Schweiz (1./letztes Jahr 2.)
Erstmals die Top-Nation im World Ranking, kein Wunder bei drei Finalteilnahmen en suite, auch wenn diese immer in Niederlagen endeten. Dieser Platz korrespondiert aber nicht mit denen der Nachwuchsteams – ein großer Unterschied zu den anderen Top-Nationen und ein Hinweis darauf, dass die Spielerauswahl nicht unbegrenzt ausfällt.
Auch wenn das Team das älteste der WM war, sollte kein rapider Leistungsabfall bevorstehen. Allerdings muss zumindest die Goalieposition doch etwas Anlass zur Sorge geben – kann Akira Schmid eines Tages die bereits angegrauten Leonardi Genoni und Reto Berra ersetzen?
Kanada (2./2.)
Olympia, U20-WM, WM und U18-WM (in der Reihenfolge der Wichtigkeit) - vier Turniere und keine Goldmedaille, für ein Land wie Kanada ein annus horribilis. Vielleicht wird Hockey Canada bei der Aufarbeitung doch etwas aktiver, vor allem die Torhüterposition ist seit Jahren schon eine Baustelle.
Die kanadischen Teams werden aber trotzdem immer um Titel mitspielen, allerdings abhängig von Besetzung, Einstellung und Coaching.
USA (3./1.)
Olympia-Gold überstrahlt alles, der WM-Titel im letzten Jahr war ohnehin nur eine (erfreuliche) Ausnahme. Die Nachwuchsteams (zwei Mal U20-Gold in drei Jahren) prosperieren weiter, die USA sollten weiter an oder nahe der Weltspitze agieren.
Finnland (4./6.)
Nach drei Viertelfinal-Niederlagen jetzt wieder Gold – das finnische Eishockey ist wieder im Kommen, ohne je richtig weg gewesen zu sein. Vielleicht fehlt es auch in den nächsten Jahren im Vergleich zu den anderen Top-Nationen an dem einen oder anderen Spitzenmann, aber das kann Sisu mitunter wettmachen.
Finnland sollte auch bei einer Rückkehr von Russland in oder nahe den Top-4-Nationen rangieren.
Schweden (5./4.)
Der letzte Titel stammt von 2018, heuer war nicht zum ersten Mal im Viertelfinale Schluss. Am Spielermaterial liegt es nicht und der Nachschub sollte auch nicht versiegen – siehe Ivar Stenberg, Viggo Björck und Gold bei der U20 nach unzähligen Anläufen.
Vielleicht hilft ja der Trainerwechsel vom glücklosen Sam Hallam auf Rikard Grönborg, um die Tre Kronor wieder nach oben zu pushen.
Tschechien (6./5.)
Nach dem WM-Titel vor zwei Jahren sah sich Headcoach Radim Rulik als unangreifbar an und hielt seinen Goldjungs sowie vor allem Extraliga-Cracks über die Maßen die Treue, was in drei enttäuschenden Turnieren endete. Er wechselt jetzt nach Kladno, Nachfolger Zdenek Motak (61) und der neue GM Patrik Elias sollen die Spielerauswahl mit offeneren Augen angehen.
Dieser Pool ist aber doch kleiner als bei den Spitzennationen, auch wenn in puncto Goalies ein goldenes Zeitalter anbrechen könnte. Tschechien ist und bleibt ein Team des zweiten Viertels der 16 A-Nationen.
Deutschland (7./7.)
Vor gar nicht langer Zeit noch vor der Schweiz, was sich in den letzten Jahren aber gründlich drehte. Beide Nationen verfügten über einen limitierten Nachwuchspool – bestes Beispiel dafür: In der U18 treten beide nächstes Jahr in der Division 1A an. Die Schweiz kann das aber mit ihren Spitzenkräften (noch) besser kompensieren.
Unangenehm: Ausgerechnet vor der Heim-WM muss jetzt nach der Entlassung von Harold Kreis ein neuer Headcoach her. Noch kein direkter Grund für den Abfall, aber für die Zukunft besorgniserregend: Die erleichterten Einbürgerungsgesetze machen die neun Legionäre pro DEL-Team immer mehr zu einer bedeutungslosen Zahl.
Slowakei (8./8.)
Für die Slowakei wird eine Viertelfinalteilnahme (drei bei den letzten zehn Turnieren) immer ein Coup bleiben, kein anderes Team ist so in der Mitte der Rangliste einzementiert wie die Slowaken. Die großartigen Jahrgänge 2003 und 2004 blieben und bleiben weiter die Ausnahme in einem durchschnittlichen Spielerpool, auch herausragende Coaches bringt unser Nachbarland einfach nicht hervor.
Die Slowakei gehört eher zum dritten als zum zweiten Viertel unter den WM-Nationen, auch wenn der achte Platz noch anderes aussagt.
Lettland (9./10.)
Umbau bei laufendem Betrieb: Alleine vom Olympia-Aufgebot drei Monate zuvor unterschied sich der WM-Kader in 13 (!) Positionen, endlich gingen (oder wurden gegangen) Oldies wie Kaspars Daugavins oder Roberts Bukarts in die wohlverdiente (Team-)Pension.
Lettland wird in den nächsten Jahren stark von Zu- oder Absagen ihrer Nordamerika-Legionäre abhängig sein – kein Wunder, dass Goalgetter Eduards Tralmarks während des Turniers nachgemeldet wurde. Das verjüngte Team sollte sich im dritten Viertel ansiedeln können, mit Deutschland oder der Slowakei um die Viertelfinal-Plätze kämpfen.
