Marco Rossi: Das Warten auf den Draft

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Das Scouting Combine ist vorbei, am Freitag (21.6.) steigt der NHL-Draft in Vancouver. Ein stressreiches Monat für die Prospects, die meisten davon Jahrgang 2000 und 2001.

Davon ausgenommen: Österreichs Ausnahmetalent Marco Rossi. Als spät im Jahr 2001 Geborener (kam nach dem 15. September zur Welt) sieht der Vorarlberger das Ganze nur als Außenstehender.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Blick auf Rossis abgelaufene Saison bei den Ottawa 67's und seine Zukunft inklusive möglichem Draft:

Viel besser hätte es für den Vorarlberger in seinem ersten Jahr in der OHL nicht laufen können: Dreimal "Rookie of the month" (Oktober, November, Jänner), zudem mehr als ein Punkt pro Spiel im Grunddurchgang (29 Tore und 36 Assists in 53 Spielen) und auch in den Playoffs (6 Tore/16 Assists in 17 Spielen).

Am Ende der Saison folgte dann auch noch die Nominierung für das "2nd All-Rookie-Team" der OHL.

Die individuellen Erfolge kamen aber nicht in einem Vakuum zustande – Rossi trug mindestens ebenso viel zum Gesamterfolg der Ottawa 67's bei, wie die ganze Organisation ihm auch beim Einleben half.

Die 67's schrammten heuer nach eher mageren Jahren nur ganz knapp am großen Coup vorbei: Die Truppe von Headcoach Andre Tourigny war mit 106 Punkten aus 68 Spielen das einzige Team mit einer dreistelligen Punktezahl und ließ in den Playoffs auch gegen Hamilton, Sudbury und Oshawa keine einzige Niederlage zu.

Der Erfolgslauf ging auch im Finale gegen das Team Guelph Storm weiter, die 67's gewannen die ersten beiden Spiel. Danach war aber Schluss, Storm drehte die Serie und sicherte sich die Finals mit 4:2-Siegen.

War die Verletzung von Goalie Michael DiPietro in Spiel zwei der Schlüsselmoment?

Rossi verneint: "Cedrick Andree hat danach auch super gehalten. Wir waren wohl schon mit den Gedanken zu weit." In einer Super-Saison blieben den Ottawa 67's am Ende einzig der OHL-Titel und damit die Teilnahmeberechtigung am Memorial-Cup verwehrt.

Rossi: "Bin ohne Erwartungen hinübergeflogen"

Ist das Jahr für Rossi so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hat? "Ich bin eigentlich ohne große Erwartungen hinübergeflogen, habe nicht genau gewusst, was mich erwartet. Aber die 67's sind eine großartige Organisation und haben mir irrsinnig geholfen."

Tourginy – zum OHL-Coach der Saison gewählt – schwärmt auch vom Österreicher: "Marco hat nicht nur mit seinen Punkten, sondern auch mit seiner Defensivarbeit voll überzeugt und war für uns ein Schlüsselspieler." Die Arbeit im eigenen Drittel fiel Rossi auch nicht schwer: "Ich habe im Jahr zuvor in Zürich schon gegen Senioren gespielt – da wird dir das schon antrainiert."

Der einzige kleine Wermutstropfen in einer fast perfekten Saison: Eine Ellbogenverletzung Ende November legte ihn für sechs Wochen lahm und kostete ihn auch die Teilnahme an der U20-WM in Füssen, was Rossi auch bedauert: "Schade, die Tickets waren schon gebucht, ich habe mich auf das Turnier sehr gefreut. Vielleicht habe ich aber am Ende der Saison von der Verletzungspause kräftemäßig sogar profitiert."

In den Playoffs verpasste Rossi nur ein Spiel, nachdem er von einem Gegenspieler schmerzhaft am Kopf getroffen wurde.

Was Rossi verbessern muss

Rossi kehrte schon zwei Tage nach dem Playoff-Ausscheiden nach Österreich zurück, konnte mit Freundin und Familie zwei Wochen in seiner Heimat Rankweil relaxen.

Aktuell steht er aber bereits wieder voll im Trockentraining, bevor zwei Camps anstehen: Mitte Juli in Ottawa mit den 67's, danach in Florida von seinem Agenten Serge Payer veranstaltet. Worauf legt Rossi in diesem Sommer sein Hauptaugenmerk? "Ich muss meinen Top-End-Speed noch verbessern", spricht er von einem kleinen Manko, das im Juniorenbereich natürlich noch weniger ins Gewicht fällt als später.

Wie Michael Grabner (ebenfalls ein spätes Geburtsdatum) ging Rossi schon eine Saison vor seinem Draftjahr nach Übersee. Die größte Umstellung: "Es gibt hier mehr Battles an der Bande, die Transition ist auch schneller. Vor allem im Kopf muss man hier bereit sein."

Dieser Umstellungsprozess fällt heuer genauso weg, wie das Leben bei einer Gastfamilie. Die Schule – Anwesenheitspflicht zwei- bis dreimal in der Woche – sollte mit Ende der nächsten Saison abgeschlossen sein.

Das Warten auf Rossis Draftjahr

Der Elefant, der im Raum steht? Der Draft 2020!

Rossi bescherte mir heuer schon die angenehmen (und bei Österreichern viel zu seltenen) Momente, dass NHL-Scouts und sogar Vertreter des höheren Managements auf mich zukamen und von Rossi sprachen, ohne dass ich seinen Namen erwähnt hatte. "He was something special", so etwa Ross Mahoney, Assistant GM der Washington Capitals.

Worauf läuft das für Rossi hinaus? Einen Erstrunden-Pick? Oder gar mehr?

Nach meinem Geschmack etwas zu früh, dass ich mich hier festzulege. Ich habe schon genug Spieler erlebt, die sich im Laufe einer Saison nach oben, aber auch nach unten spielten, ob mit Verletzungen oder ohne. Die ersten ernstzunehmenden Einschätzungen für den nächsten Draft sollten nach dem sommerlichen Ivan Hlinka-Turnier erstellt werden.

Rossi lässt auch das auf sich zukommen, schätzt aber den 2020-Draft als sehr stark ein. Hat er sich da etwa schon mit der Konkurrenz beschäftigt? Möglich, aber der 17-Jährige war als Hockey-Nerd über jedes Draftjahr sehr gut informiert, gehört zu den Spielern, die auch die Geschehnisse außerhalb seiner Liga verfolgen.

Das Warten auf Rossis Draftjahr – bei später im Jahrgang Geborenen wie ihm noch um ein Jahr länger – hat also bald ein Ende. Noch sind Vorhersagen Kaffeesudleserei, aber immerhin wäre ein Draft eines Österreichers für einmal keine Riesensensation mehr.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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