Tränen bei Stadlober: "Da sind alle Emotionen herausgekommen"
Die nicht ganz fitte Teresa Stadlober hadert nach der knapp verpassten Olympia-Medaille. Ihr Karriereende lässt die Salzburgerin weiter offen.
Wie schon mehrmals bei Großereignissen hat Langläuferin Teresa Stadlober auch im abschließenden Königsbewerb der Winterspiele in Italien eine Medaille knapp verpasst.
Die Salzburgerin landete am Sonntag in Tesero im 50-km-Klassik-Marathon, beeinträchtigt von einer Verkühlung, auf Rang sechs.
Der Traum von ihrer insgesamt zweiten Medaille nach Bronze 2022 im Skiathlon erfüllte sich für die 33-Jährige im wahrscheinlich letzten Olympia-Rennen ihrer Laufbahn nicht.
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"Ich bin schon sehr enttäuscht, dass ich nicht in der Verfassung war, wie ich es mir gewünscht hätte. Es ist bitter, wenn es nach der guten Saison bei den Spielen nicht passt", sagte Stadlober.
Sie war auch schon bei den Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld und 2023 in Planica von gesundheitlichen Problemen gebremst worden. Erneut mit einer verstopften Nase aufzuwachen, sei hart gewesen. "Wenn man jahre- und monatelang auf den Tag hinwartet und dann wacht man auf und ist nicht ganz fit, das zipft einen schon ziemlich an."
Dass sie trotz der Umstände ganz vorne mitmischen konnte, sei nicht wirklich ein Trost. "Ich war schon so oft in den Top Ten, ich war für eine Medaille da."
Tränen im Zielraum
Sie habe zweieinhalb Stunden lang alles gegeben. "Es war brutal und ein Fight vom Anfang bis zum Ende. Ich habe nichts zurückgelassen, aber das ist heute nicht belohnt worden."
Das mit 1.900 Höhenmetern gespickte erste 50-km-Rennen der Frauen in der Olympia-Geschichte war für die langjährige Nummer eins im österreichischen Langlauf wenige Tage nach dem Tod ihrer Großmutter eine besonders emotionale Angelegenheit, weshalb im Zielraum auch einige Tränen flossen.
"Da sind alle Emotionen herausgekommen", sagte die Radstädterin nach langen Umarmungen mit Mutter Roswitha, Vater Alois und Bruder Luis.
Stadlober hatte sich vorgenommen, das Rennen für ihre geliebte Oma und mit ihr im Herzen zu laufen. "Ich glaube schon, dass die Oma stolz ist. Ich werde das Ganze aber erst daheim realisieren, da ist dann auch Zeit zum Trauern. Hier war ich doch schon noch sehr im Tunnel."
Dass sie ihrer Familie keine weitere Olympia-Medaille bescheren konnte, enttäuschte auch Alois Stadlober. "Dass wir die Medaille nicht erreicht haben, tut ein bissl weh. Aber sie hat gekämpft, es war eine gute Leistung. Wir waren knapp dran, aber knapp dran, ist zu wenig", sagte der ÖSV-Langlaufspartenchef und betonte: "Man muss trotzdem auch das Positive sehen."
Weitermachen bis 2030 offen, aber unwahrscheinlich
Mit Olympia versöhnt hatte sich seine Tochter bereits vor vier Jahren durch die damalige Bronzemedaille, nachdem ihr 2018 auf Podestkurs liegend ein schwerwiegender Fehler unterlaufen und sie in einen falschen Streckenabschnitt gelaufen war.
"Sollte das mein letztes olympisches Rennen gewesen sein, kann ich trotzdem zufrieden auf meine Karriere zurückblicken. Ich habe eine Medaille erreicht, darauf bin ich schon sehr stolz."
Damit ließ sie die Fortsetzung ihrer Karriere bis 2030 weiter offen, die WM 2027 in Falun will sie aber jedenfalls noch bestreiten. "Ich habe die Entscheidung noch nicht getroffen. Ein Jahr mache ich sicher noch weiter, aber vier Jahre, ist schon fraglich."