BW Linz als der Nutznießer der LASK-Stadionfrage

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Die Frühjahrsrunde verlief alles andere als zufriedenstellend. Aber dann: Kaderumbruch, die Installation eines Sportdirektors und der Beschluss eines neuen Stadions.

Bei Blau-Weiß Linz wurden in der Sommerpause ganz entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt. Denn der Weg soll in nicht allzu ferner Zukunft in die Bundesliga führen. Sportvorstand David Wimleitner zeigt sich im Gespräch mit LAOLA1 logischerweise sehr zufrieden mit den zurückliegenden Wochen.

Im großen Interview erklärt er, warum Blau-Weiß von den Stadionplänen des LASK profitiert, wieso er künftig einige seiner Aufgaben an den neuen Sportdirektor Tino Wawra übergibt und was er von der HPYBET 2. Liga hält.

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BWL-Sportvorstand David Wimleitner
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LAOLA1: Herr Wimleitner, sie sind freiwillig einen Schritt zurückgetreten und haben durch die Installation von Tino Wawra als Sportdirektor bei Blau-Weiß Linz einen Teil Ihrer bisherigen Aufgaben abgegeben. Wie kam es dazu?

Wimleitner: Ich hatte schon länger den Wunsch, dass wir einen hauptberuflichen Sportdirektor installieren. Aber das ist natürlich auch immer eine finanzielle Geschichte und vom Budget abhängig. Jetzt hat einfach alles zusammen gepasst.

LAOLA1: Warum wollten Sie schon seit einiger Zeit kürzer treten, fällt es Ihnen denn gar nicht schwer?

Wimleitner: Nein, gar nicht. Ich bin Unternehmer und kann die Tätigkeit im Verein nicht Vollzeit machen. Ich hatte in den vergangenen Jahren oft 80, 90 Stunden Wochen. Mit Tino haben wir jetzt die für den Verein ideale Lösung gefunden. Er hat bei seiner Tätigkeit für "Stars & Friends" bereits die andere Seite von Verhandlungen kennengelernt. Seine langjährige Arbeit als Scout ist jetzt sehr hilfreich in vielen Momenten.

LAOLA1: Wie sieht die genaue Rollenverteilung zwischen Ihnen und Tino Wawra dann aus?

Wimleitner: Ich war ja nie ein Sportdirektor im klassischen Sinn. Ich habe nicht die Zeit gehabt, dass ich im Tagesgeschäft immer mit dabei bin, die Trainings beobachte. Tino wird das jetzt aber machen. Er wird näher bei der Mannschaft und dem Trainerteam sein, bei den Spielen auch auf der Bank sitzen. Er wird natürlich auch für die Transfers hauptverantwortlich sein. Obwohl er seine Tätigkeit erst mit 1. Juli begonnen hat, war er schon intensiv in die Transfers eingebunden und hat gleich richtig gute Arbeit geleistet. So konnten wir gemeinsam echte Top-Talente zu Blau-Weiß Linz holen.

LAOLA1: Und Sie behalten das große Ganze im Blick.

Wimleitner: So könnte man es sagen (lacht). Ich sehe mich einfach als Bindeglied zwischen der sportlichen und wirtschaftlichen Führung des Vereins. Ich muss dem Tino auch die Budgets für die Transfers absegnen. Es ist also eine überwachende Funktion, die ich innehabe und versuche so gut wie möglich auszufüllen. Mir ist auch wichtig, dass wir alle im Verein nicht die sportliche Ausrichtung, also den Weg wo die Reise hingehen soll, aus den Augen verlieren.



"Intern war uns schon immer klar, dass wir, wenn wir unsere Ziele in Richtung Bundesliga weiter verfolgen, irgendwann ein neues, eigenes Stadion brauchen."

Wimleitner über BWL-Stadionfrage

LAOLA1: Es wird Ihnen also auch in Zukunft nicht langweilig werden.

