news

Stams-Direktor kritisiert Ski-Nachwuchs: "Da wird dir übel!"

Arno Staudacher kehrt dem Schigymnasium Stams den Rücken. Davor holt der 65-Jährige jedoch nochmal zum Rundumschlag aus.

Stams-Direktor kritisiert Ski-Nachwuchs: Foto: © GEPA

Arno Staudacher ist seit 2005 Direktor des Schigymnasiums in Stams. In diesem Jahr zieht sich der Schulleiter jedoch aus seiner Funktion zurück.

Vor seiner Zeit in Stams war der heute 65-Jährige auch lange ÖSV-Nachwuchstrainer. Staudacher begleitete über seine Karriere viele Talente in den Profi-Sport, aktuell erkennt er jedoch viele Versäumnisse.

Gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" holt Staudacher zu einem kleinen Rundumschlag aus - und kritisiert dabei auch die Jugendarbeit des ÖSV.

"Meine Analyse fällt von unten bis oben nicht gut aus", startet Staudacher, der ins Detail geht: "Als ich 2010 als ÖSV-Nachwuchsschef ging, haben wir vom Schüler- bis zum Junioren-Bereich die Ziele erreicht. Dann wurden Veränderungen vorgenommen wie die Jahrgangsumstellung, um den Leuten mehr Zeit zu lassen. Der Schuss ging nach hinten los, auch international."

"Da muss man dringend einen Qualitätsschnitt durchführen!"

Weitere Entwicklungen in den vergangenen Jahren stoßen dem Stams-Schulleiter sauer auf. Unter anderem sei er der Meinung, dass sich Kinder viel zu früh auf eine Disziplin versteifen würden:

"Dass die letzten 14 Jahre nicht alles richtig war, weiß man. Das beginnt beim Fördern des Spezialistentums: Zu meiner Zeit waren für einen Skifahrer drei von vier Disziplinen für den ÖSV-Kader erforderlich, zentral war der RTL-Schwung. Selten nahm man Spezialisten auf – solche klaren Vorgaben vermisse ich heute."

Genau das würde seiner Meinung nach auch zu einem Qualitätsverlust führen: "Wir haben bei den Burschen 30 Leute im Europacup, fast jeder davon ist ein Spezialist, da wird dir übel! Da muss man dringend einen Qualitätsschnitt durchführen."

Tiefpunkt noch gar nicht erreicht

Staudacher weiter: "Der ÖSV analysiert seit Jahren, wenn es um die abgelaufene Saison oder Verletzungen geht. Aber ich vermisse, dass irgendetwas umgesetzt wird. Wo ist Struktur, wo ist Orientierung? Das braucht es mehr denn je!"

Die aktuellen Entwicklungen bei Ski Austria, unter anderem die Bestellung von Mario Stecher als Sportdirektor, bringen zwar frischen Wind, Staudacher gibt sich dennoch etwas pessimistisch:

"Ja, es werden erste Weichen gestellt. Aber wenn man schaut: Auswirkungen von Maßnahmen an der Basis werden erst spürbar nach fünf bis zehn Jahren, wir haben den Tiefpunkt noch gar nicht erreicht. Lass Vincent Kriechmayr und Manuel Feller oder Marco Schwarz aufhören – da ist dann die Eisdecke dünn. Und die so genannten Talente sind auch schon weit über 20..."

Austrias next Ski-Stars: Das sind unsere Rohdiamanten

Kommentare