Rapid: Transfer-Zeugnis für Sportchef Fredy Bickel

Rapid: Transfer-Zeugnis für Sportchef Fredy Bickel Foto: © GEPA
 

Fast genau zwei Jahre ist Fredy Bickel mittlerweile als Geschäftsführer Sport beim SK Rapid im Amt.

Für einen Sportchef keine lange Zeit, trotzdem könnte diese im Sommer bereits enden. Denn noch ist nicht klar, ob sich der Schweizer selbst für ein Weitermachen entscheidet und ob der Verein überhaupt mit ihm weitermachen will.

Bei der Präsidiumssitzung in zwölf Tagen soll das Thema erstmals angegangen werden. Dabei wird nicht nur die Transferpolitik, sondern Bickels Werk analysiert werden. Dazu zählt die interne und externe Kommunikation, die Führung des sportlichen Bereichs, die Schnittstellen zwischen Profis und Nachwuchs und vieles mehr, dabei gibt es mit Sicherheit Pros und Contras für Bickels Zukunft bei Rapid.

Das Hauptinteresse der Öffentlichkeit gilt jedoch den Transfers und der Kaderplanung, die LAOLA1 in dieser Analyse näher beleuchten will.

DIE TRANSFER-ANALYSE:

Welche Transfers von Fredy Bickel gingen auf, welche nicht? Und mit welchem Abgang machte Rapid ein gutes Geschäft?

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WINTER 2016/17:

Bickel übernahm die nach dem Aus von Andreas Müller vakante Position des Geschäftsführers Sport mit 1. Jänner 2017 und hatte somit kaum mehr Einfluss auf die Transferphase. Im Vordergrund stand der Kaderabbau.

Zugänge:

Andreas Kuen kehrte nach seiner FAC-Leihe zurück, Manuel Thurnwald wurde von Rapid II hochgezogen und gehört noch heute dem Kader an.

Abgänge:

Srdjan Grahovac wurde an den FC Astana verliehen. Torhüter Paul Gartler wechselte leihweise nach Kapfenberg, Max Entrup nach St. Pölten.

SOMMER 2017/18:

Zugänge:

Veton Berisha (Greuther Fürth):

Bei ihm scheiden sich die Geister. Wurde eigentlich als zusätzlicher Stürmer geholt, seine mangelhaften Knipser-Qualitäten waren aber schon davor bekannt. Wanderte schnell auf den Flügel, wo er seither immerhin 50 Spiele bestritt und 7 Tore erzielte. In puncto Einsatz und Wille kann man ihm nichts vorwerfen, fußballerisch jedoch oftmals enttäuschend.

Boli Bolingoli (FC Brügge):

Wurde schnell als Top-Transfer abgefeiert, mit Fortlauf wurden jedoch seine defensiven Makel im Vergleich zu seinem vorbildhaften Offensivdrang offensichtlich. Hatte früh Angebote in Millionenhöhe, konnte jedoch gehalten werden. Trotz Verletzungen und Ups and Downs einer, der sich wieder steigern bzw. Geld einbringen kann.

Lucas Galvao (SCR Altach):

Durch die Abgänge von Max Wöber und Christoph Schösswendter musste ein Verteidiger her, der sofort hilft. Galvao war dieser gesuchte Mann, der sich als gelernter Linksverteidiger schnell zum zentralen Abwehrchef mauserte und Rapid Stabilität, aber auch seltene Stärken im Spiel von hinten heraus bot. Ihn nach nur einem Jahr nach Ingolstadt ziehen zu lassen, wo er bisher nicht glücklich wurde, war sportlich ein großer Verlust, auch wenn finanziell 2,4 Millionen Euro herausschauten.

Thanos Petsos (Werder Bremen):

Ein Fehlgriff, wie sich herausstellen sollte! War ohnehin nur als Backup im defensiven Mittelfeld eingeplant, dann stahl ihm auch noch Shootingstar Ljubicic die Show. Alte Besen kehrten in diesem Fall nicht gut. War fehlerhaft, erntete Pfiffe und ließ sich zu einem Fingerzeig gegenüber den Fans hinreißen. Aus Rapid-Sicht war es wenigstens nur eine Leihe, kam aber immerhin auf 21 Pflichtspieleinsätze.

