Zeitreise

7281 Tage später: Der letzte GAK-Derbysieg und was damals geschah

Anlässlich des 204. Grazer Stadtduells reisen wir zurück ins Jahr 2006 – zum letzten Sieg der "Rotjacken" – und zu einer Liga, die damals ganz anders aussah.

7281 Tage später: Der letzte GAK-Derbysieg und was damals geschah Foto: © GEPA

Am Sonntag sind genau 7.281 Tage vergangen, seit der GAK zuletzt ein Grazer Derby gewonnen hat.

Pünktlich vor dem 204. Pflichtspielduell der beiden Stadtrivalen (ab 17 Uhr im LIVE-Ticker >>>) befinden sich die "Rotjacken" im Aufwind. Unter Neo-Coach Gerald Scheiblehner ist der GAK noch immer ungeschlagen.

In den bisherigen vier Ligaspielen unter dessen Regie gab es einen Sieg und drei Remis. Zuletzt das torlose Unentschieden zuhause gegen Red Bull Salzburg.

Sturm ist der Favorit

Sturm hingegen geht mit einigen Auf und Abs in das Prestige-Duell. Siege gegen den LASK und die Wiener Austria stehen Niederlagen gegen Salzburg und jüngst in der Europa League gegen Bournemouth gegenüber. Außerdem hat Cheftrainer Fabio Ingolitsch mit Verletzungssorgen zu kämpfen.

Dennoch gehen die "Blackies" als Favorit ins Derby. Doch in einem Stadt-Duell kann immer viel passieren.

Grund genug, eine kleine Zeitreise zu unternehmen: Zurück zum 11. November 2006, zum letzten GAK-Derbysieg – und in eine Fußballwelt, die heute wirkt wie aus einem anderen Leben.

Standardsituationen als Waffe

Standardsituationen als Waffe
Roland Kollmann (GAK) im Duell mit Mitja Mörec (Sturm).
Foto: ©GEPA

Vor ziemlich genau 20 Jahren gelang den "Rotjacken" beim SK Sturm in der neunten Bundesliga-Runde ein 2:0-Auswärtssieg.

In einer umkämpften Partie machten letztlich die Standardsituationen den Unterschied. Nach einer torlosen ersten Hälfte bewies GAK-Trainer Lars Söndergaard das berühmte goldene Händchen. Nach einem Eckball von Martin Amerhauser traf der unmittelbar zuvor eingewechselte Alen Skoro mit seinem zweiten Ballkontakt per Kopf zum 1:0 (66.).

Die Vorentscheidung folgte in der Schlussphase – erneut nach einem Eckball. Zlatko Junuzović servierte scharf und Samir Muratovic köpfte die Gäste mit seinem ersten Saisontor zum Derby-Sieg (83.).

Mit diesem Erfolg gab der GAK gleichzeitig auch die Rote Laterne an Vorjahresmeister Austria Wien ab.

Diese Sturm-Elf schickte Franco Foda aufs Feld:

Diese Sturm-Elf schickte Franco Foda aufs Feld:
Altersschnitt Sturm-Startelf: 28,0 Jahre.

Im Gegensatz zu seinem Gegenüber setzte Franco Foda deutlich mehr auf Erfahrung. Perfektes Beispiel: Der 39-jährige Abwehrchef Frank Verlaat. Neben ihm verteidigte die Jugend mit dem späteren Nationalspieler Ronald Gercaliu und Ex-Blau-Weiß-Trainer Mitja Mörec.

Bester Torschütze der "Blackies" war in dieser Saison Stürmer Amadou Rabihou mit sieben Saisontoren, knapp vor Bojan Filipovic und Radoslaw Gilewicz mit sechs.

Der ehemalige Sturm-Trainer Jürgen Säumel war damals ebenso Teil des Kaders wie der spätere Nationalspieler Sebastian Prödl, Johannes Ertl oder Ex-Salzburg-Coach Daniel Beichler. Zum Einsatz kamen im Derby alle vier aber nicht.

