Vor Olympia 2026: Zwischen Baustellen-Flair und Hoppalas
Auf den letzten Metern vor Beginn der Olympischen Winterspiele 2026 gibt Gastgeberland Italien ein ambivalentes Bild ab – und wartet mit dem einen oder anderen Kuriosum auf.
In den Tagen vor der Eröffnung Olympischer Spiele stolpert man über jede Baustelle, fällt in jedes Matschloch und diskutiert teilweise vergebens bezüglich der Öffnungszeiten von Pressezentren – so es denn welche gibt.
Aktuell ist es gefühlt so schlimm wie nie zuvor, aber verglichen mit Sotschi 2014, wo Türen keine Schlösser hatten und die Installationsarbeiten im Bad andauerten, sind dieses Mal die Hotelzimmer fertig. Viele mit dem Charme des vergangenen Jahrhunderts.
Baustellen-Flair in Cortina
Mailand/Cortina 2026 sind die Spiele der weiten Wege. Nicht nur liegen die Sportstätten auf sechs Cluster verteilt, sondern sind auch die Quartiere in einiger Entfernung. Und bei den engen Straßen sorgt bereits ein hängengebliebenes Fahrzeug für lange Staus.
Die Fahrt von Cortina nach Toblach, wo viele Medienschaffende untergebracht sind, ist eine Herausforderung für die breiten Busse, die bei Gegenverkehr aufgrund der Schneemassen am Straßenrand keine Ausweichmöglichkeiten finden.
Der Glanz des Sliding Centers in Cortina d'Ampezzo ist der fertige Eiskanal. Außenrum ist die Baustelle nicht wegzuleugnen. Der frische Schnee verdeckt zwar optisch die Bodenbeschaffenheit, die vielen Bagger können den unfertigen Zustand der gesamten Anlage, in deren Nachbarschaft das Curling Center ist, nicht kaschieren.
Eine Panne sorgte Mittwochabend zum Auftakt des Curling-Mixed-Turniers für Verzögerungen. Das Licht ging aus, ebenso die elektronische Anzeigentafel.
Italienische Ausflügler lassen in Bormio auf sich warten
Das Luftlinie 135 Kilometer entfernte Bormio hat wie Cortina große Erfahrung im Wintertourismus und der Austragung von Ski-Weltcuprennen.
Von den zahlreichen italienischen Ausflüglern, die sonst während des Männer-Weltcups im Dezember zu sehen sind, fehlt nun aber jede Spur. Zumindest bis 16. Februar sind die Pisten für den Publikumslauf geschlossen. Offen ist, ob dies auch während der Olympia-Bewerbe im Skibergsteigen (bis 22. Februar) so bleiben wird.
Viele Betriebe im 4.000-Seelen-Ort, darunter Restaurants und Skiverleihe, fürchten um ihr Geschäft in der "Settimana bianca", der Skiferienzeit der Italiener.
Zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung prägten Olympia-Offizielle – die für rege Hotel-Auslastung sorgen – und zahlreiche Carabinieri Bormios Straßenbild.
Livigno: Nur an der Big-Air-Schanze hapert es
Das hochalpine Livigno versprüht – tief eingeschneit – geschäftigen Bergdorf-Charme. Weil der Ort nahe der Schweizer Grenze seit 1805 als zollfreie Zone gilt, in der keine Mehrwertsteuer anfällt, fühlen sich nicht nur Tankstellenanbieter, sondern auch Luxusmarken-Hersteller wohl.
Hier scheinen die Olympia-Aufgaben frühzeitig erledigt worden zu sein – von einer hoch aufragenden Baustelle einmal abgesehen: Die zunächst als zu flach empfundene Big-Air-Schanze musste noch während der Freestyle-Trainings mehrmals umgebaut werden.
Fortgesetzter Schneefall sorgte zusätzlich für eine Herausforderung.
In Tesero wird noch kräftig gebaggert
Im Langlaufstadion von Tesero arbeiteten eine Vielzahl an Baggern drei Tage vor der ersten Medaillenentscheidung, dem Skiathlon der Frauen, noch im Vollbetrieb.
Während die Athleten beim ersten Training aufgrund von Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nasse Bedingungen vorfanden, wurden rund um die Loipe noch unzählige Zäune aufgestellt und letzte Vorbereitungsarbeiten verrichtet.
Im Zielraum waren die Bagger, die lautstark und teils mit aufgezogenen Schneeketten unterwegs waren, aus dem Landschaftsbild nicht wegzudenken.
Alles angerichtet bei den Skispringern
Predazzo hingegen präsentiert sich olympiafit. Der mit Hotels und Restaurants gespickte Ort strahlt auch dank unzähliger Lichterketten idyllische Stimmung aus, das Skisprung-Stadion wenige Autominuten außerhalb ist besonders nach Einbruch der Dunkelheit – wenn jegliche Skisprung-Bewerbe stattfinden – eine Erscheinung in der Landschaft.
Denn die vielen Flutlichter lassen das Val di Fiemme erhellen, und die im Herbst noch einmal modifizierten Schanzen wirken einwandfrei präpariert.