Hintergrund

Hoff Thorup tritt an: "Mein Anspruch sind viele Chancen und Tore"

Rapids neuer Trainer stellt sich vor und spricht über seine Spielphilosophie, Ideen, Kommunikationskultur - und was im Team schnell implementiert gehört.

Hoff Thorup tritt an: "Mein Anspruch sind viele Chancen und Tore" Foto: © GEPA

Einen Tag vor dem 127. Geburtstag des SK Rapid ist der erste Trainer der Klubgeschichte offiziell angetreten, dessen Hauptsprache (noch) nicht Deutsch ist: Johannes Hoff Thorup.

Ein Däne, der zwar noch nicht viel Erfahrung als Cheftrainer vorweisen kann, aber offensiv denkt. Und so will Rapid wieder auftreten: Das Spiel dominierend.

Das wird ein langfristiges Projekt, und der 36-Jährige soll auch seine Zeit dafür - im Gegensatz zu manchem Vorgänger - bekommen.

Das Problem: Rapid steht akut unter Druck. Gleich die erste Pflichtspielaufgabe bringt den UNIQA ÖFB-Cup. Und dann sind es nur mehr fünf Bundesliga-Spiele bis zur Tabellenteilung.

Dennoch tritt Hoff Thorup mit einer typisch skandinavischen, ruhigen Einstellung an, und erklärte seine Vorstellungen beim ersten Auftritt vor den Medien.

Johannes Hoff Thorup über...

...Rapids Philosophie

Es sollte immer Erwartungen daran geben, wie ein Spitzenklub eines Landes spielen sollte: Das Spiel bestimmen und kontrollieren, im Pressing mutig agieren und dominant sein. Hinter diesen Schlagworten stecken viele Details. Wie genau wollen wir spielen? Es ist ein Spielstil, der Ballkontrolle erfordert, eine gute Positionsstruktur, damit wir Spielzüge und Chancen aus den Zonen kreieren können, die aber gleichzeitig Konter gegen uns verhindert. Die Kernbotschaft ist, dass wir die Kontrolle über die Spiele haben werden. Mein Anspruch ist immer, Trainer einer Mannschaft zu sein, die viele Chancen kreiert und viele Tore schießt. Eine Sache, die für uns in Norwich sehr wichtig war: Dass wir die Mannschaft mit den zweitmeisten Toren in der Liga waren. Letztendlich ist es ein Sport, damit sind wir im Unterhaltungsgeschäft tätig.

...hohe Erwartungen

Ich wäre traurig, wenn ich jemandes Träume zerstören würde. Ich finde Erwartungen okay. Es wäre langweilig zu arbeiten, wenn es keine Erwartungen und kein Interesse an dem gäbe, was wir tun. Es ist einfach eine Tatsache: Wenn man ein Verein in einer Großstadt ist, eine große Geschichte und Tradition hat, wird es immer Erwartungen geben. In unserer Position sollten wir erwarten, dass wir jede Saison mit an der Spitze stehen. Als Führungskraft in meiner Position ist es meine Aufgabe, den Spielern klarzumachen, dass sie nur an das Fußballspielen denken sollen. Das ist ihr Job. Ich werde manchmal harte Entscheidungen treffen und schwierige Gespräche mit den Medien führen, wenn die Ergebnisse nicht gut genug sind.

...das Spielsystem

Ich bevorzuge es, mit einer Viererkette zu spielen. Dafür ist die Mannschaft geeignet und damit werden wir zumindest anfangen. Aber es ist für mich auch wichtig, die verfügbaren Spieler zu sehen. Ich will von Spielern keine Dinge verlangen, die sie nicht leisten können. Ich muss die Balance zwischen meinen Ideen und ihren Fähigkeiten finden.

...den Kader

Während meiner Zeit in Dänemark haben wir tatsächlich einige der Spieler gescoutet, die jetzt hier sind. Die Jungs aus Norwegen kenne ich sehr gut. Romeo Amane kenne ich wegen seiner Zeit in den schwedischen Ligen. Ich denke, meine Gedanken und Ideen passen gut zu dieser Mannschaft. In einigen Spielen haben sie anders gespielt, als es meine Ideen vorsehen. Aber viele haben die Fähigkeiten, sie umzusetzen. Es ist wahrscheinlich einer meiner wichtigsten Jobs, vom ersten Tag an Klarheit zu schaffen, damit sie verstehen, was zu tun ist. Es ist definitiv Potenzial in der Gruppe und es gibt einige sehr gute Spieler.

...das, was er schnell implementieren will

Ich weiß nicht, wie meine Frau die Weihnachtszeit mit mir erlebt hat, denn für mich hieß es: Fußball schauen statt Zeit mit der Familie zu verbringen. Wir haben beim letzten Spiel der Herbstsaison angefangen und sind dann Spiel für Spiel zurück bis zum ersten Spieltag gegangen. Es wird darum gehen, klarere Struktur im Aufbauspiel zu finden, damit wir uns auf bestimmte Positionen verlassen können, die immer gleich bleiben. So können die Spieler etwas tun, das sie kennen. Das wird auch der erste Schritt für uns sein, um Chancen zu kreieren – die nicht zufällig sind. Im Pressing gibt es bereits viele gute Dinge, viel Intensität. Wir werden nur einige Positionen anpassen, damit wir bei Kontern eine noch größere Gefahr darstellen. Das ist der Punkt, an dem wir anfangen müssen. Dann stecken da viele Details drin. Ich glaube, dass man als Trainer eine Mannschaft recht schnell formen kann. Und dann sind da natürlich all die Details, die letzten 20 Prozent, die Zeit brauchen werden.

