Es bleiben also zehn Spieler aus Nordamerika übrig, die eingebürgert wurden?
Falsch, das ist ein Narrativ, das von einigen österreichischen Vereinsvertretern gesponnen und dann von Fans und Journalisten willfährig übernommen wurde. Weder der italienische Verband noch Vereinsvertreter von Bozen, Pustertal oder Asiago haben gebürtige Nordamerikaner ohne italienische Wurzeln mit Pässen versorgt.
Wie bekommt man sonst einen italienischen Pass?
Wesentlicher leichter als einen österreichischen. Die vereinfachten Voraussetzungen:
Ein Ahne, der nach 1862 geboren wurde, verfügte über die italienische Staatsbürgerschaft. Keiner seiner oder ihrer Nachfahren hat je den italienischen Pass zurückgelegt.
Italien, Kanada und die USA lassen – im Gegensatz zur Österreich – Doppel-Staatsbürgerschaften nicht nur in Ausnahmefällen zu.
Auch eine Ehe mit einem Italiener oder eine Italienerin würde schon nach zwei bzw. drei Jahren zu einem automatischen Anspruch auf den Pass führen, das trifft aber auf die Olympia-Cracks nicht zu.
Natürlich muss die Ahnenschaft per Dokumenten bewiesen werden, zur Hilfe gibt es aber genug Kanzleien, die sich darauf spezialisiert haben. Ein Pass kann sowohl bei einem Konsulat in Übersee als auch nach der Ankunft in Italien beantragt werden, was im besten Fall schon nach einigen Wochen erledigt ist.
Diese Regeln, kombiniert mit der Tatsache, dass seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Millionen Italiener in die USA und Kanada emigrierten, sollte die große Anzahl von Italo-Kanadiern oder -Amerikanern erklären. Das verhindert aber schon seit Jahren nicht das dumpfbäckige Gegröle über Einbürgerungen nach dem Genuss einer Pizza oder eines Grappas...
Die IIHF-Bestimmungen
Diese waren für das Olympia-Antreten der Doppel-Staatsbürger mehr von Bedeutung als das Ansuchen um Staatsbürgerschaft, ein bloßer Passbesitz reicht nämlich nicht für das Antreten bei internationalen Turnieren. Ein Spieler muss dafür in Italien 480 Tage am Stück gespielt haben. Wenn er schon für ein anderes Land bei einer WM oder Olympia angetreten ist, dann sogar 1.460 Tage.
Vereinfacht: Vor Olympia muss ein Spieler zwei oder vier Saisonen in Italien (nicht nur ICE) gespielt haben, das letzte Datum zur Anmeldung war daher der Sommer 2024.
Wie trifft das auf die zehn gebürtigen Nordamerikaner im Olympia-Aufgebot zu?
Dylan DiPerna (Geburtsort: Mississauga/CAN): Der Defender spielt heuer schon seine sechste Saison für den HC Bozen, absolvierte auch schon zwei Weltmeisterschaften.
Greg DiTomaso (Toronto/CAN): Nach drei Jahren in der AlpsHL für Cortina absolviert der 29-jährige Defender heuer seine erste ICE-Saison für den HC Pustertal, spielte schon die letzte WM für Italien.
Phil Pietroniero (Montreal/CAN): Der 31-jährige Defender spielte von 2017 bis 2021 bei Asiago und Cortina in der AlpsHL, ehe ihn eine Europa-Tour über Frankreich, die Slowakei bis zum Jagr-Klub nach Kladno brachte. Fünf WM-Teilnahmen.
Jason Seed (Ottawa/CAN): Jetzt schon 33, nach zwei Saisonen in Cortina zwei Spielzeiten in Bozen. Zwei WM-Teilnahmen.
Cristiano DiGiacinto (Hamilton/CAN): Der Powerflügel kam gegen Ende der Saison 2023/24 nach Bozen, musste auf seine Passausstellung aber bis zum letzten Sommer warten. Olympia wird seine erstes Turnier für die Squadra Azzurra.
Dustin Gazley (Novi/Michigan/USA): Der mittlerweile 37-jährige Flügelflitzer spielt seit 2020 ununterbrochen in Bozen, gilt dort als Leitfigur. Bis jetzt zwei WM-Teilnahmen.
Daniel Mantenuto (Thornhill/CAN): Im italienischen Verband hoch angesehen, gehörte er zu den sechs Cracks im Grundkader, der schon vor Monaten genannt werden musste. Nach zwei Jahren in Asiago in der AlpsHL unterschrieb er 2022 für Bozen. Bereits 4 WMs für den 29-jährigen Center.
Alex Petan (Delta/CAN): Er erwarb seine IIHF-WM-Rechte zwischen 2017 und 2019 für den HC Bozen, seitdem spielte er in Iserlohn, Szekesfehervar, Pustertal (zwei Spielzeiten) und jetzt in Ljubljana. Drei Weltmeisterschaften, die letzte vor drei Jahren.
Matt Bradley (Vancouver/CAN): Der einzige Crack mit einer Punktlandung und die war geplant: Der heute 28-Jährige entschied sich im Sommer 2024 unter einigen Angeboten (u.a. für eine Rückkehr nach Wien) für das aus Bozen, um so noch für Olympia spielberechtigt zu sein. Neben DiGiacinto der einzige Turnier-Debütant unter den Doppelstaatsbürgern.
Das Projekt Asiago
Asiago spielte von 2022 bis 2025 in der ICE Hockey League mit. Dieses Projekt wurde vom italienischen Verbandsboss Andrea Gios mit angeschoben. Sein Geburtsort sollte Anlaufstelle für nordamerikanische Cracks mit italienischen Ahnen bzw. bereits ausgestellten Pässen werden, die die IIHF-Meldefrist abwarten sollten.
Nochmals: Weder Gios noch Asiago bürgerten Spieler ein, es ging rein darum, mehr Cracks neben Bozen und Bruneck einen höherklassigen Klub in Italien zu bieten.
Der einzige Spieler aus diesem Projekt, der sich im Olympia-Kader wiederfindet: Flügel Nick Saracino, der am Ende seiner dritten Asiago-Saison nach Bozen und im heurigen Sommer nach Bruneck übersiedelte. Die letzte WM war sein Debüt für Italien.
Von den weiteren Ex-Asiago-Cracks befinden sich Center Bryce Misley (jetzt Bozen) und Winger Alex Ierullo (Pustertal) auf Abruf für Milan.
Weitere Doppelstaatsbürger, die sich die Serpentinen nach Asiago in der Hoffnung auf Olympia antaten, waren u.a. Randy Gazzola, Luke Moncada, Anthony Salinitri, Nick Porco oder Matteo Gennaro (heuer lange verletzt). Für sie alle erfüllte sich der Olympia-Traum via Asiago nicht...