Grabherr: "Auch mit 60 wird man Fehler machen"

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Mit 32 Jahren ist Werner Grabherr der mit Abstand jüngste Trainer in der Bundesliga - Wacker-Coach Karl Daxbacher ist mit 65 Jahren mehr als doppelt so alt wie der neue Altacher Cheftrainer.

Doch nicht zum ersten Mal steht der Vorarlberger beim SCR Altach in der ersten Reihe. 2016 folgte Grabherr Damir Canadi, der zu Rapid wechselte, als Interimstrainer und wurde mit den Rheindörflern sensationell Winterkönig.

Mangels Trainer-Pro-Lizenz rückte Grabherr in weiterer Folge wieder ins zweite Glied zurück und assistierte den letztlich glücklosen Martin Scherb und Klaus Schmidt. Am Montag gehört Grabherr zu jenen glücklichen 16 Menschen, die am Pro-Lizenz-Kurs 2018/19 teilnehmen dürfen - parallel will der frühere Verteidiger die Mannschaft als Cheftrainer "unbezwingbar" machen.

Im LAOLA1-Interview spricht Grabherr, der einen BWL-Abschluss vorzuweisen hat (10 Dinge über Werner Grabherr) und im Klub bis zuletzt auch als Marketing- und Pressechef arbeitete, über frühere Kritik, Vergleiche mit Julian Nagelsmann und wie es mit Altach wieder bergauf gehen soll.

LAOLA1: Haben Sie als Marketing- und Presse-Leiter die Einladung zu Ihrer Präsentation als Trainer eigentlich wirklich selbst verschickt?

Werner Grabherr: (lacht) Nein, dafür sind wir in der Geschäftsstelle schon breit genug aufgestellt. Das war auch meine Aufgabe in den vergangenen Jahren, hier entsprechend Strukturen zu schaffen.

LAOLA1: War es mit der Teilnahme am Pro-Lizenz-Kurs klar, dass Sie gleich auch Cheftrainer werden würden?

Grabherr: Überhaupt nicht. Es ging relativ schnell, alles ist mit Ende der Saison passiert, da gab es in kurzer Zeit viele, intensive Gespräche. Die Entscheidung ist dann eben sehr spät gefallen, ich konnte mit den Spielern gar nicht mehr sprechen, weil sie schon auf Urlaub waren. Im März, April, wo die Entscheidung punkto Pro-Lizenz gefallen ist, gab es noch überhaupt keine Gedanken diesbezüglich.

LAOLA1: Hätten Sie auch warten können?

Grabherr: In meinem Alter wäre es noch gar nicht notwendig, diesen Step jetzt machen zu müssen. Ich konnte viel Erfahrung sammeln und probieren, habe als Interimstrainer viel mitgenommen. Aber es wäre ein wenig vermessen gewesen, in diesem Alter meine heile Welt mit Trainer-Job in der Bundesliga zu malen. Es gibt ja hierzulande auch nur zwölf Bundesligisten. Von dem her schätze ich es sehr, diese Möglichkeit bekommen zu haben. Diese Chance will ich jetzt natürlich auch nützen.

LAOLA1: Sie hatten rund um den letzten Pro-Lizenz-Kurs Kritik geübt. Hätten Sie Ihre Trainer-Karriere an den Nagel gehängt, wenn Sie es dieses Mal wieder nicht hinein geschafft hätten?

Grabherr: Nein, das war kein Thema. Mir ging es einfach immer nur um die Aufnahme-Kriterien, die für junge Trainer etwas speziell sind. Da war ich derjenige, der es einmal laut ausgesprochen hat. Das betrifft aber nicht nur mich, sondern auch andere, die an den Kriterien hängen geblieben sind. Was ich schade finde, denn am Ende muss das Ziel sein, viele Trainer mit der höchsten Ausbildung zu haben. Weil wir zwei Ligen und Akademien haben und ich denke, es ist im Sinne aller, wenn wir viele gut ausgebildete Trainer haben und so die Entwicklungsarbeit vorantreiben können. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre das Ausland eine Möglichkeit gewesen, auch weiterhin die Arbeit als Co-Trainer.

LAOLA1: Wie bewerten Sie die Zulassungskriterien zum Pro-Lizenz-Kurs aus heutiger Sicht?

Grabherr: Es gibt nicht viele Plätze und da braucht es eine gute Balance. Da geht es um Trainer, die eine lange aktive Karriere hatten, aber auch um Trainer, die früher auf diese Schiene gesprungen sind. Ich denke, dass der ÖFB erste, wichtige Schritte gesetzt hat, das Gesamte zu analysieren, über die Grenzen hinaus zu schauen, um gute Kriterien zu finden, die es allen ermöglicht, dabei zu sein.

LAOLA1: Jetzt sind sie mittendrin statt nur dabei. Hat sich das bei Ihnen früh abgezeichnet?

Grabherr: Ich habe mit 20 Jahren die Entscheidung getroffen, dass sich die Bundesliga für mich als Aktiver nicht ausgehen wird. So habe ich in Innsbruck zum Studieren begonnen und Regionalliga gespielt. Ich war schon über mehrere Jahre Trainer im Nachwuchs und wollte mich auf dieser Schiene entwickeln und die Lizenzen machen. Ich hatte es schon ein Stück weit ins Auge gefasst, wenn ich es als Spieler nicht in die Bundesliga schaffe, dann vielleicht als Trainer. Abzusehen war das aber nicht.

LAOLA1: Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben?