Dänemark (10./9.)
Dem dritten Platz vom Vorjahr stehen acht Turniere ohne Viertelfinale davor und danach entgegen. Was auch gegen einen großen Aufschwung spricht: Im Gegensatz zu Lettland, Norwegen, aber auch Österreich steht der große Umbau noch bevor. WM-Cracks wie Philip Bruggisser, Markus Lauridsen, Jesper Jensen Aabo und die Super-Oldies Morten Poulsen und Frederik Storm nähern sich mit großen Schritten ihrem Ablaufdatum an.
In den letzten sechs NHL-Drafts wurden auch nur zwei Dänen gezogen, es stehen also nicht unbedingt viele Ausnahmetalente vor der Türe. Die nächsten Jahre könnten für Dänemark zäh werden, vor allem wenn Russland wieder dazukommt.
Norwegen (11./12.)
Letztes Jahr mit Ach und Krach dem Abstieg entronnen, heuer mit einem Erfolg gegen Kanada Dritter – wo ist das wahre Norwegen eishockeytechnisch angesiedelt? Wohl in der Mitte dieser Extreme, mit der Chance auf einen Stammplatz im dritten Viertel. Im Gegensatz zu Dänemark konnte das lange überalterte Team noch rechtzeitig erneuert werden, da schwachen Jahrgängen zuletzt weit stärkere folgten.
Bester Beweis dafür: Die U18 bestreitet 2026 ihr fünftes Turnier in Folge in der Top-Gruppe. Neben den Supertalenten dieser Jahre mit Stian Solberg und Michael Brandsegg-Nygard traten heuer auch Noah Steen, Tinus Luc Koblar und Mikkel Erikssen in den Vordergrund. Sie sollten in den nächsten Jahren den Nukleus eines Teams bilden, das sich im dritten WM-Viertel einreihen könnte.
Österreich (12./11.)
Mit Norwegen punktegleich in die WM gegangen, nach dem Turnier klafft aber ein Riesenloch zwischen diesen beiden Nationen. Ohne Russland und Belarus entwickelte sich das ÖEHV-Team zuletzt von einer Fahrstuhlnation zu einem Team, das den Klassenerhalt souverän schaffte, letztes Jahr sogar ins Viertelfinale einzog.
Der Spielerpool wurde über die Jahre breiter und jünger, was auch dringend notwendig war: Im Zweifelsfall sagen die Spitzenkräfte bei Verletzungen nämlich eher ab als Spieler aus anderen Nationen. Mit Clemens Unterweger und Peter Schneider standen heuer nur zwei ältere Semester im Kader, die WM diente daher als Vorschau auf eine Zukunft, die Chancen auf das dritte Viertel, aber eher doch auf erfolgreiche Abstiegspartien bereithält. Ein gradueller, aber unleugbarer Aufschwung.
Slowenien (13./15.)
Vor allem in der Abwehr kam über Jahre überhaupt kein Nachschub. Das hat sich zuletzt etwas gebessert, aber das Team ist weiter überaltert: Miha Stebih (34), Blaz Gregorc (36) oder Aleksandar Magovac (36) müssen ebenso zeitnah ersetzt werden wie Anze Kuralt, Ken Ograjensek (beide 34), Robert Sabolic und Rok Ticar (beide 37).
Mit zwei Klassenerhalten in Folge stoppte heuer immerhin der jahrzehntelange Fahrstuhl, doch in der A-Gruppe steht den Slowenen immer ein Kampf um den Klassenerhalt bevor.
Kasachstan (14./14.)
Nach einem Jahr in der Zweitklassigkeit kehrte das Team in den Top-Pool zurück, dem sie davor vier Jahre lang angehörten. Bis auf den 40-jährigen Roman Starchenko sah das Team in der 1A nachgerade juvenil aus. Mit der Ukraine bekam Österreich auf jeden Fall den leichteren der beiden Aufsteiger zugeteilt, die kasachischen Spieler kommen nämlich zumindest teilweise aus der KHL.
Ungarn (17./19.)
Zweimal der Klassenerhalt in Folge – wie Slowenien profitierte auch Ungarn davon, dass sich ohne Russland und Belarus immer noch ein schwächeres Team (heuer Großbritannien) in der Gruppe findet. Die Torhüterposition und die Defensive, wo ein Mangel an Puckmovern Bence Stipsicz zum Pointman der ersten PP-Formation machte, werden weiter Baustellen bleiben.
Ukraine (19./22.)
Ich glaube nicht, dass es in der Geschichte der IIHF-Weltrangliste eine Nation gab, die mit einem niedrigeren Punktewert in die A-Gruppe kam als die Ukraine. Alles andere als der Wiederabstieg für ein Team, das auf Tiefenspieler von Mannschaften aus schwachen Ligen zurückgreifen muss, wäre ein Wunder.
Frankreich (15.) und Absteiger Großbritannien (16.) würden punktetechnisch auch noch zur A-Gruppe gehören. Aber gerade in Frankreich – lange Zeit ein Fixpunkt in der Top-Gruppe und oft der Sargnagel für Österreich – schaut die Zukunft düster aus: Sowohl die U18 als auch die U20 spielen nächstes Jahr in der 1B, also der Drittklassigkeit.