Dejan Ljubicic (Rapid II, Kooperation Wr. Neustadt):

Auch er war schuld, dass Petsos anfangs kaum zum Spielen kann. Der Youngster wurde als Kooperationsspieler nach Wr. Neustadt geschickt, wo er so auftrumpfte, dass ihn Rapid wenig später zurückholte und ihm Vertrauen schenkte. Brillierte mit einer starken Premierensaison, hatte zwischendurch seine Hänger aber ist mit seinen 21 Jahren durchaus noch lernfähig und ist schon länger eine heiße Aktie.

Weiters: Eren Keles wurde von Rapid II hochgezogen, bekam in 9 Pflichtspielen die Chance, wurde jedoch nach Undiszipliniertheiten degradiert und ein halbes Jahr später nach St. Pölten verkauft. Christoph Haas, derzeit dritter Torhüter der Profis, wurde hochgezogen, Philipp Prosenik kehrte nach seiner WAC-Leihe zurück.

Abgänge:

Der steile Aufstieg von Maximilian Wöber in Rapids Innenverteidigung ließ ihn bei internationalen Top-Klubs im Notizblock aufscheinen. Ajax Amsterdam bekam den Zuschlag, mit rund 7,5 Millionen Euro wurde der Rekord-Abgang in der Rapid-Geschichte fixiert. Ein gutes Geschäft für Rapid! Jan Novota, der zwar menschlich wichtig für die Mannschaft war, jedoch sportlich nicht mehr, verließ Hütteldorf nach sechs Jahren und heuerte bei Debrecen an. Christoph Schösswendter war unter Mike Büskens noch gesetzt, doch Damir Canadi verzichtete gänzlich auf das Kopfballungeheuer. Aufgrund des Überangebots an Innenverteidigern nützte er Union Berlin als Chance für einen Auslandstransfer, obwohl ihn Rapid brauchen hätte können. Tomi Correa war schon früher kein Thema mehr, saß aber seinen Vertrag ab und war danach ein halbes Jahr vereinslos.

WINTER 2017/18:

Zugänge:

Kelvin Arase wurde von Rapid II hochgezogen, auch Denis Bosnjak und Ivan Leovac durften schnuppern - mehr aber nicht.

Abgänge:

Thomas Schrammel kehrte seinem Jugendklub nach 12 Jahren mit kurzen Unterbrechungen den Rücken, da er hinter Bolingoli kaum mehr zu Einsätzen kam, und wechselte zu Sturm Graz. Das Kapitel des Rekordtransfers Arnor Traustason hatte nach der Leihe mit dem Verkauf an Malmö ein endgültiges Ende, Srdjan Grahovac wechselte nach der Leihe endgültig zum FC Astana. Eren Keles wurde an St. Pölten, Philipp Prosenik an Ried verkauft. Zudem wurden Philipp Malicsek (St. Pölten), Alex Sobczyk und Denis Bosnjak (beide Wr. Neustadt) und Ivan Leovac (FAC) verliehen.

SOMMER 2018/19:

Zugänge:

Andrija Pavlovic (FC Kopenhagen):

Der serbische Mittelstürmer war schon unter Zoran Barisic ein Wunschkandidat. Er sollte bei Rapid das Stürmerproblem lösen, obwohl er davor in Dänemark zuletzt nicht mehr spielte. Wie Ex-Coach Goran Djuricin LAOLA1 erst kürzlich bestätigte, wäre dieser sonst auch nicht leistbar gewesen. Da sich dieser sofort einen Muskelriss im Hüftbereich zuzog, war guter Rat teuer. Zeigt seit Comeback aber gute Anlagen und gibt Rapid offensiv neue Möglichkeiten - die Tor-Quote muss er jedoch nach oben schrauben. 2 Cup-Tore in 14 Pflichtspielen sind mager.

