Da hat es mich einfach mal umgehauen. Ich war nicht körperlich fertig, sondern emotional.
Ohne zu wissen, ob es für eine Medaille reicht, fiel bei Hütter nach der Zieldurchfahrt der ganze Druck ab. Die 33-jährige Steirerin sank zu Boden.
"Das war der bewegendste Moment, da hat es mich einfach mal umgehauen. Ich war nicht körperlich fertig, sondern emotional. Ich war einfach leer. So ein Gefühl hatte ich noch nie auf einer Skipiste", schildert Hütter.
Sämtliche Emotionen der letzten Tage und Wochen seien in diesem Moment abgefallen. "Das war irgendwie befreiend, wild, arg, schön, schlimm – alles zusammen in diesem Moment."
Hütter wollte die Medaille unbedingt, am Ende des Tages sei sie aber nur ein "physisches Ding". "Das, was ich heute während dem Fahren und im Ziel erlebt habe, toppt das."
Leidenszeit
Hütters Karriere, das ist lange Zeit eher eine Geschichte von Verletzungen als von Erfolgen.
Die Steirerin musste immer wieder auf schmerzliche Art und Weise erfahren, wie gnadenlos der Skisport sein kann.
In der Saison 2014/15 war Hütter dort, wo sie sportlich hin wollte, 2016 folgte der erste Weltcup-Sieg. Ihre Karriere sollte jedoch eine andere Richtung einschlagen, es kamen Jahre, in denen es einen Rückschlag nach dem anderen setzte.
2017: Kreuzband-, Innen- und Außenbandriss
2018: Lungenprellung, Milzläsion und Knorpelfraktur
2019: Kreuzband- und Innenbandriss
2020: Kreuzbandriss
2022: Schädel-Hirn-Trauma
"Das Feuer war längst weg", sagte Hütter in der Vergangenheit einmal über diese Seuchenjahre. "Ich habe mir gedacht: Der Skisport kann mich kreuzweise."
Und dennoch gab sie sich nicht geschlagen. Hütter arbeitete sich bis an die Weltspitze zurück. In der Saison 2023/24 gewann sie den Abfahrts-Weltcup, insgesamt hat sie bis dato zehn Weltcup-Siege und 23 weitere Podestplätze am Konto.
Die Olympia-Medaille ist nicht das Ende
Und die Speed-Spezialistin ist noch längst nicht fertig. Zwar sei ihre Olympia-Karriere mit dem heutigen Tag vorbei, ihre Ski-Karriere ist es aber noch nicht.
"Die Olympia-Medaille ist ein großer Meilenstein, aber nicht das Ende", sagt Hütter. "Ich habe schon noch ein bisschen was vor."
Sie habe in einer durchwachsenen Saison heuer erst einmal – mit dem Sieg in Val d'Isere – gezeigt, wo sie hin will. "Sonst war ich einfach oft angefressen auf mich selbst, weil ich es nicht hingebracht habe. Die Leichtigkeit habe ich heuer nie gefunden – bis jetzt."