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Medaille wäre "ein Lebenstraum" - Stary bereit für Paralympics

Die 19-Jährige will aber nicht nur um Medaillen kämpfen, sondern auch als Vorbild für beeinträchtigte Kinder gelten.

Medaille wäre "ein Lebenstraum" - Stary bereit für Paralympics Foto: © GEPA

Mit 19 Jahren reist Paraskifahrerin Elina Stary bereits zum zweiten Mal zu den Paralympics. Schon 2022 war die sehbeeinträchtigte Kärntnerin in Peking dabei und wurde im Riesentorlauf Vierte und im Slalom Sechste. In Cortina ist die elffache Weltcupsiegerin nun Medaillenkandidatin.

"Eine Goldene wäre schon cool", sagte Stary, die gerne als Vorbild wirken möchte. Sie wolle Kindern mit Beeinträchtigungen zeigen, "was möglich ist, wenn man an sich glaubt".

Stary wurde in eine Sportfamilie geboren - Vater Roman ist Ex-Fußballprofi, Mutter Petra fuhr im Snowboard-Europacup -, allerdings mit einem genetisch bedingten okulärem Albinismus. Durch diesen besitzt die Alpinskiathletin nahezu keine Sehkraft.

"Es ist wie, wenn man zu lange in die Sonne schaut. Dann fängt es vor den Augen zu flackern an. Das habe ich die ganze Zeit. Je heller, desto schlimmer. Je mehr Sonnenlicht da ist, desto mehr verschwimmt alles ineinander. Deswegen ist es brutal schwer, wenn wir auf einer Piste fahren, wo die Sonne total hell ist", beschreibt die Teenagerin ihr Handicap.

Eltern als große Unterstützung

Sie habe das Glück gehabt, in einer sehr sportlichen Familie aufzuwachsen. "Die Ärzte haben gesagt, ich werde keinen Sport machen können, ich werde nicht Rad fahren können, ich werde nicht selbstständig leben können. Wenn meine Eltern sich da unterkriegen hätten lassen, dann wäre mein Leben anders verlaufen", erzählte Stary, die dann sehr wohl mit Radfahren und Skifahren begann.

Sie fügte hinzu: "Sie haben immer gesagt, sie verstehen nicht, warum sie mir das jetzt nicht ermöglichen sollten, was ich gerne machen will - ob das jetzt Sport ist oder sonst etwas".

Erst in der Volksschule habe sie "gecheckt, dass ich wirklich anders bin, eben weil man dann halt merkt, man sitzt am leeren Blattl beim Schreiben." Entscheidend sei da die Einstellung der Eltern, viele würden wahrscheinlich gar nicht wissen, was trotz einer solchen Beeinträchtigung möglich sei, so Stary. "Ich bin behütet aufgewachsen, bin aber froh, dass ich alles machen habe können, was ich wollte und dann nicht jemandem gesagt hat: 'Pass auf, nicht, dass du dich verletzt, weil du sowieso nichts siehst.'"

Bisher sechs Weltcupsiege in dieser Saison

Das Engagement hat dazu geführt, dass Stary als Maturantin zu den Favoritinnen bei den Paralympics zählt. Sechs Weltcupsiege hat die vierfache WM-Medaillengewinnerin in diesem Winter gefeiert, zwei kleine Kristallkugeln für die Slalom- und Riesentorlaufwertung gab es obendrein.

Daher auch das enorm gestiegene Medieninteresse. "Das ist natürlich eine große Ehre und ich finde es cool, wenn wir nicht nur mich, sondern ein bisschen den Parasport mehr in die Öffentlichkeit bringen." In Cortina bestreitet Stary neben den beiden Technikdisziplinen auch den Super-G, ihrem ersten Rennen, und die Kombination.

Mit dabei ist ihr Guide Stefan Winter, der sich im Rennen immer zwei, drei Meter vor Stary befindet. "Das ist so der Idealabstand zwischen uns, dass ich ihn gerade noch sehe. Er hat so dunkle Sachen an, wie es eigentlich geht." Verbunden ist man mit Headsets, die in die Helme geschraubt wurden.

"Er gibt mir, wenn er den Schwung ansetzt, ein Signal. Er sagt 'Hopp!' und dann weiß ich, dass ich da meinen Schwung ansetzen muss, da ich ja die Tore nicht sehe." Stary betonte auch, dass der Guide "ein brutal guter Skifahrer sein muss. Wenn ich sage 'Schneller!', muss er innerhalb von ein, zwei Toren so beschleunigen, dass das wieder passt. Das ist die größte Herausforderung."

Medaille wäre "ein Lebenstraum"

In Cortina will das Duo nun aufs Stockerl fahren. "Es wird immer gesagt: 'Dabei sein ist alles.' Ich war schon einmal dabei. Ich habe keine Medaille geholt, das ist nicht alles", hielt Stary fest. "Eine Medaille wäre schon ein Wahnsinn. Es wäre auf jeden Fall ein Lebenstraum."

Stary will die paralympische Bühne aber nicht nur für den sportlichen Erfolg nützen, sondern hat auch ein gesellschaftliches Anliegen. "Ich würde gerne in eine Vorbildfunktion gehen und für Menschen mit Behinderung stehen, weil ich das so wichtig finde, dass man Vorbilder mit etwas Ähnlichem hat - jemanden, der anders ist. Mir hat das komplett gefehlt früher."

Dazu ergänzte sie: "Ich würde das total schön finden, wenn man Kindern und Jugendlichen - egal welche körperliche oder Sinnesbeeinträchtigung - einfach sagen kann, was möglich ist, wenn man an sich glaubt. Und meiner Meinung nach ist das das Wichtigste an unserem Sport."

Geholfen habe ihr noch eine andere Motivation. "Ich habe früher nicht verstanden, warum ich - genau ich jetzt - sehbeeinträchtigt bin, wo alle anderen Kinder in meinem Umfeld normal waren. Und dann hat mir meine Mama etwas gesagt, was mich seitdem geprägt hat: 'Ja, aber denk doch mal daran, der Gott hat doch nur jemanden eine Beeinträchtigung gegeben, wo er weiß, die sind so stark, damit umgehen zu können.' Nach dem lebe ich eigentlich. Und ich glaube, man kann sich seine Situationen im Leben immer so drehen, wie man es braucht."

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