Wimleitner: Ganz sicher nicht. Hinzu kommt noch eine Menge Arbeit im Nachwuchsbereich. Wir sind in den Jugendmannschaften bis zur U14 schon richtig stark, hatten nun auch wieder einige Spieler, die zu Red Bull Salzburg ins Probetraining eingeladen wurden. Das ist für uns schon eine Auszeichnung für unsere gute Nachwuchsarbeit. Wir wissen, dass wir natürlich aufgrund der guten Arbeit Talente an Akademien verlieren. Nun gilt es, den Übergangsbereich von der U16 zu den Amateuren noch attraktiver für Spieler zu machen. Wir wissen, dass wir wahrscheinlich keine Akademie bekommen, also müssen wir mit anderen Mitteln versuchen, unseren Verein für Spieler attraktiv zu machen und junge Talente auf dem "zweiten Bildungsweg" (ohne Akademie) ans Profigeschäft heranzuführen.

LAOLA1: Gibt es da schon konkrete Beispiele?

Wimleitner: Es soll ein Lehrlingsmodell mit Firmen umgesetzt werden. Auch eine Kooperation mit Schulen ist geplant. Es ist aber noch sehr viel zu tun. Aber wie man sieht, sind meine Aufgaben künftig eher sportpolitische Themen.

LAOLA1: Eine schöne Überleitung, denn eines der bestimmenden Themen rund um Blau-Weiß ist jenes des neuen Stadions. Ist Blau-Weiß Linz der Nutznießer der LASK-Stadionpläne?

Wimleitner: Ein wenig kann man das schon so sehen, wobei ja auch der LASK ein neues Stadion haben wird. Es war halt einfach so, dass der geplante Standort des neuen LASK-Stadions auf Kritik gestoßen ist. Die Politik und der LASK haben dann mehr oder weniger im Geheimen über Alternativen gesprochen. Da wurde schnell klar, dass auch Blau-Weiß ein neues Stadion brauchen wird, wenn der LASK auf die Gugl zurückkehrt. Wir sind sehr froh und dankbar, dass es so gekommen ist. Es war aber auch wichtig, dass wir uns in den letzten drei Jahren als feste Größe im Profifußball etabliert haben.

LAOLA1: Gab es denn bei Blau-Weiß die Stadionfrage?

Wimleitner: Intern war uns schon immer klar, dass wir, wenn wir unsere Ziele in Richtung Bundesliga weiter verfolgen, irgendwann ein neues, eigenes Stadion brauchen.



"Grundsätzlich ist es unser Ziel, dass wir 2022/23 in das neue Stadion übersiedeln."

Wimleitner zum Umzugstermin

LAOLA1: Vergangenen Herbst hat Blau-Weiß beschlossen, wegen hoher finanzieller Altlasten nicht um die Bundesliga-Lizenz anzusuchen. Reißt ein neues Stadion nicht gleich wieder ein enormes Loch ins Budget?

Wimleitner: Jein. Es wird ja eine Drittellösung geben bei der Finanzierung, also wir werden nicht die gesamten Kosten alleine tragen müssen, bekommen von der Politik Unterstützung.

LAOLA1: Also keine Probleme bei der sportlichen Weiterentwicklung durch die Kosten?

Wimleitner: Nein, das wird keinen Einfluss auf unser sportliches Weiterkommen haben, im Gegenteil. Es wird dann unser Stadion sein, was bedeutet, dass wir das Nutzungsrecht besitzen und das Stadion auch selbst vermarkten dürfen. Das ist goldwert.

LAOLA1: Sprich man darf die Namensrechte beispielsweise verkaufen.

Wimleitner: Genau. Aber das ist alles noch sehr weit weg, darüber mache ich mir noch keine Gedanken.

LAOLA1: Was werden jetzt die nächsten Schritte sein in Sachen Stadion? Gibt es schon konkrete Pläne? Von 4.500 Plätzen war beispielsweise die Rede.

Wimleitner: Nein, es gibt noch keine genauen Planungen. Oberstes Kriterium für uns als Verein ist natürlich, dass es bundesligatauglich ist. Es hat erste Gespräche gegeben, aber es wäre noch verfrüht etwas Konkretes zu sagen. Wünsche und Ideen wurden ausgetauscht. Nun wird erstmal geschaut, was auf dem Grundstück im Donaupark möglich ist. Beim Fassungsvermögen wird es etwas mehr sein - 5.000 sind, glaube ich, für die Bundesliga vorgeschrieben. Grundsätzlich ist es unser Ziel, dass wir 2022/23 in das neue Stadion übersiedeln.

