Kurioserweise kam er wie Reichel in diesem Jahr auf 42 Spiele, allerdings musste er mehr um Qualitäts-Eiszeit ringen. Seine Ausbeute: sieben Tore und vier Assists.
Reichel und Peterka beim NHL Draft 2020
Keiner dieser beiden Spieler wurde mehr gescoutet als der andere - die NHL-Scouts beobachteten bei ihren Reisen nach Deutschland immer beide Cracks, zeitweise auch gegeneinander.
Es musste also kein Spieler aus der DNL gegen einen aus dem Erwachsenenbereich hochgerechnet werden. Die Absage der Playoffs im März 2020 betraf beide gleichermaßen.
Reichel und Peterka gehörten in ihrem Draftjahr natürlich auch zur U20-Nationalmannschaft, Tim Stützle - ebenfalls ein 2002er - war hier aber von Beginn an noch einmal eine Stufe höher als potentieller Top-5-Pick gesetzt. Ein derartiger Jahrgang mit drei überragenden Jungstürmern kam natürlich seitdem für den DEB nicht wieder.
Der NHL-Draft 2020 wurde wegen Covid auch erst im Oktober abgehalten. Nachdem die DEL aber erst verspätet im Dezember startete, wechselte Peterka wieder nach Salzburg zurück, wo er vor dem Draft noch einige Bonusspiele für die Scouts in der EBEL bestreiten konnte. Reichel musste da in Berlin untätig zusehen.
Beim Draft selbst hörte Reichel seinen Namen (per Videokonferenz) schon am 6. Oktober - die Chicago Blackhawks zogen ihn in der ersten Runde an 17. Stelle.
Peterka musste noch eine (unruhige?) Nacht verbringen, ehe ihn die Buffalo Sabres als dritten Spieler des zweiten Tages und an 34. Stelle gesamt zogen.
Wir wissen also, dass die Blackhawks Reichel höher einschätzen als Peterka. Ob die anderen Team dies auch so sahen, bleibt natürlich unbekannt. Die Scouting Services sahen die Reihenfolge eher umgekehrt, Central Scouting listete Peterka etwas als Nr. sieben, Reichel als Nr. elf unter den Europäern.
Einzig Draft-Guru Bob McKenzie hatte Reichel (#20) vor Peterka (#23), was aber auch kein Widerspruch ist: Im Gegensatz zu den anderen Auguren spiegeln seine Rankings nicht seine Meinung, sondern die absehbare Draft-Reihenfolge wider.
Aber der Tenor nach dem Draft ging in die Richtung, dass der Spread zwischen Reichel und Peterka mit 17 Spots doch überraschend hoch war.
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)
Wer vor seinem NHL-Debüt in der ICE gespielt hat
Die Karriere nach dem Draft
Doch die Covid-Wirren, die natürlich auch die NHL betrafen, waren schnelle Übersiedlungen nach Übersee für beide Cracks kein Thema.
Reichel spielte die erst im Dezember beginnende DEL-Saison durchgehend für die Eisbären, Peterka übersiedelte nach 12 Spielen für Salzburg auch schnell wieder nach München.
Beide Cracks unterschieben im Juni 2021 ihre Entry-Level-Deals. Reichel verdiente aufgrund seines Draft-Status etwas mehr als Peterka, vor allem in puncto Grundgehalt und Performance Boni, die für ihn weit höher ausfielen.
Die Karriere der beiden schien sich nach dem Draft zugunsten von Reichel zu drehen. Beide performten in der AHL ausgezeichnet (jeweils ungefähr ein Punkt pro Spiel). Peterka spielte in dieser Saison zwei Mal in der NHL.
Reichel kam aber 2020/21 schon auf elf NHL-Spiele, wodurch sein Kontrakt sofort schlagend wurde. Die Grenze ist zehn Spiele, was die Blackhawks aber getrost ignorierten. War das schon das erste Anzeichen einer größeren Ungeduld mit ihm?
Für beide Forwards ging es aber auch in der zweiten Saison nach dem Draft weiter bergauf. Peterka durfte die ganze Saison bei Buffalo verbringen (32 Punkte in 77 Spielen), Reichel absolvierte den Großteil der Spielzeit zwar in Rockford, seine 15 Punkte in 23 NHL-Spielen machten den Verantwortlichen und Fans jedoch Lust auf mehr.
