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Wie gleich drei österreichische Talente in Quebec landeten

Der örtliche General Manager erklärt Bernd Freimüller, wie er auf das Trio kam und was die Überlegungen dahinter waren.

Wie gleich drei österreichische Talente in Quebec landeten Foto: © GEPA

Eine österreichische Eishockey-Enklave in Quebec: Die Baie-Comeau Drakkar zogen im CHL-Import Draft mit Jonathan Oschgan, David Waschnig und Johannes Dobrovolny gleich drei rot-weiß-rote Cracks.

Ein Gespräch von LAOLA1-Scout Bernd Freimüller mit General Manager Jean-Francois Gregoire enthüllt, wie es dazu kam:

Sechs Österreicher im letzten Import Draft, davon gleich drei bei einem Team. Doch im Gegensatz zum NHL-Draft, wo Team miteinander um die besten Cracks batteln und die Reihenfolge daher nicht vorauszusagen ist, ist im Import Draft vieles schon vorher abgeklärt.

Gregoire erklärt, wie die Pläne der Drakkar (nach einem Wikinger-Schiff benannt) dann in die Tat umgesetzt wurden.

Berührungspunkte durch den Sohn

"Mir hat vor allem mein Sohn Jeremy geholfen, der ja bei den Vienna Capitals unter Vertrag steht. Er hat also gegen alle dieser Spieler gespielt und mir berichtet, dass sie als Juniorenspieler bei den Erwachsenen nicht nur mitgeschwommen, sondern sehr wohl aufgefallen sind. Vor allem waren sie nie eingeschüchtert, haben keine Angst vor der Scheibe oder den Gegnern gehabt."

Danach folgte natürlich auch ein Video-Studium, die Scouting-Software "Hudl" kann ja auch jeden Spieler in jeden Shift zerlegen. Doch im April bekam Gregoire wieder Reports aus erster Hand: Assistant-GM Mario Durocher agierte als Assistant Coach von Litauen bei der U18-WM, sah das Trio also nicht nur bei der 1:4-Finalniederlage am Schlusstag spielen, als etwa Oschgan zweimal traf.

Video- und Livereports also für Gregoire, der die Hauptattraktion der drei für seine Organisation herausstreicht: "Alle drei haben bereits im Seniorenbereich gespielt, daher bringen sie eine gewisse Erfahrung und Spielverständnis mit."

Keine Integrationsprobleme

Die drei sind auch nach Junioren-Maßstäben keine "heurigen Hasen" mehr: Waschnig als 07er kann maximal noch zwei Saisonen (davon eine als Overager) spielen, Oschgan und Dobrovolny als 08er sind auch keine erstjährigen Jahrgänge (der nächstjährige Hauptjahrgang beim NHL Draft sind die 09er) mehr.

Eines befürchtet Gregoire nicht: Dass die drei Österreicher nur untereinander bleiben, sich nicht integrieren können. "Es wird zwar in der Stadt vor allem Französisch gesprochen, im und um das Team aber Englisch. Hier sollte es keine Probleme geben, die drei sind sicher reif genug, können umgekehrt einander aber auch helfen."

Wie sie eingesetzt werden, ist natürlich noch offen, unterliegt auch dem neuen Headcoach Patrice Bosch. Gregoire: "Vielleicht laufen sie in einer Linie auf, Oschgan ist jedenfalls als Center eingeplant. Aber das alles entscheidet sich erst im Camp."

Dank an Pilloni und Kasper

Spieler zu identifizieren, ist das eine, sie dann auch – als Package Deal – zu draften, das andere.

Gregoire: "Ich muss mich bei Pat Pilloni und Peter Kasper bedanken, die das möglich gemacht haben. Die Reihenfolge im Draft war für uns klar, aber dass alle drei zur Verfügung stehen, war natürlich nicht garantiert."

Der 53-jährige sicherte sich jedenfalls in Gesprächen mit den Spieler ab, dass sie auch tatsächlich kommen würden, was im CHL-Draft nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist. Daher werden große Namen auch oft gar nicht gezogen, da sie etwa Schweden oder Finnland ohnehin nicht verlassen würden.

Eine Art Wiederaufbau

Die Drakkar haben zwei völlig unterschiedliche Saisonen hinter sich: Vor zwei Jahren standen sie noch im Finale der QMJHL. Gregoire, der seit der Saison 2018/19 als Assistent, Head Coach und GM in Baie-Comeau agiert, wurde danach mit Trophäen überhäuft.

Im letzten Jahr dann alles anders: Spitzenspieler nahmen die erstmalige Möglichkeit der US-College-Route für sich in Anspruch, dazu kamen noch Verletzungen – erstmals seit 2015/16 verpassten die Drakkar die Playoffs.

Heuer soll natürlich alles wieder anders werden – der Coaching-Stab wurde runderneuert, Gregoire kann sich auf seine Aufgaben als GM konzentrieren.

Die Ziele für die nächste Saison? Gregoire: "Einerseits natürlich wieder dorthin, wo wir über die letzten Jahre meistens waren. Andrerseits so wie immer die Spieler besser zu machen und sie auf ihre Pro-Karriere vorzubereiten."

Jagen und Fischen

Was gibt es in Baie-Comeau noch zu tun? Nicht viel, in der Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern kann man sich laut Gregoire wirklich auf das Eishockey konzentrieren: "Jagen und Fischen sind noch die populärsten Freizeittätigkeiten."

Viel Zeit wird dafür aber natürlich nicht bleiben – neben den Online-Schul-Verpflichtungen warten lange Roadtrips. Die kürzeste Reise dauert 3 1/2 Stunden, die längste 15 (!).

Ab und zu wird auch geflogen, meistens erfolgt die Anreise aber per Bus am Vortag des Spiels.

Eine Chance, keine Garantie

Österreich erlebte heuer im CHL-Draft (immer noch in kleinerer Form) das, was vor allem in Tschechien oder der Slowakei schon seit Jahrzehnten Usus ist: Spieler, in die die Teams über Jahre investiert haben und die auch in der Ersten eingebaut wurden, suchen die Chance in Übersee.

Die Karrieren danach können völlig unterschiedlich ausfallen: Von gedraftet werden und Übersee-Laufbahn bis zu einer schnellen Heimkehr.

Einige Cracks nehmen aus dem Übersee-Abenteuer einiges an Selbständigkeit mit, andere müssen erst wieder an das frühere Niveau herangeführt werden. Was die Übersiedlung im Dreierpack bringt, sollte mehr als nur einen Blick in der nächsten Saison wert sein...

Die Kurz-Reports über das Trio:

Jonathan Oschgan (Black Wings Linz, 2008)

Kapitän im U18-Team. Kräftiger Eisläufer, schneller Antritt, genauer und ansatzloser Wrist Shot. Gute körperliche Entwicklung, kann sich im Verkehr durchtanken und hatte auch in der ICE kaum Anpassungsprobleme.

David Waschnig (KAC, 2007)

Hat Körper in den letzten Jahren gut ausgefüllt, kann daher auch gegen Männer mithalten. Center, der natürlich über den Flügel im den Erwachsenenbereich kommt. Ehrlicher, verlässlicher Zwei-Weg-Spieler, Offensivpotential könnte für Österreich durchschnittlich ausfallen.

Johannes Dobrovolny (KAC, 2008)

Nach zwei Jahren mit Verletzungen letzte Saison erstmals durchgehend fit und mit ersten Einsätzen beim KAC. Speed fällt immer ins Auge, sehr starker Antritt. Auch guter Schuss, Kombination davon verspricht auch Scoring-Potential. Übersicht und Spielverständnis sind noch ausbaufähig.

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