"Hirscher-Syndrom": Warum der ÖSV im Nachwuchs Probleme hat
Seit mehr als einem Jahrzehnt kränkelt die Talenteförderung im österreichischen Ski-Verband. Zwei ehemalige Athleten und heutige Trainer suchen nach Gründen:
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Bei den Olympischen Spielen 2026 war einmal mehr ersichtlich, was sich schon in den letzten Jahren andeutete: Österreichs alpine Skifahrer sind im Abwärtstrend.
Drei Medaillen weniger holte das ÖOC-Team der Alpinen im Vergleich zu Olympia 2022. Obendrein liegt Österreich 2026 nur auf Platz vier im Ski-Alpin-Medaillenspiegel, in Peking war man noch Zweiter.
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"Kompletter Systemfehler"
Dieser Rückschritt hängt wohl auch mit Verfehlungen im Nachwuchs der letzten Jahre zusammen. Während es in Norwegen oder der Schweiz etliche Talente gibt, sind diese in Österreich Mangelware.
Als "kompletter Systemfehler" bezeichnet Brigitte Obermoser, frühere Weltcup-Läuferin und heutige Trainerin, die heimische Struktur gegenüber den "Salzburger Nachrichten". Ein großer Faktor dafür sind laut der 49-Jährigen die vielen Trainingsgruppen:
"Wir hatten damals im gesamten ÖSV vier Gruppen. Diese Dynamik fehlt jetzt. Es gibt leider genügend Beispiele, wo junge Athletinnen und Athleten von einer Gruppe in die andere geschoben werden und, hart ausgedrückt, niemand für sie zuständig ist."
Das Hirscher-Problem
Ein weiterer Grund für die schlechte Entwicklung sei ausgerechnet Österreichs erfolgreichster Skifahrer aller Zeiten. „So komisch das klingen mag, aber Hirscher hat uns in dieser Hinsicht nicht gutgetan. Das Erbe, das er mit seinem Privatteam hinterlassen hat, ist arg."
Den Drang nach einem privaten Trainerteam gebe es in Obermosers Alltag als Trainerin oftmals: "Wir haben mit dem Ferdl-Hirscher-Syndrom zu kämpfen. Viele Eltern, die es sich leisten können, machen es auf eigene Faust."
Aber dieser Weg funktioniere in der Regel nicht, sondern nur bei Ausnahmen. "Im Grunde sind wir nämlich Herdentiere. Wir brauchen die Gruppe, um besser zu werden."