore.

Mit nun 46 Saison-Gegentoren ist der FAK nun das in dieser Hinsicht anfälligste aller zwölf Bundesliga-Teams - noch nie seit Gründung der Bundesliga haben die "Veilchen" nach 28 Runden mehr hinnehmen müssen.

"Wir tun uns einfach schwer, Tore zu verteidigen. Es sind Halbchancen, die teilweise drin sind", ist Kapitän Manfred Fischer fassungslos.

Letzte Saison noch das defensivstärkste Team der Liga

Zumal die "Veilchen" in der Vorsaison mit nur 32 Gegentreffern die mit Abstand wenigsten der gesamten Liga bekamen. Fischer seufzt: "Die defensive Stabilität, die uns letzte Saison ausgezeichnet hat, fällt uns heuer auf den Kopf. So ehrlich muss man sein."

Am Mittwoch wurde die violette Abwehr nach 16 Minuten erstmals geknackt. Yorbe Vertessen kam nach einer inkonsequent verteidigten Salzburger Offensivaktion über links recht unbedrängt zum erfolgreichen Abschluss, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt neun Austria-Spieler im eigenen Strafraum befanden.

Ähnlich unorganisiert agierten die Favoritner beim 0:2 sechs Minuten später. Nach einem Corner ging die Zuteilung im Sechzehner bzw. das Timing beim Rauskommen von Goalie Samuel Sahin-Radlinger so daneben, dass Torschütze Jannik Schuster danach zugab, "extrem überrascht" gewesen zu sein, dass der Ball zu ihm durchkam.

Die Austria startete zuletzt fast immer mit Rückständen in Spiele

"Du musst gegen diese extrem flinken Salzburger Spieler so Situationen wie beim ersten Tor einfach konsequenter und schärfer verteidigen. Vor allem bei Standards, wo wir ihnen grundsätzlich einen Ticken überlegen sind", lautet Stephan Helms Fehleranalyse.

Der FAK-Coach weiß: Wenn man den Gegner quasi zum Toreschießen einlädt und so jedes Mal früh in einen Rückstand gerät, wie es der Austria zuletzt zu oft passierte, wird es mit dem Punkten ganz schwer.

"Da müssen wir genau drauf schauen. Vor allem deswegen, weil, wenn wir solche Spiele länger offen halten, zeigt sich hinten raus eigentlich immer, dass wir eine sehr gefährliche Mannschaft sind. Deswegen ist es umso ärgerlicher, dass wir diese Phasen haben, wo wir solche Gegentore hinnehmen müssen", ärgert sich Helm.

Sahin-Radlinger über Blackout: "17 Gedanken auf einmal"

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Nicht immer so sicher wie im Moment dieser Aufnahme - Samuel Sahin-Radlinger patzte am Mittwoch gleich zwei Mal
Foto: ©GEPA

Dafür, dass die Wiener die Begegnung in Wals-Siezenheim diesmal nicht bis zum Schluss offen halten konnten, sorgte schlussendlich ein schwerer Schnitzer von Sahin-Radlinger, der einen Rückpass von Tin Plavotic falsch einschätzte und ihn unter seinen Stollen ins eigene Tor durchrutschen ließ.

"Solche Stoppfehler passieren im Spiel 20 Mal. Bei anderen Positionen ist es wurscht, bei uns Tormännern passiert meistens leider ein Tor. Das muss man wegstecken können", erklärt der Unglücksrabe im "Sky"-Interview sein Blackout.

Er habe in dieser Situation "klassisch 17 Gedanken auf einmal" gehabt. "Man schaut einmal zu viel auf, dann ist es schon passiert."

Helm stellt sich insofern schützend vor seinen Schlussmann, als dass er auch Aleksandar Dragovic, der Plavotic ursprünglich in Bedrängnis brachte, und den Passgeber selbst in die Pflicht nimmt: "Wir waren gerade in einer Phase, in der wir die Bälle klarer nach vorne spielen hätten können. Es wäre gar nicht notwendig gewesen, den 'Sami' mitzunehmen."

Helm: "Gibt mir Anlass zu denken, dass noch viel möglich ist"

Übrig bleibt bei den "Veilchen" am Ende dennoch ein gewisser Stolz, "dass wir immer wieder mithalten können, dass wir eine gute Arbeit machen. Aber um diese Spiele zu gewinnen, musst du 90 Minuten deine Leistung auf den Platz bringen und nicht nur phasenweise", so Fischer.

Helm schlägt in Antwort auf eine Frage nach den positiven Aspekten des Salzburg-Doppels in eine ähnliche Kerbe: "Wenn wir diese Phasen im Spiel haben, mit denen wir mit Salzburg auf Augenhöhe agieren, ist es sehr wohl auch möglich, mit den anderen Topmannschaften mithalten zu können."

Der Burgenländer rechnet sich trotz des nunmehrigen Rückfalls auf den letzten Platz der Meistergruppe in dieser Saison noch etwas aus: "Die zweite Halbzeit gibt mir Anlass zu denken, dass noch viel möglich ist in den letzten vier Spielen."

Kampf um Platz vier

Helm spricht in dieser Hinsicht dezidiert von einem "Kampf um Platz vier" zwischen seiner Mannschaft, dem SK Rapid und dem TSV Hartberg. "Es ist alles möglich. Aber viel wichtiger ist für uns, Leistungen auf den Platz zu bringen", so der 43-Jährige.

Fischer findet gar: "Grundsätzlich gilt es jetzt, einfach mal wieder ein Spiel zu gewinnen und unsere Leistung über 90 Minuten auf den Platz zu bringen. Wenn wir das schaffen, sind wir schon ein Stück weit zufrieden."

Helm mit gewagtem Vergleich

"Wenn bei Bayern München der Harry Kane fehlt, ist es ein bisschen vergleichbar, wie wenn bei uns der 'Jojo' Eggestein fehlt."

Stephan Helm

Hoffnung gibt dabei, dass Johannes Eggestein und der kurzfristig ausgefallene Abubakr Barry am kommenden Sonntag im Auswärtsspiel gegen Sturm ihr Comeback als Einwechselspieler geben könnten.

"Wenn bei Bayern München der Harry Kane fehlt, ist es ein bisschen vergleichbar, wie wenn bei uns der 'Jojo' Eggestein fehlt. Das sind wichtige Spieler, die auch denen rundherum Räume geben und Möglichkeiten schaffen", baut Helm auf den Impact der offensiven Unterschiedsspieler.

Die violetten Defensivprobleme werden aber auch die beiden nicht lösen können.

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