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Gregor Biber: Nach der WM rückt der NHL-Traum näher

Der talentierte Verteidiger bestreitet mit Österreich seine zweite WM. Ab der nächsten Saison soll der Niederösterreicher in Nordamerika den nächsten Schritt machen.

Gregor Biber: Nach der WM rückt der NHL-Traum näher Foto: © GEPA

Gregor Biber zählt zu den jüngsten Spielern im österreichischen Kader bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Zürich.

Mit gerade einmal 19 Jahren nimmt der Verteidiger seine zweite WM in Angriff. Letztes Jahr war der Niederösterreicher ein Teil der Erfolgsmannschaft in Stockholm.

"Es ist schon etwas anderes als beim ersten Mal", gesteht das ÖEHV-Talent im Gespräch mit LAOLA1. "Alles ist familiärer. Das Land zu vertreten, erfüllt einen mit Stolz. Die Vorfreude ist gleich groß wie letztes Jahr. Es ist nur etwas einfacher, weil man alles kennt."

Ein Zeichen setzen

Am Tag vor dem WM-Auftakt gegen Großbritannien (Samstag, 12:20 Uhr im LIVE-Ticker >>>) machte das ÖEHV-Team beim letzten Training einen lockeren Eindruck.

Wir haben uns über die letzten Jahre den Status als unangenehme Mannschaft erarbeitet, die schnell spielt und dem Gegner unter die Haut geht.

Gregor Biber

Die Harmonie scheint zu stimmen, der Hunger ist groß. Biber sagt: "Jeder ist bereit und freut sich, dass es endlich losgeht. Viele Spieler sind schon ein paar Wochen dabei. Jetzt sind wir an dem Punkt angelangt, auf den sich jeder gefreut hat."

Gegen den A-WM-Aufsteiger soll gleich ein Zeichen gesetzt werden. Der Verteidiger betont: "Wir haben uns über die letzten Jahre den Status als unangenehme Mannschaft erarbeitet, die schnell spielt und dem Gegner unter die Haut geht."

Der 19-Jährige ist trotz der zahlreichen Ausfälle davon überzeugt, "dass wir viele Teams ärgern können."

Schlüsselspiele im Fokus

Im Fokus stehen die ersten beiden Begegnungen.

28 Stunden nach dem Großbritannien-Spiel geht es bereits gegen Ungarn (Sonntag, 16:20 Uhr im LIVE-Ticker >>>) weiter. "Jeder weiß, dass das die zwei Schlüsselspiele sind, die wir auf keinen Fall verschlafen dürfen", meint der Schweden-Legionär.

Das Motto lautet: Agieren, nicht reagieren. "Wir dürfen nichts Spezielles probieren, müssen unser Spiel einfach durchziehen und die Scheibe vorne reinhauen", erklärt der Wieselburger.

Titel verpasst, trotzdem Geschichte geschrieben

Biber ist als einer der letzten Spieler ins Nationalteam eingerückt.

Mit Rögle BK hatte der Abwehrspieler das Finale der schwedischen Eishockey-Liga SHL erreicht, die Serie gegen Skelleftea AIK wurde 1:4 verloren. "Es passiert nicht jedes Jahr, dass man so weit kommt. Deshalb ist es umso bitterer, dass wir verloren haben", so der Youngster.

Ich bin als Spieler gewachsen, habe dieses Jahr viel gelernt und trainiert. Ich hoffe, das wird man sehen.

Gregor Biber

Der verpassten Titel-Chance trauert er nicht unbedingt nach - allen voran deshalb, weil die Saison im Viertelfinale schon fast zu Ende gewesen wäre. Gegen Färjestad BK lag man fast aussichtslos 0:3 zurück, als erstes Team der SHL-Historie gelang der "reverse sweep". Die Serie wurde noch 4:3 gewonnen.

Biber: "Wir haben alles gegeben, uns im Viertelfinale zurückgekämpft. Die Final-Serie ist zwar nicht so verlaufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Trotzdem war es richtig geil, überhaupt dabei sein zu dürfen."

Viele Höhen und Tiefen

Das Saisonfazit fällt zwiespältig aus. "Es war nicht das einfachste Jahr, aber das gehört zur Entwicklung eines jungen Spielers dazu. Ich habe trotzdem eine gute Saison gespielt, wenn ich die Chance bekommen habe", sagt Biber.

Sein zweites Profi-Jahr wurde durch eine im Oktober erlittene Gehirnerschütterung etwas beeinträchtigt. "Das war nicht einfach", gibt Biber zu, "aber ich habe das gut überstanden und bin gut zurückgekommen."

Auswirkungen auf seine Spielweise hatte die Verletzung jedenfalls keine. "Die ersten Trainings mit Körperkontakt war ich schon vorsichtiger, aber im Spiel hat das keinen Platz. Zurückstecken ist keine Option", gibt er sich kämpferisch.

Deshalb beendet Biber das Resümee seiner Spielzeit folgendermaßen: "Es waren heuer viele Höhen und Tiefen dabei."

"Bin als Spieler gewachsen"

In diesem Jahr sei er auch gereift, das machte sich bereits bei Österreichs letztem Testspiel gegen Slowenien bemerkbar. Dort agierte Biber abgeklärt, ließ wenig anbrennen.

Der NHL-Prospect meint: "Man wächst mit jedem Jahr, traut sich von Jahr zu Jahr mehr zu. Ich bin als Spieler gewachsen, habe dieses Jahr viel gelernt und trainiert. Ich hoffe, das wird man sehen."

Die NHL rückt näher

Von den Utah Mammoth wurde dies genauestens beobachtet. Die NHL-Organisation hatte den 19-Jährigen im Draft 2024 in der vierten Runde gewählt und wird ihn demnächst mit einem dreijährigen Einstiegsvertrag belohnen.

"Das haben wir so ausgemacht", erklärt Biber, dass der Wunsch, nächstes Jahr erstmals in Nordamerika zu spielen, beidseitig bestand. "Utah hat gesagt, dass sie mich gerne drüben hätten. Und ich bin der Meinung, dafür bereit zu sein."

Ich habe drei Jahre Zeit. Wenn es im ersten Jahr nicht klappt, dann vielleicht im zweiten oder dritten.

Gregor Biber

Damit geht für ihn ein kleiner Traum in Erfüllung. "Darauf habe ich die letzten Jahre hingearbeitet", betont Biber.

Die letzten zwei Jahre nahm der Niederösterreicher jeweils am Development Camp teil, konnte dort bereits erste Eindrücke von der Franchise gewinnen. Das Feedback ihm gegenüber war stets positiv.

AHL-Platz praktisch fix

Wie nächste Saison mit ihm geplant wird, weiß Biber bereits. Er verrät: "Ich werde höchstwahrscheinlich in der AHL starten, mache davor die Camps mit. Man weiß nie, was passiert - aber es ist so vorgesehen, dass ich einen Platz in der AHL habe."

Damit rückt das große Ziel immer näher - die NHL. "Das will jeder erreichen, der einen Vertrag unterschreibt und rübergeht", macht Biber keinen Hehl aus seinen Ambitionen.

Dafür wird es aber auch Geduld brauchen, die der Wieselburger mitbringen will. "Ich habe drei Jahre Zeit. Wenn es im ersten Jahr nicht klappt, dann vielleicht im zweiten oder dritten. Ich habe keinen Stress."

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