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ÖSV-Coach Mitter und die übermächtige Bedrohung

LAOLA1 Foto: ©

Österreichs Ski-Damen haben einen neuen Chef.

Christian Mitter ist nach zwölf Jahren in Norwegen in die Heimat zurückgekehrt, der Steirer hat beim ÖSV Jürgen Kriechbaum als sportlichen Leiter abgelöst.

In Norwegen hat Mitter als Herren-Chef mit Aksel Lund Svindal, Kjetil Jansrud oder Henrik Kristoffersen Riesenerfolge gefeiert, eine "fachliche Uneinigkeit" mit einigen Physiotherapeuten führte nach Ende der vergangenen Saison zum doch überraschenden Ende der erfolgreichen Zusammenarbeit.

Der ÖSV war sofort zur Stelle. Nur zwei Tage habe es nach dem ersten Kontakt gebraucht, um zuzusagen, erzählt Mitter auf Nachfrage von LAOLA1. "Es ist eine große Ehre für mich, so einen Job zu bekommen. Es gibt so viele Skitrainer, vor allem in Österreich, da gefragt zu werden ist schon cool. Außerdem habe ich mir gedacht: Einmal der Inländer sein ist auch super und nicht immer 'Oppositionspolitiker'", schmunzelt der 39-Jährige.

Die Ansprüche seien in Norwegen und Österreich aber ähnlich. "Ich verspüre hier den gleichen Druck wie in Norwegen." Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit sei in beiden Fällen "ziemlich heftig".

Mitter: "Wir sind auch gut"

Mitter ist sich also bewusst, worauf er sich eingelassen hat. Nun Athletinnen zu coachen, sei nicht zwingend ein Stilbruch. "Ich sehe da keinen so großen Unterschied zwischen Ski-Herren und -Damen. Es sind alles Profis, alle wollen das Maximale herausholen."

"Das wichtigste ist, das Rennen als Chance zu sehen und nicht als übermächtige Bedrohung. "

"Es soll jetzt nicht arrogant wirken, aber das ist nicht so neu für mich, dass man mit Favoriten antritt und dass immer erwartet wird, dass man gewinnt."

Das will freilich auch Mitter. Der Trainer erwartet von seinen Damen "Wettkampfwillen". "Das wichtigste ist, das Rennen als Chance zu sehen und nicht als übermächtige Bedrohung. Wenn man in Österreich im A-Kader ist, hat man im Weltcup auch was verloren. Da muss man schon Selbstvertrauen zeigen und Gas geben. Jedes Rennen ist eine Chance, sich zu präsentieren und zu zeigen, was man kann", sagt Mitter.

Für den 39-Jährigen ist es "das coolste, wenn man an einem Tag als Mannschaft oder mit einem Athleten der beste war. Das ist absolut das schönste. Mein Ziel ist es immer, dass die Athletinnen so gut vorbereitet sind, dass die anderen Läuferinnen, die vor und nach ihnen fahren, sagen: Wie soll ich jetzt schneller sein?"

Von den ÖSV-Damen zeigt er sich beeindruckt. "Es wurde hier gute Arbeit gemacht. Es ist nicht so, dass man nach links und rechts schauen und sagen muss, die anderen sind so gut. Wir sind selber auch gut. Wir haben Gewinnerinnen und Podest-Fahrerinnen in der Mannschaft und viele Leute in den Top 30 - auch in den Disziplinen, die die sogenannten Baustellen sind."

Mitters "brutale Herausforderung"

Die angesprochenen Baustellen liegen bei den ÖSV-Damen vor allem im Technik-Bereich. "Speziell im Riesentorlauf sind wir absolut die Jäger, die aufholen müssen. Der Weg nach oben ist oft schwierig. Es ist eine interessante Herausforderung", sagt Mitter.

Im Speed-Bereich gehören die rot-weiß-roten Damen bereits zur absoluten Weltspitze. In der abgelaufenen Saison holte man im Abfahrts-Weltcup durch Nicole Schmidhofer, Stephanie Venier und Ramona Siebenhofer die Plätze eins bis drei.

Dieses Niveau zu halten sei eine "brutale Herausforderung". Eine, die er aus seiner erfolgreichen Zeit in Norwegen bestens kennt. "Es soll jetzt nicht arrogant wirken, aber das ist nicht so neu für mich, dass man mit Favoriten antritt und dass immer erwartet wird, dass man gewinnt. Ich habe vielleicht etwas mehr Erfahrung damit, wie man oben bleibt, wenn man schon an der Spitze ist. Das ist sehr schwierig."

Die ÖSV-Damen seien aber auf einem sehr guten Weg, um das hohe Level zu halten, meint Mitter.

Der Coach setzt dabei auf individuelle Betreuung. "Es gibt Dinge, die man für die ganze Mannschaft verändern kann - organisatorisch, strategisch, technisch - , aber dann muss man sich die Athletinnen einzeln anschauen. Wie können wir die Stärken fördern und die Schwächen unter Kontrolle bringen. Man muss sich anschauen, was eine Gruppe und jeder einzelne braucht, um besser zu werden. Das Potenzial, die Substanz ist da. Jetzt müssen wir schauen, dass sie die letzten fünf Prozent noch rausholen."

Bei seiner Arbeit vertraut Mitter auf Elementares. "Niemand ist mit dieser evolutionär gesehen ja eher unnützen Bewegung, die man bei einem Schwung auf Ski machen muss, auf die Welt gekommen. Diese Bewegung muss man also üben. So oft und gut wie möglich, damit man das dann irgendwann auch bei Renntempo drauf hat."

Mitter: "Alles andere ist verschwendete Zeit"

Als "harten Hund" sieht sich der Steirer nicht, "eher als direkt." Eine Tonart, die bei den ÖSV-Damen aber offenbar gut ankommt. "Es muss hundertprozentiges Vertrauen da sein, dass man das Beste will. Dann kann man in einem Business, in dem Leistung zählt, auch direkt sein", ist Mitter überzeugt. "Es braucht also Klarheit und Wahrheit. Alles andere ist verschwendete Zeit."

Auch auf organisatorischer Ebene wird beim ÖSV alles versucht, um das Optimum herauszuholen. So wurden etwa im Slalom die Trainingsgruppen etwas verkleinert, auch Trainer und Serviceleute stehen zur Genüge zur Verfügung.

"Das sind strukturelle Dinge, die wir versuchen, auf Weltklasse-Niveau zu bringen. Da sind wir sehr professionell aufgestellt", ist Mitter zufrieden.

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