Der Scheideweg für die beiden war dann der Sommer und Herbst 2023. Reichel kam in Chicago schon aus dem Camp heraus nicht mehr so recht auf Touren, musste im Februar 2024 wieder zurück in die AHL. Peterka dagegen hatte die Minor Leagues für immer hinter sich gelassen, steigerte seine Punkeausbeute auf 50 und anschließend 68, erwies sich noch dazu als verletzungsresistent.
Neue Verträge und Destinationen
Reichels Einstiegsvertrag mit den Blackhawks ging eben schon 2024 zu Ende. Nach den überschaubaren Leistungen sprang beim nächsten Zwei-Jahres-Vertrag nur eine kleine Erhöhung auf 1,2 Millionen heraus. Zwar spielte er die gesamte Saison bis auf einige Healthy Scratches 24/25 in Chicago, seine Leistungskurve tendierte aber eher nach unten als noch oben.
Peterka - in dieser Saison eben noch in seinem ELD - brachte sich mit 68 Punkten in 77 Spielen dagegen in eine gute Ausgangsposition. Die Sabres hielten zwar weiter seine Rechte als Restricted Free Agent, doch Peterkas Lager ließ eine gewisse Unzufriedenheit mit der notorisch erfolglosen Organisation durchscheinen.
Dazu kam natürlich großes Interesse anderer Teams, die Sabres tradeten ihn dann auch Ende Juni 2025 nach Utah. Die Zahlen seines neuen Vertrags in der Mormomen-Stadt: 5 Jahre zu je 7,7 Millonen Dollar, also das sechsfache von Reichel in der heurigen Saison.
Beide Spieler machten die Gehaltsunterschiede auch auf dem Eis klar: Nach 28 und 27 Toren in den letzten beiden Spielzeiten hält Peterka derzeit auch schon bei 20 Treffern, hat seine Rolle als Top-6-Stürmer in der NHL unterstrichen.
Reichel? Trotz vier Punkten in fünf Spielen gaben die Canucks die Hoffnungen auf eine große Leistungssteigerung auf. Die Vancouver Canucks, zu diesem Zeitpunkt mit großen Centerproblemen, mussten für Reichel nur einen Viert-Runden-Pick hinlegen.
Doch lediglich ein Punkt in 14 Spielen beendete das Kapitel Vancouver schnell - trotz mehrerer Trades und Verletzungen beließ ihn das schlechteste NHL-Team seitdem im Farmteam in Abbotsford.
Was lief für Peterka rund und für Reichel schief? Und wie geht es für die beiden weiter?
Peterka erfüllte sein Draft-Profil vollinhaltlich: Ein beweglicher, "twitchy" player, der trotz überschaubarer Körpergröße im Verkehr exzellent agiert, seine Beine und Hände lassen schnelle Wendungen und Abschlüsse zu. Sein Spiel wirkte immer entschlossen und von einem "F-Y-Faktor" besetzt, seine verbesserte Defensive (in der Akademie nie benötigt) trägt sogar zu PK-Einsätzen bei.
Reichels hatte zwei Faktoren, die in seinem Draftjahr für ihn sprachen: Ein sehr eleganter, schneller Laufstil, mit dem er im freien Eis Abstände schaffen konnte. Dazu kam, dass er sowohl als Center als auch als Flügel einsetzbar war. Beide fielen in die Kategorie der kreativen Offensivspieler.
Center in der NHL zu spielen, ist natürlich noch schwieriger als im Nachwuchs bzw. der AHL, vor allem im Nahkampf um das eigene Tor. Reichel ist kein kleiner Spieler, aber seit Jahren ein leichter. Seine Physis war immer überschaubar, die Gegner konnten ihn relativ leicht kaltstellen
Auch Wechsel vom Center auf den Flügel machten hier keine Unterschiede, der inzwischen 23-jährige wirkte oft leblos und kam oft gar nicht mehr in Abschlusspositionen. Dass er weiter ein kreativer Spieler sein kann, beweist er eher beim Nationalteam als in Übersee.
Peterka hat eben noch vier Jahre Vertrag, der von Reichel läuft im Sommer aus. Danach wäre er weiter ein RFA, aber es scheint unwahrscheinlich, dass die Canucks ihn qualifizieren werden, wodurch er zum Unrestricted Free Agent werden würde.
Vielleicht findet sich noch bis zur Trade Deadline oder im Sommer ein neuer Interessent, notfalls per Tryout, 23 ist ja noch kein Alter. Aber die DEL als nächste Destination wäre auch keine Überraschung mehr...