Kraft: "Da will ich alles niederreißen"

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Doppel-Weltmeister, Gesamtweltcup-Sieger, Gewinner des Skiflug-Weltcups und Weltrekord - Stefan Kraft hat im vergangenen Winter eine nahezu perfekte Saison hingelegt.

Für den Titel zum "Sportler des Jahres" hat es dennoch nicht gereicht, den heimste einmal mehr Marcel Hirscher ein. "Das Jahr war genial, natürlich hätte mich die Auszeichnung gefreut, aber die anderen Sportler waren grandios, genial", sagt Kraft.

Der Salzburger blickt bereits top motiviert auf die Mitte November (17.-19.11.) in Wisla beginnende Skisprung-Saison.

Im LAOLA1-Interview spricht Kraft über seine Freundschaft zu Dominic Thiem, Ziele für den kommenden Olympia-Winter, die Neuerungen im Weltcup und seine "Pension":

LAOLA1: Im Sommer hat sich dein Zimmerkollege Michael Hayböck verletzt, zuletzt hat es Gregor Schlierenzauer erwischt. Daher die wichtigste Frage: Wie geht es dir?

Stefan Kraft: Danke, es geht mir gut. Der Winter steht vor der Tür, ich freue mich sehr darauf, es kribbelt schon. Ich bin topfit und freue mich, wenn es endlich los geht.

LAOLA1: Bevor wir auf den kommenden Winter zu sprechen kommen: Wie hast du die letzte Saison, die für dich traumhaft verlaufen ist, verarbeitet?

"Wenn man registriert, was man alles erreicht hat, geht das schon unter die Haut."

Kraft: Ich habe eigentlich während der Saison immer schnell realisiert, was um mich herum passiert ist. Ich konnte die Erfolge auch immer genießen, aber ich habe im Mai schon wieder mit der Vorbereitung auf die neue Saison angefangen, da bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen. Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen man an die Erfolge erinnert wird. Dann genießt man das schon extrem. Wenn man registriert, was man alles erreicht hat, geht das schon unter die Haut. Aber ich glaube, so richtig checken tut man es erst, wenn man seine Karriere beendet hat oder wenn es einmal gar nicht läuft.

LAOLA1: Was für Ziele steckt man sich nach einer fast perfekten Saison?

Kraft: Ich habe viele Ziele. Natürlich möchte ich beweisen, dass ich wieder vorne mitmischen kann. Ich habe im Sommer gut trainiert und will gleich wieder vorne mit dabei sein. In der kommenden Saison steht natürlich Olympia ganz oben, aber wir haben auch eine Skiflug-WM. Es gibt also viele Medaillen zu gewinnen. Ich hoffe, dass ich ein, zwei sammeln kann.

LAOLA1: Im kommenden Winter jagt ein Highlight das nächste. Was hat für dich oberste Priorität?

Kraft: Mit der Vierschanzen-Tournee und der Skiflug-WM stehen zwei Highlights auf dem Programm, bevor es nach Südkorea zu den Olympischen Spielen geht. Das ist natürlich das Wichtigste, die gibt es schließlich nur alle vier Jahre. Bei Olympia möchte ich natürlich in Topform sein, da will ich alles niederreißen.

LAOLA1: Nach deiner Mega-Saison 2016/17 zählst du bei Olympia natürlich zu den Top-Favoriten. Solltest du Gold holen, hast du im Skispringen alles erreicht und könntest eigentlich in „Pension“ gehen.

Kraft: Nein, dafür bin ich noch zu jung und das Skispringen macht mir einfach zu viel Spaß. Gewonnen hätte ich alles, aber aufhören werde ich so bald sicher nicht.

LAOLA1: Vierschanzen-Tournee, Skiflug-WM, Olympia, Raw Air – wen hast du in der kommenden Saison auf der Rechnung?