Mateo Barac (NK Osijek):

Avanciert nach durchwegs solidem Start bei Rapid immer mehr zum Fehlkauf, Vorgänger Galvao konnte er nie ersetzen. Ajax nahm ein Jahr zuvor wegen abweichenden Herzwerten Abstand von einer Verpflichtung und holte lieber Max Wöber. Sehr fehleranfällig, unsicher, schlechtes Stellungsspiel und keine Akzente von hinten heraus.

Deni Alar (Sturm Graz):

Was ist bloß mit Deni Alar los? Das fragen sich alle, die seine letzten Saisonen bei Sturm Graz gesehen haben. Durch die Pavlovic-Verletzung war Not am Mann, Alar durch seine Ausstiegsklause als zweitbester Torschütze in Österreich leistbar. Aber: Wenn es Bickel nicht wusste, dann hätten andere warnen müssen, dass Alar schon am Ende seiner ersten Ära nicht mehr bei Rapid funktionierte. Ihm dann noch einen Vierjahresvertrag zu geben, ohne den er nicht gekommen wäre, grenzt an eine wahnwitzige Entscheidung. Vor allem dann, wenn man keine Lösung für ihn findet. Als Stoßstürmer bisher kaum in Erscheinung, auch dahinter oder auf dem Flügel nicht. Kaum eingebunden, meist ein Fremdkörper ohne spielerische Akzente oder Ausreißer nach oben. 5 Pflichtspiel-Tore, 2 davon zum Cup, sind für so ein Kaliber eindeutig zu wenig.

Christoph Knasmüllner (FC Barnsley):

Bei seiner Verpflichtung schrillten die Alarmglocken, doch das Engagement machte sich bisher bezahlt. Konnte in 23 Pflichtspieleinsätzen bisher starke 17 Scorerpunkte (7 Tore, 10 Assists) sammeln und bereicherte vor allem zu Saisonbeginn das Rapid-Spiel. Danach kehrte ein wenig der Schlendrian ein, gab es auch Spiele, wo der Mittelfeldspieler unsichtbar blieb. Das Problem: Auch Knasmüllner kam ohne wirkliche Spielpraxis, musste aber sofort funktionieren und dafür waren seine Auftritte sehr positiv. Ist seit wenigen Tagen Vater einer Tochter, die ihm möglicherweise wieder einen neuen Schub gibt.

Manuel Martic (St. Pölten):

Dem ehemaligen St. Pöltner war vom ersten Training an anzusehen, dass ihn Rapid noch überfordert. Wurde als Backup fürs defensive Mittelfeld geholt, ihm fehlen jedoch noch das Spielverständnis, die Beweglichkeit und die Anpassung an das höhere Tempo. Von Vereinsseite hört man, dass er vor allem körperlich Aufholbedarf hat, um seine Stärken ausspielen zu können. Kam bisher auf meist kurze 12 Pflichtspieleinsätze - ohne zu glänzen.

Jeremy Guillemenot (FC Barcelona B):

Bickels Schweizer Landsmann gilt bei Rapid als Mysterium. Der Sportchef beobachtete ihn schon seit der Jugend, bescheinigte ihm auch großes Potenzial. Trotzdem scheint er sich nach seiner Zeit im B-Team des FC Barcelona bei Rapid noch nicht zurechtzufinden. Bekam bisher nur fünf Mal ganz kurze Chancen, sich zu zeigen und dürfte im Training enttäuschen. Dafür glänzte er bei einem Abstecher zu Rapid II in der Regionalliga mit einem Triplepack und spielte dort groß auf. Die Hütteldorfer geben die Hoffnung nicht auf, dass er mit der Zeit auch bei den Profis sein Können zeigt. Zum Vergleich: Jonatan Soriano kam auch von Barcelona B, hatte anfangs in Salzburg Probleme - das Ende ist bekannt.