Diese Elf "Rotjacken" gewannen letztmals ein Grazer-Derby:

Diese Elf "Rotjacken" gewannen letztmals ein Grazer-Derby:
Altersschnitt GAK-Startelf: 25,27 Jahre.

Erfahrung trifft Jugend. Während es für Spieler wie Amerhauser schon der letzte große Tanz war, stand Junuzovic erst am Anfang einer Karriere, die ihn letzlich bis ins Nationalteam hievte.

GAK-Trainer Söndergaard setzte deutlich mehr auf die Jugend. Neben Junuzovic waren auch Thomas Lechner und Ralph Spirk unter 21 Jahren.

Zwar nicht eingesetzt, aber trotzdem Teil des Kaders waren der zurückgetretene Sportdirektor Dieter Elsnegg und Ex-Rapid-Innenverteidiger Mario Sonnleitner.

Doch trotz der großen Qualität innerhalb des Teams sollte es der letzte Sieg für einen sehr langen Zeitraum werden. Denn es war auch das Ende des Grazer Athletik Klubs in der höchsten österreichischen Spielklasse. Aufgrund von Lizenzverstößen wurden 28 Punkte abgezogen und der Klub stieg am Ende mit sechs Punkten ab. Auch Rivale Sturm bekam 13 Punkte abgezogen und wurde am Ende Siebter.

Die Lage der Liga

Es war eine Saison, die weniger durch Sportliches als durch Skandale definiert wurde: Beide Grazer Klubs erhielten massive Punktabzüge, beide rutschten in den Abstiegskampf – und der GAK verschwand am Ende sogar komplett aus dem Profifußball.

Und auch sonst gab es zwei Premieren. Einerseits wurde Red Bull Salzburg erstmals Meister und das direkt mit einem Vorsprung von 19 Punkten auf Vizemeister SV Ried. Andererseits feierte der SCR Altach, mittlerweile Stammgast in der höchsten Liga, seine Premiere im Oberhaus. Am Ende wurden die Vorarlberger Achter.

Mit dem SV Mattersburg (3.) und dem FC Superfund (5.) waren zudem zwei Teams noch Teil der Liga, die danach ebenso finanziell zu kämpfen hatten.

Torschützenkönig wurde mit 22 Treffern überlegen Alexander Zickler (Salzburg) vor Leonardo (14 Tore/Altach), sowie Mate Bilic (11/Rapid) und Christian Mayrleb (11/Pasching).

Die Endtabelle der Saison 2006/07:

Platz

Verein

Tore

Punkte

1.

Red Bull Salzburg

72:25

75

2.

SV Ried

47:42

56

3.

SV Mattersburg

61:58

55

4.

SK Rapid

55:49

52

5.

FC Superfund

47:41

52

6.

FK Austria Wien

43:43

45

7.

SK Sturm Graz

40:40

41 (-13)

8.

SCR Altach

45:64

38

9.

FC Wacker Tirol

40:64

34

10.

Grazer AK

43:67

6 (-28)

Was von damals übrig ist

Was von damals übrig ist
Mit 15.322 Zuschauern war das Derby 2006 ausverkauft.
Foto: ©GEPA

Heute, 7.281 Tage später, ist vieles anders: Sturm ist Europa-League-Teilnehmer, der GAK hat sich nach Jahren der Unterklassigkeit zurückgekämpft, und Graz erlebt wieder sein großes Bundesliga-Derby.

Seit dem Wiederaufstieg der "Rotjacken" gingen alle vier Duelle deutlich an den Rivalen (2:1, 3:0, 2:1 und 5:2). Auch im Cup gewann Sturm zwei Mal (3:2, 2:1).

Und dennoch gelten solche Zahlen speziell in einem Stadtduell nur bis zum Anpfiff.

Trotzdem bleibt die Frage: Schreibt der GAK endlich wieder Derby-Geschichte, oder bleibt der November 2006 weiterhin die letzte rot-weiße Derby-Glanzstunde?

Die besten Torjäger der Grazer Derby-Geschichte

Kommentare

JETZT NEU: Diskutiere mit den LAOLA1-Usern bei Live-Events in unserem neuen LAOLA1-Chat!