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Ziel dank Konzept: So will Rapid II in 2. Liga!

Aufstieg für Rapid II nach langem ernsthaftes Thema. Entwicklung vielversprechend.

Ziel dank Konzept: So will Rapid II in 2. Liga! Foto: © GEPA

Der SK Rapid steuert in eine bessere Zukunft.

Kein Wunder nach den Erlebnissen der vergangenen Jahre mögen Kritiker wohl sagen. In der Bundesliga hat sich die Mannschaft unter Trainer Didi Kühbauer stabilisiert, das obere Playoff sollte in diesem Jahr kein Problem darstellen. Aus dem eigenen Nachwuchs kommt nach zwischenzeitlicher Durststrecke wieder eine Vielzahl an Talenten nach.

Dies ist sowohl dem Coach als auch dem Geschäftsführer Sport Zoran Barisic geschuldet, der die Entwicklung der Jungen stärker forciert als dies in der Vergangenheit der Fall war. Doch es sind nicht nur die Profis, die dem Verein neue Zuversicht geben.

Auch bei Rapid II, woher die Talente wie Dalibor Velimirovic, Yusuf Demir, Nicholas Wunsch und Co. in die Kampfmannschaft drängen, will man wieder hoch hinaus. Platz zwei in der Regionalliga dank viel Qualität in den eigenen Reihen. Deshalb stellte LAOLA1 dem Geschäftsführer Sport, Zoran Barisic, und Willi Schuldes, dem sportlichen Leiter von Rapid II, Akademie und Nachwuchs, die Frage aller Fragen: Will und kann Rapid II in dieser Saison in die HPYBET 2. Liga aufsteigen?

"Wenn wir die Voraussetzungen erfüllen, dass wir Meister werden oder unter den ersten zwei sind, werden wir natürlich aufsteigen", nimmt der 51-jährige Schuldes den Aufstieg ins Visier. "Wir wollen, mit unserer Art Fußball zu spielen, so viele Spiele wie möglich gewinnen. Wenn sich das dann ausgeht, nehmen wir den Aufstieg natürlich mit."

Auch Barisic hegt den Wunsch des Aufstiegs. "Will und kann trifft es gut", meint der Rapid-Rückkehrer. "Wir werden es den Jungs nicht verwehren, wenn sie aufsteigen - im Gegenteil. Wenn sie es sich zum Ziel machen, umso besser. Es ist kein Muss, aber ein Wunsch, in den kommenden Jahren in die 2. Liga aufzusteigen."

"Das wäre, was die Basis betrifft, der nächste Step in unserer Entwicklung"

"Zoki" geht sogar noch weiter und würde die 2. Liga als wichtigen nächsten Entwicklungsschritt sehen: "Das wäre für uns, was die Basis betrifft, der nächste Step in unserer gesamten Entwicklung als Klub. Aber trotzdem werden wir den Teufel tun und die Jungs sicher nicht unter Druck setzen, dass sie aufsteigen müssen."

Das naheliegende Ziel, die zweite Mannschaft in die höchstmögliche Liga zu hieven, stand in den vergangenen Jahren nicht unbedingt auf der Agenda der Hütteldorfer. Unter dem Schweizer Sportchef Fredy Bickel wurde die 2. Liga nie wirklich gezielt angestrebt.

Auch, weil man von der Entwicklung der eigenen Talente her noch nicht so weit war oder diese in schwierigen Phasen nicht so forcieren konnte oder wollte. Doch auch Schuldes hält fest, dass man sich in dieser Hinsicht nicht unter Druck setzt, obwohl man im bestmöglichen Fall kommende Saison in einer anderen Liga spielen könnte.

"Es ist nach wie vor kein Muss, weil unser Hauptziel nicht der Aufstieg ist, sondern die einzelnen Spieler näher an den Profikader heranzubringen, wie es uns mit Greiml, Wunsch, Velimirovic, Ibrahimoglu, Savic und Co. gelungen ist – parallel zu den Erfolgen der restlichen Spieler in der Regionalliga."

Rapid II mit Schnitt von 18,6 Jahren sportlich aus Kurs

Rapids zweite Garde hält in der Regionalliga Ost derzeit mit 8 Siegen, 4 Remis und nur einer Niederlage aus 13 Spielen bei 28 Punkten und Tabellenplatz zwei. Seit wenigen Tagen ist auch Gewissheit, wer im Osten noch als ernstzunehmende Konkurrenz um den Aufstieg gilt.

