Hirscher: Eine Saison mit vielen Fragezeichen

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"Ich werde jedes Jahr dastehen und sagen: Ich bin noch nicht bereit, es ist alles ein Wahnsinn und ich weiß nicht, wie ich dort runterfahren soll."

Bei Marcel Hirscher regiert kurz vor dem Beginn der neuen Weltcup-Saison in Sölden am Sonntag (Riesentorlauf - 1. Durchgang, ab 10 Uhr im LAOLA1-Live-Ticker) die Ungewissheit. Wie schnell bin ich? Wie gut ist die Konkurrenz? Diese Fragen beschäftigen den siebenfachen Gesamtweltcup-Gewinner auch vor seiner 12. Saison noch.

"Aber ich kann es eh nicht aufhalten. Von daher: Rein in die Skischuhe und das Zeug anziehen, das letzte Saison sensationell funktioniert hat und hoffen, dass es ähnlich weitergeht wie im letzten Winter."

Aber kann Hirscher seine Erfolge aus der vergangenen Saison wiederholen? Wird er überhaupt alle Rennen bestreiten? Wird es seine letzte Weltcup-Saison?

Das sind nicht die einzigen Fragen, die sich vor Saisonbeginn stellen. LAOLA1 hat Antworten gesucht:

Brennt das Feuer bei Hirscher noch?

Ja! Wäre das nicht der Fall, hätte er seine Karriere beendet. Beweisen muss der siebenfache Gesamtweltcup-Sieger schließlich niemandem mehr etwas. Außerdem gebe es genug Gründe, die Ski in die Ecke zu stellen.

Die Verpflichtungen abseits des Skifahrens etwa gehören bekanntlich nicht gerade zu Hirschers Lieblings-Aufgaben. Die Begeisterung fürs Rennfahren steht jedoch über all dem. "Ich will nach wie vor nicht Zweiter werden und alles aus mir rausholen. Das war bei Kinder- und Schüler-Rennen nicht anders und wird sich nie ändern. Ich will immer das Maximum rausholen, alles zerreißen. Das wird sich niemals ändern, egal wie viel ich erreicht habe", sagt Hirscher.

Kann Hirscher die Erfolge der letzten Saison wiederholen?

Nein. Alleine schon aus dem einfachen Grund, dass im kommenden Winter keine Olympischen Spiele stattfinden. Es wird aber auch so schwer genug, die erfolgreichste Saison seiner Karriere – neben Doppel-Gold bei Olympia gewann er den Gesamt-, Slalom- und RTL-Weltcup und feierte 13 Saisonsiege – zu toppen.

Hirscher selbst sieht noch Verbesserungspotenzial: "Ich habe noch nicht ausgelernt in meinem Leben, auch nicht beim Skifahren. Wenn ich weiter trainiere und an mir arbeite, kann ich besser werden. Ich versuche nach wie vor den Hunger nicht zu verlieren. Das heißt aber nicht, dass ich nächste Saison 15 Rennen gewinnen werde – Blödsinn! Aber vielleicht kann ich den Linksschwung im RTL noch verbessern. Dann ist das für mich ein Benefit. Nein, ich habe den Plafond noch nicht erreicht und ich kann noch besser werden."

Wird Hirscher Rennen auslassen?

Möglich. Seit der Geburt seines ersten Kindes haben sich die Prioritäten beim 29-Jährigen verschoben. "Für mich war mein ganzes Leben lang der Sport absolute Nummer eins. Das Privatleben – alles wurde dem Sport untergeordnet. Das wird sich ändern", kündigt Hirscher an. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass der siebenfache Gesamtweltcup-Sieger in diesem Winter ein abgespecktes Programm abspult.

"Es könnte so aussehen, wenn ich gerade woanders gebraucht werde, dass ich nicht zu dem Skirennen fahre, weil es was Wichtigeres gibt. Jedes Rennen, das ich fahren kann, hat jetzt einen Mehrwert. Weil ich sehr knapp dran war, aufzuhören." Einen Verzicht auf die Amerika-Rennen, wo an zwei Rennwochenenden lediglich ein Technik-Rennen auf dem Programm steht, zog Hirscher im Vorfeld der Saison bereits mehrmals in Erwägung. "Die Rennen kosten mich zehn Tage plus Jetleg. Es könnte sein, dass ich sage, das ist es nicht wert", erklärt Hirscher.

Fährt Hirscher auch Speed-Rennen?

Jein. Ein grundsätzliches Engagement auf der Speedseite hat Hirscher bereits ausgeschlossen. "Das bringt nichts. Man braucht vier Jahre, um alle Strecken gut zu kennen und ein weiteres, um darauf richtig schnell zu werden. Es gehen also fünf, sechs Jahre da rein. Ich bin nicht mehr bereit, das zu gehen", erklärt der Salzburger.

Vereinzelte Auftritte auf den langen Latten sind aber durchaus vorstellbar, vor allem im Super-G. "Wenn ich im Slalom und RTL gut drauf bin und Zeit habe - dann grundsätzlich voll gerne. Mir taugt das, das ist cool und voll die Challenge für mich", so Hirscher. Spätestens bei der WM im Februar in Schweden wird der Kombinations-Olympiasieger und -Weltmeister die Speed-Ski wohl wieder anschnallen.

Kann Hirscher den Gesamtweltcup ein 8. Mal gewinnen?

Ja! Das Skifahren hat der Annaberger über den Sommer schließlich nicht verlernt. Die Konkurrenz wird nicht kleiner - im Gegenteil - , aber Hirscher wird auch in diesem Winter derjenige sein, den es zu schlagen gilt. Vor allem bei einem gewissen Henrik Kristofferen ("Ich bin schneller als im letzten Jahr") dürfte die Motivation groß sein.

"Was ich weiß ist, dass die Uhr auf Null steht. In Sölden schauen wir mal, wo man steht und dann ist es das gleiche Spiel wie immer", sagt Hirscher. Sollte der Jng-Vater tatsächlich nicht alle Technik-Rennen bestreiten, dürfte Kristoffersen in diesem Spiel gute Karten besitzen.

Wird es Hirschers letzte Saison?

Gut möglich. Im Sommer war der 29-Jährige bereits "sehr knapp dran am Aufhören", wie er selbst zugibt.

"Ich mag kein Raunzer sein und das darf man nicht falsch verstehen, aber die Belastungen neben dem Skifahren werden immer mehr. Skifahren ist der kleinste Teil von dem Job, das ist irgendwie ernüchternd. Die effektive Zeit, in der du performen darfst, ist mittlerweile in Relation gesehen ganz kurz. Du tust rundherum viel, damit du kurz Skifahren darfst", erläutert Hirscher die Gründe, die neben den privaten Veränderungen eigentlich für ein Karriereende gesprochen hätten.

Warum er trotzdem weitermacht? "Ich habe einfach gemerkt: Der Körper ist recht gut beinand, der Kopf auch. Ich habe schon Jahre gehabt, in denen es im Training wesentlich schwieriger für mich war, an meine Grenze zu gehen. Es wäre einfach zu schade gewesen zu sagen: Aus und fertig!" Gut möglich, dass das auch nach der kommenden Saison so ist. Ausschließen will Hirscher jedenfalls nichs: "Vielleicht finde ich einen Weg, dass ich dem Ganzen noch lange erhalten bleiben kann und wirklich ganz gezielt nur mehr fürs Skifahren zur Verfügung stehe. Es ist alles offen - wie immer."

Textquelle: © LAOLA1.at

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