Marvin Potzmann (Sturm Graz):

Sicherlich neben Knasmüllner einer der Lichtblicke der Sommer-Transfers. Hat sich nach seiner Sturm-Zeit schnell beim neuen Klub eingefunden und überzeugt mit seinem Engagement. Ist links und rechts einsetzbar, seine besseren Partien liefert er aber links ab. Hatte auch den einen oder anderen Hänger und mehr Qualität nach vorne, aber prinzipiell ein guter Transfer.

Andrei Ivan (FK Krasnodar):

Der Rumäne ließ die Fans zum Saisonauftakt gegen die Admira frohlocken, zeigte in den ersten Spielen seine technischen Fertigkeiten und es machte Spaß zuzuschauen. Baute aber immer mehr ab und hat vor allem beim Zurückarbeiten seine Probleme. Daher war er auch nicht immer erste Wahl, da ihm Berisha körperlich und im Defensivverhalten einiges voraushat. Ist aber erst 21 und hatte früher ein Angebot von Barcelona. Das Potenzial ist vorhanden. Hätte Ivan bei Krasnodar überzeugt, hätte er laut Djuricin wohl an das Fünffache gekostet. So machte man perspektivisch einen guten Fang, wenn sich Ivan so entwickelt, wie das erwartet wird.

Mert Müldür (Rapid II):

Nach Ljubicic im Vorjahr ist Müldür der neue Beitrag aus dem eigenen Nachwuchs. Half schon am Ende der der Vorsaison zweimal aus und wurde dann endgültig befördert. Der 19-Jährige gilt als Versprechen in der Verteidigung. Innen zeigte er sein Können bereits mehrmals. Wurde jedoch auch schon rechts in der Viererkette aufgeboten, wo er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch steigern konnte. Dass er mittlerweile für das türkische Nationalteam spielt, hat seinem Marktwert ei9nen zusätzlichen Boost gegeben.

Weiters: Philipp Malicsek kehrte nach seiner Leihe zu St. Pölten zurück, spielte aber abgesehen von vier Einsätzen überraschend überhaupt keine Rolle - sogar Martic kam da mehr zum Zug. Aleksandar Kostic wurde von Rapid II hochgezogen und ließ in Kurzeinsätzen sein Können aufblitzen, rückte durch die Rückkehr der Verletzten aber wieder in den Hintergrund. Auch Paul Gartler kehrte nach seiner Leihe zum KSV zurück, ist die Nummer vier bei Rapid und mit einem Kahnbeinbruch out.

Abgänge:

Da man sich von vielen Spielern trennte, konnte in weiterer Folge auch eingekauft werden. Bei Louis Schaub waren Bickel die Hände gebunden, da eine Ausstiegsklausel griff. Trotzdem wurden aber 3,5 Millionen Euro in die Kassen gespült. Auch mit Giorgi Kvilitaia, der erst am Schluss auch für Rapid netzte, waren drei Millionen aller Ehren wert, stellte die Wiener jedoch wieder vor Stürmer-Probleme. Lucas Galvao ließ man auf seinen Wunsch ziehen, obwohl er sportlich ein Riesenloch hinterließ. Eine zu hinterfragende Entscheidung, da er noch Vertrag hatte, jedoch auch 2,4 Millionen Euro einbrachte. Das Karriereende von Steffen Hofmann war ohnehin absehbar. Bickel und Djuricin wird vorgeworfen, warum der langjährige Kapitän am Schluss gar keine Chance mehr bekam. Mit 37 Jahren war die Zeit jedoch reif für einen Umbruch, auch wenn seine Rolle wohl keiner mehr so einnehmen kann. Auch den Joelinton-Abgang konnte Bickel nicht verhindern, da Andreas Müller eine Leihe mit unleistbarer Kaufklausel aushandelte. Sonst hätte man ihn wohl nicht ziehen lassen. Seine Anlagen waren offensichtlich, auch wenn der Torriecher fehlte. Was er jedoch derzeit im Stande ist zu leisten, zeigt seinen Aufstieg bei den Hoffenheim-Profis mit 8 Toren und 7 Assists in 18 Pflichtspielen (4 Tore, 5 Assists in der deutschen Bundesliga). Weniger schmerzte die logische Rückkehr von Thanos Petsos nach Bremen. Andreas Kuen fand nach neuerlichem Kreuzbandriss in Mattersburg ein neues Zuhause. Mario Pavelic entschied sich sehr früh für HNK Rijeka. Matej Jelic konnte nach langem Vertrag und vielen Leihen endlich abgegeben werden, ebenso wie Max Entrup. Kelvin Arase wurde nach Horn verliehen.