Vergangene Woche fand ein verpflichtender Workshop der Bundesliga für Regionalligsten statt, die Interesse daran haben, im kommenden Frühjahr in die 2. Liga aufzusteigen - Amateurmannschaften mussten dieser Sitzung nicht beiwohnen.

Nur wer an diesem Termin teilnahm, hat noch Chancen, die Lizenz für die höhere Spielklasse zu erlangen. Aus der Regionalliga Ost sind dies der überlegene und noch ungeschlagene Tabellenführer FC Marchfeld Donauauen mit Ex-Rapidler Carsten Jancker als Trainer und der viertplatzierte Wiener Sportclub.

Nachwuchsleiter Schuldes konzentriert sich jedoch nur auf die eigene stetige Verbesserung: "Wir beschäftigen uns nicht mit den anderen, ob die ansuchen oder nicht oder im Workshop sind. Wir versuchen unsere Spieler – wir sind ja mit der jüngsten Mannschaft ever mit einem Altersschnitt von 18,6 Jahren in die Meisterschaft gestartet – tagtäglich besser zu machen und näher an den Profifußball, an die eigene Profimannschaft heranzuführen. Das ist unser Ziel! So gehen wir in jedes Training und jedes Spiel. Dann schauen wir, was am Ende rauskommt."

Wirtschaftlich machbar? "Werden auf alle Fälle Lösung finden"

Barisic sieht zumindest sportlich die Möglichkeit, am Ende unter den ersten Zwei zu landen, auch wenn er sich der starken Konkurrenz bewusst ist. Was ihn besonders positiv stimmt, ist die Tatsache, dass zumindest drei der Top-4 auch aufsteigen wollen.

"Weil es ist ja eine Gemeinheit und fatal, dass du immer Meister wirst oder im Spitzenfeld dabei bist und nie aufsteigen willst. Da erkenne ich den Sinn dahinter nicht. Aber bitte, das ist nicht mein Kaffee. Tatsache ist, dass wir uns sportlich auf einem guten Weg befinden ergebnistechnisch. Aber was noch wichtiger ist, ist die Entwicklung der Mannschaft und einzelner Spieler. Die steht absolut im Vordergrund, und die ist sehr gut im Moment und bereitet uns sehr viel Freude."

Neben der sportlichen Herangehensweise müssen auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um über die Teilnahme an der 2. Liga nachzudenken. Ein finanzieller sowie infrastruktureller Aufwand, der auch bei einem Großklub wie Rapid vorbereitet werden muss. Neben dem Geld würden wohl auch die Spiele eine Etage höher im Allianz Stadion stattfinden müssen.

"Das ist natürlich ein Thema für uns. Das Wirtschaftliche und das Sportliche müssen halt Schritt halten, das ist ganz normal. Es ist aber schon so: Wenn es die Zweiermannschaft schafft, werden wir auf alle Fälle eine Lösung finden", ist sich Barisic sicher.

Diese Vorteile sieht Barisic durch Aufstieg in die 2. Liga

Etwas unterschiedlicher Meinung sind Barisic und Schuldes beim Thema, ob die höchstmögliche Liga mit den Amateuren einen flüssigeren Übergang zu den Profis ermöglichen würde. Für den Rapid-II-Sportdirektor ist das überhaupt kein entscheidender Grund.

"Weil es geht um unseren eigenen Zugang, wie wir die Spieler innerhalb des Vereins weiterbringen und nicht, wer der Gegner ist. Wöber, Müldür oder vorher Schaub sind über die Regionalliga und dann über die Rapid-Kampfmannschaft ins internationale Profigeschäft gekommen. Dalibor Velimirovic hat elf Spiele in der Regionalliga gehabt und hat dann im Derby und gegen Red Bull performt. Also wichtig ist, wie wir das intern angehen - von der U18 zu Rapid II und die Talentiertesten zu den Profis und wie dieser Übergang passiert."

"Ich denke, dass es insofern ein Vorteil sein könnte, weil wir diese Jungs etwas länger bei uns behalten könnten, somit einen besseren Überblick über die Spieler haben werden und was ihre individuelle Entwicklung betrifft, noch einmal speziell auf sie einwirken können."

