Die Doppel-Runde zuletzt gibt wieder Anlass, um einige Entscheidungen zu beleuchten und früheren Auflösungen auf "VAR Österreich" gegenüberzustellen.
In Runde 27 blieb Schiedsrichter Walter Altmann im Spiel LASK gegen Sturm Graz standhaft und bewertete auch nach On-Field-Review (OFR) seine in der 6. Spielminute unrichtige Elfmeter-Entscheidung immer noch als richtig.
Sein FIFA-Kollege Stefan Ebner sah aber offenbar richtigerweise eine Simulation. Wie ist es möglich, dass es hier keine Übereinstimmung der beiden Unparteiischen gab?
Die Offensichtlichkeit der Torchance
Im gleichen Spiel erfolgte in der 50. Minute ein Foulvergehen an Adeniran (LASK), das Altmann am Spielfeld aber nicht in Verbindung mit der Verhinderung einer Torchance brachte und keine Rote zückte.
Offenbar wollte Stefan Ebner nicht noch einmal eingreifen, denn sonst ist es unerklärlich, warum dieses Foul keine Torchancenverhinderung darstellte.
In der 28. Runde waren sich Sebastian Gishamer und VAR Julian Weinberger in Minute 62 uneins hinsichtlich einer Torchancenverhinderung. Gishamer gab Gelb, Weinberger holte ihn zum Monitor und Gishamer blieb bei seiner Entscheidung.
Für viele vermutlich richtig, denn wenn Weissman nicht sofort von der Strafraumgrenze geschossen hätte, wäre ein Verteidiger zur Stelle gewesen.
Was aber bewegt die beiden Offiziellen (in der UEFA in derselben Kategorie 1 eingeteilt) zu so unterschiedlichen Anschauungen?
Die unendliche Weite des Handspiels
BW Linz gegen WAC in Runde 28: Kein strafbares Handspiel für Sebastian Gishamer (und auch den VAR) von Pasic in der 16. Minute. Aber in Runde 5 wurde bei Red Bull Salzburg gegen Blau Weiß in der 83. Minute ein "Handspiel" von Maranda nach OFR als richtig bewertet.
Sieht man jeweils die Position der Arme, dann würde man wohl eher umgekehrt entscheiden.
Stoßen vor dem Torschuss
Bereits in Runde 7 begann beim Spiel Altach gegen WSG Tirol in Minute 24 das Dilemma "Stoßen vor einem Torerfolg".
Schiri Emil Ristoskov ließ nach einem Zweikampf weiterspielen, der VAR schaltete sich erfolgreich ein und das Tor von Wattens wurde aberkannt.
In Runde 9 folgte die Fortsetzung als Isa Simsek beim Spiel Altach gegen Sturm Graz in der 66. Minute ein Tor aberkannte, nachdem der Angreifer den Verteidiger zuvor – wie VAR Österreich selbst ausführt - leicht in den Rücken stieß.
Dann kam die 18. Runde und das Spiel WAC gegen GAK, als bei einem Corner (41.) Schiri Safak Barmaksiz ein Foulvergehen am WAC-Tormann sah. Andere sprechen von einem normalen Kontakt.
Das Tor wurde aberkannt und VAR Österreich sprach von einem bewussten Blocken.
Kein Schopp-Tor bei Sturm gegen Hartberg
Runde 26: Viel diskutierte Toraberkennung in Minute 71 bei Sturm Graz gegen Hartberg. Referee Simsek gab einen Hartberg-Treffer nach einer Eckstoß-Ausführung nicht, da Konstantin Schopp seinen Gegenspieler "mit beiden Händen in den Rücken gestoßen hat und so durch den strauchelnden Verteidiger einen klaren Vorteil erzielen konnte".
Nur eine Runde später beschwerte sich Trainer Manfred Schmid im Spiel Hartberg gegen Rapid, dass in Minute 67 das Stoßen von Rapids Kara keine Folgen hatte und Schiri Weinberger den nachfolgenden Treffer zuließ.
Ebenso hatte in Runde 28 Schiri Daniel Pfister im Spiel Blau-Weiß Linz gegen WAC kein Problem damit, das 1:0 anzuerkennen, obwohl Weissman seinen Gegner zuvor klar gestoßen hatte.
Sind nun die Vorgaben so unklar formuliert oder ignorieren Kassais Referees ihn einfach so?
Simmering gegen Kapfenberg, das nenne ich Brutalität...
Das legendäre Zitat des Kabarettisten Helmut Qualitinger aus dem Jahr 1958, das als geflügeltes Wort für extreme Härte im Fußball gilt, wird ebenfalls unterschiedlich gelebt.
Und das, obgleich es überwiegend richtige Feldverweise für Brutalität gegeben hat. Dennoch wollen wir drei Szenen ansprechen:
In Runde 13 beim Spiel der Wiener Austria gegen GAK fordert VAR Österreich nach einem Foul in Minute 7 von Dragovic die Rote Karte und einen OFR (Begründung: Das Bein des Spielers ist in hoher und gestreckter Position und er trifft den Gegner mit offener Sohle). Schiri Harald Lechner gab Gelb.
Die Attacke von Andreas Weimann im Spiel Hartberg gegen Rapid am letzten Wochenende in Minute 74, die Julian Weinberger nur mit Gelb ahndete, war laut VAR Österreich kein Ausschlussgrund, obwohl Weimann "mit gehobenem Fuß (Anm.: und mit der offenen Sohle voran) und Intensität in den Zweikampf geht, aber das geringe Trefferbild keine Gesundheitsgefährdung für den Gegner darstellt".
Kein Rot für Sollbauers Kung-Fu-Attacke
Ebenso sah am 23. Spieltag Schiri Jakob Semler keinen Grund, den Rieder Sollbauer für seine Kung-Fu-Attacke an der Seitenlinie mit einer Roten Karte des Feldes zu verweisen.
Der Gegenspieler der WSG Tirol hatte Glück, dass er nicht voll getroffen wurde. Diese Szene "schaffte" es aber nicht einmal auf VAR Österreich.
Die Punktejagd geht in die heiße Phase. Jede einzelne Entscheidung wird zerpflückt und die Schiedsrichter auch oft zu Unrecht kritisiert.
Kritik sollte eher an Kassai und Co. gerichtet sein
Die Kritik müsste aber vielmehr Richtung Schiedsrichter-Führung (Kassai, Ring) gehen, die es geschafft hat, durch ihre Anweisungen Verwirrung zu stiften, denn nur so sind derart unterschiedliche Auslegungen erklärbar.
Ein weiteres Problem ist die zu geringe Toleranz der Video-Offiziellen, die sich viel zu oft einmischen und dadurch den Referee vor dem Monitor unnötig unter Druck bringen.
Eigentlich sollte ein Gang zum Monitor den Referee innerhalb kürzester Zeit mit dem entsprechenden Bildmaterial umstimmen können und nicht unnötig zusätzlich den Scheinwerfer-Fokus auf eine "nicht offensichtliche und klare Fehlentscheidung" richten.
Starke Leistungen am Mittwoch
Es gibt aber auch Positives zu berichten: Die Spielleitungen am Mittwoch in der Meisterrunde waren allesamt gelungen.
Stefan Ebner, Harald Lechner und Arnes Talic agierten sattelfest. Vor allem Talic im Spiel Sturm Graz gegen LASK, der selbst von LASK- Spielern und Trainer Kühbauer bestätigt wurde, wonach seine zwei Gelb-Roten, aber auch der Strafstoß (alles gegen den LASK), zu geben gewesen sind.