LAOLA1: Und bis dahin soll es dann auch mit dem Aufstieg klappen.

Wimleitner: Wir haben unsere Agenda 2027, die wir weiter verfolgen. Wenn wir die einzelnen Punkte dieser Agenda nehmen, sind wir schon voraus. Daher ist es natürlich ein Traum, wenn wir im neuen Stadion gleich Bundesliga spielen könnten. Aber uns ist auch klar, dass ein Traum nicht planbar ist. Alle im Verein werden ihr Bestes tun, um dieses Szenario vielleicht wahr werden zu lassen. Wir haben auch immer gesagt, dass es Sinn machen muss aufzusteigen. Wenn wir in die Bundesliga gehen, wollen wir keine Eintagsfliege sein, wir wollen uns dort etablieren. Und für dieses Ziel wartet noch sehr viel Arbeit auf uns.

LAOLA1: Es war also ziemlich viel los in den vergangenen Wochen bei Blau-Weiß Linz.

Wimleitner: Das kann man so sagen. Es hat sich alles sehr kurzfristig ergeben, hat aber viele positive Effekte gehabt. Es hat wieder neue Euphorie entfacht und dafür müssen wir dankbar sein.



LAOLA1: Nach dem sportlich schwachen Frühjahr schadet ja etwas Euphorie nicht, oder?

Wimleitner: Natürlich nicht. Es ist immer gut, wenn vor dem Saisonstart positive Weichen gestellt werden. Aber seien wir einmal ehrlich, bei Blau-Weiß Linz herrscht sehr schnell Euphorie und wir müssen es schaffen diese längerfristig mitzunehmen. Für uns als Verein ist die Euphorie rund um das neue Stadion insofern gut, weil wir jetzt auch anders wahrgenommen werden. Nicht nur fantechnisch, sondern auch in Hinsicht auf Sponsorenresonanz.

LAOLA1: Inwiefern?

Wimleitner: Wie ich bereits vorher erklärt habe, Sponsoren sehen, dass sich bei Blau-Weiß etwas bewegt, dass hart gearbeitet wird, dass wir in naher Zukunft den nächsten Schritt, den Bundesliga-Aufstieg angehen können. Dazu müssen wir unser Budget sukzessive aufstocken, damit ein Aufstieg eben auch wirtschaftlich Sinn macht.

LAOLA1: Abseits vom sportlichen ist die Zusammenstellung der diesjährigen Liga das Beste, was in Österreich in der 2. Liga überhaupt möglich ist?

Wimleitner: Mir würden schon noch andere Traditionsklubs einfallen, die der 2. Liga gut tun würden, die Vienna oder der Sportclub zum Beispiel. Aber es ist sicher so, dass die 2. Liga, von den Namen her, noch nie so gut besetzt war. Ich finde überhaupt, dass die Liga, entgegen der Prophezeiung vor einem Jahr, sehr gut angenommen wird.

LAOLA1: Würden Sie also sagen, dass die Teams der Premierensaison gute Werbung für die Liga gemacht haben?

Wimleitner: Definitiv. Ich glaube, dass beispielsweise der Meisterkampf zwischen Wattens und Ried der Liga sehr gut getan hat. Das hat sicher neue Interessenten gebracht. Von solchen Duellen, egal ob oben oder unten in der Tabelle, lebt doch der Fußball.

LAOLA1: Abschließend noch: Wenn die zweite Liga von den Namen her noch nie so gut besetzt war, werden dann auch mehr Zuschauer in die Stadien kommen?

Wimleitner: Bei sowas gebe ich ungern eine Prognose ab. Ich kann nur von uns sprechen. Wir wissen, dass die Gugl kein optimales Fußballstadion ist und es deshalb auch schwer ist, recht viel mehr Zuschauer ins Stadion zu bekommen. Aber wir haben nie gejammert. Klar wollen wir unseren Zuschauerschnitt steigern, die attraktiven Gegner können dabei sicher helfen. Wir werden für die verbleibenden Spielzeiten auf der Gugl das Motto ausgeben "Gugl, jetzt erst recht!", um die Zeit bis zum Umzug in unser neues Stadion zu überbrücken. Ähnlich wie es Rapid und die Austria damals gemacht haben, als sie im Happel-Stadion spielen mussten.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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