Barisic über Vorteile des 2. Liga-Aufstiegs

Trotzdem muss Schuldes schon zugeben: "Natürlich ist die 2. Liga sportlich ein bisschen wertvoller als die Regionalliga, weil es eben eine Liga höher ist. Aber uns ist es auch wichtig, unsere Art und Weise Fußball zu spielen – dominant, viel in der gegnerischen Hälfte, Positionsspiel –, umsetzen zu können und es geht um die Adaptierungen an den Erwachsenenfußball. Aber das Hauptkriterium ist, wie wir intern mit den Talenten umgehen und wie wir sie heranführen."

Der GF Sport sieht es ein wenig anders und würde den Aufstieg aus bestimmten Gründen begrüßen: "Es ist tatsächlich so, dass es unabhängig von der Liga ist – das hat die Vergangenheit gezeigt. Aber ich denke, dass es insofern ein Vorteil sein könnte, weil wir diese Jungs etwas länger bei uns behalten könnten, somit einen besseren Überblick über die Spieler haben werden und was ihre individuelle Entwicklung betrifft, noch einmal speziell auf sie einwirken können."

Barisic vertritt in dieser Hinsicht eine klare Meinung, da es anders als im internationalen Vergleich in Österreich keine U19 gibt, sondern die Spieler bereits mit der U18 in den Erwachsenenfußball entlassen werden. "Ich bin der Meinung, dass es für den einen oder anderen aus biologischer Natur zu früh ist und es besser ist, wenn man ein gewisses Konzept entwickelt, um diese Spieler in Zukunft besser und länger betreuen zu können. Wir wissen ja im Speziellen, dass Eltern und Manager sehr ungeduldig sind und wollen, dass die Entwicklung so schnell wie möglich stattfindet. Und ich glaube, dass die 2. Liga eine sehr gute Plattform für die weitere Entwicklung einzelner Spieler bieten würde."

Ernten die Früchte "dieser langjährigen konzeptionellen Arbeit"

Dass möglicherweise schon in den Jahren vor Barisic' Rückkehr ein Fundament gelegt werden hätte können, will der frühere Rapid-Trainer nicht kommentieren. Viel mehr sieht er es als Prozess, der nun langsam in die entscheidende Phase einbiegt.

"Wenn man etwas sät, dann dauert es einige Zeit, bis man ernten kann, das darf man nie vergessen. Momentan schaut die Entwicklung ganz gut aus, aber es ist nicht so, dass wir perfekt sind, sondern wir müssen weiterhin wirklich gut arbeiten, damit wir auch in der Akademie schon die besten Spieler bei uns haben, weil sie wissen, sie können sich bei Rapid bestens entwickeln und in die Kampfmannschaft kommen", stellt Barisic klar.

Auch Schuldes, der im März seit fünf Jahren bei Rapid werkt, sieht die Zeit für das Eintreiben der Ernte gekommen. An der Herangehensweise hat sich für ihn aber in den letzten Jahren nicht viel verändert, denn wie immer ist Geduld gefragt. "Es ist eine Entwicklungsarbeit, eine Kaderplanung – das geht ja nicht von heute auf morgen, sondern das sind Prozesse über mehrere Jahre, vor allem im Nachwuchs. Das dauert alles drei bis fünf Jahre. Mit unseren Konzepten, unserem individuellen Zugang, unserem Positions-Zugang, unseren Änderungen im ganzen Staff rundherum, Scout, Individualtrainer, neue Datenbank und alle diese Dinge ernten wir jetzt schon langsam die Früchte dieser langjährigen konzeptionellen Arbeit", erklärt Schuldes ausführlich.

"Darum glaube ich, dass der Rapid-Nachwuchs im österreichweiten Vergleich hervorragend dasteht. In der 2. Mannschaft gibt es dann keine Systemerhalter mehr, sondern nur mehr Spieler, die sehr jung sind, aber wirklich Fähigkeiten und Perspektive für die eigene Profi-Mannschaft haben. Das ist schon etwas Besonderes und da sind wir stolz drauf."

Das bei den Hütteldorfern oftmals kritisierte fehlende Konzept scheint nun mit etwas Anlaufzeit positive Ergebnisse zu liefern. Der deutliche Wunsch, mit Rapid II in die 2. Liga vorzupreschen, steht für die Aufbruchstimmung in Hütteldorf. Die Devise "Alles kann, nichts muss" macht das ganze Vorhaben aus Vereinssicht etwas relaxter.

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