Die Positions-Analyse im Detail:

Fredy Bickel ist kein Mann der großen Geheimnisse, sondern einer der viele Dinge offen zugibt und sich damit möglicherweise auch angreifbarer macht. Mit Sicherheit ist der 53-Jährige jedoch einer, der selbstkritisch agiert und Fehler eingesteht. So meinte er etwa, dass er im Nachhinein gesehen früher einen Umbruch einleiten hätte müssen.

Allerdings steht er auch zu jedem getätigten Transfer. Am Anfang seiner Rapid-Ära stand der Kaderabbau im Mittelpunkt, viele Altlasten wie lange Verträge, Leihen ohne Kauf-Chance und eingefahrene Gewohnheiten erschwerten seine Arbeit, teilweise schlägt er sich noch heute damit herum.

Was hat Bickel gut, was schlecht gemacht? Auf welcher Position herrscht am meisten Handlungsbedarf und wo wurde ein Umbruch verpasst? Dafür nehmen wir uns die einzelnen Positionen vor:

TOR:

Auf dieser Position hat Rapid seit Jahren die geringsten Probleme. Seit Bickel im Amt ist, spielte im ersten Frühjahr Tobias Knoflach, seitdem blühte Richard Strebinger auf. Mit seinen Leistungen hat er es nicht umsonst ins ÖFB-Team und auf die Notizblöcke anderer Klubs geschafft. Wenn Not am Mann war, sprang Knoflach als guter Backup ein. Dahinter ist man mit Christoph Haas und Paul Gartler gut aufgestellt. Zum Nachrüsten gab es keinen großen Anlass, die Herausforderung kommt erst, sollte Strebinger höhere Ziele woanders verfolgen. Dafür sollten eigentlich schon Vorkehrungen getroffen sein, denn Knoflach sehen Experten nicht als zukünftige Nummer 1.

ABWEHR:

Innenverteidigung: Hier herrscht seit Jahren Verbesserungsbedarf. Mit Christopher Dibon hat man einen guten Mann, aber leider auch einen Dauerpatienten, den man nicht immer einplanen kann. Max Hofmann ist seit 2013 dabei, hebt die Abwehr aber nicht auf ein höheres Niveau und ist auch verletzungsanfällig. Mateo Barac enttäuschte bisher und Mario Sonnleitner war eigentlich schon abgeschrieben, aber spielt noch immer – zumindest bis Sommer, wo sein Vertrag ausläuft. Zwischendurch hatte Bickel erfolgreich mit Lucas Galvao nachjustiert, was funktionierte, doch mit seinem Abgang machte man sich dieselbe Lücke wieder auf. Auch Max Wöber war schnell wieder weg. Hier vertraut man schon zu lange auf Spieler, die sich nicht steigern bzw. nicht spielen. Talent Mert Müldür ist ein Ansatz für einen Umbruch, aber hier hätte auch Bickel früher reagieren müssen. Lange Zeit war er jedoch beschäftigt, die Überzahl an Innenverteidigern abzubauen bzw. war aufgrund der von seinem Vorgänger ausgehandelten Langzeitverträge handlungsunfähig. Dibon und Sonnleinter besaßen Arbeitspapiere für 4 Jahre, Hofmann verlängerte Bickel selbst im April des Vorjahres um vier Jahre.

