Dänemark Dänemark DEN
Österreich Österreich AUT
Endstand
6:2
1:0, 1:1, 4:1
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Kommentar: Österreichs WM-Status? Es ist kompliziert

"Kompliziert" scheint Österreichs Wort der WM 2023 zu sein. Ausfälle dürfen keine Ausrede sein, das "Abstiegsduell" mit Ungarn droht:

Kommentar: Österreichs WM-Status? Es ist kompliziert Foto: © GEPA

Es wäre viel mehr möglich gewesen.

Mit einer 2:6-Niederlage im dritten Spiel der Eishockey-WM gegen Dänemark steuert Österreich jedoch unaufhörlich auf ein "Abstiegsduell" mit Ungarn am letzten Spieltag zu. Die Tabelle der Gruppe A >>>

Die Dänen waren keineswegs überlegen, wie es das Ergebnis vielleicht vermuten lässt. Vielmehr waren die Skandinavier einfach kaltschnäuzig, fast jede Top-Chance wurde auch verwertet.

Ganz anders war das beim ÖEHV-Team der Fall, dem in manchen Phasen sicher das Glück fehlte (gleich dreimal wurde die Stange getroffen), letztlich aber auch die Effizienz und Konsequenz. Besonders in der defensiven Zone, in der viele haarsträubende Fehler begangen wurden.

NHL-Legionär Marco Rossi übernahm danach Verantwortung, sprach die Dinge unmissverständlich an. Das Team habe "dumme Fehler gemacht", die auf diesem Level nicht akzeptabel seien.

Außerdem verortete der junge Vorarlberger eine gewisse Gemütlichkeit im Umgang mit der Scheibe, die ihren Ursprung womöglich im selbst auferlegten Druck findet.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Frankreich, Dänemark, Ungarn (und mit Abstrichen Deutschland) - diese Spiele wurden im Vorfeld als jene ausgemacht, in denen man realistisch Punkte erwarten darf und durfte. Und sowohl gegen die Franzosen als auch Dänen war eine größere Punkteausbeute gewiss nicht unrealistisch.

Eine Leistung wie gegen Dänemark hätte möglicherweise auch für Frankreich gereicht. Doch die begangenen Fehler waren genau dieselben. Österreich will über seinen Möglichkeiten spielen, versucht die schönen, komplizierten Plays statt den einfachen.

Nach den Pleiten gegen Frankreich und Schweden wurde jeweils betont, dass man das Spiel simpel halten müsse. Die Scheibe konsequent aus der eigenen Zone bringen, tief ins gegnerische Drittel befördern, den Kontrahenten mit hartem Forechecking unter Druck setzen und Scheibenverluste erzwingen.

In allen drei bisherigen Spielen war diese Spielweise auch phasenweise zu sehen, konnten so Turnovers des Gegners und eigene gute Aktionen kreiert werden. Aber Österreich schaffte es bislang nicht, über 60 Minuten konsequent sein Spiel durchzuziehen.

Manch einer hat vielleicht noch die fantastische WM 2022 noch im Kopf, als vieles leicht von der Hand ging. Teamchef Roger Bader machte vor Turnierbeginn gebetsmühlenartig deutlich, dass man nicht auf das letzte Turnier zurückblicken dürfe, im Hier und Jetzt leben müsse. Allerdings scheint das nicht jeder Spieler verstanden zu haben.

Ausfälle schmerzen, dürfen aber keine Ausrede sein

Hinzu kommt die Tatsache, dass einige Cracks nach einer langen und kräftezehrenden Spielzeit in ihren jeweiligen Ligen nicht an ihr übliches Leistungsniveau herankommen. Namen werden an dieser Stelle aus Respekt vor den Spielern keine genannt.

Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass mit Marco Kasper zweifelsohne einer der besten heimischen Spieler für die WM ausgefallen ist, der letztes Jahr mit seinem Hockey-IQ sowie seiner Energie, Zweikampfstärke und "Scheiß-dir-nix"-Mentalität viele Freiräume geschaffen hat und damit ein wertvolles "Asset" für die Mannschaft war.

Auch die Verletzung von Abwehr-Juwel David Reinbacher schmerzt, brachte der 18-Jährige doch viel Ruhe in das Defensivspiel und kurbelte zugleich die Offensive an.

Diese Ausfälle, und natürlich etliche weitere, dürfen jedoch keine Ausrede sein. Das ÖEHV-Team besitzt genügend Routine und Talent, um nicht schon wieder um den Klassenerhalt zittern zu müssen.

Das Worst-Case-Szenario rückt näher

Groß war die Hoffnung vor Turnier-Start, dass man den nächsten Schritt gemacht hat und sich heuer weiter als A-Nation etablieren kann.

Man will sich endlich dem Ruf einer Fahrstuhl-Nation entledigen, das ist das ganz große Ziel von Teamchef Roger Bader. Doch die Angst wird immer größer, dass zum Turnier-Ende der Gang in die Division 1A ansteht.

Im Nationalteam ist man sich längst bewusst, dass das Szenario "Entscheidungsspiel gegen Ungarn" wohl oder übel eintreten wird. Der erhoffte Vorteil des erzielten Punkts gegen Frankreich ist indes wieder dahin, da die Magyaren am Dienstagabend ihrerseits mit 3:2 n.OT gegen "Les Bleus" siegten.

Der ohnehin bereits große Druck wächst weiter, die Pleiten gegen Frankreich und Dänemark schmecken nun umso bitterer.

Einziger Hoffnungsschimmer: Nach aktuellem Stand der Dinge würde im Entscheidungsspiel gegen Ungarn ein Sieg in jeglicher Form den Klassenerhalt bedeuten. Bei Punktegleichheit zählt nämlich das direkte Duell.

Wie schwer es ist, solch eine Partie erst einmal zu gewinnen, hat man aber nicht zuletzt im Vorjahr gegen Großbritannien gesehen...


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