Kraft: Meinen Zimmerkollegen Michael Hayböck, auch Gregor Schlierenzauer wäre gut in Form gewesen, wenn er sich nicht verletzt hätte. Er wird aber sicher bald stark zurückkommen. Die Polen sind auch sehr gut, sie haben im Sommer bereits super Leistungen gezeigt. Ich rechne auch mit Andreas Wellinger. Ich habe ihn zuletzt beim Training gesehen, er ist sehr gut drauf. Es wird auf jeden Fall eine spannende Saion.

LAOLA1: Es wird eine spannende, aber vor allem eine lange Saison mit vielen Höhepunkten. Wie verkraftet das der Körper?

Kraft: Wenn man im Sommer gut trainiert, verletzungsfrei bleibt und einen guten Aufbau hat, dann ist das normalerweise kein Problem. Natürlich kann es sein, dass man ab und zu einen Trainingssprung oder ein ganzes Wochenende auslässt, wenn man es braucht. Wenn man nicht topfit ist, ist das einfach notwendig. Ich hatte einen guten Sommer und fühle mich bestens vorbereitet für den Winter. Ich hoffe, ich kann das ganze Programm durchmachen.

LAOLA1: Ab der Saison 2017/18 gibt es eine Neuerung im Weltcup, dann müssen sich auch die Top 10 der Weltrangliste für einen Bewerb qualifizieren und haben keinen Freiplatz mehr. Was hälst du von dieser Änderung?

Kraft: Im ersten Moment hat mir das nicht so getaugt, weil ich die Qualifikation eigentlich gerne auslasse. Aber jetzt ist es eben für alle gleich, von daher passt es ganz gut. Die Älteren werden sich etwas mehr ärgern aber ich bin im besten Alter und wenn die zusätzlichen Sprünge wer aushält, dann ich.

LAOLA1: Also wirkt sich die Änderung positiv oder negativ auf den Sport aus?

Kraft: Ich finde, man muss die Sportler mehr einbeziehen. Diesen Wunsch habe ich auch gegenüber den Verantwortlichen wie zum Beispiel Walter Hofer (FIS-Renndirektor, Anm.) geäußert. Mir hat es eigentlich immer gefallen, dass ich als Top-10-Springer entscheiden konnte, ob ich die Qualifikation springe oder nicht. Man hat als Top-Springer mit Pressekonferenzen und so weiter oft mehr um die Ohren, da ist man froh, wenn man nicht das ganze Programm absolvieren muss. Für die Zuschauer im Stadion und vor dem Fernsehen ist es aber cool, wenn die Qualifikation gezeigt wird und die besten Zehn auch springen. Wir werden es jetzt einmal ein Jahr so probieren und schauen, wie es ist. Wenigstens muss ich mir keine Gedanken mehr machen, ob ich die Quali auslasse oder nicht. Ich muss springen und das macht es letztlich vielleicht einfacher.

LAOLA1: Du warst als einziger der Top-5-Kandidaten zum Sportler des Jahres bei der Gala in Wien anwesend. Wen deiner Konkurrenten hättest du gerne persönlich getroffen?

Kraft: Dominic Thiem. Wir haben auf Instagram schon ein paar Mal hin und her geschrieben. Ich schaue mir seine Spiele oft an und bewundere ihn. Er ist auch in meinem Alter, also ich hätte gerne mal ein Bier mit ihm getrunken.

LAOLA1: Würdest du mit Mensur Suljovic gerne einmal Darts spielen?

Kraft: Wir haben in Zypern beim Trainingskurs einmal Darts gespielt. Da habe ich einen 140er rausgehaut, da hab ich mich selbst nicht mehr ausgekannt. Das macht Mensur wahrscheinlich mit seiner schlechten Hand. Was bei Darts für eine Stimmung ist, ist brutal. Das würde ich mir auf der Schanze auch an manchen Orten wünschen.


VIDEO - Ist Darts eine Sportart? LAOLA1 hat nachgefragt:

Textquelle: © LAOLA1.at

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