Grabherr: Als jungen, aufstrebenden Trainer, der bereit ist, viel zu investieren, viele Erfahrungen zu sammeln und täglich zu lernen. Ich denke, das sollte man als Trainer nie aufgeben, auch mit 60 oder 70 Jahren wird man als Trainer noch Fehler machen. Es gibt jedes Jahr neue Entwicklungen und Tools, das Spiel der Mannschaft zu beeinflussen und zu verbessern. Im Idealfall übersieht man nichts.

LAOLA1: Speziell ihr neuer Co-Trainer David Goigitzer, der erst 25 Jahre alt ist und seit 2017 auch Spiel-Analysen für "90minuten.at" schrieb, soll nichts übersehen, oder?

Grabherr: Wir haben in den vergangenen Jahren Strukturen geschaffen, uns Technologien zugelegt und generieren mittlerweile jeden Tag Fitnessdaten der Spieler. Die gilt es am Ende des Tages auszuwerten und zu analysieren. Da war es für mich wichtig, die Position des zweiten Co-Trainers mit jemanden zu besetzen, der im Daten-Management sehr gut arbeitet. David hat mit 25 Jahren schon ein sehr gutes Auge für den Fußball, das hat er auch auf diversen Plattformen bewiesen.


Das Alter der Trainer in der Bundesliga:

Klub Trainer Nationalität Alter
Salzburg Marco Rose GER 41 Jahre
Sturm Heiko Vogel GER 42 Jahre
Rapid Goran Djuricin AUT 43 Jahre
LASK Oliver Glasner AUT 43 Jahre
Admira Ernst Baumeister AUT 61 Jahre
Mattersburg Gerald Baumgartner AUT 53 Jahre
Austria Thomas Letsch GER 49 Jahre
Altach Werner Grabherr AUT 32 Jahre
WAC Christian Ilzer AUT 40 Jahre
St. Pölten Didi Kühbauer AUT 47 Jahre
Wacker Karl Daxbacher AUT 65 Jahre
Hartberg Markus Schopp AUT 44 Jahre
Durchschnitt: 46,7 Jahre

Es ist sicherlich eine Bestätigung, dass man auch im jüngeren Alter eine Mannschaft erfolgreich führen kann

Grabherr über Nagelsmann und Co.

LAOLA1: Apropos jung: Sie sind der mit Abstand jüngste Bundesliga-Trainer in Österreich, Vergleiche mit Julian Nagelsmann kommen auf. Wie bewerten Sie die Diskussion über das Alter der Trainer?

Grabherr: Sicher beobachtet man die Diskussion, aber was etwa die Vergleiche mit Deutschland betrifft, dürfen nie die Möglichkeiten und Strukturen außer Acht gelassen werden. Da sind wir in Österreich schon ein Stück weit hinten, in einigen Bereichen dafür richtig gut unterwegs. Was das Alter betrifft: Einer muss der Jüngste sein. In Österreich bin ich es, in Deutschland ist es eben Julian Nagelsmann (30/Hoffenheim). Mit Domenico Tedesco (32/Schalke), Florian Kohfeldt (35/Bremen) oder auch Manuel Baum (38/Augsburg) sind junge Trainer in der deutschen Bundesliga am Werk, die auch mit unterschiedlichen Spielanlagen und Philosophien erfolgreich arbeiten. Es ist sicherlich eine Bestätigung, dass man auch im jüngeren Alter eine Mannschaft erfolgreich führen kann. Letztlich entscheidet aber die Arbeit am Platz und man wird einfach immer an den Ergebnissen gemessen.

LAOLA1: Als Interimstrainer wurden Sie Winterkönig, als Co-Trainer unter Martin Scherb und Klaus Schmidt lief es weniger erfolgreich. Wie wollen Sie nun als Cheftrainer den Turnaround schaffen?

Grabherr: Unsere große Aufgabe wird sein, die Mannschaft wieder stark zu machen, sie zu stabilisieren, ihr einen Anzug zu verpassen, der sitzt. Da sind wir in der Vorbereitung dabei, am ersten Matchtag bereit zu sein und dann gilt es, uns über die Spiele und Trainings Woche für Woche zu verbessern, um uns Schritt für Schritt vielleicht auch unbezwingbar zu machen. Dafür braucht es einen Kader und die Einstellung, an allem zu arbeiten. Über Platzierungen zu sprechen, ist jetzt noch zu früh, aber wenn wir uns gegenüber der Vorsaison um einen Platz verbessern, Siebenter werden und so vielleicht auch in den Europacup kommen könnten, wäre es sicher ein erfolgreiche Saison für Altach gewesen. Aber die Liga ist ausgeglichen, es gibt zwei Aufsteiger, die Vereine haben aufgerüstet – es wird spannend, in den ersten 22 Runden den Sprung über den Strich zu schaffen.

LAOLA1: Sie starten nun mit 32 endgültig als Profi-Trainer durch. Wo soll der Weg hinführen?

Grabherr: Ich bin sehr offen, was die Zukunft betrifft. Wenn es fünf Jahre Altach werden, habe ich überhaupt nichts dagegen, zumal hier noch viel mehr entstehen wird, etwa nächstes Jahr der neue Trainingscampus, das Stadion wächst. Ich habe also nichts gegen eine längerfristige Zukunft in Altach, aber wir wissen alle, wie schnelllebig der Fußball bei Erfolg und Misserfolg sein kann. Da ist selbst ein Jahr schon lange. So schauen wir zunächst von Woche zu Woche, da wird uns nicht langweilig.


Textquelle: © LAOLA1.at

Deni Alars 1. Rapid-Interview: "Hätte das nie geglaubt"

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