...das Thema Fitness

Ich glaube nicht, dass es einen allzu großen Unterschied in der Art und Weise gibt, wie ich trainiere, was die Intensität betrifft. Aber wahrscheinlich müssen wir beim Belastungsmanagement etwas schärfer sein. Die Mannschaft kommt aus einer Phase, in der es lange Zeit Sonntag-Donnerstag-Sonntag-Donnerstag ging. Das ist schwieriger zu handhaben. Wir haben darüber gesprochen und schauen, ob wir den Tag etwas anders strukturieren können als bisher.

...seinen Kommunikationsstil

Wenn es darum geht, zu schreien und zu brüllen – das kann ich. Wenn es darum geht, fünf oder zehn Minuten lang einfach nur zu beobachten – das kann ich auch. Meine Hauptaufgabe ist es, den Spielern die besten Lösungen im Spiel zu bieten. Um das zu können, brauche ich viele Augen um mich herum und einen stabilen Gemütszustand.

...die Sprache

Viele reden darüber, wie wichtig es ist, die Sprache des Landes und der Stadt zu verstehen. Ich respektiere und schätze das sehr, aber Fußball ist ein internationales Geschäft. Egal, ob man in Norwegen, Dänemark, Österreich oder sonst wo Trainer ist – die Hauptsprache ist Englisch. Und ich denke, das wird auch in der Zukunft des Fußballs so bleiben. Aber für mich ist es auch wichtig, von anderen Trainern umgeben zu sein, die mehrere Sprachen sprechen. Mein Co-Trainer Alan Arac spricht fließend Türkisch, und wir haben ein paar Spieler, deren Sprache das ebenfalls ist. Ich finde es wichtig, dass wir Trainer haben, die verschiedene Kulturen kennen. Das habe ich in meiner Zeit in Dänemark und England mit Spielern von allen Kontinenten getan.

...den reaktiven Stil vieler Teams in der Bundesliga

In Dänemark gibt es ein natürliches Interesse an der österreichischen Liga, weil es in jüngster Zeit etliche dänische Spieler gab und immer noch gibt. Natürlich muss man beim Angreifen immer auch defensiv denken und umgekehrt. Die Struktur sollte immer verhindern, dass man bei Ballverlust zu anfällig ist. Wahrscheinlich ist eine meiner ersten Aufgaben als Trainer, dieses Verständnis zu etablieren, damit die Spieler wissen, dass sie bestimmte Positionen besetzen müssen, wenn wir angreifen. Wir werden nicht jedes Mal ein Tor erzielen, aber wir müssen sicherstellen, dass wir nicht zu viele Konter kassieren. Und dann gibt es natürlich Vor- und Nachteile, gegen bestimmte Teams zu spielen. Es gibt viele Fünferketten in der Liga; wenn man anfängt, diese zu knacken, wird man einen Vorteil haben. Wenn man den Flow findet, wie man solche Spiele angeht, kann man als Team sehr dominant sein, und das wünsche ich mir für die Mannschaft. Aber ich verstehe auch, dass das nicht die einfachste Aufgabe ist.

...das Ligasystem und den Druck in den ersten Wochen

In der dänischen Liga ist es genauso. Auch dort wird nach 22 Spielen in eine Meistergruppe und eine Qualifikationsgruppe unterteilt. Ich bin das also gewohnt. Es ist ein eigenartiges System. Das Gute daran war in Dänemark, dass man in den Top 6 viele gute Spiele mit Intensität hat – großartig für die Entwicklung der Spieler. Natürlich müssen wir die Spitzenplätze anvisieren, deshalb sind wir hier. Ich bin Druck gewöhnt. Ich komme aus der englischen Liga, wo ich gefühlt die halbe Woche in Pressekonferenzen saß und Spielideen erklären musste – besonders, wenn die Ergebnisse nicht gut waren. Das Einzige, was ich tun kann, ist, diesen Druck von den Schultern der Spieler zu nehmen. Das ist mir wichtig, damit sie in ihren Leistungen so frei wie möglich sein können. Druck gehört zum Fußball. Sie werden wahrscheinlich schon in zwei Monaten ein Urteil über meine Arbeit fällen. So ist das eben.

...seine Reflexion der Norwich-Zeit

Wir haben defensiv wahrscheinlich mit einem etwas zu hohen Risiko gespielt und versucht, das so zu drehen, dass wir bei Kontern und Umschaltmomenten sehr effizient Tore erzielen. Aber das hat für uns nicht wirklich funktioniert, und dann haben wir nie wirklich den richtigen Weg gefunden. Positiv war, dass wir es im Rahmen der dortigen Strategie geschafft haben, viele junge Spieler in die erste Mannschaft zu bringen, viele Debüts in der Championship zu ermöglichen und einen sehr klaren Spielstil zu entwickeln. Wir haben in Norwich mit der jüngsten Mannschaft seit Generationen gespielt. Offensiv haben wir also viele gute Dinge geschafft. Es gab gute und schlechte Dinge. Mein Job ist es, die Lehren daraus zu ziehen und nicht zu stur zu sein und zu sagen: "Ich kann nur dies oder das, und so mache ich es." Nein, man muss immer offen dafür sein, wie sich das Spiel verändert und wie es in ein paar Jahren aussehen wird. Mein Job ist es nicht, stehenzubleiben und Trends zu ignorieren.

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