"Wir sind in eine gute Richtung unterwegs"
Auch Feldhofer wirkte erleichtert, ein gewisser Druck fällt ab. Denn als neuer Trainer hatte er es nicht leicht, die vorhandenen Baustellen zu bearbeiten, schon einen vorgezogenen Umbruch zu erleben und trotzdem Ergebnisse liefern zu müssen.
"Ich freue mich für die Burschen, dass sie das diesmal vor 20.000 Fans geschafft hat. Das war eine Art Feuertaufe, weil viele in der Startformation haben das in dieser Art und Weise noch gar nicht gekannt", spielt der Ex-Profi auf die neue Erfahrung vor Menschenmassen an, da die leeren Stadien während der Corona-Pandemie Spuren hinterlassen haben.
Und die auf die Tribünen zurückgekehrten Fan-Klubs gaben 90 Minuten Vollgas und versprühten ein Gefühl wie anno dazumals, als alles noch normal war. Rapid schien diese Kulisse diesmal keinesfalls zu verunsichern, sondern zu pushen. Für Feldhofer war die Leistung nur eine Bestätigung.
"Wer Rapid wirklich verfolgt, wird beobachtet haben, dass diese Entwicklung und dieser Umbruch jetzt schon früher eingeleitet worden ist. Es geht immer weiter und ich denke, wir sind in eine gute Richtung unterwegs, auf einem guten Weg", versichert der Chefbetreuer.
Niklas Hedl bewahrte Rapid vor Schlimmerem
"Heute war es sehr verdient, wir haben von der ersten Minute an Druck gemacht, nach dem 1:0 auf das 2:0 gespielt. Durch die vergebenen Chancen haben wir uns das Leben bisschen selber schwer gemacht, dann hat der Gegner ein paar Standards gehabt. Aber aus dem Spiel heraus hatten wir das Spiel immer unter Kontrolle und auch verdient in der Höhe gewonnen", analysierte Marco Grüll die Leistung gegen Klagenfurt.
Zwischendurch hätte es aber durchaus auch in die andere Richtung gehen können. Denn beim Stand von 1:0 für Rapid musste der erst 20-jährige Torhüter Niklas Hedl eine Wahnsinnsparade auspacken, um den Ausgleich zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt wären die Hütteldorfer mit einem 1:1 aus dem Rennen gewesen, hätte sich das Blatt nicht gewendet.
"Großen Dank an Niki", musste auch Feldhofer den groß aufspielenden Rückhalt loben, obwohl sich die Öffentlichkeit nach dem Schlusspfiff auf Doppelpack-Schütze Bernhard Zimmermann fokussierte (Rapid-Held "will Meister werden" >>>). Aufgrund einer neuerlichen Verletzung von Paul Gartler wird der Sohn von Ex-Rapid-Goalie Raimund Hedl zumindest bis zu Länderspielpause zwischen den Pfosten stehen.
Dabei schnaufte der Cheftrainer durch, denn aufgrund der Konstellationen hätte es auch anders laufen können. "Der Sieg war schon verdient, auch wenn ich die Statistiken lese. Trotzdem hat es uns Klagenfurt richtig schwer gemacht, sie waren aber nicht so effizient wie davor. Wir haben es dann relativ souverän heimgespielt."
"Die Karten werden neu gemischt für den Europacup"
Das gibt Rapid Hoffnung. Was die Meistergruppe für Rapid bedeutet?
"Wir freuen uns einfach auf die nächsten zehn Spiele - als Belohnung. Die Punkteteilung kommt uns natürlich sehr entgegen. Ich denke, die Karten werden neu gemischt für den Europacup", schöpft Feldhofer neuen Mut im Kampf um einen internationalen Startplatz.
Eine genaue Zielsetzung oder gar eine Platzierung will der Steirer aber nicht nennen. "Sechster will keiner im oberen Playoff werden. Wenn ich richtig rechne, fehlen drei Punkte auf Platz 2 und 3. Das ist ein Spieltag."
Auch Leistungsträger Grüll ist davon überzeugt, dass in den verbleibenden Spielen noch einiges machbar ist. "Nach der Teilung ist alles eng beisammen, da ist alles möglich. Salzburg ist weiter vorne, das muss man schon so sehen. Aber von Platz zwei bis sechs ist alles möglich."
"Wir haben für Rapid verhältnismäßig wenig Druck"
Diese spannende Herausforderung kann Rapid nun anders angehen als noch vor wenigen Tagen. Durch den Wegfall der anfänglichen Dreifach- und später Doppelbelastung stehen volle Trainingswochen bevor.
"Ich habe ihnen Montag und Dienstag freigegeben - zum Durchschnaufen und, um den Moment zu genießen. Wir haben diese Drucksituation gemeistert, es war nicht ganz klar, dass das so kommen wird. Dementsprechend geht es ab Mittwoch in die letzte Phase, die entscheidenden Spiele."
Die Ausgangsposition erscheint aus Sicht von Feldhofer klar: "Wir können attackieren und angreifen, haben für Rapid aber verhältnismäßig wenig Druck." Dieser kann sich jedoch schnell aufbauen, wenn die Europacup-Startplätze in weite Ferne rücken, schließlich ist dies das letzte verbliebene Saisonziel.
Die Mission Meistergruppe ist geschafft. Nun muss Rapid beweisen, dass es zurecht unter den Top 6 steht.