Außenverteidigung: Hier wurden langjährige Leistungsträger wie Mario Pavelic und Thomas Schrammel verabschiedet, mit Marvin Potzmann und Boli Bolingoli aber Qualität geholt. Dies kann durchaus als Umbruch gewertet werden. Pavelic stagnierte, Schrammel konnte sich im Duell mit Bolingoli nicht durchsetzen. Doch dahinter wird es ein bisschen dünn. Stephan Auer wurde vor einem Jahr bis 2020 verlängert, aber spielt kaum - diese Entscheidung ist zumindest zu hinterfragen. Sonst stehen nur mehr Manuel Thurnwald sowie Müldür auf ungewohnter Position zur Verfügung.

MITTELFELD:

Defensives Mittelfeld: Auch hier hätte schon früher gehandelt werden müssen. Mit Stefan Schwab, derzeit nicht in Form, und Dejan Ljubicic stehen zwei Starter zur Verfügung. Dahinter wird es dünn. Manuel Martic kann keinen der beiden ersetzen, Tamas Szanto und Ivan Mocinic sind noch immer beim Verein, können jedoch nicht weiterhelfen. Philipp Malicsek stünde bereit, wird jedoch wohl aus Gründen keine Chance bekommen. Stephan Auer ist auch dort kein Thema. Somit fällt es schwer auch einmal einen formschwachen Kapitän auf die Bank zu setzen. Vor allem die Langzeitverletzten Szanto und Mocinic bereiten Sorgen. Zwei zusätzliche Spieler zu holen, würde ein neues Problem verursachen, so muss man die beiden schon seit längerem mitschleppen, ohne davon einen Nutzen zu haben.

Offensives Mittelfeld: Hier hat Rapid durchaus Qualität, die zu wenig ausgespielt wird. Philipp Schobesberger ist einmal mehr wie ein Neuzugang und sorgt für neue Rotation. Das wird gut tun. Thomas Murgs Vertrag wurde erst bis 2022 verlängert, Knasmüllner und Ivan sind neu, Berisha und Co. müssen liefern. Wären defensiv mehr Alternativen vorhanden, könnte auch Schwab vorrücken, wo er besser aufgehoben wäre. Im Mittelfeld ist es halt so, dass die große Breite nicht vorhanden ist, da Spieler wie Szanto, Mocinic, Malicsek und Co. stehts mitgezählt werden, jedoch kaum spielen oder Chancen bekommen. In dieser Hinsicht wären Verstärkungen zielführend, die andere Elemente einbringen als die gewohnten. Gestandene Stammspieler sind laut Bickel jedoch nicht leistbar, bei österreichischen Talenten hat man aufgrund des Auslands oder RB Salzburg das Nachsehen. Somit wurde der Weg eingeschlagen, Spieler zu holen, die Potenzial haben, aber zuletzt nicht spielten oder eine neue Chance brauchten. Das birgt jedoch die Gefahr, Fehlgriffe zu tätigen.

ANGRIFF:

Die Stürmerseuche setzt sich vorerst fort. Es kann nicht einmal behauptet werden, es wurde nicht versucht, die Flaute zu beheben. Bei Joelinton hatte Bickel keine Chance aufgrund der Ausstiegsklausel, Pavlovic verletzte sich sofort in der Vorbereitung. Somit tappte man mit Alar in die Falle, obwohl dieser in der damaligen Notlage wohl von vielen als naheliegendster Ausweg gesehen wurde. Ivan und Berisha könnten zwar ganze vorne spielen, sind aber offenkundig keine Stürmer. Seit der Rückkehr spielt vorrangig Pavlovic, der wohl die meisten Knipserqualitäten hat, aber auch ihm muss erst der Knopf aufgehen. Wenn Alar nicht besser zur Geltung kommt, hat Rapid ein Problem. Die Hoffnungen ruhen noch darauf, dass Guillemenot nicht zum Fehlkauf abgestempelt wird. Sollte das bis zum Sommer nicht funktionieren, muss gehandelt werden.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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